>>QM meets ethics<<

 

Qualitätsmanagement und Ethik

 

 

 

 

Dr. med. Gunther Lauven

Buschgasse 22

50321 Brühl

13.04.2000

 

 

 

 

Inhalt

 

1          Zusammenfassung

2          Einführung

3          Begriffsklärungen

3.1       Ethik

3.2       Wirtschaftsethik

3.3       Qualitätsmanagement

3.4       Qualität

3.5       Management

3.6       To meet, >>sich begegnen<<

4          Geschichte der Qualitätssicherung

5          Umfassendes Qualitätsmanagement

6          EFQM

7          Utilitarismus

8          Utilitarismus und Qualitätsmanagement

9          Qualitätsmanagement ist unvollständig

10        Christliche Ethik am Beispiel des Leitbildes der St. Elisabeth-Stiftung

11        Warum Ethik alleine nicht ausreicht

12        QM meets ethics

13        Fazit

14        Ausblick: Das persönliche EFQM-Modell

15        Literaturverzeichnis

 

 

 

1 Zusammenfassung

 

Ethik beschäftigt sich als Disziplin der Philosophie mit der Lehre von der Moral, äußert sich in verschiedenen Subdisziplinen und nimmt Einfluß auf konkrete Daseinszustände, z.B. in Form der Wirtschaftsethik.

 

Qualitätsmanagement (QM) ist eine Methode der Unternehmensführung und zugleich eine Unternehmensphilosophie, die mit Hilfe der Definition von Qualität “gutes” Handeln im Unternehmen operationalisiert. Auch wenn QM als Sub-Subdisziplin der Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsethik als Sub-Subdisziplin der Philosophie recht unterschiedlich anmutende Wurzeln aufweisen, so haben sie in der Konkretisierung sehr viel gemein.

 

Der vorliegende Beitrag klärt Grundbegriffe, beschreibt gegenüberstellend Schnitt- und Berührungspunkte zwischen QM und Ethik, stellt das EFQM-Modell als operationalisierte Variante Umfassenden Qualitätsmanagements (UQM) vor und versucht es aus der utilitaristischen Wirtschaftsethik herzuleiten. Anschließend wird ein Unternehmensleitbild mit seinen Wurzeln in christlicher Ethik und Soziallehre vorgestellt. Es wird aufgezeigt, inwiefern in diesem konkreten Beispiel das eigene Unternehmensleitbildes und Qualitätsmanagement auf einander angewiesen sind und sich mittig begegnen.

 

 

2. Einführung

Spätesten mit dem Übergang von QM[1] zu UQM bleibt QM nicht mehr einzig eine Methode der Unternehmensführung. Durch den Anspruch, alle Mitarbeiter einer Organisation einbeziehen zu wollen und sich extrem am Kunden auszurichten, wird UQM zu einer Unternehmensphilosophie. Es ist daher legitim, auch nach den Anknüpfungspunkten des UQM in der Philosophie zu suchen und diese aufzudecken.

 

UQM ist eine Philosophie der Nutzenmaximierung für alle beteiligten Partien und läßt sich am ehesten an die utilitaristische Ethik anknüpfen. UQM enthält ebenso Elemente der Diskursethik. Dennoch ist UQM in erster Linie dem Utilitarismus zuzuordnen.

 

Die utilitaristische Ethik beherrscht die Erde in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Ihre praktische Präsenz ist schier erdrückend. Diese Ethik hat stets die Effizienz auf ihrer Seite. Sie ist damit immer einen Schritt schneller als eine sozialutopische Ethik (z.B. Marxismus), eine theologisch begründete Ethik (z.B. die christliche Soziallehre) und auch die zeitraubende und ermüdende Diskursethik. Der hemmungslos Pragmatismus befriedigt derartig viele Bedürfnisse des Menschen, daß der Vernunft im Sinne des kategorischen Imperativs sowie der Menschenwürde (ob im humanistischen oder christlichen Sinne) der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Diese Stimmen werden schier erstickt.

 

Die Geschichte der letzten Jahrzehnte läßt die These reifen, daß der Sozialismus und das Christentum sich selbst erledigen, der Liberalismus kraftlos dahindümpelt und die ökologische Ethik in die Nähe einer Scheuklappenideologie gerät. Auf der Weltbühne findet z.B. gar keine Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Christentum, sondern nur noch die Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Utilitarismus westlicher Prägung statt.

 

1. These: Da die diskursethischen Elemente des UQM keinen Selbstzweck darstellen, sondern dem Nutzenprinzip untergeordnet sind, werden sie irgendwann einmal sang- und klanglos demontiert. Dies dürfte dann der Fall sein, wenn sie dem Nutzenprinzip im Wege stehen.

 

2. These: UQM ist damit leider nicht so weit von inhumen Tendenzen entfernt, wie man es insbesondere in Deutschland mit der Umbenennung in UQM wünscht.

 

3. These: UQM enthält zahlreiche Ansätze (Transparenz, Information, Selbstbewertung, Mitarbeiterorientierung, gesellschaftliche Verant-wortung etc.), für die das Nutzenprinzip keine Ausschließlichkeit beanspruchen kann. Diese Elemente bieten eine gute Grundlage für einen ethischen Diskurs. Da das Nutzenprinzip den Vorteil des praktischen Gelingens ja nun einmal mitbringt, ist zu überlegen, ob und wie sich die nicht - utilitaristischen Ethiken die Gestaltungsprinzipien des UQM selbst zu Nutze machen bzw. einverleiben können.

 

4. These: Es gilt, das UQM Modell um eine nicht - utilitaristische Ethikkomponente zu erweitern, welche der UQM-Idee übergeordnet ist.

 

 

3. Begriffsklärungen

3.1. Ethik

Pieper[2] definiert Ethik “als eine Disziplin der Philosophie ... [und] ... als Wissenschaft vom moralischen Handeln. Sie sucht die menschliche Praxis im Hinblick auf die Bedingungen ihrer Moralität zu begründen. Dabei ist mit Moralität vorerst jene Qualität gemeint, die es erlaubt, eine Handlung als eine moralische, als eine sittlich gute Handlung zu bezeichnen.”[3]

Der Begriff der Ethik ist auch auf die Arbeitswelt anwendbar. Pieper schreibt hierzu: “Der Arbeit ...[wird]... an sich selber ein Wert zuerkannt, oder anders gesagt: Arbeit ist nicht allein definiert durch die technischen Regeln, die einen reibungslosen Arbeitsprozess ermöglichen, sondern Arbeit ist zugleich eine Tätigkeit, die auf der Basis von moralischen Regeln ausgeübt wird - besonders dort, wo andere Menschen mittelbar oder unmittelbar mitbetroffen sind.”[4]

 

Zur Operationalisierung von Ethik schreibt Pieper: “Eine Pragmatik ohne Ethik wäre ebenso inhuman, wie eine Ethik ohne Pragmatik praktisch folgenlos bliebe und damit ihren Sinn - nämlich dazu beizutragen, die Welt durch eine veränderte Praxis zu verbessern - verlöre. Die ethische Reflexion auf das moralische Ziel und die pragmatische Reflexion auf die angemessenen Mittel gehören in der Praxis untrennbar zusammen, soll nicht die Ethik eine praktisch folgenlos bleibende reine Theorie des menschlichen Willens und die Pragmatik eine hinsichtlich der Moralität der gesetzten Ziele unkritische Theorie des durch menschliches Tun Machbaren sein. Moralität der Zielsetzung und Wahl der richtigen Handlung ergänzen einander, d.h. ein moralisch gutes Ziel und ein pragmatisch gutes Mittel zur Erreichung des Ziels machen zusammen eine vollkommene Handlung aus.”[5]

 

 

3.2. Wirtschaftsethik

“Die Wirtschaftsethik befaßt sich mit den Zielen und Normen ökonomischen Handelns und stellt insofern eine Spezialform der Sozialethik dar... Ökonomisches Handeln - sei es des Individuums oder des Staates - bestimmt sich durch das Ziel der Gewinnmaximierung, das als eine Konkretisierung des ethischen Prinzips der Förderung des Glücks möglichst vieler Menschen begriffen werden kann. Ökonomisches Handeln muß somit moralischen Krierien genügen, d.h. es darf nicht zum Profitstreben um des Profits einiger Weniger willen auf Kosten aller Übrigen ausarten, sondern der allgemeine wirtschaftliche Fortschritt soll allen nach Maßgabe ihrer Beteiligung und Leistung sowie entsprechend ihrer Bedürftigkeit zugute kommen.”[6] Dieser Ansicht ist auch Rawls.[7]

 

Meran schreibt hierzu: “Wirtschaftethik ist angewandte Ethik. Sie macht es sich zur Aufgabe, zunächst zu klären, in welcher Weise sowohl das wirtschaftliche Denken und Handeln als auch die institutionelle Ordnung der Wirtschaft einer moralischen Beurteilung unterliegen, sodann diejenigen Prinzipien und Normen der Moral aufzustellen und zu rechtfertigen, denen das wirtschaftliche Handeln und die Wirtschaftsordnung unterworfen werden sollten, schließlich in moralrelevanten unternehmerischen und wirtschaftspolitischen Entscheidungssituationen konkrete Handlungsempfehlungen auszu-sprechen.”[8]

 

 

3.3. Qualitätsmanagement

Unter “Qualitätsmanagement” (QM) versteht die DIN Norm 8402[9] die “Gesamtheit der qualitätsbezogenen Tätigkeiten und Zielsetzungen. Bestandteile des QM sind daher z.B. alle Zielsetzungen und Tätigkeiten zur Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätsprüfung, Qualitäts-verbesserung, zur QM-Darlegung und zu einem Qualitätsaudit.

QM bezieht sich auf alle Tätigkeiten des Gesamtmanagements.”[10]

Während die Ethik fragt: “Was sollen wir tun”, fragt das QM: “Wie” sollen wir (es) tun?” QM und Ethik wirken daher - ganz im Sinne der von Pieper geforderten Operationalisierung von Ethik[11] synergistisch.[12].

 

Zum Verständnis von QM ist es notwendig, die hinter dieser trockenen und technokratisch anmutenden Definition liegende (historische) Entwicklung zu erfassen, die Qualitätsphilosophie zu begreifen und wesentliche Methoden des QM kennenzulernen.

 

 

3.4. Qualität

Unter “Qualität” versteht die DIN ISO Norm 8402[13] die “Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.” Die Beziehung zwischen realisierter Beschaffenheit und Einzelforderungen steht also stets im Mittelpunkt der Qualitätsbetrachtung. Spezielle “festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse” sind allgemeiner ersetzbar durch “Qualitätsförderung”.[14]

Der Begriff der Qualität[15], abgeleitet vom lateinischen “qualitas” (=Beschaffenheit), fragt nach dem “Wesen eines Dinges”. Diese Beschaffenheit kann sich auf Sachen und Fiktionen beziehen (“ein gutes Auto”, “ein gut - geführter - Krieg”) und zieht unmittelbar die Frage nach den Kriterien guter Qualität nach sich. So wird nach dem Kodex des Hammurabi, ca. 1710 vor Christus, bereits eine fehlerhaft durchgeführte Augenoperation mit drakonischen Strafen für den Operateur sanktioniert. Ähnliche Vorgehensweisen kennen wir aus unserem Alltag, das Qualitätskriterium “fehlerfreie = gute” Operation ist auch in der Neuzeit gültig. Der Kodex des Hammurabi unterscheidet jedoch in seiner Strafbeschwer zwischen Operationen an Adeligen und Unfreien, und dies ist für uns im Zeitalter der Gleichheit vor dem Gesetz ungewöhnlich. Alltagstauglich formuliert könnte die Formel heißen:

·      Operationsfehler beim Adeligen = “schlimm”

·      Operationsfehler beim Normalbürger = “nicht ganz so schlimm”.

 

Die Definition von Qualität zieht sich kontext- und zeitaltergemäß durch die Jahrtausende und mündet in der Neuzeit in zugeschriebenen Eigenschaften wie “Langlebigkeit, Aussehen, Image, Knappheit eines Gutes” und anderen Eigenschaften bzw. Attributen.

