Bernard Dieterle / Manfred Engel / Dieter Lamping / Monika
Ritzer:
KulturPoetik eine Zeitschrift stellt sich vor
Heute ist der kulturgeschichtliche Ansatz die wichtigste und zukunftsträchtigste
Richtung der Literaturwissenschaft. Das hat sich herumgesprochen. Weniger klar ist
allerdings, was genau mit der neuen Zauberformel "Literaturwissenschaft als
Kulturwissenschaft" gemeint sein soll.
Kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft ist zunächst einmal durch ihren besonderen
Blick und durch ihr besonderes thematisches Interesse bestimmt: Sie betrachtet Literatur
als Teil der Gesamtkultur, also in ihrer Mitwirkung an Konstitution, Tradierung und
Veränderung von kulturellen Sinn- und Zeichenbildungen. Daher interessiert sie sich
besonders für anthropologische Grundthemen (wie etwa: Liebe, Tod, Rausch, Wahnsinn,
Traum, Körperlichkeit, Sozialkonventionen, Geschlechterrollen) und die zugehörigen
Kulturtechniken sowie für interkulturelle Kontakte und Konflikte. Sie untersucht
Wechselwirkungen zwischen der Literatur und dem Wissenssystem, zwischen Literatur und
anderen Medien (Intermedialität und Medienkonkurrenz) und den literatureigenen medialen
Beitrag zu kultureller Kommunikation, Zeichenbildung und Wahrnehmungsformung. Sie fragt
aber auch nach dem Poetischen in der Kultur, nach proto-poetischen Elementen im
Wissenssystem, in den Medien, den sozialen Verkehrsformen, dem Alltagsleben.
Methodisch ist die kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft bisher nur sehr vage
konturiert; KulturPoetik wird für alle Richtungen offen sein, auch für die
nicht-etablierten die Herausgeber wünschen sich rege und kontroverse Diskussionen.
KulturPoetik erscheint jährlich in zwei Heften mit insgesamt ca. 300 Seiten.
Jedes Heft enthält neben dem Aufsatz- und dem Rezensionsteil (ab Heft 2) auch die
Abteilungen: "Forum" (für kurze Statements zu aktuellen Fragen oder für
Stellungnahmen zu Artikeln des vorangegangenen Heftes); "Veranstaltungshinweise/Calls
for Papers" und "Neuerscheinungen". Hierfür bitten wir um Hinweise und
Beiträge unserer Leser!
Die ersten beiden Nummern von KulturPoetik haben den Charakter eines Themenheftes (1), da sie aus den Beiträgen eines Kolloquiums mit dem
Titel "Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft?" bestehen. Diese schöpfen
ein Reservoir konzeptueller und methodischer Innovation aus, das ganz aus der
Forschungspraxis heraus entwickelt wurde und so die bisherige bekannte und
wohldokumentierte Theoriedebatte (2) auf
willkommene und anregende Weise ergänzt. Daher erschienen sie den Herausgebern als
besonders geeignet, um ein neues Zeitschriftenprojekt zu eröffnen. Für die folgenden
Hefte sind wir auf Beitragsangebote angewiesen und hoffen auf Aufsätze aus
möglichst vielen Ländern und aus den unterschiedlichsten Schulen
kulturwissenschaftlichen Arbeitens.
KulturPoetik soll ein Forum für alle Bereiche kulturgeschichtlicher
Literaturwissenschaft sein. Der Name der Zeitschrift ist Programm: Hier geht es sowohl um
das Kulturelle der Literatur wie um das Literarische der Kultur. Theoretische Beiträge
sind ebenso willkommen wie gegenstandsorientierte Untersuchungen. Da kulturgeschichtliche
Literaturwissenschaft auf Grenzüberschreitungen aller Art abzielt, sind wir an
interdisziplinären und komparatistischen Arbeiten besonders interessiert.
Auf zweierlei legen die Herausgeber besonderen Wert: (1) Auch kulturgeschichtliche
Literaturwissenschaft soll Literaturwissenschaft bleiben, also weder die Eigenart ihres
disziplinären Blickes aufgeben noch die Eigenleistung und die Eigendynamik übersehen,
die der Literatur innerhalb der Gesamtkultur zukommt. KulturPoetik wird zwar mitunter auch
Beiträge von allgemein kulturellem Interesse abdrucken, bleibt im Kern jedoch eine
literaturwissenschaftliche Zeitschrift. (2) Alle Beiträge sollen so geschrieben sein,
dass sie nicht nur Fachwissenschaftler, sondern auch interessierte Laien ansprechen.
Die Zeitschrift wendet sich an Studierende, Dozentinnen
und Dozenten der Kulturwissenschaft, der philologischen Fächer (besonders der
Germanistik, Anglistik und Amerikanistik, Romanistik und Komparatistik) und aller
philosophie- und wissenschaftsgeschichtlichen Disziplinen; an Lehrerinnen und Lehrer der
geisteswissenschaftlichen Fächer; an Kulturschaffende aller Berufsgruppen; an alle
Leserinnen und Leser, die an Kultur und Literatur und an deren gemeinsamer Geschichte
interessiert sind.
Bezugsbedingungen sind im Internet oder über den Verlag erhältlich. Wir verweisen
besonders auf das günstige Kennenlern-Angebot und die Sonderkonditionen für Studenten!
Die Herausgeber
(1) Auch in Zukunft wird etwa jedes zweite Heft von KulturPoetik
ein eigenes Thema oder einen Thementeil haben, wofür auch externe Herausgeber willkommen
sind. [zurück]
(2) Vgl. die diesem Heft beigegebene Bibliographie. [zurück] |