ZIFF-Papiere 109 - Benedetto Vertecchi -
Elemente einer Theorie des Fernunterrichts
Teil 3
Evaluation erlaubt die Steigerung der Interaktion
im Fernstudium
1. Der didaktische Kunstgriff
Wie bereits Comenius bemerkte, ist die Didaktik eine bewußt organisierte
Tätigkeit (artificium, Kunstgriff), um eine Absicht zu verfolgen.
Dies ist keine selbstverständliche Behauptung, auch wenn das Werk,
in dem sie enthalten ist, kurz nach der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts
entstand.(09)
In der Tat ist es noch recht üblich, daß man sich darauf beschränkt,
die Künstlichkeit der praktischen Komponenten der Didaktik zu betrachten,
während naturalistische Einstellungen bei der Betrachtung der Komponenten
bezüglich der Struktur der Lehrprozesse weiterbestehen. Es steht ja
außer Zweifel, daß ein Buch, ein Biologielaboratorium oder
ein Computerprogramm das Ergebnis einer bewußten Erschaffung sind,
die darauf ausgerichtet war, etwas zu verwirklichen, das sonst nicht verfügbar
wäre. Man akzeptiert also den künstlichen Charakter des didaktischen
Werkzeugs. Die Einstellungen sind aber sehr viel differenzierter, wenn
es um die Bezeichnung der Verhaltensweisen der Subjekte geht, die in der
didaktischen Beziehung verwickelt sind. Der Drang ist noch immer stark,
solche Verhaltensweisen als Zeichen einer natürlichen Neigung zum
Lehren zu betrachten.
Während man, mit anderen Worten, anerkennt, daß eine bestimmte
Kompetenz notwendig ist, um ein Buch zu schreiben, ein Laboratorium zu
planen oder ein Computerprogramm zu schreiben, und daß durch die
Nutzung dieser Kompetenz irgendwie der natürliche Lauf der Dinge verändert
wird, erkennt man nicht den gleichen künstlichen Charakter, wenn es
darum geht, die Verhaltensweisen der Lehrer und die der Schüler zu
definieren. In diesem Fall ziehen es viele Leute vor zu denken, daß
sich gerade einerseits eine natürliche Neigung zum Lehren und andererseits
eine natürliche Neigung zum Lernen äußert.(10)
Wie so oft, wenn es um natürliche Eigenschaften geht, erklärt
man es offensichtlich für abgemacht, daß sie in unterschiedlichem
Maße verteilt sind; es wird also bessere und weniger gute Lehrer
geben, ebenso wie es Schüler gibt, die mit mehr oder weniger Leichtigkeit
das lernen, was ihnen vorgesetzt wird.(11)
Was die naturalistische Haltung verfänglich macht, ist ihr Beruhen
auf der impliziten Analogie zwischen den wesentlichen Verhaltensweisen
der Anpassung an das Leben einerseits, in denen sich naturgemäß
die Neigung der erwachsenen Individuen zeigt, das Erwerben von Kompetenzen
seitens der neuen Individuen der Spezies zu begünstigen, und der Didaktik
andererseits, d.h. jener Summe von Verhaltensweisen, die sich auf eine
sekundäre Anpassung beziehen, da sie auf die Befriedigung symbolischer
Bedürfnisse ausgerichtet sind, welche kulturellen Ursprungs und in
Zeit und Raum extrem veränderbar sind. Die sekundäre Anpassung
kann nur künstlich sein, also erschaffen, um Absichten zu erreichen,
wobei irgendwie der "spontane" Ablauf der Phänomene im Entwicklungsprozeß
der Subjekte verändert wird. Nur weil solche Absichten generell geteilt
werden und in den Verhaltensweisen der Erwachsenen stark verinnerlicht
sind, kann man sie schließlich als "natürlich" betrachten, und
so die Analogie zwischen der ersten und der zweiten Anpassung bestätigen.
