Europäische Literatur der Neuzeit
4456: Einführung ins Drama

Hausarbeit
Klausur

Autor: Lothar Pikulik

Betreuung: Holger Dainat

Erstellen einer Hausarbeit zum Studienbrief 4456:

Es bieten sich grundsätzlich vier Typen von Hausarbeiten an:

(1) eine Arbeit unter Verwendung des Begriffsinstrumentariums, das der Studienbrief (insbesondere zur Handlungsanalyse) anbietet, zur Beschreibung und Analyse eines ausgewählten Textes der dramatischen Weltliteratur
(2) eine Arbeit, die zwei (oder mehr) historisch unterschiedliche Dramen unter Gesichtspunkten vergleicht, die der Studienbrief anbietet
(3) eine Arbeit, die einen oder mehrere der im Studienbrief thematisierten Aspekte oder Begriffe anhand ausdifferenzierender Beschreibung der betreffenden Sachverhalte in mehreren Dramen näher beleuchtet
(4) eine Arbeit, die einem oder mehreren der im Studienbrief thematisierten Aspekte oder Begriffe - evtl. unter Hinzuziehung eines (historischen) poetologischen oder dramentheoretischen Textes - nachgeht

Folgende Hausarbeiten wurden oder werden gerade geschrieben. Nach dem Muster der vier Typen lassen sich jedoch - nach Ihren eigenen Vorlieben - beliebig viele weitere Themen entwickeln:

  • Racines Phädra als klassisches Drama (1)
  • Handlung und Figurenkonstellation in Shakespeares Macbeth (1)
  • Lenz' Hofmeister als Drama in offener Form (1)
  • Klingers Die Zwillinge als Drama in geschlossener Form (1)
  • Zur Figurenkonstellation in Hugo von Hofmannsthals Der Abenteurer und die Sängerin (1)
  • Das Konzept der Freiheit in Schillers Die Braut von Messina (1)
  • Handlung als Gattungs- und Strukturmerkmal in Shaws Pygmalion (1)
  • Die formale Einheit in Schnitzlers Reigen (1)
  • Brechts Parabelstück Der gute Mensch von Sezuan als Musterstück seines epischen Theaters (1)
  • Becketts En attendant Godot als Drama jenseits klassischer Form (1)
  • Die Bedeutung der Exposition für das Verständnis des Dramas. Dargestellt an Shakespeares Merchant of Venice (1)
  • Henrik Ibsens Peer Gynt als Mischform dramatischer Formprinzipien (1)
  • Gerhart Hauptmanns naturalistisches Drama Die Weber als Drama der offenen Form (1)
  • Hebbels Judith als dramatische Bearbeitung einer apokryphen alltestamentarischen Legende (1 ?)
  • Vergleich der Handlung in Sophokles' und Brechts Antigone (2)
  • Vergleichende Analyse der Iphigenie-Dramen von Euripides und Goethe auf der Grundlage des Handlungskonzepts der Aristotelischen Poetik (2)
  • Vergleich verschiedener dramatischer Bearbeitungen des Medea-Stoffes (Euripides, Seneca, Corneille, Anouilh, Jahnn) (2)
  • Vergleich der Figurenkonstellationen in Hauptmanns Rose Bernd und Wagners Kindermörderin unter besonderer Berücksichtigung der titelgebenden Heldin (2)
  • Das analytische Drama im Vergleich von Komödie und Tragödie: Der zerbrochene Krug - Ödipus Rex (2)
  • Die Problematik menschlichen Handlens im modernen Drama (anhand konkreter Beispiele) (3)
  • Die Rolle des Chors in der antiken Tragödie (3)
  • Die Funktion der weiblichen Hauptfiguren im Bürgerlichen Trauerspiel (anhand Emilia Galotti und Kabale und Liebe) (3)
  • Wer ist die tragische Hauptfigur in Sophokles' Antigone? (3)
  • Der Begriff der Handlung als Zentrum der Poetik des Aristoteles (4)
  • Die Transformation der aristotelischen Katharsis-Lehre in Lessings Hamburgischer Dramaturgie (4)
  • Spannung als zentrales Moment dramatischer Handlung und der Dramenrezeption (im Vergleich verschiedener Formtypen) (4)

Zum Procedere: Sie benachrichtigen mich kurz über Ihre Themenwahl oder über ein zu entwickelndes Thema und besprechen dieses gegebenfalls mit mir. Startpunkt für die sechswöchige Bearbeitungsfrist ist mein "o.k.", das ich gebe, nachdem ich einen (evtl. zu modifizierenden) Gliederungsvorschlag von Ihnen erhalten habe. Die Arbeit selbst sollte dann in einem Exemplar mit den nötigen Angaben hier eingereicht werden. Sie sollte den Umfang von ca. 15 bis 20 Seiten weder deutlich über- noch unterschreiten. Ich bemühe mich dann, die Arbeit so schnell als möglich zu korrigieren und Ihnen samt eines Kommentars zurückzuschicken.