 

Die Definition von “Qualität” ist m.E. sowohl für Wirtschaft als auch für Ethik gültig. Man könnte diesem Beitrag zwar grundlegend vorwerfen, er verwische den Begriff “gut” im Sinne der Ethik und “gut” im Sinne der Qualitätslehre.  Betrachtet man jedoch die DIN Definition 8402 von Qualität, so wird offensichtlich, daß hier nur vermeintlich von unterschiedlichen Begriffen die Rede ist. Denn so wie die “Qualität” und das ethisch-moralisch “Gute” zu definieren ist, sind auch die “Qualität” und das “Gute” im Sinne der Qualitätslehre näher zu definieren und zu operationalisieren. Unabhängig davon, ob man eine Verantwortungs- oder Gesinnungsethik zu Grunde legt, immer bedarf es der Transparenz, ggf. auch des Diskurses, und der Operationalisierung der abstrakten Begriffe. Was meint denn Gesinnungsethik, was meint denn Verantwortungsethik tatsächlich?

Spätestens bei der Beschäftigung mit sogenannten “ethischen Dilemmata” stehen Definition und Operationalisierung  an, sind Transparenz und ggf. auch Diskurs nötig:

·      Wer macht was bis wann?

·      Wer informiert wen wann worüber?

·      Wie wird der Prozeß der Lösung dieses Dilemmas verbesssert?

·      Wie können wir das aus der Situation Gelernte im Sinne einer ”Lehre”, einer ”Moral von der Geschichte” verwerten?

·      Wie können wir das egoistische, das altruistische Glück fassen?

·      Wie können wir die “harte Arbeit” von Sprenger[16] und die “Lebenshüte” von Seiwert[17] mit Inhalt füllen?

 

“'Gut' und 'schlecht' gebrauchen wir ... sowohl in moralischer als auch in außermoralischer Bedeutung......Die Ethik interessiert sich dabei vorwiegend für die moralische Bedeutung dieser Wörter. Im außermoralischer Bedeutung heißt etwas gut, wenn es im instrumentellen Sinn gut, d.h. gut zu etwas ist...”[18]

“...Alles was im instrumentellen Sinn als gut bezeichnet wird, ist nicht gut in sich selber, sondern um eines anderen willen gut, das den Maßstab seiner Güte in sich enthält. Im Hinblick auf diesen Maßstab, der festsetzt, wie eine Sache beschaffen sein muß, um ihre Funktion gut auszuüben, wird die Sache in ihrer Güte beurteilt und entsprechend als gut oder schlecht bewertet... Moralisch gut heißt etwas, das nicht im Hinblick auf etwas anderes oder um eines anderen willen, sondern in sich selbst gut ist...”[19]

Das gilt jedoch m.E. nur für die wohlig warme Schreibstube des Berufsphilosophen. Wer in der “guten Stube”, so wie der an dieser Stelle von A. Pieper zitierte Kant, von morgens bis abends denken kann, der muß sich mit der sogenannten “Realität” ja auch nicht auseinandersetzen.[20]

Kant ist übrigens Zeit seines Lebens nie aus Königsberg herausgekommen[21],[22]. Daß sich Ethik in der Praxis beweisen muß, zeigen die aktuellen, modernen Fragen der praktischen Ethik: Bioethikkonvention, Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik, Leben aus der Retorte, Ethik der Atomphysik, Ethik der Umweltzerstörung, Ethik des Wasserverteilungskampfes, Ethik der Geburtenkontrolle, usw.[23]

Und da man aufgrund der Komplexität unserer Welt und der relativen Beschränktheit unseres Denkvermögens rein praktisch Handeln soll, und die Ethik fragt

·      “was sollen wir tun”

und nicht,

·      “was könnten wir vielleicht unter gewissen Umständen ggf. in Erwägung ziehen”,

bedarf es der konkreten Operationalisierung von “gut” und “böse”.[24]

 

 


3.5. Management

Unter Management versteht das Gabler Wirtschaftslexikon[25] “Leitung eines Unternehmens”. Danach umfaßt ”Management als Institution ... alle diejenigen, die in der Unternehmung leitende Aufgaben erfüllen, und zwar vom ... Generaldirektor bis zum ... Meister. ... Management als Funktion ... umfaßt alle Aufgaben, die die Leitung eines Unternehmens in allen ihren Bereichen mit sich bringt. Management ist damit wesentlich mehr als Verwaltung.”[26] Bleicher[27] bemüht sich in seiner Vorstellung des “Konzepts Integriertes Management” gar nicht um eine Definition von “Management”, beschreibt aber seine Aufgabe: “Es hat die Aufgabe, unsere ökonomischen und sozialen Systeme den sich wandelnden, neuen Bedingungen anzupassen”.[28]

 

Ich setze hier den Begriff des Managements knapp mit “Unternehmens- bzw. Organisationsführung” gleich. “Führung” soll hier nicht allein Verhalten, Kulturen und Strukturen einer obersten Organisations- bzw. Unternehmensspitze sein, sondern den Begriff der Führung auf alle Unternehmens- bzw. Organisationsebenen beziehen. Demnach ist QM eine Art der Unternehmensführung, welche insbesondere “Qualität” als Aspekt der Unternehmensführung zum Thema hat.[29] In Bezug auf die DIN-Definition von “Qualität”[30] muß dieser Begriff in jedem Unternehmen und in jeder Organisation aufs neue transparent ausgefüllt und diese Auskleidung des abstrakten Begriffs ebenso transparent dokumentiert werden. Der Organisationsführung fällt hierbei eine besondere Verantwortung zu.

 

 

3.6. To meet, >>sich begegnen<<

“Meet = treffen, begegnen, kennenlernen, abholen, stoßen auf, entgegenkommen, (Nachfrage) befriedigen, dem Wunsch gerecht werden, Verpflichtung nachkommen”.  Das “Langenscheid Taschenwörterbuch Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch”[31] führt diese Übersetzungsvorschläge an.

Wir wollen den Begriff der “Begegnung” zum “sich begegnen” erweitern und auf den Begriffs des “Kennenlernens” verweisen. “To meet” soll hier verstanden sein als “aufeinander zugehen”, den Wunsch vermitteln, sich kennenzulernen, neugierig und offen für das Andere zu sein und mit dem anderen Begriff, mit der anderen Welt, in Austausch, ggf. auch in den Diskurs zu treten.

Noch weiß niemand, was aus der Begegenung wird. Vorsicht ist geboten, aber auch Mut, sich zu öffnen. Sich begegnen, sich treffen, einander näherkommen, dies ist auch für Lebewesen nur mit gleichzeitiger Selbst- und Fremdachtung möglich.

So soll es auch mit den Welten des Qualitätsmanagements und der Ethik sein. Die a priori durch nichts bewiesene Annahme, das “Eine” sei “wichtiger”, “besser”, “größer” als das “Andere”, verstellt nur den unvoreingenommenen Blick aufeinander und auf die Inhalte und Chancen der anderen Welt. Diese gegenseitige Begegnung soll offen gehalten und offen gestaltet werden. Weder Qualitätsmanagement noch Ethik soll “siegen”; neugierig und lernoffen sollten wir erfahren, was aus dieser Begegnung im Einzelnen wird.

 

 

4. Geschichte der Qualitätssicherung

Über Jahrtausende hinweg lag Planung, Produktion, Kontrolle, Fehlerbehebung und Vertrieb von Dienstleistungen und Produkten nahezu vollständig in einer Hand. Der Schmied war nicht nur Produzent von Hufeisen, sondern gleichzeitig Sanktionsempfänger bei Produktfehlern. Auf Mikroebene bestanden Feedback und Korrekturschleifen, die im Zuge der Industrialisierung und Arbeitsteilung weitmaschiger wurden. Marx spricht im politischen Kontext von der Arbeitsentfremdung, die in Bezug auf die produzierten Produkte und Dienstleistungen ein nachlassendes Bewußtsein für die Qualitätsverantwortung der Werktätigen nach sich zieht; und dies gilt selbstredend nicht nur für anfaßbare Güter, sondern auch für Dienstleistungen jedweder Art, auch wenn es diesen Begriff vor 150 Jahren noch nicht gegeben haben mag.[32]

 

Diese Dynamik der Arbeitsteilung führte zur Schaffung von Qualitätskontrollinstanzen in Organisationen, welche sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts zu regelrechten Abteilungen mauserten. Die Massenproduktion der Industrie ließ eine 100%-ige Qualitätskontrolle nicht mehr zu und zog die Entwicklung und den Einsatz statistischer Prozeßkontrollmethoden nach sich. Insbesondere die Produktion von Militärgütern sowie Atom- und Raumfahrtprogramme erbrachten die Erkenntnis, daß man Qualität in kein Gut “hineinprüfen” sondern dies nur hineinplanen bzw. -produzieren kann. Damit erhielten Qualitätssicherungsabteilungen erweiterte Aufgaben hinsichtlich der Qualitätsplanung und der Gestaltung qualitätsfördernder Prozesse. Erkenntnisse aus Programmen der Organisationsentwicklung, aus  der Arbeitsmotivationsforschung und aus Programmen wie “Humanisierung und Demokratisierung der Arbeitswelt” führten zur Inkorporierung von Qualitätsförderungselementen in die Qualitätssicherung. Diese Förderung bezieht sich insbesondere auf den einzelnen Mitarbeiter und seine Freude an, seine Motivation zur und seine Bedürfnisse bei der Arbeit.

Alle vorgenannten Entwicklungen führten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Gedanken des UQM.

 

 

5. Umfassendes Qualitätsmanagement (UQM)

Umfassendes Qualitätsmanagement ist laut Definition DIN ISO 8402[33]die auf die Mitwirkung aller ihrer Mitglieder gestützte Managementmethode einer Organisation, die Qualität in den Mittelpunkt stellt und durch Zufriedenstellung der Kunden auf langfristigen Geschäftserfolg sowie auf Nutzen für die Mitglieder der Organisation und für die Gesellschaft zielt.”[34] Wesentlich für den Erfolg dieser Methode ist, daß die oberste Leitung überzeugend und nachhaltig führt und daß alle Mitglieder der Organisation ausgebildet und geschult sind. Der Begriff “Nutzen für die Gesellschaft” bedeutet “Erfüllung der an die Organisation gestellten Forderungen der Gesellschaft.”[35]

 

Seit Mitte dieses Jahrhunderts hat Total Quality Management (TQM) in Unternehmen erfolgreich Einzug gehalten[36], wird jedoch aufgrund der historischen Begriffsbesetzung bzw. Assoziation “total” = “totalitär” im deutschsprachigen Bereich mit Umfassendem Qualitätsmanagement (UQM) übersetzt. Das Adjektiv “umfassend” erfaßt die Implikation des Wesens von UQM zumindest im deutschen Sprachraum auch besser als “total”.

 

In die Entwicklung des UQM flossen die klassischen Überlegungen der Qualitätskontrolle und der statistischen Prozeßregulierung ein und wurden um die qualitätsfördernden Aspekte der Prozeß- und Mitarbeiterorientierung nach und nach ergänzt. Ursprünglich in den USA angedacht, ist UQM ein Reimport aus Japan, wo es in den fünfziger Jahren erfolgreich umgesetzt wurde. Dort erfand man als Anreiz für die Einführung von UQM einen nationalen Qualitätspreis, den “Deming-Preis”, welcher als Vorbild für einen US-amerikanischen Qualitätspreis (MBNQA) und auf Umwegen auch für den europäischen Qualitätspreis (EQA) diente. Letzterem liegt das EFQM-Modell für Business Excellence zugrunde.[37]


6. EFQM

Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts schlossen sich Firmen in Europa zur European Foundation für Quality Management (EFQM)[38] zusammen und stifteten den europäischen Qualitätspreis, “European Quality Award” (EQA). Jedes Unternehmen kann sich um diesen einmal jährlich ausgeschriebenen Preis bewerben und ihn bei herausragenden Ergebnissen gewinnen. Inzwischen haben sich zahlreiche Ableger in Form nationaler Qualitätspreise gebildet, so auch der deutsche “Ludwig-Erhardt-Preis”. Die Kriterien des EQA und des EFQM-Modells (Abb.1[39]) haben sich aus der Messlatte einzig für den Qualitätspreis heraus zu einer Meßlatte für “Qualität” in Industrie und Dienstleistung schlechthin entwickelt.