Die Didaktik als "artificium", d.h. als Kunstgriff, zu betrachten, kommt
ihrer Definition als Gesamtheit der Lösungen, durch die sich die sekundäre
Anpassung verwirklicht, gleich. Es versteht sich jedoch, daß sich
diese Definition nicht auf die o. g. "schwache" Bedeutung anwenden läßt,
d.h. jene, die sich damit begnügt, die Künstlichkeit des didaktischen
Werkzeugs anzuerkennen, sondern auf die "starke" Bedeutung, die auch die
Verhaltensweisen umfaßt. Je nach dem, ob die schwache oder die starke
Bedeutung überwiegt, werden fundamental unterschiedliche Arten der
Unterrichtspraxis bestärkt.(12)
Wenn die schwache Bedeutung angenommen wird, legt man größeres
Gewicht auf die persönlichen Merkmale der in die Tätigkeit verwickelten
Subjekte: Diese persönlichen Merkmale nehmen kausalen Wert an. Da
die Verteilung der persönlichen Merkmale auf die Bevölkerung
sehr gestreut ist (immer vorausgesetzt, es greifen keine Vorrichtungen
von außerhalb ein, welche die Streuung verringern können, wie
z.B. soziale Zugangsschranken für Schüler, die gleichermaßen
auch die Zahl der Lehrer begrenzen), erscheinen die Ergebnisse der Lehrtätigkeit
ebenso gestreut. Wenn hingegen die starke Interpretation gewählt wird,
erhöht sich die Zahl der Variablen, mit denen die Ergebnisse verbunden
sind, aber es erhöht sich auch die Möglichkeit, die Prozesse
am Erreichen bestimmter Absichten zu orientieren. Es ist zwar schwierig
(zumindest kurzfristig), und in manchen Fällen unmöglich, die
persönlichen Eigenschaften der an der didaktischen Aktivität
beteiligten Subjekte zu verändern, aber die Freiräume erweitern
sich, wenn man die Verhaltensweisen der Lehrenden als veränderbar
betrachtet. Im Extremfall kann eine solche Veränderung darin bestehen,
die Lehrfunktion einem kollektiven Subjekt(13)
zuzusprechen, statt sie als ein Vorrecht zu betrachten, das Einzelne im
eigenen Namen besitzen.
2. Der technologische "Messianismus"
Die zwei genannten Interpretationen sind unabhängig davon, daß
das zur Kommunikation der Lehrbotschaften verwendete Werkzeug komplizierter
wird. Mit anderen Worten bedingt der Rückgriff auf Prozeduren zur
Übermittlung der Lernbotschaft, die durch die Verwendung auf technischer
Ebene komplexer Instrumente charakterisiert sind, nicht die Annahme der
starken Bedeutung der Didaktik. Das erklärt die Schwäche, um
nicht Inkonsistenz zu sagen, der man auf der Ergebnisebene oft begegnet,
wenn es um die Nutzung technischer Mittel geht.(14)
Es ist interessant, das Mißverhältnis zwischen dem Messianismus
beim Vorstellen der neuen Möglichkeiten und der Zurückhaltung
im Verkünden der erreichten Ergebnisse zu bemerken. Man steht Gedankengängen
gegenüber, die alle a priori entstanden sind, auf unbeweisbaren
Annahmen beruhend, denen nicht selten versucht wird, durch bedenkenlose
und ungestüme Rückgriffe auf die "neuistischen" Ideologien(15)
, Autorität zu verleihen.
Der technologische Messianismus ist eine ideologische Komponente - vielleicht
die wichtigste - in der Bildungsdebatte in diesen letzten Jahrzehnten des
zwanzigsten Jahrhunderts. Die Anstöße zur Modernisierung der
Schule, konzentriert auf den Erwerb technischer Ausrüstung, deren
Wertigkeit auf didaktischer Ebene überhaupt nicht überprüft
wurde, sind eine Folge daraus, daß die ideologische Suggestion die
wissenschaftliche Beweisführung überwiegt. Im Falle des Fernstudiums
ist man Zeuge des Paradoxons einer Debatte, in der die messianistischen
Bestandteile völlig unverhältnismäßig stark vertreten
sind, verglichen mit dem Nachdenken über tatsächlich praktizierte
Lösungen.(16)
Daraus folgt ein Effekt der Ablenkung von tatsächlichen Problemen,
die unter den besonderen Bedingungen des Fernstudiums auftreten, zugunsten
von Aspekten, die alles in allem nebensächlich sind, weil sie selten
auf die Struktur der Prozesse einwirken können.
Dies erklärt den Mangel an Theorie, für die Ideologie nur
ein schlechter Ersatz sein kann.(17)
Darüberhinaus verschärft das Betonen technischer Lösungen
die Unterschiede zwischen den Bildungsformen Fernunterricht und Präsenzunterricht,
während theoretisch bedeutsame Beiträge nur aus dem Erkennen
struktureller Komponenten herrühren können. Wenn man die ganz
allgemeine Definition akzeptiert, nach der die Didaktik der Gesamtheit
der sekundären Anpassungsformen entspricht, muß herausgefunden
werden, welches das strukturelle Element ist, das diese sekundäre
Anpassung von der primären unterscheidet. Es fällt nicht schwer,
in der primären Anpassung Lernzustände zu erkennen (wie z.B.
