Die Sektion "Sozialphilosophische Studien" des Christian-Jakob-Kraus-Instituts für Wirtschafts- und Sozialphilosophie der FernUniversität in Hagen betreibt Grundlagenforschung in der Sozialphilosophie.

 

Christian Jakob Kraus

Sozialphilosophie


 
 

Die Reihe "SO | PHI | ST Sozialphilosophische Studien" hat folgende Zielsetzung:

SO | PHI | ST, die Sozialphilosophischen Studien siedeln sich auf einem Problemfeld an, das durch das Soziale i.w.S. markiert ist, d.h. auf einem offenen Feld, auf dem sich Überschneidungen und Konvergenzen, Konfliktzonen und Kritikpotentiale mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen begegnen. Die hier lokalisierten Problematiken erschließen sich in der Regel nicht den begrifflichen und methodischen Mitteln eines einzelnen Diskuses. Die Notwendigkeit der diskursiven Übergänge erweist sich in der Unvermeidlichkeit des Metaphorischen, ja des Rhetorischen; genau darauf soll metonymisch die Abkürzung der Sozialphilosophischen Studien hinweisen : SOPHIST.

Ungeachtet der konstitutiven Multidisziplinarität und Interdiskursivität hat sich das Arbeitsfeld der Sozialphilosophie in dem Jahrhundert ihres Bestehens als durch Grenzüberschreitungen gekennzeichnet bewährt. Nur durch Untreue ihrem Ursprung gegenüber hat sich die Sozialphilosophie ein anspruchsvolles Terrain sichern können. Solche Untreue macht sich SO | PHI | ST zum Programm: sie bewegt sich durch Grenzüberschreitungen, Vermischungen, radikale Übergänge, durch (Kon-)Fusionen und Differenzen und durch ein Oszillieren zwischen Verführung und Verführtwerden.

Im gegenwärtigen Selbstverständigungsprozeß einer europäischen Kultur tritt eine so verstandene Sozialphilsophie mit folgenden Aufgabenbestimmungen hervor:

  1. Sozialphilosophie, einschließlich der sich neu formierenden Kulturphilosophie, übernimmt nach dem Ende des "linguistic turn" die Rolle einer philosophischen Leitdisziplin; eine einheitswissenschaftliche oder alles-letztbegründende Funktion sind ihr jedoch so fremd, daß ihr eher das multidisziplinäre Symphilosophieren der Frühromantiker oder die Interdisziplinarität der frühen Kritischen Theorie als Orientierumngspunkte dienen können.
  2. Als Philosophie des Sozialen - Gegenstand und Form der Reflexion - verläßt die Sozialphilosophie die exklusive Anbindung an die Soziologie und die anderen Sozialwissenschaften und öffnet sich semiologischen, texttheoretischen und allgemein kulturwissenschaftlichen Forschungsgesichtspunkten.
  3. Sozialphilosophisches Denken im Ausgang der Moderne kennt nicht mehr den großen Überblick oder das alles organisierende gedankliche Zentrum (seien es auch so ehrwürdige Ideen wie Gerechtigkeit oder herrschaftsfreie Kommunikation); Zentren sind zu beweglichen Bezugspunkten in einem fortwachsenden Labyrinth der Wissenswelten geworden.

Auf dem so charakterisierten (Kon-)Fusionsfeld verpflichtet sich die Reihe SO | PHI | ST einem Prozeß des Philosophierens, der Affirmationszwänge und Konsens- und Treuepflichten gegenüber einzelnen Diskursen in einer kritischen Distanzierung aufhebt und ein Entkommen aus ihnen ermöglicht.

Wird dieser diskursive Freiraum ernst genommen und läßt er sich in der Praxis der Reihe realisieren und zu einer festen Erwartung institutionalisieren, dann bietet er für zukünftige Forschungsarbeiten die Chance, die Gesellschaftlichkeit des Denkens mit der Fiktionalität des Gesellschaftlichen so zu verbinden, daß für die Leser die Lektüre der Spuren der Menschen in den Texten zusammen mit der Leküre des Textuellen am Menschen ermöglicht wird. Denn Phänomene sozialer Erfahrung figurieren als Produkte einer Praxis der Diskurse, die begriffliches Wissen (u.a. auch von Sozialem) und soziale Macht (u.a. auch über Wissen) zugleich konstituiert.

Die Interdisziplinarität der Reihe SO | PHI | ST soll sich auch darin auswirken können, daß in ihr sowohl solche Tendenzen zu Wort kommen, die das Soziale stärker als Institutionelles begreifen, wie z.B. die Rechtsphilosophie und die politische Philosophie, als auch auf der anderen Seite solche, die es stärker als Symbolisches oder Semiotisches interpretieren, wie z.B. die Kulturphilosophie. Das Verbindende beider Perspektiven könnte z.B. sein der Rekurs auf den kommunikativen Text oder die Textualität des Sozialen. Aber gerade auch als Bezugsgröße genommen, muß dieses Verbindende aus allen Richtungen durchlöchert und porös sein, so daß das Andere seiner selbst zur permanenten Provokation in Richtung einer Philosophie der Übergänge und Übersetzungen wird. Das legt eine nomadische Vernunft eher nahe als eine ersitzende, ebenso wie ihre Ästhetik eher eine ambulante Ästhetik als ein Hort des schönen Scheins sein wird.

Die Reihe SO | PHI | ST wird im Auftrag des Christian-Jakob-Kraus-Instituts herausgegeben von Kurt Röttgers; sie erscheint im ParErga-Verlag, Berlin

In der Reihe sind 2002 als die ersten vier Bände erschienen:

  1. Kurt Röttgers: Kategorien der Sozialphilosophie. Magdeburg 2002
  2. Volker Schürmann: Heitere Gelassenheit. Grundriß einer parteilichen Skepsis. Magdeburg 2002
  3. Thomas Bedorf / Stefan Blank (Hrsg.): Diesseits des Subjektprinzip. Körper - Sprache - Praxis. Magdeburg 2002 [Dieser zweisprachige Band erschien zugleich im Verlag L'Harmattan in Paris.]
  4. Kurt Röttgers: Metabasis. Philosophie der Übergänge. Magdeburg 2002
  5. Heike Kämpf: Die Exzentrizität des Verstehens. Berlin 2003.
  6. Wolfgang Langer: Gilles Deleuze - Kritik und Immanenz. Berlin 2003.
  7. Richard Geisen: Macht und Misslingen. Zur Ökonomie des Sozialen. Berlin 2005.
  8. Birger B. Priddat: Moral und Ökonomie. Berlin 2005.


Weitere Bände sind in Planung:
  1. Ralf Konersmann: Der Schleier des Timanthes. 2. Aufl.
  2. Kristóf Nyíri: Bilder-Buch. Ein Versuch über die Bildlichkeit des Denkens
Anfragen und Bestellungen an: diese Emailadresse oder als Bestellfax an: 03941/445282