 

Abb.1: Das EFQM Modell nach seiner Revision 1999

 

Die Kriterien sind nach Befähiger- und Ergebnisfaktoren unterteilt. Sie bieten auf der Befähigerseite die Bereiche

·        Führung, Prozesse, Partnerschaften / Ressourcen, Politik und Strategie und Mitarbeiterorientierung

und auf der Seite der Ergebniskriterien

·        Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, gesellschaftliche Verant-wortung und Geschäftsergebnisse.

Diesen Oberbegriffen sind noch einmal Unterkriterien zugeordnet, und zu jedem Unterkriterium gibt es eine Sammlung von “areas to address”[40] (Anknüpfungspunkte), mit denen sich die geforderten Qualitäts-dimensionen näher beschreiben lassen. Typisch für das EFQM-Modell ist, daß selbst diese Anknüpfungspunkte noch sehr vage formuliert sind und damit jedem Anwender des EFQM-Modells viel Freiheit bieten, die Qualität seines Produktes und seiner Leistung darzustellen. Die Forderungen der Unterkriterien sind jedoch, obwohl allgemein gehalten, sehr hart. Alle Kriterien und Anknüpfungspunkte können zu 100 % oder teilweise erfüllt werden. Nach welchem Schema Punkte zwischen 0 und 100 % zu vergeben sind, wird in einer Bewertungstabelle der EFQM vorgegeben.[41]

 

Das Bewertungsschema eines Unterkriteriums zwischen 0 und 100 % ist für alle Kriterien stets gleich. 50 % entspricht in der Regel einer guten, soliden Unternehmensleistung. Werte um 25 % entsprechen einer anekdotischen Leistung. Werte von 75 % bedeuten gute bis sehr gute Leistungen auch im Vergleich mit Anderen und Werte an die 100 % sind mit absoluter internationaler Qualitätsführerschaft gleich zu setzen. Folgerichtig werden 100 % bei realen Bewertungen praktisch nie erreicht.

 

Mit dem EFQM-Modell sind maximal 1000 Punkte zu erreichen.[42] Selbst die Preisträger der vergangenen Jahre erreichten nie mehr als 750 Punkte. Unternehmen, welche sich mit Qualitätsmanagement bisher noch nie beschäftigt haben, kommen vielleicht beim ersten Bewertungsversuch auf 100 Punkte oder noch weniger.

Die erreichbare bzw. erreichte Gesamtpunktzahl entspricht gemäß der Definition von UQM einem “Gesamtnutzen”, welchen das Unternehmen bietet. Dieser Gesamtnutzen leite ich aus dem Utilitarismus ab.[43]

 

 

7. Utilitarismus

Die utilitaristische Ethik definiert sich wie folgt: “Zum Prinzip allen persönlichen und politischen Handelns erklärt der klassische Utilitarismus das größte Glück”[44], bzw. “das größte Glück der größten Zahl”[45]. “Nach dem quantitativen Glücksbegriff ... soll das Leitziel menschlichen Handelns ... das allgemeine Glück, endlich der ihm angemessenen rationalen, d.h. empirisch-analytischen Verfügung unterworfen werden”.[46]Maßstab ist nicht die Lust bzw. das Glück selbst, sodern das größtmögliche Maß an Glück”[47].

“Der Glücksbegriff bleibt ein empirischer Begriff und öffnet sich zugleich über die jeweilige Interessen- und Bedürfnislage der Betroffenen, über ihren jeweiligen Kenntnisstand hinaus ebenso der methodischen Erfahrung empirischer Wissenschaften wie der in anderer Weise, aber ebenfalls methodischen Erfahrung eines bewußt gelebten Lebens”.[48] “Öffentliches Wohl ist nichts anderes als die Amalgamation der Privatwohle”.[49]

 

Höffe geht sodann auf das “Meßbarkeitspostulat” des Utilitarismus ein. Er folgert, daß “ein solches Kalkül so lange illusorisch sei, wie sich die entsprechende objektive Maßeinheit für subjektive Gratifikationswerte nicht exakt angeben läßt. ...selbst für den vergleichsweise leicht erfaßbaren Bereich wirtschaftlichen Nutzens gälte die Annahme, Nutzenmengen seien kardinal meßbar, als geradezu hoffnungslos realitätsfremd.”[50]

“In jedem Fall ist die Entwicklung eines tragfähigen operationalisierten Verfahrens zur Kalkulation menschlichen Glücks nicht gelungen. Der Anspruch, aufgrund einer exakten Informations- und Kalkulationsvorschrift das menschliche Glück berechen- und insoweit verfügbar machen zu können, ist bei weitem überzogen”[51].

 

Pieper[52]: “Bevor gehandelt wird, muß ein Nutzenkalkül durchgeführt werden, in welchem die von der Handlung erwarteten Freuden und Leiden hinsichtlich ihrer Intensität, ihrer Dauer, ihrer Gewißheit und Ungewißheit, ihrer Nähe oder Ferne, ihrer Folgenträchtigkeit, ihrer Reinheit und ihres Ausmaßes berechnet werden. Dann werden die Werte aller Freuden ebenso wie die Werte aller Leiden addiert. Überwiegt der Wert der Freuden, so ist die Tendenz der Handlung insgesamt gut und die Handlung somit moralisch geboten”.

 

Meran[53] erwähnt, daß “die Beziehung zwischen Wohlfahrt und Gerechtigkeit ... im Zusammenhang mit der ‘utilitaristischen´ Ethik diskutiert [wird]. Der Utilitarismus gibt auch das Stichwort ab, mit Hilfe des Intrumentariums der ‘Social-Choice-Theory’ zu prüfen, ob nicht der moralische Standpunkt als weitsichtige Klugheit zu rekonstruieren ist. Wirtschaftsethik ließe sich dann als ein Fall einer motivationalen Klugheitsethik auffassen.”[54]

 

 

8. Utilitarismus und Qualitätsmanagement

Sprenger schreibt: “Glück ist keine Glückssache, Glück, was auch immer Sie persönlich darunter verstehen, ist nicht etwas, das Ihnen ‘zustößt’. Glück ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln”.[55]

Der Zeitmanagementtrainer Seiwert[56] verordnet seinen Jüngern und Lesern die Charakterisierung von “Lebenshüten” im Sinne von Hauptaufgaben und Betätigungsfeldern eines Menschen und deren Operationalisierung bis hin zur Setzung täglicher, konkreter Ziele.[57]

 

Das ist nichts anderes als ein auf die Einzelperson bezogenes und auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen und des einzelnen Glücksbegriffs  maßgeschneidertes EFQM-Modell.

 

“Ein konsequenter Utilitarismus gebietet sogar die Bestrafung, selbst die Tötung Unschuldiger, sofern dieses nur - unter den besonderen Umständen oder Typen von Umständen - das kollektive Glück befördert.”[58]

Fraglich ist demnach v.a., wer das kollektive Glück definiert und v.a. sich stellvertretend für andere das  Recht der Definition herausnimmt.[59]

Die für diese Definition notwendigen Transparenzelemente birgt das EFQM-Modell in sich. Es fordert bsp. die (anonyme) Mitarbeiter-befragung, die Kundenzufriedenheitsanalyse und eine Abfrage der “gesellschaftlichen Bedürfnisse”.

 

Bereits in der Definition von UQM wird die Nutzenmaximierung als oberstes Ziel des Qualitätsmanagements dargestellt.

UQM ist im angloamerikanischen Wirtschafssystem und Sprachraum entwickelt worden. Dies ist der Teil unserer Welt, in welchem die utilitaristische Ethik grundlegende Bedeutung für politische Gefüge und gesellschaftliche Grundeinstellungen hat. Das Nutzenprinzip wird im Utilitarismus sowohl auf einen einzelnen als auch auf eine Gruppe von Menschen, oder gar auf fiktive Konstrukte wie ein Unternehmen, einen Staat o. ä. angewandt.[60]

 

Der Begriff des “Nutzens” im EFQM-Modell[61] ist, um ihn begreif- und nachvollziehbar zu machen, in erster Linie in den Ergebniskriterien (Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, gesellschaftliche Verantwortung und Geschäftsergebnisse) zu finden. Das EFQM-Modell ermöglicht durch die Punktevergabe einen Nutzenbegriff aus Sicht verschiedener, ggf. konkurrierender Interessengruppen. Der “Einzelne” des Utilitarismus kann im EFQM-Modell der einzelne Mitarbeiter, der Kunde, der Nachbar, der Inhaber, der Aktionär oder der Geschäftsführer sein. Die “Menschengruppe” findet sich in den Mitarbeiten, den Kunden, den Inhabern und z.B. den Nachbarn wieder. Das fiktive Gebilde ist in der Mitarbeiterschaft, der Kundschaft, und der Gesellschaft zu suchen.

Bei einer fiktiven oder tatsächlichen Bewerbung um den EQA wird unter Zugrundelegung der Bewertungstabelle (0% - 100% Erreichungsgrad) für jeden einzelnen Unterpunkt ein “Nutzen” in Form von Punktwerten festgelegt. Dieser “Nutzen” ist zielgerichtet und einer bestimmten Zielgruppe (s.o., Einzelpersonen, Gruppen, fiktive Zielgruppengebilde) zuordnungsfähig.

Die Ergebnisse der einzelnen Unterpunkte werden aufaddiert und so ein quantifizierbarer Gesamtnutzen dargestellt. Die “areas to address” lassen dem bewerteten Unternehmen einen gewissen Spielraum bei seiner Schwerpunktsetzung. Ferner sind die von ausgebildeten “Assessoren” vorgenommenen und in einen Jury-Konsens überführten Bewertungen stets auch subjektiv. Die sich an einen schriftlichen Selbstdarstellungsbericht anlehnende Bewertung unterliegt jedoch strengen Regeln und schafft Transparenz. Damit sind Willkürbewertungen zwar nicht ausgeschlossen, aber letztlich nicht durchzuhalten.

Die im Selbstdarstellungsbericht dargelegten Ergebnisse fallen nicht vom Himmel; sie müssen durch geeignete Prozesse, Mitarbeiter und Mittel erst geschaffen werden. So erweitert das EFQM-Modell den Nutzenbegriff im Sinne der Befähigerkriterien über rückwärtsgerichtete “Ergebnisse” hinaus  in einen fiktiven, erwarteten, zukünftigen Nutzen hinein. Die Ressourcen und das Führungsverhalten von heute sind demnach der Nutzen (für wen auch immer) von morgen. Das EFQM-Modell ist so ein dynamisches Modell. Damit wird auch verständlich, daß die Kriterien, Unterkriterien und Anhaltspunkte dieses Modells nie statisch sein können. Die in Punkten ausgedrückten Ergebnisse eines Unternehmens sind mit den Punktzahlen eines anderen Unternehmens (ob gleicher oder fremder Branche) und mit den eigenen Ergebnissen in Vergangenheit oder Zukunft nur eingeschränkt vergleichbar. Hilfsweise wird dies im Qualitätsmanagement natürlich getan, um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß einzuleiten.

Die Punktebewertung des EFQM-Modells liefert die Möglichkeit, Nutzen ausgeglichen über verschiedene Interessengruppen hinweg, halbwegs solide und nachvollziehbar zu quantifizieren.

 

Das eigentlich “ethische” dieses Modells sind seine Transparenz und sein Schaffen von Transparenz. Die Kriterien, Unterkriterien und Ansatzpunkte werden genannt, werden definiert und werden mit den Berichten bzw. Ergebnissen des einzelnen Unternehmens konkret hinterlegt. Damit wird Nutzen nachvollziehbar. Welche Interessengruppe mehr Nutzen als die andere davon trägt, ist aufgrund der Bepunktung und dem vordefinierten prozentualen Verhältnis der Kriterien untereinander nachvollziehbar. Zahlreiche Kriterien, Unterkriterien und Ansatzpunkte beinhalten Forderungen, wie wir sie aus Ethiken verschiedener Genese[62] kennen. Sie sind nicht unbedingt nur auf die utilitaristische Ethik beschränkt.