Konditionierung oder Imitation), die sich auch in der sekundären Anpassung
wiederfinden lassen. Es handelt sich dabei um Lernzustände, die keiner
besonderen Organisation bedürfen, da das weniger erfahrene Subjekt
in einem Umfeld Kompetenz erwirbt, in dem wenigstens ein erfahreneres Subjekt
anwesend ist, welches die Absicht haben kann (oder auch nicht), zu lehren.(18)
3. Die sekundäre Anpassung
In der sekundären Anpassung ist die Absicht zu lehren explizit. Es
geht nicht mehr darum zu erlauben, daß Subjekte ohne Erfahrung eine
zur Befriedigung primärer Bedürfnisse zweckmäßigere
Anpassung erreichen, sondern es muß vielmehr eine künstliche
Situation abgegrenzt werden, in der sich Aktionen entwickeln, deren Ziel
die Übertragung eines symbolischen Repertoires ist, dessen einzelne
Elemente direkt keinen offensichtlichen Nutzen darstellen. Aus der Geschichte
ist als wichtigste Vorgehensweise der sekundären Anpassung die Schule
übrig geblieben, und das Wissen bezüglich solcher Vorgehensweisen
der Didaktik. Allerdings haben, wie so oft, nebensächliche Aspekte
die Struktur überlagert, was zur Entstehung von Assoziationen führte
zwischen Struktur und Phänomenen, die organisch genug waren, um die
einzelnen formenden Aspekte als notwendige zu betrachten. Dieses geschah
bezüglich der Schule, durch die Aufnahme der am häufigsten regelmäßig
wiederkehrenden Organisationsform in die Struktur, und bezüglich der
Didaktik, durch die Identifikation der für die Funktion des Lehrens
vorgesehenen Subjekte mit der Funktion selbst.(19)
Der Mangel an Theorie, der bezüglich des Fernstudiums beklagt wurde,
hängt zu einem großen Teil von der Schwierigkeit ab, die Struktur
von den phänomenbedingten Assoziationen zu befreien. Es schien unangebracht,
eine Kontinuität festzustellen zwischen dem verfestigten Konzept von
Schule und jenem einer Struktur, die Fernunterricht liefert; ebensowenig
wurde die Fernstudiendidaktik in Kontinuität zur Didaktik des Präsenzunterrichts
entwickelt. In einer ersten langen Phase, die sich von den Erfahrungen
der Vorgänger im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Ende der
sechziger Jahre erstreckte, bestand die Fernstudiendidaktik im wesentlichen
darin, das Studium durch die regelmäßige Versendung von Lernmaterial
als Nachahmung der schulischen Curricula zu organisieren. Die Nachahmung
der Präsenzdidaktik wurde durch das Angebot von Übungsaufgaben,
deren Verständnis irgendwie abgesichert war, vervollständigt.
Anzumerken ist, daß diese erste Phase des Fernunterrichts, wie bescheiden
sie auch war, sich nicht wesentlich von der allgemeinen didaktischen Praxis
an den weiterführenden Schulen und Universitäten unterschied.
Verschärft hat sich die Spreizung in den letzten Jahrzehnten, mit
den sich durchsetzenden Kommunikations- und Datenverarbeitungstechnologien,
die optimistische Interpretationen genährt haben bezüglich der
Möglichkeiten, aus der Entfernung resultierende Schwierigkeiten des
Aufbaus einer didaktischen Beziehung zu überwinden.(20)
Das Mißverständnis besteht darin, die Überwindung der
Entfernung stärker zu betonen, als die Bildungsabsicht und deswegen
konzeptionelle Nähe nicht in anderen Bildungsaktivitäten, sondern
eher in den Bereichen zu suchen, deren Interesse ebenfalls der Transfer
von Botschaften in einem Raum eines bestimmten Ausmaßes ist. Der
naheliegende Bezugspunkt schienen die Ansätze zu sein, theoretischer
und technischer Art, die sich mehr oder weniger parallel im Bereich der
Massenkommunikation langsam behaupteten. Dabei wurde die Tatsache außer
acht gelassen, daß die Massenkommunikation Absichten verfolgt, die
grundlegend anders sind als die des Fernstudiums. Die Massenkommunikation
neigt nämlich dazu, ein größtmögliches Publikum mit
möglichst vielen Nachrichten zu überfluten. Sie nimmt sich jedoch
nicht vor, diese Nachrichten so zu organisieren, daß daraus Bildung
entsteht, d.h. daß eine Veränderung der individuellen Kompetenzprofile
eintritt, die über einen gewissen Zeitraum hinweg auch stabil ist.
Massenkommunikation will einfach Nachrichten zugänglich machen, und
das für eine möglichst große Zahl derjenigen, die potentiell
davon profitieren. Was zählt ist nicht, daß sie die Nachrichten
aufnehmen, sondern daß sie sie aufnehmen können, daß auf
ihrer Seite also irgendein Verständnis vorhanden ist, wie oberflächlich
auch immer. Mit anderen Worten sind es die Eigenschaften der Empfänger,
die den Charakter der Botschaft bestimmen: Folglich wird die Vergrößerung
des Publikums dadurch erreicht, daß die Schwelle der zum Verstehen
notwendigen kulturellen Anforderungen gesenkt wird. Die Organisation der
Nachrichten wird also dazu neigen, die Bedürfnisse der niedrigsten
Schicht des Publikums zu befriedigen, das man sich vornimmt zu erreichen.(21)
Daraus ergeben sich der Verzicht auf komplexe Argumentationen, der Rückgriff
auf Alltagsmetaphern, die Verwendung eines knappen Wortschatzes. Die Syntax
nimmt vorwiegend parataktische Züge an und man wird Zeuge einer drastischen
Reduzierung synonymer Formen, mit dem entsprechenden Verlust an semantischer
Schattierung. Das einzige erkennbare didaktische Merkmal ist das der Verbreitung,
d.h., des Verlustes der Spezialität der zu kommunizierenden Nachrichten.
