Christian Friedrich Nasse


Arzt, Psychiater

 

Geboren: 18. 04. 1778 in Bielefeld

Gestorben: 18. 04. 1851 in Marburg

 

Promotion: 1801 in Halle (Medizin)

Lehrtätigkeit: 1815 - 1819 Halle, 1819 - 1851 Bonn

 

Nasse, der sich nach einer kurzen kaufmännischen Ausbildung dazu entschlossen hatte, wie sein Vater und sein Großvater Mediziner zu werden, begann 1796 sein Studium in Halle. Dort wurde Johann Christian Reil sein Lehrer. Nasse befreundete sich in dieser Zeit mit Achim von Arnim und Friedrich von Raumer.

Nach seiner Promotion ließ sich Nasse als praktischer Arzt in Bielefeld nieder, wo er später die Leitung des städtischen Armenhospitals übernahm. 1805 heiratete er Henriette Weber, mit der er 1814 Bielefeld wieder verließ. Über Göttingen und Leipzig kam Nasse nach Dresden, wo er Carl Gustav Carus kennenlernte. In Weimar erreichte ihn schließlich der Ruf, die Nachfolge Reils in Halle anzutreten. Der 1813 verstorbene Reil, der Nasse schon 1810 für einen Lehrstuhl in Berlin vorgeschlagen hatte, hat sich selbst noch für Nasse als seinen Nachfolger stark gemacht. 1819 wechselte dieser nach Bonn und blieb dort bis zu seinem Tod Lehrstuhlinhaber.

Unter den philosophischen Schriften waren es diejenigen Herbarts, die Nasse intensiv beschäftigten. Von der Naturphilosophie hielt er sich eher fern. 1818 gründete er die Zeitschrift für psychische Ärzte, die später unter dem Titel Jahrbücher für Anthropologie weiter erschien. Als diese Publikation nicht mehr zu halten war, gab Nasse gemeinsam mit Max Jacobi die Zeitschrift für Heilung und Beurtheilung krankhafter Seelenstörungen heraus. Aus der Edition des Archivs für thierischen Magnetismus zog er sich dagegen 1822 zurück, weil er Mängel in der theoretischen Fundierung und zahlreiche Täuschungen bei der Beobachtung erkannt zu haben glaubte.

Nasse gilt als erster deutscher Kliniker, der die Diagnostik am Krankenbett ausgeübt und in die Vorlesungen eingebracht hat. Seine wissenschaftliche und akademische Tätigkeit hatte er bis zuletzt trotz zunehmender körperlicher Beschwerden durchgeführt. Nasses letzte Arbeit, die die Therapie des Brantweinmißbrauchs betraf, wurde von seinem Sohn Werner fertiggestellt.


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