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Zentrales Institut für Fernstudienforschung
Central Institute for Distance Education Research - FernUniversität in Hagen |
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20.02.2002 |
Helmut Fritsch
Möglichkeiten und Grenzen der automatisierten InteraktionDefinition:Fernstudium ist eine Organisationsform von Studium wo - die Vermittlung der Lehrinhalte - tutorielle Interaktionen - individuelle Lernkontrollen - und Prüfungen über Medien ermöglicht werden können. Die Idee, möglichst viele der Tätigkeiten im Fernstudium, die immer wiederkehren und auch nicht zu neuen Erkenntnissen auf Seiten der Akteure beitragen, zu standardisieren und nach Möglichkeit zu automatisieren zieht sich durch die Arbeit des Zentralen Instituts für Fernstudienforschung hindurch wie ein roter Faden. Begonnen hatte dies mit der Entwicklung von LOTSE (Lernziel-Orientierte Tests und Standardisierte Evaluation), ein System das nicht nur die Überprüfung von standardisierten Antworten auf Fragen in Einsendearbeiten ermöglichte sondern auch standardisierte Kommentare zu typischen Fehlern enthält. Auch heute noch wird das LOTSE System genutzt. 1. STEB: Zunächst sollten möglichst viele Studieninteressenten beraten werden, damit sie die Entscheidung für ein Fernstudium nicht naiv, ohne ausreichende Warnungen, Vorkenntnisse, Berichte von anderen etc. treffen sollten. Das hatte mit dem überall zu beobachtenden "Fehler" des Fernstudiums zu tun, wo der anfängliche drop-out in allen Systemen zum Problem geworden ist. Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre haben wir deshalb ein automatisiertes Studieneingangsberatungssystem -STEB- entwickelt und eingesetzt, in welchem tausende von Studieninteressenten vor der Immatrikulation beraten wurden und sich nach der Beratung ziemlich sicher sein konnten, alle uns bekannten Hindernisse durchdacht zu haben und dann erst die Entscheidung für ein Fernstudium getroffen zu haben. Eine überarbeitete Version von STEB kann man sich immer noch aus dem Netz herunterladen. 2.COURSY: In den achtziger Jahren dann haben wir uns um das Problem gekümmert, dass gute Korrektoren sich förmlich die Finger wund schreiben würden, wenn sie denn gerecht allen Studierenden die gleichen wohlformulierten, motivationsfördernden und fehlersensitiven Kommentare geben wollten. Die Antwort war seinerzeit ein einfaches Datenbank-System - COURSY-, das sich der Korrektor selbst anzulegen hatte (wo er aber auch Kommentare zu einzelnen Fehlern tauschen konnte mit anderen Korrektoren) und das ihm die Arbeit an immer ähnlichen Fehlern aber auch die "Verwaltung" der Kursteilnehmer in kleineren Kursen erleichterte. COURSY liegt immer noch als Version für Windows 3.11 abrufbereit im Netz. Mittlerweile gibts an der FernUni aber das System WebAssign , das den gleichen Intentionen (und noch weiteren) insbesondere für Informatik Studierende verpflichtet ist. 3. Fachwortschatz-Trainer: In vielen Jahren der Kooperation mit dem Brückenkursbüro der FernUniversität haben wir auch an Projekten der Entwicklung von Fachwortschatz-Trainern (für Möbel, Mode, Leder, Transportgewerbe, kleine und mittlere Unternehmen etc.) mitgewirkt: die Idee war, dass es keinen so geduldigen Tutor geben kann, der immer wieder auf Fehler hinweist, unermüdlich richtige Aussprache von sich gibt und garantieren kann, dass am Ende fehlerfrei Fachvokabular eingesetzt werden kann. Die Unterstützung beim Üben kann nämlich automatisiert werden, genau wie das Korrigieren von immer wieder gemachten, typischen Fehlern. Über das Brückenkursbüro wurden tausende von Fachwortschatztrainern vertrieben. Leider waren am Ende des Brückenkursbüros keine Mittel mehr da, um die didaktisch höchst wertvollen Materialien technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Zwar gibt es noch die alten CDs aber das Abspielen von viele Jahre alten Dateien wird auf den neueren Geräten Probleme bereiten. Hier hat das ZIFF auch eine Anstrengung unternommen, die das Material, das im Brückenkursbüro entwickelt wurde (und an tausenden Teilnehmern getestet worden war), retten sollte. Eine windows Oberfläche mit der Möglichkeit die sound-files zu integrieren und sogar kleinere video-Sequenzen abzuspielen wurde entwickelt und getestet. CASPAR wurde aber nur kurz eingesetzt, um die didaktischen Bemühungen nicht verloren gehen zu lassen. Das Programmpaket könnte, bei entsprechender Finanzierung, wieder aufgenommen und eingesetzt werden. 