Am Samstag, 28.
September, strahlt das WDR-Fernsehen von 8.30 bis 9.00 Uhr in der Reihe
"FernUniversität – Wissenschaft direkt" einen aktuellen Bericht zum
Thema Hausmüll aus. Wissenschaftler des Interdisziplinären Fernstudiums
Umweltwissenschaften der FernUniversität Hagen vermitteln hierin
Hintergründe zu den Themen Müll und Dosenpfand, das zurzeit die Gemüter
erhitzt. Bei der Zuspitzung auf die Frage „Dosenpfand: Ja oder Nein?"
wird oft vergessen, wie kompliziert die Maßnahmen zur Eindämmung der
stetigen Mülllawine sind. Der Film soll Licht ins Dunkel
abfallpolitischer und rechtlicher (Un)-Zuständigkeiten bringen.
Die Mülllawine rollt.
Rund 400 Kilogramm Müll produziert jeder Bundesbürger Jahr für Jahr und
es wird nicht weniger. Aber immerhin – auch dies zeigt der von der
FernUniversität gedrehte Film – hat sich die abzulagernde Müllmenge
erheblich vermindert, weil die Abfallverwertung rasant zugenommen hat.
Dank Biotonne, Glas- und Papiersammlung sowie Grünem Punkt bzw. Gelbem
Sack wird heute rund 40 Prozent des Hausmülls verwertet. Gleichzeitig
entwickelten sich die bundesdeutschen Haushalte zu kleinen
Recyclingcentern.
Statt 50.000
Müllkippen in den 60-iger Jahren gibt es heute nur noch rund 370
geordnete und abgedichtete Deponien. 61 Müllverbrennungs- und 27
mechanisch-biologische Restabfallbehandlungsanlagen sowie mehr als 600
Kompostierungs- und Vergärungsanlagen für Bioabfälle verringern
deutschlandweit die abzulagernde Müllmenge. Bei der Abfalltrennung sind
die Deutschen Weltmeister nicht nur zu Hause, sondern auch im
großtechnischen Bereich, wie die weltweit erste vollautomatische
Sortieranlage für Verpackungsabfälle in Hannover-Anderten zeige, so die
Wissenschaftler der FernUniversität.
Angesichts sinkender
Mehrwegquoten und hoher Kosten ist der 1991 eingeführte und einst
gepriesene Gelbe Sack ins Gerede gekommen. Wurden 1990 noch mehr als 73
% der Getränke in Pfandflaschen verkauft, so liegt der Anteil jetzt nur
noch bei ca. 64 %. Ein wesentlicher Grund hierfür ist der Preis. Während
zum Beispiel der Liter Bier in Dosen und Einwegflaschen im Mai 2001 etwa
eine Mark zwanzig kostete, betrug der durchschnittliche Preis für die
Pfandflasche fast zwei Mark. Ursache für die Preisunterschiede sind
unter anderem die vom Handel bei Einweg eingesparten Lager- und
Transportkosten. Die höheren Kosten für die Beseitigung der
Einwegabfälle werden indes von der Allgemeinheit getragen und nicht vom
Handel oder vom einzelnen Konsumenten. Insofern zeugt es von
Realitätssinn, wenn die Befragten Deutschen 1998 zu über 80 Prozent
empfehlen, Produzenten mit Gesetzen zu abfallärmeren Produkten zu
zwingen.
Das dachte sich einst
sicher auch Bundesumweltminister Klaus Töpfer, jetzt Direktor des UN
Umweltprogramms (UNEP), als er 1991 die Verpackungsverordnung einführte,
da freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie hatten keine
Fortschritte gebracht hatten. Nun sollten Mehrweg- und Recycling-Quoten
sowie das Duale System Deutschland (DSD GmbH) die Verpackungsabfälle
verringern. Dennoch liegt seit Jahren der Mehrweganteil bei
Getränkeverpackungen unter der geforderten Quote von 72 Prozent.
Deswegen musste
Bundesumweltminister Jürgen Trittin nun laut § 9 Absatz 2
Verpackungsverordnung ein Pflichtpfand einführen. Am 1.1.2003 könnte
dann das Pflichtpfand für Getränkeverpackungen, so weit sie Bier,
Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Säfte, Fruchtnektare oder Wein
enthalten, in Kraft treten.
Aber ganz so einfach
ist es nicht. Auch wenn es in einer gesetzlichen Verordnung steht, muss
dies kein geltendes Recht sein oder werden. Auf Grund einer Klage von 35
Handelsketten, Getränke- und Verpackungshersteller gegen das Dosenpfand
hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht am 10. September 2002
entschieden, dass das Dosenpfand in der vorgesehenen Form gegen das drei
Jahre nach der Verpackungsverordnung eingeführte Kreislaufwirtschafts-
und Abfallgesetz verstoße und deswegen nicht eingeführt werden dürfe
(Aktenzeichen 17 K 1907/02). Die letzte Entscheidung wird wohl das
Bundeserwaltungsgericht in Leipzig treffen.
Das Beispiel Abfall
zeigt: Im Umweltbereich wirken Recht, Politik, Technik, Kultur,
individuelles Verhalten und Wirtschaft zusammen – mit offenem Ausgang.
Entsprechend bedarf es einer interdisziplinären Zusammenarbeit vieler
wissenschaftlich-technischer Fächer, um die Probleme zu verstehen und
angemessene Problemlösungen zu erzielen.
Im Rahmen des
Interdisziplinären Fernstudiums Umweltwissenschaften bieten
Wissenschaftler der FernUniversität Hagen Lehrinhalte aus den Bereichen
Umweltmanagement, Umweltpolitologie, Umweltpsychologie, Umweltrecht und
Umweltökonomie an. Wissenschaftler des kooperierenden
Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik
UMSICHT in Oberhausen ergänzen die praxisnahen Bereiche Abfall,-
Energie- und Energiewirtschaft, Umweltchemie, Umweltverfahrenstechnik,
Ökologie und Umweltbiotechnologie.
Bewerbungen zum berufsbegleitenden
Weiterbildungsstudium, das in vier Semestern im Teilzeitstudium mit dem
Master of Environmental Sciences abgeschlossen werden kann, sind
jederzeit möglich. Infos unter
www.fernuni-hagen.de/umwelt, Volker
Vorwerk, FernUniversität Hagen, Tel. 02331 987 4927,
umwelt@fernuni-hagen.de,
Fax 02331 987-19 4927.