 

 

9. Qualitätsmanagement ist unvollständig

In seinem Buch “Die Krematorien von Auschwitz” schildert Jean-Claude Pressac die Bemühungen der Hallenser Firma Topf um die qualitativ hochstehende Ausstattung des Konzentrationslagers Auschwitz und anderer KZs mit gut funktionierenden Gaskammern und Krematorien[63]. In seinem Buch “Die Endlösung” beschreibt Gerald Reitlinger das erschreckend systematische und teilweise auch unsystematische Vorgehen der SS in den Jahren 1941 bis 1943 bei der Vernichtung von Juden in Osteuropa.[64],[65] In seinem Buch “Kommandant in Auschwitz” schildert Rudolf Höß seine nahezu fürsorgliche Zuwendung gegenüber “seinen” Häftlingen im KZ Auschwitz.[66]

Diese drei zugegebenermaßen sehr drastischen Beispiele erinnern daran, daß es möglich ist, bestimmte Handlungen “gut”, diesmal in der Bedeutung “perfekt” auszuführen, ohne daß diesen Handlungen unbedingt das Attribut “gut” im ethischen Sinne zugeschrieben werden kann.[67]

 

Heinar Kipphart läßt in seinem Drama “Bruder Eichmann” Eichmann fragen[68]: “Ist nicht, Herr Hauptmann, rein gedanklich, wie ich mir überlegt habe, jeder Soldat an organisiertem Massenmord beteiligt, indem er unter Eid und Befehl tötet und in Schutt und Asche legt, was er wie ich von seinem eigenen Herzen nicht wünscht, nur eben in weniger exponierter Stellung meistens”. Der ihn verhörende israelische Offizier Less fragt: “Massenerschießungen? Fabrikmäßige Vergasungen? Ist das vergleichbar?”. Eichmann antwortet: ”Es werden die modernen Kriege doch immer totaler, wie wir überall sehen, und es gibt in ihnen doch von vorneherein den Völkermord, schon waffentechnisch. Es war, daß Hitler ja von allen Kulturstaaten anerkannt und großenteils sogar bewundert wurde, was sollte da ich mich verweigern, als ein Polizeioffizier wie Sie, an Eid und Befehl bedingungslos gebunden bis zum bitteren Ende”.

 

Das EFQM-Modell ist als “Werkzeug des Qualitätsmanagements” so wie ein Messer oder ein Schraubenzieher weder als gut noch als schlecht zu definieren. Seine Güte erfährt es durch den Zweck für den es eingesetzt werden soll. Eine Bewertung der “Dienstleistungs”-Organisation SS, der Zulieferfirmen für Gaskammern und Krematorien, der Führung und Organisation eines Konzentrationslagers und die Bewertung der Arbeit eines Amtmannes in einer Behörde zur Judenvernichtung sind jedoch auch mit dem EFQM-Modell problemlos möglich, wenn auch in vielen Aspekten zynisch. Auch wenn es ein anderes QM-Modell betrifft, läßt sich sinnerhaltend der Satz formulieren: “Es hätten auch Gaskammern zertifiziert werden können”.[69]

 

Herausragende “Geschäftsergebnisse” in diesem Sinne könnten Quoten ermordeter Menschen sein. “Kundenzufriedenheit” ist mit der Zufriedenheit der Machthaber mit dem erreichten Vernichtungsergebnis gleichzusetzen. “Gesellschaftliches Image” wäre mit der Akklamation analog zum Sportpalast gewährleistet. “Beherrschung von Prozessen” kann mühelos bei Eichmann, Höss und Pressac festgestellt werden.

Zielorientierte Partnerschaften und Ressourcen sind z.B. bei der Firma Topf bzgl. der Krematorien und Gaskammern zu finden. Die “Politik und Strategie” des Nationalsozialismus wird in allen genannten Textstellen als “erfolgreich” umgesetzt geschildert. “Führung” ist gerade in dieser Ideologie ein wichtiges Instrument. “Mitarbeiterorientierung und -zufriedenheit” spiegeln sich z.B. in den positiven Schilderungen von Höss und Eichmann über ihre eigene Arbeitssituation und Position wieder.

 

Diese Beispiel-“Rechtfertigungen”, warum das EFQM-Modell auch auf KZs, die SS und das Reichssicherheitshauptamt anwendbar sind, lesen sich partiell grotesk, “an den Haaren herbeigezogen”. Dies liegt daran, daß es genügend “Gegenbeispiele” in den genannten Textstellen gibt, warum Mitarbeiter, Kunden, Gesellschaft etc. nicht zufrieden sind, die Politik und Strategie nicht “rund”, ggf. in sich implausibel ist usw.

Die Darstellung der Groteske, die Feststellung der Ungereimtheit, die Brüche in der Ideologie, der Zynismus sogenannter “Geschäfts-ergebnisse” wird aber, unabhängig von einer verneinenden Gesinnungsethik, auch durch die Anwendung des EFQM-Modells möglich. Denn die Nutzenmaßstäbe, welche in den Unterkriterien und den Ansatzpunkten niedergelegt sind, bieten die Gelegenheit, die Indikatoren für “gute Führung, Partnerschaften und Ressourcen, Mitarbeiterorientierung und -zufriedenheit, Kundenzufriedenheit und Geschäftsergebnisse, Gesellschaftliche Verantwortung und Image, Politik und Strategie und Prozesse” kritisch zu hinterfragen.

 

Mit anderen Worten: Die Kriterien, Unterkriterien und Ansatzpunkte ermöglichen Transparenz.

 

Ferner wird die Bewertung im EFQM-Modell stets im Team vollzogen. Die “Assessoren” nehmen im ersten Schritt eine Bewertung des von der Organisation erstellten Berichts vor. Im zweiten Schritt werden in einem Workshop die einzelnen Bewertungen im Assessorenteam zusammengeführt, diskutiert und ein Konsens über eine einheitliche Bewertung angestrebt. Damit ermöglicht das EFQM-Modell neben der Transparenz auch den Diskurs.

 

Beides zusammen - Transparenz und Diskurs - stemmen sich gemeinsam der Willkür, der Beliebigkeit und dem Zynismus entgegen, bei der Anwendung des EFQM-Modells auf ein KZ, die SS und eine Behörde “Punkte” zu sammeln und einen “Qualitäts”-Preis zu gewinnen.

 

EFQM als Tool ermöglicht zwar den Diskurs und die Transparenz, legt aber letztlich nicht beliebig fest, was “gut” ist. Gut ist im Modell immer nur, was “nützt”. Nutzen kann sich aber auch (s.o.) gegen Mitarbeiter, Kunden, andere Menschen oder Gruppen von Menschen etc. richten.

Es bedarf daher auch im EFQM-Modell eines diesem Modell übergeordneten Wertesystems, welches als Maßstab dient. Rekurrierend auf DIN 8402 müssen Soll/Ist Anforderungen (vorher) festgelegt werden.

Der Utilitarismus läßt eine Letztbegründung für den “Nutzen” vermissen.[70] Der Utilitarismus ist jedoch als “Hilfsethik” einfach praktisch. Der “Nutzen” ist transparent, weil er nicht nur definierbar, sondern sogar definitionspflichtig ist, und zwar stets vor der nutzbringenden Handlung. Er ist damit auch diskursfähig. Wie dieser Nutzen jedoch begründet und definiert ist, ist Sache einer (Meta-)Ethik, die auf Vernunft (Kategorischer Imperativ), Weltanschauung, religiösem Glauben, herrschaftsfreiem Diskurs, Ideologie oder einem anderen Denkkonstrukt beruht.[71]

 

Marxismus

“Der Ansatz der marxistischen Ethik basiert auf der Einsicht, daß das gesellschaftliche Bewußtsein und damit auch die gesellschaftliche Moral durch die Produktionsverhältnisse entscheidend bestimmt sind.”.[72]

“Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen”[73] “In diesem Sinne können die Kommunisten ihre Theorie in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums, zusammenfassen.”[74]

Nutzen hieße unter Zugrundelegung der marxistischen Ethik demnach z.B. Produktionsverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen zu ändern und das Privateigentum abzuschaffen. Die Bewertung einer am Marxismus orientierten Organisation in Anlehnung an das EFQM-Modell müßte sich in Bezug auf die Definition von Qualität nach der DIN Norm an diesen vordefinierten Erfordernissen der Ideologie orientieren. Würde die Organisation gemäß der Kriterien des EFQM-Modells diese übergeordneten Ziele erreichen, könnte sie bei der Bewertung viele Punkte erhalten und den Qualitätspreis, z.B. den EQA, oder, noch grotesker, den “Ludwig-Erhardt-Preis” gewinnen.[75]

 

Theorie der Gerechtigkeit

Rawls schlägt “Gerechtigkeit” und Chancengleichheit unter dem Schleier der Unwissenheit vor.[76] Denn “es (ist) utilitaristisch durchaus legitimierbar, daß ein einzelner oder eine Minderheit für das Glück der Mehrheit aufgeopfert wird, wenn das größte Glück der größten Zahl nur durch dieses Opfer erreicht werden kann”[77].

 

Die Ideen, welche von O. Höffe[78] in seinen Empfehlungen für ein zukünftiges Gesundheitswesen zugrunde liegen, basieren ebenso wie den Kommentar zur Leitlinienentwicklung im Gesundheitswesen von K. Lauterbach[79] vorwiegend auf der Gerechtigkeitstheorie. Unter  Berücksichtigung der erkenntnistheoretischen Überlegung, eine wissenschaftliche Theorie oder ein Denkmodell solange Gültigkeit haben kann, wie sie nicht einer nachfolgenden Idee widerlegt worden ist, mag die Gerechtigkeitstheorie[80] zwar unzureichend sein und in der Methodik Schwächen aufweisen. Sie bietet jedoch unter Einschluß bereits formulierter Ethikmodelle den Vorteil der Praktikabilität für unser Alltagshandeln auch unter Berücksichtigung  moderner Entwicklungen wie Aufklärung, Liberalismus und Marxismus. Weder atheistische noch theologische bzw. transzendentale Glaubensmodelle werden in Gänze negiert und auch der Buddhismus und der Existentialismus können hineinsortiert werden.

 

Wie in einem modernen Datenbankprogramm  mit Suchfunktionen sortiert die Gerechtigkeitstheorie diese Philosophien nach dem Suchkriterium “Gerechtigkeit” einfach um und schafft so eine einfache und, zumindest für einen “philosophischen Laien”, praktikable Basis für die konkonkrete Umsetzung in seinen Alltags- und Arbeitsprozeß.

 

Die “Erfordernisse” der DIN-Qualitätsdefinition wäre bei Rawls mit “Gerechtigkeit” gleichzusetzen. Der im EFQM-Modell zu bestimmende “Nutzen” einer an der Gerechtigkeit orientierten Organisation würde sich folgerichtig daran messen, wie in den einzelnen Kriterien des EFQM-Modells “Gerechtigkeit” als Ziel zu tragen kommt und konkret umgesetzt wird.

 

Diskursethik

W. Reese Schäfer führt über K.O. Apel aus: “Aus den Gültigkeits-voraussetzungen der menschlichen Argumentation soll eine normative Ethik entwickelt werden, ‘die als Grundlage für eine solidarische Übernahme der Verantwortung im Zeitalter der Wissenschaft tauglich ist’ ... Wer sich auf Argumentation einläßt, geht weitreichende normative Verpflichtungen ein. Er anerkennt damit ‘implizit alle möglichen Ansprüche aller Mitglieder der Kommunikationsgemeinschaft [d.h. auch z.B. der Juden gegen Goebbels}, die durch vernünftige Argumente gerechtfertigt werden können (sonst würde der Anspruch der Argumentation sich selbst thematisch beschränken), und er verpflichtet sich zugleich, alle eigenen Ansprüche an Andere durch Argumente zu rechtfertigen.’ ”[81].