Vorbereitung auf die Klausuren zum Studienbrief 4456:

Je eines der zwei (Semesterabschlußklausur) bzw. drei (Zwischenprüfung) Themen ist ohne, eines mit zugrundeliegendem Textausschnitt. Sie haben es also immer mit einer Aufgabe zu tun, in der Sie einige der Inhalte des Studienbriefs zur Analyse eines dramatischen (oder dramenpoetologischen) Textes verwenden sollen, und mit einer, in der Sie andere Inhalte des Studienbriefes systematisch und unter Hinzuziehung frei zu wählender Belegbeispiele erörtern sollen. Im Falle der dritten Aufgabe für die Zwischenprüfung habe ich außerdem noch ein Thema freier Wahl, das aber im allgemeinen einem der beiden Aufgabentypen zuzurechnen sein wird.

Daraus ergibt sich für Ihre Vorbereitung folgendes: Sie müssen nichts auswendig wiedergeben können (der Studienbrief ist keine Bibel), sondern sollten möglichst viel verstanden haben. Dazu ist es womöglich nötig, der einen oder anderen 'Spur' im Studienbrief nachzugehen (etwa einen Blick in Aristoteles' Poetik zu werfen). Sie müssen sich aber darüber hinaus nicht durch weitere Sekundärliteratur hindurcharbeiten. Was Sie verstanden haben, sollten Sie für sich möglichst präzise und knapp zusammenfassen und vor allem wiedergeben können. Für das allgemeine Thema ist es außerdem von Vorteil, wenn Sie zwei oder drei möglichst unterschiedliche Dramen so weit präsent haben, daß Sie sie zu Belegzwecken einsetzen können. Zu diesem Zweck - und der dient natürlich auch dem allgemeinen Verständnis - sollten Sie einige der im Studienbrief genannten (oder auch andere) Dramen unter den im Studienbrief thematisierten Aspekten noch einmal gezielt durcharbeiten.

Die Anforderungen für die zwei Klausurtypen sind - dem Ziel entsprechend - etwas unterschiedlich. (Das bedeutet aber kein anderes Niveau, sondern einfach nur eine unterschiedliche Zielvorgabe). Die Abschlußklausur setzt als Überprüfung des Studienerfolgs bzgl. dieses einen Kurses tendenziell nur die Kenntnis der Inhalte des Studienbriefs (und allgemeine Kenntnisse) voraus. Die Zwischenprüfung hingegen zielt als Abschluß des Grundstudiums weniger auf die detailgenaue Kenntnis der Studienbriefinhalte ab als vielmehr auf einen literaturwissenschaftlich und literaturhistorsich fundierten Umgang mit diesen Inhalten.

Die letzten beiden Semesterabschlußklausuren stellten diese Aufgaben:

17.3.03:

1. Als Textanlage finden Sie anbei den "Prolog", den Bertolt Brecht seiner Bearbeitung der "Antigone" des Sophokles 1951 vorangestellt hat.
Beschreiben und analysieren Sie diesen Text insbesondere
a) im Hinblick darauf, wie er die eigentliche Bühnenhandlung vorbereitet und einleitet und damit versucht, die Rezeption durch das Publikum zu lenken, und
b) im Hinblick darauf, wie und zu welchem Zweck hier typische Textstrategien und Verfahrensweisen des epischen Theaters realisiert werden.

2. Erläutern Sie die Behandlung von Zeit in den folgenden Dramenform-Typen: (a) Drama der geschlossenen Form; (b) Drama der offenen Form; (c) analytisches Drama.
Zur "Behandlung von Zeit" gehören wesentlich die folgenden Aspekte: (1) Einheit der (Handlungs-)Zeit; (2) Verhältnis von (Handlungs-)Gegenwart und Vergangenheit; (3) Kontinuität des Zeitverlaufs; (4) Verhältnis von Spielzeit und gespielter Zeit.
Belegen Sie Ihre Überlegungen nach Möglichkeit an jeweils einem Beispiel.

9.9.02:

1. Erläutern Sie anhand eines selbst gewählten Beispiels den Begriff der offenen Form, wie er gerne für Dramen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert in Anschlag gebracht wird.
Gehen Sie dabei insbesondere auf die (offene) Konzeption der Handlung solcher Dramen und ihre gegenüber den Dramen ‘geschlossener Form’ veränderte Darstellungsabsicht ein.

2. Als Textanlage zu dieser Aufgabe finden Sie das kurze "Gespräch über die Karten" des sovjetrussischen Avantgardisten Aleksandr Vvedenskij aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Erörtern Sie, inwieweit dieser Text – insbesondere bzgl. der Text-, Schauplatz- und Figurengestaltung – von der abendländischen Dramentradition bzw. von Dramatik überhaupt abweicht.
Erörtern Sie außerdem, inwiefern die Handlung dieses ‘Gesprächs’ von der Tradition abweicht und/oder geschlossen ist.

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20.11.03, Redaktion