OR-Labor
Das Transportproblem in der Betriebswirtschaftslehre
Problemformulierung
Allgemein formuliert lautet das Transportproblem: Ein homogenes Gut, das an den Orten Ai (i=1,...,m) in den Mengen ai angeboten wird, soll zu den Orten Bj (j=1,...,n) transportiert werden, an denen eine Nachfrage von bj besteht. Die Kosten des Transportes einer Mengeneinheit (ME) von Ort Ai zum Ort Bj betragen cij. Wieviele ME sollen vom Ort Ai zum Ort Bj transportiert werden, so dass die Nachfrage erfüllt wird und die Gesamttransportkosten minimal sind ?
Ohne Einschränkung der Allgemeinheit kann man annehmen, dass eine Transportverbindung von jedem Ort Ai zu jedem Ort Bj existiert. Soll auf einer Verbindung auf keinen Fall ein Transport stattfinden (was gleichbedeutend mit dem Fehlen der Verbindung ist), so erreicht man dies durch die Definition unendlich hoher Transportkosten.
Das Problem der Transportkostenminimierung wird in dieser Form allgemein als das
klassische Transportproblem bezeichnet. Das Adjektiv klassisch hat angesichts der
historischen Bedeutung dieses Problems durchaus seine Berechtigung, denn die
Formulierung als mathematisches Modell und seine Analyse mit Hilfe mathematischer
Verfahren kann man als eine der ersten OR-Studien überhaupt ansehen. DANTZIG (1966),
der selbst maßgeblich Anteil an der Behandlung der Transportprobleme hatte,
skizziert die Meilensteine dieser Entwicklung.
- Die erste Formulierung stammt von
KANTOROWICH
(1939). - Das erste Lösungsverfahren, die sog. MODI(=Modified Distribution)-Methode,
wird von DANTZIG
1951 entwickelt. - Auf der primalen Simplex-Methode basiert die sog. Stepping-Stone-Methode von CHARNES und COOPER (1954).
- Es werden Eröffnungsverfahren zur Bestimmung einer zulässigen Ausgangslösung, wie z.B. die sogenannte Nord-West-Ecken-Methode oder die Matrix-Minimum-Methode entwickelt.
- FORD und FULKERSON (1957) interpretieren das Transportproblem als Flussproblem und lösen es mit Hilfe von Flussmaximierungsverfahren.
Anwendungen
Verschiebung von Eisenbahnwaggons
Die Verteilung leerer Güterwaggons stellt ein aus betriebswirtschaftlicher Sicht
interessantes Optimierungsproblem dar, nicht zuletzt weil jede Bahngesellschaft daran
interessiert sein muss, die Anzahl der Leerfahrten zu minimieren.
Formuliert man die Aufgabe als Transportproblem mit m Ausgangs- und n
Zielorten, wobei die »Anbieter« Ai am Abend eines
Tages eine Anzahl von Waggons in ihren Bahnhöfen stehen habe, die am nachfolgenden
Tag von den »Nachfragern« Bj benötigt werden.
Die Waggons müssen im sogenannten Nachtsprung verschoben werden. Hauptziel ist die
Deckung aller Bedarfe und damit die maximale Zufriedenheit der Kunden.
Für eine konkrete Fragestellung zu den Güterbahnhöfen von Darmstadt,
Mainz, München, Saarbrücken, Essen, Bremen, Hamburg und Lübeck besteht
die Möglichkeit mit einem Applet dieses Problem experimentell
mit verschiedenen, im Kurs 000852-KE2 vorgestellten Algorithmen zu lösen.
Literatur
- Jandy, G.: Optimale Transport- und Verkehrsplanung, (Physica, Würzburg, 1967).
- Rechnergesteuerte Leerwagenverteilung (LWV), zahlreiche Beiträge verschiedener Verfasser, Die Bundesbahn 67-4 (1991) 389-431.
Applet-Seite
Es wurde von uns ein Applet programmiert, mit dem es möglich ist, das Transportproblem mit unterschiedlichen Algorithmen zu lösen. Implementiert sind die Eröffnungsverfahren »Zeilenfolge-Methode«, »Zeilen-Spalten-Minimum-Methode«, »Matrix-Minimum-Methode« und »Vogels-Approximations-Methode«.
FernUniversität in Hagen
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Forschungsbereich Operations Research