Computerbasiertes Training numerischer Verfahren (Teil 1)

Mathematik-Online-Kurs 1272

Liebe Fernstudentin, lieber Fernstudent,

ich begrüße Sie zum Kurs 1272 Computerbasiertes Training numerischer Verfahren (Teil 1).

Der Kurs wird Online angeboten und soll den Teilnehmern interaktiv und multimedial ein tieferes Verständnis von Inhalten, wie sie in Kursen mit numerischen Inhalten dargelegt werden, ermöglichen (1173, 1183 Teil 1, 1271, 1372, 1152 Teil 2). Die Teilnehmer erhalten Zugriff auf 5 Blöcke von Java-Applets:

Die Applets sind interaktiv gestaltet, so dass der Nutzer "experimentieren" kann. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, die Applets "auf Herz und Nieren" zu überprüfen. Sollten Ihnen Bugs oder allgemeine Ungereimtheiten auffallen, schicken Sie mir bitte eine Email mit einer möglichst genauen Beschreibung des aufgetretenen Problems.

Die folgenden Abschnitte enthalten die zur Numerischen Mathematik entwickelten Java-Applets.

Wachstumsgleichungen

Iterationsverfahren bilden eine Grundlage der numerischen Mathematik. In diesem Abschnitt unterrsuchen wir das Iterationsverhalten für verschiedene Wachstumsfunktionen.

Applet Geradeniteration

Wie der Name schon sagt, ist hier die Wachstumsgleichung eine Gerade. Die Steigung der Gerade und der Iterationsstartwert können im Applet eingegeben werden. Graphisch erhält man die Iterationswerte, indem man den Graphen der Geraden und die Winkelhalbierende in einer "Iterationstreppe" ausgehend vom Startwert durchläuft. Die Gerade ist mathematisch gesehen das einfachste Wachstumsmodell. Reale Prozesse (beispielsweise der epidemiologische Verlauf einer Krankheit in einem Kindergarten) lassen sich nur sehr beschränkt mit Hilfe dieses linearen Wachstumsmodells beschreiben Dennoch ist die Geradeniteration eine schöne Motivation für Iterationsverfahren und diskrete dynamische Systeme.

Applet Parabeliteration

In diesem Applet liegt als Wachstumsfunktion eine Parabel vor. Die Parabeliteration hat in den letzten Jahren großes Interesse bei Mathematikern, Naturwissenschaftlern und interessierten Laien gefunden, da man an ihr trotz ihrer Einfachheit typische Phänomene von dynamischen Systemen studieren kann. Das Applet Parabeliteration zeigt, daß sich eine nichtlineare Rekursion qualitativ sehr unterschiedlich verhalten kann, je nachdem, welchen Wert ein "Steuerparameter" hat. Jenseits eines bestimmten Steuerparameters tritt Chaos ein, ein Phänomen, das Mathematiker, Physiker, Biologen, Chemiker, ja sogar Astronomen, Ökologen und Volkswirte gleichermaßen fasziniert, weil es in ihren Arbeitsbereichen Systeme gibt, die sich chaotisch verhalten. Beispiele hierfür sind neben Populationsmodellen etwa chemische Reaktionen, das Wetter und volkswirtschaftliche Modelle. Auch der oben erwähnte epidemiologische Verlauf einer Krankheit in einem Kindergarten läßt sich mit der Parabel als Wachstumsmodell besser beschreiben. Man bezeichnet dieses verbesserte Modell als das logistische Wachstumsmodell, weil es auch berücksichtigt, daß für das Wachstum der Epidemie "Nachschub" in Form von Kranken vorhanden sein muß.

Applet Funktioneniteration

Im Applet Funktioneniteration kann die Wachstumsfunktion mit Hilfe eines Funktioneneditors frei gewählt werden. Wie in den beiden oberen Applets geht es darum, ausgehend von einem Startwert die Iteration graphisch durchzuführen. Allerdings ist hier die genaue Analyse des Konvergenz-Divergenzverhaltens und die Bestimmung von Attraktoren weitaus schwieriger. Genaugenommen handelt es sich bei den Iterationsschritten um eine Fixpunktiteration, und daher ist das grundlegende theoretische Hilfsmittel der Banachsche Fixpunktsatz. Der Banachsche Fixpunktsatz garantiert für eine große Klasse von Abbildungen die Existenz und die Eindeutigkeit eines Fixpunktes. In diesem Fall ist dann auch die Konvergenz der Iterationsfolge für jeden Startwert gegen diesen Fixpunkt gesichert. Lesen sie dazu den Text des Mathe-Assistenten, und probieren Sie die Parametervorgaben im Menü des Applets aus.


Nullstellen von Funktionen

Eine wichtige Grundaufgabe der Numerik ist es, Verfahren bereitzustellen, die es ermöglichen, die Lösung(en) einer nichtlinearen Gleichung f(x)=0 zu bestimmen, sofern solche überhaupt existieren. Da man nur für wenige Funktionen explizite Lösungsformeln kennt, z.B. wenn f ein Polynom von höchstens viertem Grad ist, geht man i.a. näherungsweise vor. Das untenstehende Applet soll Nullstelleniterationen anhand von zwei Verfahren, dem Newton- und Sekanten-Verfahren demonstrieren und die Iterationsschritte graphisch darstellen. Weiter soll das Applet auch zeigen, daß die Verfahren zur Bestimmung von Nullstellen nicht problemlos sind.