Das alles hat nichts mit guter Didaktik zu tun, weder mit Präsenz-
noch mit Fernunterrichtsdidaktik.
4. Die didaktische Mediation
Eine gute Didaktik zeichnet sich nämlich durch ihre vermittelnde Rolle
aus, d.h., durch ihre Fähigkeit, die Unterschiede zu kompensieren,
die den virtuellen Empfänger einer Nachricht, die darauf ausgerichtet
ist, einen Lernvorgang zu produzieren, vom realen Empfänger trennen.
Diese Absicht kann keine konzeptionellen Verluste mit sich bringen, sonst
hätten wir keine Lehre, sondern Popularisierung. Die Komplexität
der Botschaften, die eine komplexe Kultur vermitteln sollen, besteht vor
allem darin, daß in ihnen zahlreiche implizite Komponenten enthalten
sind: In einer ausgeglichenen Kommunikation, in der angenommen wird, daß
der Empfänger die gleiche Kompetenz besitzt wie derjenige, der die
Nachricht formuliert, hat der Empfänger keine Schwierigkeit, das Implizite
aufzulösen. Da in der didaktischen Kommunikation das unterschiedliche
Kompetenzniveau desjenigen, der die Nachricht formuliert und desjenigen,
der sie erhält, eine durch die Struktur bedingte Vorgabe ist, besteht
der Kunstgriff des Lehrens darin, die Botschaft, die an einen virtuellen
Empfänger gerichtet sein könnte, so zu modifizieren, daß
derjenige implizite Teil aufgelöst wird, der zur Überbrückung
der Kompetenzunterschiede zwischen dem virtuellen und dem realen Empfänger
notwendig ist.
Nun geht es darum herauszufinden, welche Bedingung das Ausführen
des didaktischen Kunstgriffs erlaubt, so wie er weiter oben definiert wurde,
nämlich als Mediation, d.h. als Vermittlung, deren Ziel es ist, denjenigen
impliziten Teil aufzulösen, der dem Verständnis der Botschaft
seitens des realen Empfängers im Weg steht.
Die unterschiedlichen Interpretationen, die dieser Bedingung historisch
gegeben wurden, machen die wichtigsten Modelle der Didaktik aus. Der Einfachheit
halber können wir diese Modelle in zwei große Klassen einteilen:
Die erste neigt dazu, den virtuellen Empfänger des Bildungsangebots
mit dem realen Empfänger gleichzusetzen, während die andere den
virtuellen Empfänger nur als ein Modell betrachtet, in bezug auf welches
es möglich ist, die Eigenschaften des realen Empfängers herauszufinden.
Im ersten Fall existiert die Botschaft, bevor die Eigenschaften der Empfänger
deutlich werden, während im zweiten Fall ihre tatsächliche Form
der nachträglichen Anpassung eines virtuellen Prototyps entstammt.
Mit anderen Worten können die Informationen bezüglich der Merkmale
der Empfänger didaktischer Interventionen auf zwei Arten verwendet
werden:
Abbildung 7: Didaktische Modelle,
die aus der Einheitlichkeit oder der Anpassung der Lernbotschaft folgen.
-
Die Informationen bezüglich einer bestimmten Anzahl von Empfängern
können integriert werden, so daß man ein Modell erhält,
in dem die auf einzelne Merkmale bezogenen Variablen einen Zentralwert
der Verteilung annehmen.(22)
Diese Integration ist sowohl auf diachronischer wie auch auf synchronischer
Ebene möglich. Die Lehrer, die eine bestimmte Wahl auf der Grundlage
vorangegangener Erfahrungen rechtfertigen, machen nichts anderes, als -
wenn auch oft auf eine vollkommen implizite Art und Weise - zentrale Tendenzen
abzuleiten, aus den Eigenschaften der Schüler, die im Laufe der Zeit
einander gefolgt sind (diachronische Integration). Wenn die Daten aus anfänglichen
Erhebungen stammen, und aufgrund solcher Daten die Lernbotschaft definiert
wurde, sind die Bezugswerte zentral gegenüber der besonderen Eingriffssituation
(synchronische Integration).
-
Auch im Falle der Verwendung der Informationen bezüglich der Merkmale
der Empfänger zur Anpassung des Botschaft an individuelle Bedürfnisse,
also einer fortlaufenden Annäherung der Merkmale der realen Empfänger
der Lernbotschaft an die des virtuellen Empfängers, ist es möglich,
Integrationen diachronischer oder synchronischer Art durchzuführen.
Eine diachronische Integration liegt vor, wenn die Botschaft verändert
wird, indem das Verhalten des Empfängers über eine längere
Zeitspanne hinweg und bezogen auf ähnliche Lernaufgaben beobachtet
wird. Die Integration ist synchronisch, wenn das Profil des Empfängers
kontinuierlich neu aufgebaut wird und parallel dazu die Lernbotschaft adaptiert
wird(23)
(siehe Abbildung 7).