4. EDDIE, CHECK und FUKUR: Schließlich haben wir uns gekümmert um das Problem der Auswahl von geeigneten Kursen - Eine der ersten Aktionen der EADTU (European Association of Distance Teaching Universities) war, europäische Kurse in einer gemeinsamen Datenbank zu dokumentieren. Das Projekt hat sich aber nicht fortführen lassen. Das System CHECK wurde entwickelt, weil wir häufig von Studierenden hörten, es sei besser gewesen, wenn die Basis - Informationen denn rechtzeitig zur Verfügung gestanden hätten -über den gesamten Kurs, die Inhalte detaillierter als im Titel, genauere Kosten, Hinweise zur Anerkennung für das Studium etc. Es ist immer schwierig, jemanden mit Überblick zu finden: Also haben wir versucht, alle deutschsprachigen Kurse nach einem detaillierten Schema in einer nutzerfreundlichen Datenbank unterzubringen. Mehr als 2400 deutschsprachige Kurse wurden so (in einer geclipperten d-base Datenbank) dokumentiert und dienten als Basis für die automatisierte Beratung. FUKUR (Fern-Unterrichts-Kurse) löste dieses Projekt dann auf der Basis von Windows ab. Auch hier wieder haben mangelnde finazielle Mittel dazu geführt, dass die Informationen nach Auslaufen des Projektes überaltert sind, obwohl das Programm FUKUR im Netz noch zur Verfügung steht. Mittlerweile gibts an der FernUni auch das Projekt CUBER, wo auf gesamt-europäischer Ebene ähnliche Intentionen verfolgt werden. Soviel also zum Hintergrund der Intentionen, möglichst viel von automatisierbaren Tätigkeiten auch zu automatisieren. Theoretisch könnte diese Aufzählung von "Automatisierungsprojekten" jetzt ein Beleg sein für das Bemühen um die Industrialisierung des Fernstudiums - ist es aber allein schon deshalb nicht, weil das Erfolgs-Kriterium nicht pekuniärer Art ist sondern auf Erkenntnisgewinn seitens der Studierenden abzielt. Nun gibt es Situationen, in denen auch wiederkehrende Tätigkeiten den Alltag des Instituts bestimmen und die als solche nichts mehr zum Erkenntnisgewinn beitragen könnten: Die Erstellung von Fragebögen und die Auswertung von Befragungen. Der technische Fortschritt einerseits hat hier Möglichkeiten geschaffen, die das Alltagsgeschäft durchaus erleichtern (Einscannen von Antwortbögen) - andererseits gabs immer noch die Situation, dass Technik auf Vorbehalte oder auf mangelnde technische Ausstattung seitens der Lehrenden, der Studierenden oder Mentoren stieß. Dann haben wir, bei virtuellen Studienangeboten im Netz, natürlich auch vor fünf Jahren angefangen, Befragungen im Netz zu organisieren und die Auswertung, worauf wir dann jeweils sehr stolz waren, weniger als eine Woche später wieder im Netz zugänglich zu machen. Das müsste doch auch automatisierbar sein, und wäre sicherlich ein Motivationsfaktor für die Ausfüllenden, gleich die Ergebnisse anschauen zu können! Das eigentliche Problem war der Transport von den durch e-mail angelieferten Daten in das Grund-Datenblatt und die anschließende automatische Verarbeitung bis hin zum Wiedereinstellen der grafischen Auswertungen ins Netz. Bei den Untersuchungen von 1996/97 stand uns nur das kleine Programm "gform" zur Verfügung - hiermit konnten wir einerseits Textfelder und andererseits standardisierte Antworten in den beiden Formen "Checkbox" und "radio button" nutzen. Zunächst erschien dies als eine arge Beschränkung gegenüber den Möglichkeiten sonstiger schriftlicher Befragungen. Aber es ist wie mit Lehrsoftware überhaupt: es scheint dass die vielfältigen Möglichkeiten von standardisierten Antwortverfahren sind immer noch nicht "ausgereizt" sind. Und ob die dann fälligen Erweiterungen mit perl-script und java, über die Georg Ströhlein berichten kann, wirklich der Durchbruch gegenüber der bisherigen Hand-Arbeit sind, mag jeder selbst entscheiden. Außerdem bieten professionelle software-Häuser auch kostenloses Ausprobieren ihrer Dienste bei der Auswertung solcher Befragungen an. Ich gehe davon aus, dass der von mir in drei Stunden erstellte Fragebogen (identisch mit den beiden andern) nach kurzer Zeit nicht mehr auf dem Server des privaten Anbieters liegt, sondern durch dessen Adresse ersetzt ist. Diese Firma bietet für 30 Tage ihre Dienste zum Preis von $ 99,- an; $ 50,- für jeden weiteren Monat. Natürlich kann man auch zu "normalen" Preisen die software kaufen, wenn man sie bei sich installieren will. Dies aber dürfte teuer sein. Will man sie nicht fest installieren ist der Normalpreis pro Untersuchung $ 750,- für 30 Tage. Wir haben jedenfalls zu wesentlich günstigen Preisen für die eigene Programm-Entwicklung unsere Erfahrungen gemacht. Wenn man andererseits keine entsprechende Personalkapazität in einer Hochschule zur Verfügung hat und dochdem gesetzlichen Erfordernis der Evaluation gerecht werden muss, kann man sich auch am deutschen Markt komplette Evaluationsprogramme mit Auswertungsroutinen einkaufen. Automatisierte Evaluation |