Applet Nullstelleniteration

Eine wichtige Grundaufgabe der Numerik ist es, Verfahren bereitzustellen, die es ermöglichen, die Lösung(en) einer nichtlinearen Gleichung f(x)=0 zu bestimmen, sofern solche überhaupt existieren. Da man nur für wenige Funktionen explizite Lösungsformeln kennt, z.B. wenn f ein Polynom von höchstens viertem Grad ist, geht man i.a. näherungsweise vor. Das untenstehende Applet soll Nullstelleniterationen anhand von zwei Verfahren, dem Newton- und Sekanten-Verfahren demonstrieren und die Iterationsschritte graphisch darstellen. Weiter soll das Applet auch zeigen, daß die Verfahren zur Bestimmung von Nullstellen nicht problemlos sind.


Interpolation mit algebraischen Polynomen

In vielen Anwendungsgebieten, wie z. B. in der Physik, ist es zur Analyse von Meßreihen unumgänglich, zunächst eine geeignete Funktion zu finden, die die gewonnenen Meßdaten interpoliert, d.h. deren Graph die Meßpunkte enthält. Häufig werden dabei zusätzliche Forderungen an die gesuchte Funktion gestellt, wie etwa bestimmte Glattheitseigenschaften oder einfache Berechenbarkeit der Funktion. Ein besonders "gutmütige" Klasse von Funktionen ist hierbei der Raum der algebraischen Polynome eines gegebenen Grades. Zum einen sind Polynome beliebig oft stetig differenzierbar, also in hohem Maße glatt, andererseits lassen sie sich mit geeigneten Algorithmen wie dem von Horner sehr schnell auswerten.

Applet Die Lagrange'schen Grundpolynome

Mittels dieses Applets können die Lagrange'schen Grundpolynome angezeigt werden. Zur folgenden Erläuterung siehe auch diesen Screenshot. Im Graphikbereich (1) können bis zu 10 Knoten mittels Mausklick erzeugt werden. Diese werden als blaue Kästchen auf der X-Achse angezeigt. Mit dem Button "Knoteneingabe beenden" kann diese erste Ausführungsstufe beendet werden. Danach können die Knoten im Graphikbereich in beliebiger Reihenfolge angeklickt werden. Das zu diesem Knoten gehörende Lagrange'sche Grundpolynom wird dann im Graphikbereich angezeigt. Mit dem Button "Neu" kann das Applet in seinen Ausgangszustand zurückversetzt werden. Fehler werden in der Statuszeile (2) angezeigt.

Applet Die Newton'schen Grundpolynome

Die Funktionsweise ist dieselbe wie bei den Lagrange'schen Grundpolynome.

Applet Die Polynominterpolation

Mit Hilfe dieses Applets können Sie zu einer beliebigen Funktion bzw. einer frei wählbaren Knotenmenge das interpolierende Polynom berechnen und anzeigen lassen. Das Applet startet mit Screenshot 1. Im Graphikbereich (2) können zunächst mittels Mausklick beliebige Knoten eingegeben werden. Ein Klick auf den "Zeichnen"-Button zeichnet dann das durch diese Knoten verlaufende Interpolationspolynom. Bei der Knoteneingabe werden die Koordinaten der Knoten in den beiden X/Y-Feldern (3) angezeigt. Nach dem Einzeichnen des Polynoms können Sie im Graphikbereich durch Bewegung des Mauszeigers einen Punkt über die Kurve des Polynoms führen und dessen jeweilige Koordinaten in (3) ablesen. Klicken auf den "Neu"-Button setzt das Applet in seinen Ausgangszustand zurück. Ein Klicken auf "Wertetabelle" in der Tabulatorleiste (1) führt Sie zu Screenshot 2. Dort wird jeweils die gerade bearbeitete Knotenliste in der Tabelle (4) angezeigt sowie der Term des Interpolationspolynoms in Standardform im Textfeld (5). Eingaben sind in dieser Tafel nicht möglich. Ein Klick auf "Einstellungen" führt Sie zu Screenshot 3. Dort können Sie einige Einstellungen vornehmen, die die Funktionsweise des Applets verändern. Bisher haben Sie die zu interpolierenden Knoten graphisch direkt in das Koordinatensystem eingezeichnet. Ein Klick auf den "Funktion interpolieren"-Button (7) erlaubt es nun aber auch, Funktionen zu interpolieren. Den zu interpolierenden Funktionsterm geben Sie dazu in Standardnotation in Feld (8) ein. Für die Wahl der Interpolationsstellen haben Sie nun mehrere Möglichkeiten: Sie können in (9) eine durch Kommata getrennte Liste von aufsteigend sortierten X-Werten im Bereich [-1,1] angeben, an denen die Funktion interpoliert werden soll. Entscheiden Sie sich für diese Möglichkeit, können Sie nach Eingabe der Liste wieder zur Tafel "Graph" wechseln und mit dem "Zeichnen"-Button das Polynom erzeugen. Andererseits können Sie aber auch aus zwei voreingestellten Knotenverteilungen wählen: Äquidistant verteilte oder Tschebyscheff-Knoten. Geben Sie dazu zunächst im Feld (10) die gewünschte Anzahl der Knoten an und klicken Sie dann auf einen der beiden Buttons zur Wahl der gewünschten Knotenverteilung. In der Knotenliste (9) sollten nun die gewünschten Knoten erscheinen. Mit dem "Zeichnen"-Button auf der Tafel "Graph" können Sie dann das Interpolationspolynom sowie die zu interpolierende Funktion betrachten.