5. Didaktische Typologien
Indem die zeitliche Dimension (diachronisch vs. synchronisch) der Erhebung
der Informationen bezüglich der Empfänger der Botschaft mit der
Art der Formulierung der Botschaft (einheitlich vs. personalisiert) gekreuzt
wird, erhält man vier grundsätzliche didaktische Typologien,
die gleichermaßen im Fernunterricht und im Präsenzunterricht
praktikabel sind:
-
Diachronische Integration der Empfängermerkmale und einheitliche
Formulierung der Botschaft. Hier handelt es sich um die traditionellste
didaktische Typologie, in der die Erkenntnisgrundlage im allgemeinen durch
die Erfahrung gerechtfertigt ist. Praktisch heißt das, daß
der virtuelle Empfänger der didaktischen Intervention präziser
wird, durch die Integration der Eigenschaften realer Empfänger, denen
ein ähnlicher Lernvorschlag bereits unterbreitet wurde. Die Unterschiede,
die zwischen den Subjekten, mit deren Eigenschaften man tatsächlich
Erfahrung hat, bestehen, werden kompensiert, indem auf die Zentralwerte
der Verteilung Bezug genommen wird. Im Präsenzunterricht wird diese
didaktische Typologie im wesentlichen durch die Persönlichkeit des
Lehrers und durch seine Erfahrungen beeinflußt. Im Fernunterricht
wird der virtuelle Empfänger auf der Basis ähnlicher Vorgehensweisen
definiert, mehr oder weniger unterstützt durch die ausgemachten Analogien
zum Präsenzunterricht oder durch die in vorangegangenen Gelegenheiten
erzielten Ergebnisse. Obwohl traditionell, so ist diese didaktische Typologie
die Grundlage vieler Angebote, die fortschrittliche Kommunikationstechnologien
nutzen, z.B. Fernsehsendungen, Multimediaprogramme oder im Netz erhältliche
Texte.
-
Diachronische Integration der Empfängermerkmale und personalisierte
Formulierung der Botschaft. Die Merkmale der Empfänger entstammen
ihrer dauerhaften Beobachtung in Lernsituationen. Wenn es sich um Situationen
dualen Typs handelte (ein Lehrer kümmert sich um einen Schüler),
wird die Botschaft den Haltungen, Interessen und Kompetenzen, die der Schüler
bereits erworben hat, Rechnung tragen. Wenn sich die Beobachtung aber auf
Gruppen von Schülern bezog (wie das bei vielen Orientierungsverfahren
der Fall ist), gelangt man zu einer erneuten Aggregation der Subjekte nach
einem Merkmal, im allgemeinen die Vorhersage des Erfolgs. Die Botschaft
wird dann, je nach den zur Bildung der unterschiedlichen Schülergruppen
verwendeten Merkmalen, angepaßt. Etwas Analoges geschieht, wenn Aktivitäten
mit ausgleichendem Charakter organisiert werden: Die Botschaft wird, unter
Berücksichtigung der zuvor angetroffenen Schwierigkeiten, neu formuliert.
Die sich durch diese didaktische Typologie ergebende Anpassung ist eher
langsam und kann für die Schüler, da sie in großem Maße
von der Feststellung von Mißerfolgen ausgeht, mit einer vom affektiven
Gesichtspunkt aus negativen Dynamik verbunden sein.
-
Synchronische Integration der Empfängermerkmale und einheitliche
Formulierung der Botschaft. Diese Typologie entspricht den didaktischen
Ansätzen, die sich auf irgendeine Form präventiver Angleichung
der Merkmale der Schüler verlassen (z.B. eine Zulassungsprüfung
oder eine Maßnahme zur Wiedererlangung von Voraussetzungen). Es wird
angenommen, daß man Schülern, die anfangs in ihren Eigenschaften
einander angeglichen wurden, eine einheitlich formulierte Botschaft zuwenden
kann. Mit anderen Worten wird die Bedingung der Angleichung als Grundlage
für die Definition des virtuellen Empfängers der Lehrbotschaft
angenommen. Die Schwäche dieses Ansatzes entstammt der Tatsache, daß
die Angleichung bezüglich einer begrenzten Zahl von Variablen festgestellt
wird und es daher wahrscheinlich ist, daß die Unterschiede zwischen
den Subjekten während der Dauer der Ausbildung erneut zutage treten.
In diese Typologie fließen auch solche Ansätze ein, die eine
geteilte Angleichung vorsehen, z.B. nach Niveaus der Haltung oder der Kompetenz,
bei denen die Erwartungsgrenze entsprechend verändert wird. Es handelt
sich um Ansätze, in deren Mittelpunkt deterministische Interpretationen
der Didaktik stehen und die daher aus Sicht der Bildungsqualität grundsätzlich
verzichtend sind.