 

Der Nutzen-Output der diskursethisch orientierten Organisation oder Unternehmung müßte bei Anwendung des EFQM-Modells demnach daran gemessen werden, wie umfassend diskursiv näher zu bezeichnende Kriterien, Unterkriterien und Unternehmensziele abgeleitet, beschrieben und angestrebt würden. Diejenige Organisation müßte den Qualitätspreis gewinnen, die ihre gesamten Unternehmensprozesse nach den Regeln der Diskursethik transparent, nachvollziehbar und dokumentiert darlegen könnte.

 

Christliche Caritas

“Caritas ist also nicht ein Hobby der Kirche oder von Christen, sondern gehört zum Wesen des christlichen Glaubens. Sie ist ein, wie man sagt, Wesensvollzug”[82]. Angewandt auf die Wirtschaft äußert sie sich in der christlichen Soziallehre. Meran[83] zitiert Höffner: “Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft ist der Mensch. Der Sinn der Wirtschaft liegt weder... im bloßen Handeln nach dem Rationalitätsprinzip ... noch im größtmöglichen materiellen Glück einer größtmöglichen Menschenzahl”[84] “Das Sachziel der Wirtschaft besteht vielmehr in der dauernden und gesicherten Schaffung jener materiellen Voraussetzungen, die dem einzelnen und dem Sozialgebilde die menschenwürdige Entfaltung ermöglichen... Die Wirtschaft ist weder das einzige noch höchste Ziel; sie muß sich vielmehr in die ‘rechte Stufenordnung der Ziele’ an der ihr zukommenden Stelle einordnen... Ziel ist nicht die unaufhörlich wachsende Güterversorgung, sondern der Dienst an den gesamtmenschlichen, vor allem auch an den sozialen Werten.”[85]

Meran weiter: “Von der Warte eines obersten Lebenszweckes aus trägt die Wirtschaft also reinen Mittelcharakter. Wirtschaften kann nicht Selbstzweck sein, die unbegrenzte Anhäufung von Reichtümern widerspricht dem Zweck des Menschseins. Der Mensch muß also die äußeren Güter in vernünftiger, maßvoller und zweckentsprechender Weise erstreben.”[86]

 

Eine christliche und caritative Organisation müßte demnach, unter Anwendung des EFQM-Modells, einen möglichst hohen caritativen Nutzen anstreben. Ein Beispiel wird in Kapitel 10. diskutiert.

 

Andere Überbauten

Überbauten können auch in der indianischen Mythologie[87] und im Buddhismus[88], aber auch im Nationalsozialismus[89] gefunden werden. Marxismus, Theorie der Gerechtigkeit, Diskursethik und Christliche Caritas bieten einen normativen Überbau, den ein reiner “Operationalismus”[90] benötigt. Begriffe wie Glück, Nutzen, Ziel sind letztlich synonym verwendbar, und zwar sowohl für das Individuum als auch für die Organisation. Und wie das Individuum die “Anbindung” seines persönlichen Nutzenprinzips an eine Ideologie, an einen Glauben (im günstigen Fall den christlichen Glauben an Gott und seine Umsetzung in der Nächstenliebe, im zynischen Extremfall den menschenverachtenden und -vernichtenden Nationalsozialismus) benötigt, so braucht die Organisation die transparente, nachvollziehbare, dokumentierte und nachlesbare Darlegung ihres normativen, visionären, missionären Überbaus, kurzum, ein ggf. auch mit anderem Vokabular zu umschreibendes “Leitbild” mit ethisch fundierter Grundlage.

“Mit der Einführung von Unternehmensleitbildern kann eine kulturelle Transformation angestrebt werden. Bezogen auf die Unternehmenskultur kommt es in der Phase der Formulierung darauf an, die kulturellen Werte und Normen im Leitbild festzulegen”.[91]

 

 

10. Christliche Ethik am Beispiel des Leitbildes der St. Elisabeth-Stiftung

Die St. Elisabeth-Stiftung[92] wurde 1993 von den Ordensgemeinschaften der Franziskanerinnen von Waldbreitbach und der Armen Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach gegründet. Die St. Elisabeth-Stiftung ist einer der größten freigemeinnützigen Träger von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Deutschland. Mehr als 14.000 Frauen und Männer der gesamten Trägerschaft arbeiten in derzeit 30 Krankenhäusern, 24 Altenheimen, 3 Kinderheimen und 3 Hospizen.[93]

“Träger kirchlicher Einrichtungen sind aufgefordert, eine christliche

Unternehmenskultur zu entwickeln. Diese Kultur findet ihren Ausdruck in der Unternehmensphilosophie und dem sich daraus ergebenden Leitbild.”[94] Während die Ethik noch sehr einfach und abstrakt fragen kann “was sollen wir tun”, konkretisiert sich die Wirtschaftsethik des christlichen Unternehmens in den Fragen[95]:

·      “Was macht das Profil einer christlichen Einrichtung aus?”

·      “Welches Menschenbild vertritt sie?”

·      “Wie durchdringt die Praxis Jesu das Alltagsgeschäft?”

·      “Wie garantiert sie hohe fachliche und personale Qualität?”

·      “Welches Klima herrscht in der Einrichtung?”

 

Das Leitbild[96] der St. Elisabeth-Stiftung wurde unter ”Einbeziehung aller Berufsgruppen und aller Mitarbeiter im Leitbildprozeß”[97] bis Mai 1996 erarbeitet. Es umfaßt die Kapitel:

I           Wurzeln aus denen wir kommen

II         Grundsätze, für die wir eintreten

III        Menschen, für die wir da sind

IV        Menschen, die mit uns arbeiten

V         Lebensräume, die wir mitgestalten

VI        Vorbilder, an denen wir uns orientieren.

 

Im folgenden einige Passagen des Leitbildes[98], welche den normativen Charakter der Aussagen betonen:

·      “Als christliches Unternehmen orientieren wir uns am Leben und an der Botschaft Jesu. Leitlinien unseres Handelns sind daher seine Nächstenliebe, seine bedingungslose Annahme des Mitmenschen und seine besondere Zuwendung zu den Randgruppen der Gesellschaft.”

·      “Wir achten die Schöpfung als Werk Gottes. Wir schützen und fördern das Leben...”

·      “Wir helfen den Menschen, Alter, Krankheit oder Behinderung auch als Chance zu persönlicher Weiterentwicklung zu begreifen.”

·      “Wir achten die Menschen unabhängig von Volkszugehörigkeit, Religion, Geschlecht, gesellschaftlichem Ansehen, Einkommen und Alter.”

·      “Wir weisen niemanden ab, der unserer Hilfe bedarf.”

·      “Wir beteiligen alle von einer Entscheidung Betroffenen (Menschen die mit uns arbeiten) am Entscheidungsprozeß in angemessener Weise.”

·      “Wir fördern Aus-, Fort- und Weiterbildung.”

·      “Wir nehmen auf die besonderen Bedingungen von Frauen im Arbeitsleben Rücksicht.”

·      “Wir gehen verantwortungsbewußt mit unserer wirtschaftlichen Macht um.”

·      “Wie gehen sparsam mit Energien und Rohstoffen um.”

·      “Das Leitbild der St. Elisabeth-Stiftung ist ein Wegweiser für unsere Zukunft. Es bedarf der Umsetzung auf allen Ebenen des Unternehmens und einer ständigen inhaltlichen Auseinandersetzung. Es schafft eine christliche Unternehmenskultur, die sich an dem Vorbild orientiert, das uns Jesus Christus durch sein Leben gegeben hat. Wir setzen uns dafür ein, seine Botschaft in unserer Zeit neu zu sagen und zu leben.”

 

 

11. Warum Ethik alleine nicht ausreicht

Das Leitbild der St. Elisabeth-Stiftung entspricht einer Darlegung des normativen Managements nach Bleicher[99].

Die Norm - christliche Ethik, christliche Soziallehre - wird in normative Sätze zur Abbildung von Ziel, Nutzen, ja Glück der Organisation geformt. Die Organisation und ihre Mitglieder wären diesem Maßstab entsprechend glücklich, erfüllt, vollkommen, wenn[100]

·      niemand abgewiesen würde, der der Hilfe bedarf (III6)

·      die Schöpfung als Werk Gottes geachtet würde (II4)

·      die Menschen unabhängig von Volkzugehörigkeit, Religion, Geschlecht, gesellschaftlichem Ansehen, Einkommen und Alter geachtet würden (III4)

·      alle von einer Entscheidung Betroffenen am Entscheidungsprozeß in angemessener Wese beteiligt würden (IV5)

usw.

 

Was diesem Leitbild fehlt und auch auf wenigen Seiten weder leistbar noch sinnvoll ist, ist die Operationalisierung.

·      Wie dies bewerkstelligen?

·      Wie die widersprüchlichen Aussagen harmonisieren?

·      Wie unauflösbare Gegensätze transparent machen?

Hierzu braucht es einer “Meßlatte”, die das Nutzenkalkül auf das Leitbild anwendet. Eine solche Meßlatte kann, muß aber nicht, das EFQM Modell sein. Erst die Meßlatte macht die normativen Aussagen des Leitbildes transparent, und erst das Leitbild ermöglicht eine normative Ausrichtung des ansonsten “nackten” QM. Wozu Werkzeug (QM) wenn keine Aufgabe (Leitbildumsetzung)? Wozu die Norm (Leitbild), wenn nicht konkretisiert?

 

Wesentlichen Einfluß auf die Anwendung der Meßlatte haben selbstredend die damit beauftragten Personen. Im EFQM Modell sind dies die Assessoren. Sie werden, zumindest bei einer Modifikation des EFQM Modells, die prozentualen Gewichtungen der einzelnen Kriterien untereinander zu diskutieren und Abweichungen von den Modellvorgaben transparent zu begründen haben. Gleiches gilt für die Gewichtungen innerhalb der Kriterien, der Unterkriterien und der “Ansatzpunkte”. Es ist von erheblicher Relevanz für die Ergebnisse einer Bewertung, wer die “Punkte” für “Nächstenliebe” und “verantwortungsvollen Umgang mit Gottes Schöpfung”[101] verteilt.

 

Pieper schreibt: “Eine Handlung ist richtig, wenn sie ihr Ziel erreicht; sie ist falsch, wenn ihr dies nicht gelingt. Eine gute Handlung ist nicht notwendig auch richtig (Eine Hilfeleistung kommt zu spät oder ist völlig unzureichend), so wie eine schlechte Handlung nicht notwendig falsch ist.”[102],[103]

 

Und Pieper weiter: “Eine Handlung ist ethisch vollkommen, wenn sie sowohl (moralisch) richtig gut als auch (pragmatisch) richtig ist. Doch ob eine Handlung tatsächlich vollkommen ist, ist empirisch außerordentlich schwer entscheidbar, da der gute Wille sich nicht unmittelbar äußert, sondern nur über die Handlung erschlossen werden kann.”[104] Die Ethik reicht eben nur bis zu den Maximen.

 

Das EFQM-Modell ermöglicht eine Bepunktung von Handlungen in der Organisation und schafft Transparenz in der Darlegung und im Diskurs. Damit wird die Entscheidung, ob die “Handlung vollkommen” ist, zwar nicht abgenommen, aber zumindest erheblich vereinfacht.

 

 

12. QM meets ethics

QM kann Ethik operationalisieren und Ethik damit zur konkreten Anwendung verhelfen. QM schafft Transparenz und legt die normative Anbindung des QM dar. QM ermöglicht dank seiner Schaffung von Transparenz den Diskurs, der erforderlich ist, um die Menschen für die konkrete Umsetzung der Leitsätze, des Leitbildes, der christlichen Soziallehre, des Überbaues, zu gewinnen.

