September 2002 

Einweg, Grüner Punkt oder Pfanddose?
FernUni-TV vermittelt Hintergrundwissen

Am Samstag, 28. September, strahlt das WDR-Fernsehen von 8.30 bis 9.00 Uhr in der Reihe "FernUniversität – Wissenschaft direkt" einen aktuellen Bericht zum Thema Hausmüll aus. Wissenschaftler des Interdisziplinären Fernstudiums Umweltwissenschaften der FernUniversität Hagen vermitteln hierin Hintergründe zu den Themen Müll und Dosenpfand, das zurzeit die Gemüter erhitzt. Bei der Zuspitzung auf die Frage „Dosenpfand: Ja oder Nein?" wird oft vergessen, wie kompliziert die Maßnahmen zur Eindämmung der stetigen Mülllawine sind. Der Film soll Licht ins Dunkel abfallpolitischer und rechtlicher (Un)-Zuständigkeiten bringen.

Die Mülllawine rollt. Rund 400 Kilogramm Müll produziert jeder Bundesbürger Jahr für Jahr und es wird nicht weniger. Aber immerhin – auch dies zeigt der von der FernUniversität gedrehte Film – hat sich die abzulagernde Müllmenge erheblich vermindert, weil die Abfallverwertung rasant zugenommen hat. Dank Biotonne, Glas- und Papiersammlung sowie Grünem Punkt bzw. Gelbem Sack wird heute rund 40 Prozent des Hausmülls verwertet. Gleichzeitig entwickelten sich die bundesdeutschen Haushalte zu kleinen Recyclingcentern.

Statt 50.000 Müllkippen in den 60-iger Jahren gibt es heute nur noch rund 370 geordnete und abgedichtete Deponien. 61 Müllverbrennungs- und 27 mechanisch-biologische Restabfallbehandlungsanlagen sowie mehr als 600 Kompostierungs- und Vergärungsanlagen für Bioabfälle verringern deutschlandweit die abzulagernde Müllmenge. Bei der Abfalltrennung sind die Deutschen Weltmeister nicht nur zu Hause, sondern auch im großtechnischen Bereich, wie die weltweit erste vollautomatische Sortieranlage für Verpackungsabfälle in Hannover-Anderten zeige, so die Wissenschaftler der FernUniversität.

Angesichts sinkender Mehrwegquoten und hoher Kosten ist der 1991 eingeführte und einst gepriesene Gelbe Sack ins Gerede gekommen. Wurden 1990 noch mehr als 73 % der Getränke in Pfandflaschen verkauft, so liegt der Anteil jetzt nur noch bei ca. 64 %. Ein wesentlicher Grund hierfür ist der Preis. Während zum Beispiel der Liter Bier in Dosen und Einwegflaschen im Mai 2001 etwa eine Mark zwanzig kostete, betrug der durchschnittliche Preis für die Pfandflasche fast zwei Mark. Ursache für die Preisunterschiede sind unter anderem die vom Handel bei Einweg eingesparten Lager- und Transportkosten. Die höheren Kosten für die Beseitigung der Einwegabfälle werden indes von der Allgemeinheit getragen und nicht vom Handel oder vom einzelnen Konsumenten. Insofern zeugt es von Realitätssinn, wenn die Befragten Deutschen 1998 zu über 80 Prozent empfehlen, Produzenten mit Gesetzen zu abfallärmeren Produkten zu zwingen.

Das dachte sich einst sicher auch Bundesumweltminister Klaus Töpfer, jetzt Direktor des UN Umweltprogramms (UNEP), als er 1991 die Verpackungsverordnung einführte, da freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie hatten keine Fortschritte gebracht hatten. Nun sollten Mehrweg- und Recycling-Quoten sowie das Duale System Deutschland (DSD GmbH) die Verpackungsabfälle verringern. Dennoch liegt seit Jahren der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen unter der geforderten Quote von 72 Prozent.

Deswegen musste Bundesumweltminister Jürgen Trittin nun laut § 9 Absatz 2 Verpackungsverordnung ein Pflichtpfand einführen. Am 1.1.2003 könnte dann das Pflichtpfand für Getränkeverpackungen, so weit sie Bier, Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Säfte, Fruchtnektare oder Wein enthalten, in Kraft treten.

Aber ganz so einfach ist es nicht. Auch wenn es in einer gesetzlichen Verordnung steht, muss dies kein geltendes Recht sein oder werden. Auf Grund einer Klage von 35 Handelsketten, Getränke- und Verpackungshersteller gegen das Dosenpfand hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht am 10. September 2002 entschieden, dass das Dosenpfand in der vorgesehenen Form gegen das drei Jahre nach der Verpackungsverordnung eingeführte Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz verstoße und deswegen nicht eingeführt werden dürfe (Aktenzeichen 17 K 1907/02). Die letzte Entscheidung wird wohl das Bundeserwaltungsgericht in Leipzig treffen.

Das Beispiel Abfall zeigt: Im Umweltbereich wirken Recht, Politik, Technik, Kultur, individuelles Verhalten und Wirtschaft zusammen – mit offenem Ausgang. Entsprechend bedarf es einer interdisziplinären Zusammenarbeit vieler wissenschaftlich-technischer Fächer, um die Probleme zu verstehen und angemessene Problemlösungen zu erzielen.

Im Rahmen des Interdisziplinären Fernstudiums Umweltwissenschaften bieten Wissenschaftler der FernUniversität Hagen Lehrinhalte aus den Bereichen Umweltmanagement, Umweltpolitologie, Umweltpsychologie, Umweltrecht und Umweltökonomie an. Wissenschaftler des kooperierenden Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen ergänzen die praxisnahen Bereiche Abfall,- Energie- und Energiewirtschaft, Umweltchemie, Umweltverfahrenstechnik, Ökologie und Umweltbiotechnologie.

Bewerbungen zum berufsbegleitenden Weiterbildungsstudium, das in vier Semestern im Teilzeitstudium mit dem Master of Environmental Sciences abgeschlossen werden kann, sind jederzeit möglich. Infos unter www.fernuni-hagen.de/umwelt, Volker Vorwerk, FernUniversität Hagen, Tel. 02331 987 4927, umwelt@fernuni-hagen.de, Fax 02331 987-19 4927.

 
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