-
Synchronische Integration der Empfängermerkmale und personalisierte
Formulierung der Botschaft. Dies bedeutet, daß die Botschaft
kontinuierlich den Bedürfnissen des Empfängers angepaßt
wird. Da solche Bedürfnisse zum größten Teil durch die
kognitiven und affektiven Eingangsmerkmale der Schüler bedingt sind,
muß, wenn daß Niveau solcher Merkmale das Vorhandensein von
Schwierigkeiten enthüllt, die Qualität der Lehre erhöht
werden, damit die Verteilung der abhängigen Variablen nicht als Reproduktion
der Verteilung der Eingangsmerkmale erscheint. Diese vierte didaktische
Typologie setzt sich also die Individualisierung des Bildungsvorschlags
zum Ziel. Es handelt sich um eine Typologie, die so komplexe Kenntnisse
und Techniken mit sich bringt, daß sie sich selbst als technologisch
gestalten kann, unabhängig von den verwendeten Kommunikationsmitteln.
Wenn wir in der Tat die Technologie als eine komplexe Form von Kenntnis
betrachten, die am Können orientiert ist (und nicht einfach als Fähigkeit,
Werkzeuge einer gewissen Kompliziertheit herstellen und nutzen zu können),
finden wir heraus, daß eine ähnliche Komplexität gerade
die individualisierten Ansätze der Didaktik auszeichnet, verglichen
mit denen, deren Mittelpunkt die Einheitlichkeit der den Schülern
präsentierten Lehrbotschaft ist. Die Individualisierung erfordert
nämlich, daß man über analytische und kontinuierliche Information
verfügt, den Fortschritt im Lernprozeß betreffend, und daß
man die Möglichkeit hat, die Botschaft entsprechend der Schwierigkeiten,
denen jeder Schüler tatsächlich begegnet, zu ändern. Es
müssen also kontinuierlich Entscheidungen getroffen werden, um das
Vorgehen auf die Erreichung der Zielsetzung der didaktischen Intervention
auszurichten. Es lohnt sich festzustellen, daß in den Ansätzen
mit einheitlicher Botschaft eine geringe Entscheidungsdichte vorliegt,
und daß diese Entscheidungen generell recht weit zurückliegen,
verglichen mit dem Moment der Ausführung einer Tätigkeit. Die
Entscheidungen, welche die Lehre bestimmen, beruhen nämlich auf Urteilen,
die das Ergebnis von im Laufe der Zeit bestätigten Vermutungen sind,
und man erwartet, diese Vermutungen auch weiterhin bestätigt zu sehen.
Daraus folgt, daß eine Entscheidung nur selten eine tatsächliche
Wahl zwischen mehreren Verhaltenslinien darstellt; denn andere Verhaltenslinien,
als die, denen man gewöhnlich folgt, machen eine Neuformulierung von
Hypothesen erforderlich, die den Bedingungen Rechnung tragen, unter denen
sich eine bestimmte didaktische Intervention, oder ein bedeutender Teil
davon, vollziehen soll. Dem Angebot einheitlicher Botschaften entspricht
also nicht eine wirkliche Entscheidung, sondern eine Pseudoentscheidung,
und zwar das Akzeptieren einer Verhaltenslinie, für die man keine
Alternativen hat.(24)
Die Pseudoentscheidung ist nicht mit einer tatsächlichen Notwendigkeit
von Kenntnis verbunden, da sie mit der Äußerung von Verhaltensweisen
zusammenfallen kann, die durch Nachahmung oder Erfahrung verinnerlicht
sind. Die Bildungstechnologie gestaltet sich demzufolge als eine Strategie,
die reich an Entscheidungsmomenten ist, in denen die Wahl der Verhaltenslinien
sich auf die analytische Kenntnis der Interventionsbedingungen stützt
und den Zweck hat, die Qualität der Lehre abhängig von den individuellen
Lernbedürfnissen zu optimieren.
Die Entscheidungshäufigkeit, welche die letzte didaktische Typologie
kennzeichnet, bei der wir uns aufgehalten haben (synchronische Integration
der Empfängermerkmale und personalisierte Formulierung der Botschaft),
hat als funktionale Bedingung die Existenz eines kontinuierlichen Informationsflusses.
Dieser muß explizit ausgelöst werden, da die Informationen pünktlich
genau das Verhalten der Schüler gegenüber den einzelnen Aspekten
des didaktischen Vorschlags widerspiegeln müssen.
Abbildung 8: Didaktik bei
direkter Interaktion und bei vermittelter Interaktion.
In beiden Fällen ist die Interaktion die Auswirkung
eines Kunstgriffs (artificium), d.h., bewußt organisierter
Tätigkeiten, um die gewünschte Absicht zu verfolgen.