 


Wie kann nun QM der Ethik konkret dienlich sein? QM kann mit dem EFQM-Modell z.B. das Leitbild der St. Elisabeth-Stiftung operationalisieren. Den einzelnen Aussagen des Leitbildes sind, analog zum EFQM-Modell, “Ansatzpunkte” zuordnungsfähig. Diese Ansatzpunkte werden operationalisiert und umgesetzt, überprüft, bewertet und erneut operationalisiert, kurzum, in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß eingeschleust.

Dies stimmt zumindest in der Theorie. Die praktische Umsetzung dessen erfordert sehr viel guten Willen, Engagement, Disziplin, Konsequenz in der Anwendung geeigneter Tools, Ressourcen in Form von Geld, Know How, Personal und Zeit. Der Regelkreis des Plan-Do-Check-Act muß stetig durchlaufen werden, um tatsächlich, nachprüfbar und meßbar, Ergebnisse der Leitbildoperationalisierung sichtbar werden zu lassen.

 

Als Beispiel wird das Schlagwort “Betroffene zu Beteiligten machen”, herangezogen, welches in der Organisationsentwicklung der Waldbreitbacher Franziskanerinnen schon vor der Gründung der St. Elisabeth-Stiftung Relevanz hatte. Im Kriterium 3 des EFQM Modells “Mitarbeiterorientierung” wird gefragt, “Wie die Organisation das gesamte Potential ihrer Mitarbeiter freisetzt”[105]. Das Unterkriterium 3d beschäftigt sich mit der Frage, “wie Mitarbeiter beteiligt, zu selbstständigem Handeln autorisiert und ihre Leistungen anerkannt werden.”

Hierzu werden folgende Ansatzpunkte[106] genannt:

“Ansatzpunkte könnten sein, wie die Organisation

·      Einzelne und Teams zur Mitwirkung und Veranstaltungen ermutigt und dabei unterstützt.

·      Die Mitarbeiter durch interne Konferenzen und Veranstaltungen zum Mitmachen ermutigt,

·      Mitarbeiter autorisiert, selbständig zu handeln und Effektivität überprüft,

·      ihr System zur Anerkennung konzipiert, um die Beteiligung und Autorisierung aufrechtzuerhalten.”

 

Diese Ansatzpunkte gehen über die Leitbildaussage

·      “Wir beteiligen alle von einer Entscheidung Betroffenen (Menschen die mit uns arbeiten) am Entscheidungsprozeß in angemessener Weise”[107]

bereits deutlich hinaus, ohne schon allzu konkret zu werden. Denn diese Ansatzpunkte fragen in erster Linie nach dem “Wie”. “Welche” Veranstaltung gemeint ist, “welche” interne Konferenz es sein soll, “welche” selbstständige Handlung gemeint ist und “welches” Anerkennungssystem dienlich sein kann, wird in den Ansatzpunkten des EFQM-Modells (natürlich) nicht vorgegeben. Dies ist auch nicht zwingend erforderlich. Denn sofern der Slogan “Betroffene zu Beteiligten machen” ernst genommen werden soll, muß dies folgerichtig auch selbstbezüglich möglich sein. Demnach wäre es sinnvoll, die Beteiligten selbst zu fragen, welche Veranstaltungen, Konferenzen, Handlungen und Anerkennungssysteme in Frage kommen. Mitarbeiter sind preiswerte und engagierte interne Unternehmensberater und werden, Transparenz vorausgesetzt, in ihrer Kreativität genügend Vorschläge zur Operationalisierung haben.

 

Unter diesen Vorschlägen kann ausgewählt werden. Und diese werden konkret, meßbar und nachprüfbar umgesetzt. Anschließend wird der Erfolg dieser Maßnahme bewertet. Hierzu wird die Skala von 0% bis 100% festgelegt, angewandt und das Erreichte dargelegt. Dies mündet in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß.

Die praktische Umsetzung der Vorschläge, wie “Betroffene beteiligt werden können”, erfordert[108] “sehr viel guten Willen, Engagement, Disziplin, Konsequenz in der Anwendung geeigneter Tools, Ressourcen in Form von Geld, Know How, Personal und Zeit. Der Regelkreis des Plan-Do-Check-Act muß stetig durchlaufen werden, um tatsächlich, nachprüfbar und meßbar die Ergebnisse der Leitbildoperationalisierung [“Alle von einer Entscheidung Betroffenen in angemessener Weise  beteiligen”] sichtbar werden zu lassen.”

 

Derartige Prozesse gewinnen typischerweise eine gewisse Eigendynamik. Am Ende weiß eigentlich niemand mehr so recht, warum dieser Prozeß einmal begonnen hat. Man hat konkretisiert und umgesetzt, aber warum? QM und seine praktische Anwendung z.B. im EFQM-Modell ermöglichen Transparenz. Mit dieser Transparenz wird es möglich, den jetzt abbildbaren und den zukünftigen Nutzen der Konkretisierung in den Kontext der Ethik zu setzen.

 

Im Kapitel “die Bedeutung der Ethik für die menschliche Praxis” führt Pieper aus: “...Ethik .... gebietet immer nur Moralität als die dem Menschen wesentliche Freiheit. Trotzdem gibt sie Auskunft darüber, wie in einem Einzelfall die  moralisch angemessene Handlung zu ermitteln ist, vorausgesetzt, der Handelnde weiß über die Situation Bescheid, in der er sich befindet, und hat von dieser Situation her eine Vorstellung von der erstrebten zukünftigen Situation, die durch sein Handeln verwirklicht werden soll.”[109]

Deutlich wird hier die Forderung nach Transparenz des Geschehens, wie es z.B. im EFQM-Modell möglich wird.

“Menschliche Freiheit ist nicht nur Freiheit zum Guten, sondern auch zum Bösen...”[110] “Ethik.... macht die Konstruktion des Handelns durchsichtig ... [und versetzt] ... in die Lage ... die Normen, die er [der Mensch, der Handelnde] bislang fraglos befolgt hat, auf ihre Moralität hin zu überprüfen.”[111],[112]

 

Die Operationalisierung der Ethik im QM soll in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) münden. Beides erlernt man nicht im Handumdrehn. Pieper schreibt: “Moralische Freiheit ist nicht etwas, das man von Natur aus besitzt bzw. wahrnehmen kann, so wie man Augen hat, um zu sehen. Moralische Freiheit muß man vielmehr in der Praxis und für die Praxis erwerben, und Erziehung zur Mündigkeit heißt letztlich nichts anderes als pädagogische Hinleitung zu autonomer Selbstverfügung, zum richtigen Gebrauch von Freiheit, durch den sich ein Individuum  als freies Individuum unter anderen freien Individuen bestimmt.” [113],[114],[115]

 

Meran führt aus, “daß die Ethik ihren ‘Stoff’ der gelebten Moral und den geschichtlichen Verhältnissen entnehmen muß, ... daß die Ethik strenggenommen nur als angewandte oder besser praktische Disziplin zu betreiben ist. Eine Ethik, die nicht darlegt, wie ihre Prinzipien die konkrete Praxis anleiten sollen, verfehlt ihre eigentliche Aufgabe als normative Disziplin....Die entscheidende Aufgabe der Wirtschaftsethik [besteht] nicht so sehr darin, ein Moralprinzip zu begründen, dem auch die Wirtschaft zu unterstellen ist, sondern darin, darzulegen, wie ökonomische mit moralischen Motiven und Normen in Einklang gebracht werden können.”[116]

 

 

13. Fazit

Ärzte haben aufgrund ihres Berufes eine besondere Affinität zum Menschen und zu den Fragen nach ethischen Grundvoraussetzungen und Auswirkungen ihrer beruflichen Tätigkeit. Wenn sich ein Arzt dann auch noch dem Qualitätsmanagement widmet und von der Idee eines umfassenden QM beseelt wird, liegt es nahe, daß sich dieser der Frage nach Verknüpfung von Ethik und QM bzw. QM und Ethik widmet.

 

Im EFQM-Modell werden ethische Fragen nicht direkt abgehandelt. Erst bei genauerem hinsehen wird man gewahr, daß Fragen der Ethik in den Grundvoraussetzungen für zukunftsorientiertes Management im Sinne integrierter Managementkonzepte[117] eingebunden sind. Gemeint sind hiermit Begriffe wie “Visionen”, “Werte”, “Missionen” und “Ziele” eines Unternehmens. Nicht von ungefähr springen gerade caritative Einrichtungen gerne auf den Qualitätszug (auch im Sinne der DIN ISO Normen) auf, weil sie den ersten Schritt einer visions-, missions- und werteumfassenden Zielorientierung problemlos bewältigen. Sie setzen einfach ihr christliches Welt- und Menschenbild als Ursprung von Qualitätsbemühungen ein. Von diesem Einwahlknoten aus gelangt man ohne Mühe über einige Treppenstufen zur Selbstbewertung, wenn nicht gar zum Verbesserungsansatz. Unbestritten haben auch christlich begründete Unternehmen ihre Findungschwierigkeiten.

 

Ein Automobilkonzern, eine Maschinenfabrik, eine Bank und ein Schlachthof haben es weitaus schwerer, plausibel zu begründen, warum denn die Versorgung mit einwandfreiem Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, die sachgerechte und kundenzufriedenheitsorientierte Anlageberatung von Wertpapieren, die ressourcengerechte, arbeitsvereinfachende sowie wartungsfreundliche Werkzeugmaschinen-entwicklung und nicht zuletzt das ABS-zwölffach-Airbag-servogelenkte Dreiliterauto mit voller Recycylingfähigkeit irgendwelchen ethischen Gesichtspunkten Genüge leisten sollen.

 

Der Ausgangspunkt für meine Idee, etwas über Ethik im Zusammenhang mit QM aufzustöbern und zu entwickeln, entstammt einer Bemerkung eines Kurskollegen aus der (ärztlichen) QM-Ausbildung. Dieser berichtete, er habe einmal im Internet etwas über TÜV-Zertifizierungen von Gaskammern in Ausschwitz gefunden. Dieser Hinweis stimmte mich nachdenklich, paßte er doch in das Stimmungsbild über Verstrickungen aller möglichen Unternehmen in die Greueltaten der Nazis (z.B.  Versicherungen).

 

Im Grunde genommen wäre es nicht sonderlich verwunderlich, wenn die industrielle Revolution des Massenmords[118] die technische Unbedenklichkeitserklärung einer Ingenieurprüfstelle für Gaskammern und Krematorien eingeschlossen hätte. In dem Buch “Die Krematorien von Auschwitz”[119] habe ich zu der Behauptung eine Gaskammernzertifizierung keine Hinweise gefunden. Frappierend war in diesem Buch jedoch die Banalität der Ereignisabfolgen bezüglich der Krematorienentwicklung durch Mitarbeiter der Firma Topf aus Halle. Solch ein Buch kann man gewiß problemlos auch über die Entwicklung von Giftgasfabriken für den Orient oder für die Entwicklung bakteriologischer Kampfstoffe im Zweistromland schreiben.[120]

 

Die Herleitung des QM aus dem Nutzenprinzip der Utilitaristischen Wirtschaftsethik ist ein möglicher Weg, der jedoch nicht voll befriedigt. Dieser Mangel rührt wesentlich daher, daß sowohl QM als auch Utilitaristische Ethik unvollkommene Disziplinen sind, und der Utilitarismus als “Hilfsethik” zwar instrumentell nützlich und praktisch ist, aber eine Letztbegründung nicht liefert. Dies ist mit der christlichen Ethik, dem kategorischen Imperativ Kants, der Gerechtigkeitstheorie, eingeschränkt mit der Diskursethik und vielleicht auch mit dem Marxismus möglich.

 

QM ist keine Philosophie und auch keine Wissenschaft, aber zumindest ein Werkzeug, wenn nicht die Welt zu verstehen[121], so doch zumindest besser mit ihr umgehen zu können. Und damit unterscheidet sich QM kaum von anderen Disziplinen, die, vielleicht mit einem höheren intellektuellen Anspruch operieren. QM kann an der Werkbank, an der Schlachtbank und an der Kreditbank, sogar mit ein bißchen Phantasie an der heimischen Gartenbank und an der Hantelbank eingesetzt werden. Wenn die Definition von QM gemäß DIN ISO 8402[122] zugrunde gelegt wird, hat QM in Organisationen einen umfassenden Anspruch, welcher sich auch in den Begriffsschöpfungen des “Total Quality Management” (TQM) bzw. des “Umfassenden Qualitätsmanagment” (UQM) abbildet.