6. Die Häufigkeit der Interaktion
Es ist daher notwendig, daß die Schüler dazu veranlaßt
werden, Leistungen zu bringen, auf deren Grundlage es möglich ist
festzustellen, ob die bis dahin gelieferte Botschaft geeignet war, die
individuellen Lernbedürfnisse zu befriedigen oder nicht. Die Schüler
dazu zu veranlassen, Leistung zu erbringen, bedeutet, Situationen hervorzurufen,
die Verhaltensweisen anregen, welche kohärente Antworten auf die direkt
mit bestimmten Lernzielen verbundenen Stimuli darstellen.(25)
Auf diese Weise wird jene Interaktion aktiviert, auf deren Grundlage die
Definition des didaktischen Kunstgriffs steht (siehe Abbildung 8).
Die Entscheidungshäufigkeit, die - wie gesehen - eng mit der Interaktionshäufigkeit
verbunden ist, stellt eine notwendige Bedingung für die Definition
individualisierter didaktischer Prozesse dar, sowohl für den Präsenz-
wie auch für den Fernunterricht. Der Unterschied zwischen den beiden
Arten, Bildung zu praktizieren liegt nicht im Vorhandensein oder der Abwesenheit
von Interaktionen, sondern darin, daß im Präsenzunterricht die
Interaktionen unmittelbar sind, während sie im Fernstudium mittelbar
sind. Man könnte hinzufügen, daß sich im Präsenzunterricht
zu den Interaktionen, die während der Planung der Intervention explizit
vorgesehen wurden, solche Interaktionen gesellen (vor allem affektiver
und relationaler Art), die ihren Ursprung in den verbalen und nonverbalen
Botschaften haben, die im Bildungskontext ausgetauscht werden. Im Fernunterricht,
der sich durch das Fehlen physischer Kontinuität zwischen denen, welche
die Lernbotschaft formulieren und denen, die sie empfangen, auszeichnet,
ist die Interaktion in vorwiegendem Maße kognitiven Typs und kommt
der Aktivierung von Stimuli gleich, die festgelegten Zielsetzungen entsprechen.
Abbildung 9: Die Interaktionen
im Präsenz- und im Fernunterricht.
Gerade wegen der Abwesenheit informeller Interaktionen kann die Häufigkeit
und die Qualität der Interaktionen ein Kriterium für die Evaluation
der Qualität des Fernunterrichts darstellen. Zu diesem Zweck kann
man die Angebote unterscheiden, je nach dem, ob sie eine niedrige, eine
mittlere oder eine hohe Interaktionshäufigkeit aufweisen (siehe Abbildung
10).
-
Angebote mit niedriger Interaktionshäufigkeit. Die Interaktionen
sind begrenzt auf formale Momente der Überprüfung der erworbenen
Kenntnisse, am Ende des Bildungsweges oder signifikanter Teile desselben,
z.B. didaktischer Einheiten oder Gruppen von Einheiten. Die Interaktion
bezieht sich also auf das Endverhalten, ohne die Möglichkeit, die
erhaltene Information auf die Lehrtätigkeit zurückfließen
zu lassen, zumindest nicht sofort. Für die Schüler folgt aus
diesen Interaktionen eine Gesamtbestätigung der Übereinstimmung
der erzielten Bildung mit den Zielen des Kurses. Die Studienbedingung der
Teilnehmer an Fernkursen bei niedriger Interaktionshäufigkeit ist
derjenigen der Autodidakten sehr ähnlich, von der sie sich nur deshalb
unterscheidet, weil die Studieninhalte kohärent sind mit einem Projekt,
das den Erwerb bestimmter Kompetenzen zum Ziel hat, und weil die Überprüfung
der erworbenen Kenntnisse vorgesehen ist. Es ist gut festzustellen, daß
es, wenn diese Minimalanforderungen nicht erfüllt sind, weder richtig
noch angemessen ist, von Fernstudium zu reden: Man riskiert nämlich
die Ausweitung des semantischen Bereichs dieses Ausdrucks, indem seine
Bedeutung soweit verblaßt, daß sie jede Form der Studientätigkeit
umfaßt, die nicht die simultane Anwesenheit von Lehrern und Schülern
an einem extra organisierten Ort vorsieht.(26)
-
Angebote mit mittlerer Interaktionshäufigkeit. Sie zeichnen
sich durch die Sorgfalt des Bildungsprojekts aus, das eine genaue Beschreibung
des Eingangsprofils der Schüler vorsieht und einen analytischen Hinweis
auf die Ziele gibt, die nach und nach in den folgenden Phasen der Teilnahme
an einem Fernkurs erreicht werden müssen. Die Interaktionen werden
durch Überprüfungstests aktiviert, die der Angabe der Qualität
der gelieferten Leistung entsprechen. Die Schüler erhalten dadurch
eine Bestätigung der korrekten Leistung und einen Hinweis auf die
Notwendigkeit eines weiteren Engagements in den Fällen, in denen die
Leistungen nicht als den Erwartungen entsprechend angesehen wurden. Diese
Angebote verdienen es zurecht, als "Fernunterricht" definiert zu werden
und weisen bedeutende Symmetrien mit einer guten Schulbildung traditioneller
Art auf, in der die Last der Anpassung einen zentralen Aspekt der Verpflichtung
der Schüler ausmacht. Dennoch ermöglicht die Verfügbarkeit
einer häufigen und analytischen Rückinformation die Verbesserung
der Lehrbotschaft, zumindest teilweise und auf undifferenzierte Art.
-
Angebote mit hoher Interaktionshäufigkeit. Eine entscheidende
Erhöhung der Interaktionshäufigkeit im Rahmen eines Bildungsangebots
(Präsenz- oder Fernunterricht) erzielt man, wenn man sich nicht darauf
beschränkt, die zurückkommende Information als integrierte Überprüfung
der Wirksamkeit der Botschaft auf die Gesamtheit der Empfänger zu
betrachten, sondern sie als Möglichkeit auffaßt, die Botschaft
an die speziellen Bedürfnisse eines jeden anzupassen. In einer durch
hohe Interaktionshäufigkeit charakterisierten Didaktik ändern
sich die Verteilung der Aufgaben zwischen Lehrenden und Lernenden, weil
die Last der Anpassung nicht mehr auf die Schüler zurückfällt,
sondern sich in großem Maße auf die Lehrenden verschiebt, oder,
im Falle des Fernstudiums, auf die Struktur, die Bildung anbietet. Die
Last der Anpassung stimmt überein mit der Veränderung der virtuellen
mittels der realen Botschaft, die den speziellen Lernbedürfnissen
der einzelnen Schüler entspricht.
Abbildung 10: Niedrige, mittlere
und hohe Interaktionshäufigkeit im Fernunterricht.
7. Die Optimierung des didaktischen Angebots
Die Häufigkeit und die Qualität der Interaktionen sind als Elemente
für die Definition eines Evaluationskriteriums der Qualität des
Fernstudiums genannt worden. Dennoch ist es nötig zu präzisieren,
welche die wünschenswerte Häufigkeit ist und welche Art von Interaktionen
für die Verbesserung des Bildungsangebots zweckmäßig sind.
Aus der angemessensten Häufigkeit und den zweckmäßigsten
Interaktionen geht die Optimierung des Bildungsangebots hervor.
Die Häufigkeit der Interaktionen kann nicht abstrakt festgestellt
werden, sondern muß dem tatsächlichen Lernpfad jedes Schülers
angepaßt werden. Wenn der Bildungsvorschlag die individuellen Bedürfnisse
berücksichtigt, ist der Übergang von einem Anfangszustand (t0)
zu einem Endzustand (tn) durch das Durchlaufen einer gewissen
Menge von Zwischenzuständen (t1, t2, ...) gekennzeichnet.
Jeder der Zwischenzustände wird, auf der Bildungsebene, durch ein
Ziel gekennzeichnet (o1, o2, ...). Daraus folgt,
daß der Lernpfad jedes Schülers in Schritte (p) zerlegt werden
kann, die durch die zeitliche Abfolge (t) und durch das Ziel (o) identifiziert
werden. Aber, da es sich um einen individualisierten Pfad handelt, wird
die Abfolge zwischen p0, der Anfangsbedingung, und pn,
das sich auf den Endzustand bezieht, nicht der Ordnung der ganzen Zahlen
folgen, sondern einer individualisierten Ordnung, je nach den Bedürfnissen
eines jeden. Es ist daher notwendig, daß im Modell ein Evaluationselement
enthalten ist (v), das in der Lage ist, den Weg von Mal zu Mal zum nächsten
Schritt hin auszurichten: Dieses Evaluationselement nimmt eine Entscheidungsfunktion
an (siehe Abbildung 11).
Abbildung 11: Individualisierter
Lernpfad.
Der Tatsächliche Pfad wird durch die Evaluationskomponente
v bestimmt.
Da die Anzahl der Schritte veränderbar ist, ändert sich auch
die Zahl der tatsächlichen Interaktionen, als die man die Anpassungen
versteht, die in den Lernpfad eingreifen durch einen Austausch mit evaluierendem
Charakter zwischen dem, der die Botschaft produziert, und dem, der sie
nutzt. In der Definition des Modells sollte daher die Anzahl der potentiellen
Interaktionen (ip) geschätzt werden, während bezogen
auf die tatsächlichen Pfade die realen Interaktionen (ir)
berechnet werden können. Die Zahl der potentiellen Interaktionen wächst
als Funktion der Schritte und der Alternativbotschaften (am),
die man für jeden Schritt in der Lage ist herzustellen. Das bedeutet:
Während die Zahl der potentiellen Interaktionen sich sehr schnell
erhöht, wird die Zahl der realen Interaktionen dazu neigen, der Zahl
der Schritte gleichzukommen, es sei denn, es wird nicht vorgesehen, die
Evaluationsmomente innerhalb der Alternativbotschaften zu differenzieren.
Die Lernbotschaft kann bezüglich eines bestimmten Schülers
als optimiert betrachtet werden, wenn letzterer alle vom Bildungsprojekt
vorgesehenen Kompetenzen erwirbt.