 

Es ist sicherlich glücklich, den Begriff des “total” in “umfassend” für den deutschen Sprachraum umzudeuten, da hierzulande “total” mit “totalitär” gleichgesetzt werden mag[123]. Und hiermit würden auch gleich Assoziationen mit Handlungsweisen geweckt, welche dazu die Perversion des Qualitätsgedankens mit sich brächten. Totale Vernichtung eines ganzen Volkes und eine Qualitätsdefinition im Sinne effizienten Gaskammermordes wäre eine teuflisch anmutende Groteske. Solche Gedanken liegen näher als auf den ersten Blick wahrscheinlich. Dies mag man daraus ersehen, daß TQM-Ideen des öfteren im Zusammenhang mit “Scientology” genannt werden.

 

Ich halte eine offen zu führende Diskussion über “Ethik im QM” und “QM in der Ethik” für sehr notwendig und glaube, daß beide Disziplinen hiervon profitieren könnten. Allerdings wird uns diese Diskussion weder vom Kirchgang entbinden noch die Arbeit abnehmen. Vielmehr werden beide Disziplinen eher noch verkompliziert, da Dinge, die bis heute ohne diese Verknüpfung noch ganz einfach zu sein schienen, es morgen nicht mehr sein können.

 

Als Einstieg in diese Diskussion könnte, analog zu den Vorschlägen des Zeitmanagement-Trainers Seiwert,[124] “persönliche Lebenshüte” zu definieren, die Anwendung des EFQM-Modells auf die eigene Lebensgestaltung sein.[125] Ethik fragt nicht nur “Was sollen wir tun?”, sondern auch, wenn nicht sogar in erster Linie:

 

“Was soll ich tun?”

 

Qualitätsmanagement, auch in einer Organisation, beginnt bei der selbstbezüglichen Anwendung des QM-Gedankens auf das eigene Handeln.

 

“Qualitätsmanagement beginnt im Kopf – und zwar im eigenen”!

 

So lautet ein Schlagwort in der “QM-Szene”, um zu verdeutlichen, das Veränderungen, insbesondere im Sinne von Verbesserungen, stets den Einzelnen, die Führungskraft, den Chef, den Mitarbeiter usw. erfassen, ja bei ihm beginnen müssen.

 

Erst dann, wenn der Einzelne in der Lage ist, einen analog zu oder zumindest in Anlehnung an Kapitel 14. gestalteten Fragenkatalog zu erstellen, zu beantworten, für seine eigene Person und seine Lebensgestaltung Verbesserungsansätze zu entdecken, sie zu operationalisieren, umzusetzen, die Umsetzung nachzuprüfen und erneut in seinen persönlichen Regelkreis einzutreten, wird er auch in seiner Organisation in der Lage sein, eine ähnliche Vorgehensweise zu akzeptieren.

 

Und erst dann, wenn der Einzelne wissen wird, was “er persönlich tun soll”, wird es ihm möglich sein, diese Frage gemeinsam mit Anderen als  “wir” zu stellen, zu diskutieren und zu beantworten.

 

 

14. Ausblick: Das persönliche EFQM-Modell

Das EFQM-Modell für Business-Excellence wurde ursprünglich für Organisationen bzw. Unternehmen entwickelt. Diese bestehen aus Mitarbeitern in den verschiedensten Hierarchieebenen mit individuell geformtem sozialen Hintergrund und Anspruch. Nur wenn sich die Mitarbeiter im Sinne des Modells einbringen, kann dieses erfolgreich gelebt werden.

 

Brüche im Verhalten von Menschen sind nichts außergewöhnliches. Die Geschichte[126] bringt immer wieder Persönlichkeiten hervor, die im Privatleben treusorgende und hilfsbereite, sozialadaptierte, “gute” Menschen sind und im beruflichen Kontext gleichzeitig sich als gesetzlose Halunken oder Verbrecher entpuppen. Zwischen diesen Extremen dürfte es alle Spielarten menschlichen Verhaltens geben. Unterstellen wir diesem Verhalten eine Normalverteilung, dann dürften “normale Durchschnittsbürger” mit durchschnittlicher Religiösität, Sozialverhalten, Familiensinn, Gesetzestreue und Anständigkeit sich ebenso mittelmäßig adaptiert auch im Berufsleben verhalten.

 

Sollte ein EFQM-Business-Excellence Modell in der Organisation funktionieren, so bietet es sich an, zum Verhalten im Berufsleben Analogien im Privatleben zu suchen.

 

Werte, Missionen, Visionen und Ziele eines Unternehmens müßten im privaten Breich genauso wiederzuentdecken sein wie die Befähigerkriterien des Führungsverhaltens, der Politik und Strategie, der Partnerschaften und Ressourcen, der Prozesse, der Kunden- und der Mitarbeiterorientierung sowie der Ergebniskriterien wie Geschäftsergebnisse, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit und Gesellschaftliche Verantwortung.

 

Daraus könnte ein EFQM-Modell für “Lebens-Excellence” auf Basis einer individuell zu wählenden Ethik[127] und der bestehenden Kriterienkataloge entwickelt werden.[128]

 

 

Fragensammlung

 

(Lebens)-Führung

·      Bin ich religiös?

·      Glaube ich an Gott und an ein Leben nach dem Tod?

·      Was sind meine Ziele für ein Leben auf dieser Welt?

·      Fühle ich mich selbst- oder fremdbestimmt?

·      Habe ich das Gefühl, ein “guter” Mensch zu sein?

·      Was sind meine Grundeinstellungen?

 

Politik und (Lebens-)Strategie

·      Was möchte ich in meinem Leben erreichen?

·      Wo liegen meine Ziele in Bezug auf meine Person, auf mein Lebensalter, meine Gesundheit, meine Familie, mein gesellschaftliches Engagement, meinem beruflichen Erfolg und meinem Glück?

 

Partnerschaften und Ressourcen

·      Welche Partnerschaften bin ich eingegangen bzw. gedenke ich einzugehen?

·      Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung, in Form von Geld, gesellschaftlicher Position, Intelligenz, Einsatzfreude, Fähigkeit zum Engagement, Freude an der Arbeit?

·      Welche Ressourcen glaube ich benötigen zu müssen, um potentielle, vorhandene oder andere Ziele zu erreichen?

·      Wie sehe ich die Menschen, mit denen ich “zu tun” habe, mit denen ich “”kooperiere” (z.B. Kinder, Ehepartner, Familienmitglieder, Freunde, Vereinskollegen, Arbeitskollegen) in Bezug auf mein Verhalten?

 

 

Prozesse (Lebensverläufe)

·      Womit verbringe ich meinen Alltag?

·      Was tue ich?

·      Wie realisiere ich meine Ziele?

·      Wie verhalte ich mich im Alltag, ob privat oder beruflich?

·      Bin zuverlässig, treu, pünktlich, schlampig, freundlich oder frech, zielstrebig oder zerfahren?

·      Tue ich Dinge gern oder unter Zwang bzw. unter Gefühl von Zwang?

 

(Orientierung hin zu meinen >>Nächsten<<) Mitarbeiterorientierung

·      Welche Menschen sollen mich bei diesen Erfolgsvorhaben unterstützen und wie gehe ich an sie heran?

·      Was tue ich, damit ich Unterstützung erfahre.?

 

(Orientierung meiner >>Nächsten<< hin zu mir) Mitarbeiterzufriedenheit

·      Wie zufrieden sind die Menschen, die mich bei meiner Lebensgestaltung unterstützen, mit mir?

 

(Orientierung an meinen >>Nächsten<<) Kundenzufriedenheit

·      Wie zufrieden sind die Menschen, die von mir etwas haben sollen, mit mir?

 

Gesellschaftliche Verantwortung

·      Was habe ich als Bürger, als politischer Mensch, als soziales Wesen, als Christ (z.B. konket im Zeitraum xy) geleistet?

 

(Lebensabrechnung) Geschäftsergebnisse

·      Was habe ich konkret in einem definierten Zeitraum an konkreten Eergebnissen erzielt?

·      Inwieweit entsprechen die erreichten Ergebnisse den von mir selbst aufgestellten Zielen?

 

 


15. Literaturverzeichnis

 

Altner G: Leben in der Hand des Menschen. Darmstadt 1998.

 

Berkel K, Herzog H: Unternehmenskultur und Ethik. Heidelberg 1997.

 

Bleicher, Knut: Das Konzept Integriertes Management. Frankfurt 1999.

 

Conze, Edward: Der Buddhismus. Stuttgart 1995.

 

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Grandjean, Josef: Der Prozeß der Leitbildentwicklung und -umsetzung am Beispiel der St. Elisabeth-Stiftung in Dernbach. In: Zwierlein. Klinikmanagement. München 1997.

 

Grupp, Rudolf: Medizinethik und Gesundheitspolitik - Eine neue Diskussionskultur. Deutsches Ärzteblatt, 95, 41, 9.10.1998.

 

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Höffe, Otfried (1): Ethik und Politik. Frankfurt 1992.

 

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Klatt E, et al.: Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch. Berlin 1983.

 

Klinkhammer, Gisela (1): Ethik-Charta - Achtung vor der Würde des Menschen. Deutsches Ärzteblatt, 95, 34-35, 24.8.1998.

 

Klinkhammer, Gisela (2): Ethische Kodizes in Medizin und Biotechnologie - Schutz vor ärztlichen Verfehlungen. Deutsches Ärzteblatt, 94, 44, 31.10.1997.

 

Kori-Lindner: Verantwortungsethik statt Gesinnungsethik, FÄPI-intern, 2, 1998.

 

Lauterbach, Karl, Hinzpeter, Birte (1): Effizienz-Analysen - Eine ethische Notwendigkeit. Deutsches Ärzteblatt, 94, 51-52, 22.12.1997.

 

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Lütz, Manfred: Der blockierte Riese - Psycho-Analyse der katholischen Kirche. Augsburg, 1999.

 

Marx, Karl & Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei. Stuttgart 1969.

 

Meran, Josef: Wirtschaftsphilosophie – Wirtschaftsethik. Hagen, 1993.

 

Nerburn, Kent: Die letzten heiligen Dinge - Auf den Spuren indianischer Weisheit. Hamburg 1997.

 

Pieper, Annemarie (1): Einführung in die philosophische Ethik 1 - Gegenstand und Aufgabe der Ethik. Hagen 1993.

 

Pieper, Annemarie (2): Einführung in die philosophische Ethik 2 - Die Ethik als autonome Wissenschaft. Hagen 1993.

 

Pieper, Annemarie (3): Einführung in die philosophische Ethik 3 - Methoden und Theorien der Ethik. Hagen 1993.

 

Pressac, Jean-Claude: Die Krematorien von Auschwitz - Die Technik des Massenmordes. München 1995.

 

Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt 1996.

 

Reese-Schäfer, Walter: Karl-Otto Apel zur Einführung. Hamburg 1990.

 

Reitlinger Gerald: Die Endlösung, Berlin 1979.

 

Salomon, F: Ethische Fragen an zukünftige Entwicklungen in Anästhesie und Intensivmedizin. Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung, 1, 1996.

 

Seghezzi, H.D.: Integriertes Qualitätsmanagement. München 1996.

 

Seiwert, Lothar L.: Wenn Du es eilig hast, gehe langsam. Frankfurt 1999.

 

Sprenger, R.K.: Die Entscheidung liegt bei Dir!. Frankfurt 1997.

 

St. Elisabeth-Stiftung (1): Wir freuen uns auf Sie. Waldbreitbach 1997.

 

St. Elisabeth-Stiftung (2): Unser Leitbild – Ein christliches Gütesiegel.

Waldbreitbach 1997.

 

Ulke, Karl-Dieter: Vorbilder im Denken. Bindlach 1998.

 



[1] Die Begriffe werden in den Kapiteln 3. ff. erläutert, ebenso alle Abkürzungen.

[2] Pieper, Annemarie (1): Einführung in die philosophische Ethik 1 - Gegenstand und Aufgabe der Ethik, Hagen 1993.

[3] Ebd.: S. 2.

[4] Pieper (1): (Anm.2), S. 12.

[5] Pieper (1): (Anm.2), S. 32.

[6] Pieper (1): (Anm.2), S. 36.

[7] Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt 1996.

[8] Meran, Josef: Wirtschaftsphilosophie - Wirtschaftsethik, Hagen 1993, S. 7.

[9] Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) e.V.: Begriffe zum Qualitäts-management, Berlin 1995.

[10] Ebd.: S. 34.

[11] Pieper (1): (Anm.2), S.32.

[12] Siehe auch Kapitel 12., “QM meets ethics”.

[13] DGQ: (Anm.9).

[14] DGQ: (Anm.9), S. 30.

[15] siehe DIN-Definition.

[16] Sprenger, R.K.: Die Entscheidung liegt bei Dir!, Frankfurt 1997.

[17] Seiwert, Lothar L: Wenn Du es eilig hast, gehe langsam, Frankfurt 1999.

[18] Pieper, Annemarie (2): Einführung in die philosophische Ethik 2 - Die Ethik als autonome Wissenschaft, Hagen 1993, S. 26.

 

[19] Ebd.: S. 26.

[20] Umgangssprachlich formuliert "der Schalker": "Hauptsache auf'm Platz und hauptsache Tor".

[21] Ulke, Karl-Dieter: Vorbilder im Denken, Bindlach 1998.

[22] Er mußte weder “auf´n Platz” noch “Tore schießen”.

[23] Siehe u.a.: Altner G: Leben in der Hand des Menschen, Darmstadt 1998; sowie weitere Literatur: Grupp, Rudolf: Medizinethik und Gesundheitspolitik - Eine neue Diskussionskultur, Deutsches Ärzteblatt, 95, 41, 9.10.1998; Höffe, Otfried (2): Medizin in Zeiten knapper Ressourcen, Deutsches Ärzteblatt, 95, 5, 30.1.1998; Klinkhammer, Gisela (1): Ethik-Charta - Achtung vor der Würde des Menschen, Deutsches Ärzteblatt, 95, 34-35, 24.8.1998; Klinkhammer, Gisela (2): Ethische Kodizes in Medizin und Biotechnologie - Schutz vor ärztlichen Verfehlungen, Deutsches Ärzteblatt, 94, 44, 31.10.1997; Kori-Lindner, Verantwortungsethik statt Gesinnungsethik, FÄPI-intern, 2, 1998; Lauterbach, Karl (1), Hinzpeter, Birte: Effizienz-Analysen - Eine ethische Notwendigkeit, Deutsches Ärzteblatt, 94, 51-52, 22.12.1997; Lauterbach, Karl (2): Ökonomische und ethische Aspekte der Entwicklung von Behandlungsleitlinien, Zeitschrift für Ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung, 91, 1997; Salomon, F.: Ethische Fragen an zukünftige Entwicklungen in Anästhesie und Intensivmedizin, Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung, 1, 1996.

[24] Und da gibt es m. E. keinen Unterschied mehr zwischen “gut” im ethischen bzw. “gut” im praktischen Sinn.

[25] Gabler Verlag: Gabler Wirtschaftslexikon, 4. Band, Wiesbaden, 1988.

[26] Ebd.: S.258-259.

[27] Bleicher, Knut: Das Konzept Integriertes Management, Frankfurt 1999.

[28] Ebd.: S. 15.

[29] Siehe hierzu die Definitionen in Kapitel 3.3. und 3.4.

[30] DGQ: (Anm.9), S. 30.

[31] Klatt E, et al.: Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch, Berlin 1983.

 

[32] Beispielsweise sind Schulrecht und Schulordnung einschließlich Lehrpläne schon vor Jahrhunderten bekannt gewesen und eingesetzt worden. Es gilt gestern wie heute: Wenn eine Landesregierung Schulunterichtscurricula erläßt, kann der Lehrer auf selbige rekurrieren und die Eigenverantwortung der Unterrichtsgestaltung an die Obrigkeit zurückgeben.

[33] DGQ: (Anm.9).

[34] DGQ: (Anm.9), S.35.

[35] DGQ: (Anm.9), S.36.

[36] Seghezzi, H.D.: Integriertes Qualitätsmanagement, München 1996.

[37] Siehe z.B.: European Foundation for Quality Management (EFQM) (1): Bewertungsbuch für Assessoren, Brüssel 1996; European Foundation for Quality Management (EFQM) (2): European quality award 1996, Brüssel 1996; Hildebrand, Rolf: Das bessere Krankenhaus, Neuwied 1999; sowie Seghezzi: (Anm.36).

 

[38] EFQM (1) und (2): (Anm.37).

[39] Abdruck der Abbildung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von A. Meeßen

[40] EFQM (1): (Anm. 37).

[41] EFQM (1): (Anm.37).

[42] EFQM (2) : (Anm.37).

[43]Höffe, Otfried (1): Ethik und Politik, Frankfurt 1992.

[44] Ebd.: S.120.

[45] Ebd.: S.123.

[46] Ebd.: S.123.

[47] Ebd.: S.128.

[48] Ebd.: S.128.

[49] Ebd.: S. 131.

[50] Ebd.: S.134.

[51] Ebd.: S.141.

[52] Pieper, Annemarie (3): Einführung in die philosophische Ethik 3 - Methoden und Theorien der Ethik, Hagen 1993.

[53] Meran: (Anm.8).

[54] Ebd.

[55] Sprenger: (Anm.16).

[56] Seiwert: (Anm.17).

[57] Etwa in dem Stil: >>Haben sie heute schon ihre Frau geküßt, wenn ja, wie oft und wie intensiv?<<

[58] Höffe (1): (Anm.43), S.153.

[59] Göbbels hat in seiner Sportpalastrede nur vermeintlich “alle" nach ihrem Willen zum totalen Krieg (der Holocaust sei hierunter der Einfacheit halber subsumiert) gefragt. Was fehlte, war offensichtlich die Transparenz des Geschehens. Hätte er den “totalen Krieg" als Judenvernichtung operationalisiert dargestellt, und darüber eine “geschützte, gar anonyme" Diskussion zugelassen, wäre die  “Stellungnahme" seiner Zuhörer ggf. anders ausgefallen.

[60] M. E. ist das QM eine Übersetzung der Utilitaristischen Ethik in die Sprache der Wirtschaft.

[61] EFQM (1) und (2) sowie Hildebrand, (alle Anm.37).

[62] Siehe z.B.: Berkel K, Herzog H: Unternehmenskultur und Ethik, Heidelberg 1997.

Höffe (1): (Anm.43); Lütz, Manfred: Der blockierte Riese - Psycho-Analyse der katholischen Kirche, Augsburg 1999; Marx, Karl & Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei, Stuttgart 1969; Meran (Anm.8); Nerburn, Kent: Die letzten heiligen Dinge - Auf den Spuren indianischer Weisheit, Hamburg 1997; Pieper (1) bis (3): (Anmerkungen 2, 18, 32); Rawls: (Anm.7); Reese-Schäfer, Walter: Karl-Otto Apel zur Einführung, Hamburg 1990.; Ulke: (Anm.21).

[63] Pressac, Jean-Claude: Die Krematorien von Auschwitz - Die Technik des Massenmordes, München 1995.

[64] Reitlinger Gerald: Die Endlösung, Berlin 1979.

[65] Die Historiker haben Jahrzehnte lang betont, daß das besonders infame des Holocaust die planvolle, ja industrielle Menschenvernichtung gewesen sei.

[66] Höss Rudolf, Kommandant in Auschwitz, Stuttgart 1979.

[67] Hier ist Pieper Recht zu geben, auf die Bedeutung dieser Adjektive und ihre unterschiedliche Auslegung je nach Kontext hinzuweisen.

[68] Kipphardt, Heinar: Bruder Eichmann, Reinbek 1983, S.90.

 

[69] Siehe auch Kapitel 12.

[70] Höffe (1): (Anm.43).

[71] Auf eine Diskussion, ob die folgenden Beispiele für ”Anschauungen” einem Letztbegründungsanspruch standhalten, wird hier bewußt verzichtet.

[72] Pieper (3): (Anm.52), S.50.

[73] Marx: (Anm.62): S.23.

[74] Ebd.: S.35.

[75] Der Bock würde zum Gärtner gemacht.

[76] Rawls: (Anm.7).

[77] Pieper (3): (Anm.52): S.46

[78] Höffe (2): (Anm.62).

[79] Lauterbach (1) und (2): (Anm.62).

[80] Rawls: (Anm.7).

[81] Reese Schäfer: (Anm.62), S.71.

[82] Lütz: (Anm.62): S.125.

[83] Meran: (Anm.8), S.21.

[84] Höffner kritisiert hier indirekt den Utilitarismus.

[85] Meran: (Anm.8): S.21.

[86] Meran: (Anm.8), S.26.

[87] Nerburn: (Anm.62).

[88] Conze, Edward: Der Buddhismus, Stuttgart 1995.

[89] Ebd.

[90] von ”irgendwas”, ob Egoismus oder Altruismus

[91] Berkel (Anm.62), S.28.

[92] St. Elisabeth-Stiftung (1): Wir freuen uns auf Sie, Waldbreitbach 1998; St. Elisabeth-Stiftung (2): Unser Leitbild – Ein christliches Gütesiegel, Waldbreitbach 1997.

[93] Ebd.: St. Elisabeth (1), S.4.

[94] Grandjean, Josef: Der Prozeß der Leitbildentwicklung und -umsetzung am Beispiel der St. Elisabeth-Stiftung in Dernbach, in: Zwierlein: Klinikmanagement, München 1997, S.165.

[95] Ebd.: S.165.

[96] St. Elisabeth (2): (Anm.92), S.1-16.

[97] Grandjean: (Anm.94), S.168.

[98] St. Elisabeth (2): (Anm.92), S.1-16.

[99] Bleicher: (Anm.27).

[100] St. Elisabeth (2): (Anm.92), S.1-16.

[101] Ebd.: S.1-16.

[102] Pieper (2): (Anm.18), S.28.

[103] Dies ist eine schöne Begründung, warum ein Leitbild ohne seine Operationalisierung unvollständig ist, und warum die Ethik dem QM und das QM der “praktischen” Ethik begegnen sollen.

[104] Pieper (2): (Anm.18), S.29.

[105] EFQM (1): (Anm.37).

[106] Ebd.

[107] St. Elisabeth (1): (Anm.92).

[108] Zitat aus dieser Arbeit, S.25.

[109] Pieper (1): (Anm.2), S.40.

[110] >>Sie ist die Freiheit zur Kirche und zum KZ<<.

[111] Pieper (1): (Anm.2), S.41.

[112] Dafür eignet sich das EFQM-Modell hervorragend.

[113] ...aber auch Selbst-Erziehung, im EFQM Modell das "Self-Assessment"

[114] Pieper (2): (Anm.17), S.25.

[115] Und dies, so meine ich, gilt genauso auch für die Organisation.

[116] Meran: (Anm.8).

[117] Bleicher: (Anm.25).

[118] wie man den Holocaust auch bezeichnen mag

[119] Pressac: (Anm.53).

[120] und die Zertifizierung eines QM-Systems in einem solchen Unternehmen wäre vermutlich möglich.

[121] dies können wir getrost der Philosophie überlassen.

[122] DGQ: (Anm.9).

[123] Siehe auch Kapitel 5., “Umfassendes Qualitätsmanagement”, S.10.

[124] Seiwert: (Anm.17).

[125] Siehe Kapitel 14.

[126] z.B. Eichmann

[127] hier der christlichen Ethik und Soziallehre.

[128] Die folgende Fragensammlung soll als Anregung dienen. Sie ist rudimentär und dürfte individuell sehr unterschiedlich aussehen.