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FAQ's zum Urheberrecht

Urheberrecht im Allgemeinen:

1. Was schützt das Urheberrecht ?

Das Urheberrecht schützt Literatur-, Wissenschafts- und Kunst-Werke
(„Geistige Schöpfungen“, die von einem Menschen in einem persönlichen, kreativen Prozess geschaffen wurden.)

Geschützt sind bereits geschaffene Werke, wie:

  • Sprachwerke, alles schriftlich Niedergelegte, Vorträge, Reden und (Vor-) Lesungen,
  • Software- und Computerprogramme,
  • Musikstücke,
  • Filmsequenzen,
  • Screenshots,
  • Fotos,
  • Choreographien,
  • Produkte der bildenden Künste einschließlich der Baukunst und der angewandten Kunst und
  • Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen

Geschützt wird nicht nur das komplette Werk, sondern auch Werkteile.

Nicht geschützt sind:

  • die Idee zu einem noch nicht entstandenen Werk,
  • "Werke", die zu banal sind, als dass sie als geistige Schöpfung gelten könnten:
    Allerdings ist in der Regel schon ein sehr geringer geistiger Aufwand ausreichend, um ein Werk zum Ergebnis zu haben.

ACHTUNG:
Bedenken Sie, dass diejenigen fremden Materialien, die Sie für Ihre Lehrunterlagen nutzen möchten,
gerade aufgrund ihrer Qualität von Ihnen ausgesucht werden. Sie werden daher in der Regel Werke
im Sinne des Urheberrechts sein.

2. Was schützt das Urheberrecht außer Werken noch ?

Es schützt auch die Rechte all derjenigen, die zwar kein Werk im Sinne des Urheberrechtsgesetzt geschaffen haben, die aber aufgrund von bestimmten künstlerischen, wissenschaftlichen oder unternehmerischen Leistungen Rechtsschutz verdienen (verwandte Schutzrechte).

Verwandte Schutzrechte haben:

  • Herausgeber/innen wissenschaftlicher Ausgaben
  • Herausgeber/innen nachgelassener Werke
  • Lichtbildner/innen
  • Ausübende Künstler/innen
  • Hersteller/innen von Tonträgern
  • Sendeunternehmen
  • Datenbankhersteller/innen
  • Filmhersteller/innen

Grundsätzlich gelten die Regelungen für das Urheberrecht auch für die verwandten Schutzrechte.

BEISPIEL:
Der Herausgeber einer wissenschaftlichen Ausgabe ist kein Urheber, da er lediglich ein vorgegebenes Werk herausgibt, ohne dass er selbst schöpferisch tätig wäre. Da die Herstellung von solchen Ausgaben aber einen erheblichen finan­ziellen und organisatorischen Aufwand erfordert, wird dem Herausgeber ein Leistungsschutzrecht zuerkannt, das unabhängig neben dem Urheberrecht an dem Sprachwerk selbst besteht.

3. Wer ist Rechtsinhaber/in ?

Die Rechte an einem Werk stehen derjenigen Person zu, die das Werk geschaffen hat (Urheber/in). Sind mehrere Personen an der Schaffung eines Werkes beteiligt, sind sie alle Urheber/innen und können nur gemeinsam über ihr Werk verfügen.

Urheber/innen können immer nur Menschen sein, keine Tiere oder Maschinen. Auch Firmen, Vereine und Hochschulen, wie die FernUniversität, können selbst nie Urheber/in eines Werkes sein. Sie können jedoch auch den Schutz des Urhebergesetzes (UrhG) genießen. (siehe auch Nutzungsrechte Frage I 8)

1. BEISPIEL:
Ein von einem Schimpansen gemaltes Bild ist kein Werk, da für die Schaffung eines Werkes laut Urheberrecht ein individueller menschlicher Geist erforderlich ist.

2. BEISPIEL:
Urheber eines Spielfilmes ist nach deutschem (im Gegensatz zum U.S.-amerikanischen) Urheberrecht nicht der Produzent allein. Neben ihm sind vielmehr alle am kreativen Schaffensprozess Beteiligten, wie etwa Filmregisseur, Schnittmeister und Kameramann, die Urheber des Filmwerkes.

3. BEISPIEL:
Schauspieler dagegen sind i. d. R. keine Urheber, da sie zumeist streng nach den Vorgaben von Drehbuch und Regie arbeiten und nicht selber kreativ tätig werden. Sie können aber als ausübende Künstler Inhaber eines verwandten Schutzrechtes sein.

4. Was ist bei einer technischen oder wissenschaftlichen Arbeit geschützt ?

Grundsätzlich ist die Wissenschaft frei. Das bedeutet, dass niemandem der Zugang zu technischen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen verwehrt werden darf. Auch jüngere Forscher/innen müssen von den Erkenntnissen ihrer Vorgänger/innen profitieren dürfen.

Daher beschränkt sich der Schutz eines technischen oder wissenschaftlichen Werkes nur auf die äußere Form der Darstellung.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse selbst sind aber urheberrechtsfrei.

BEISPIEL:
Bei einem wissenschaftlichen Schaubild, etwa einer Darstellung in Form einer dreidimensionalen Pyramide, ist die besondere Art der Darstellung in Form des Pyramiden-Schaubildes urheberrechtlich geschützt. Die Inhalte der Darstellung aber, also die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Theorien aus dem Schaubild, sind frei nutzbar. Der Nutzer muss sich nur eine andere Form der Darstellung überlegen.

5. Welche Rechte hat die Urheberin / der Urheber ?

  • Urheberpersönlichkeitsrecht:
    Die Urheberin / der Urheber bestimmt, ob und in welcher Form ihr/sein Werk veröffentlicht wird. Ebenso hat sie/er das Recht, als Urheber/in des Werkes genannt zu werden und Entstellungen ihres/seines Werkes zu verbieten. Dieses Recht steht allein der Urheberin/ dem Urheber zu.

  • Nutzungsrechte:
    Die Inhaberin/der Inhaber des Nutzungsrechtes bestimmt unter anderem über die Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung, Vorführung und Wiedergabe des Werkes.

    Das Nutzungsrecht kann sowohl den Urhebern / Urheberinnen als auch Dritten zustehen, denen dieses Recht übertragen wurde (siehe auch Nutzungsrechte Frage I 8.)

  • Schutz- und Abwehrrechte:
    Das Urheberrecht vermittelt auch Schutz- und Abwehrrechte gegenüber denjenigen, die die genannten Urheberrechte missachten.

    So kann unter anderem die zukünftige Unterlassung der Rechtsverletzungen sowie Schadensersatz verlangt werden. Außerdem kann die Vernichtung von unerlaubt hergestellten Vervielfältigungen gefordert und Auskunft und Entschädigung vom Schädiger verlangt werden.

6. Wie lange schützt das Urheberrecht das Werk ?

Der Urheberrechtsschutz besteht bis 70 Jahre über den Tod der Urheberin / des Urhebers hinaus.
Nach deren / dessen Tod wird das Urheberrecht von ihren / seinen Erben ausgeübt.
Waren mehrere Personen an der Schöpfung des Werkes beteiligt, kommt es auf den Tod des bis zuletzt lebenden Urhebers an.

Anonyme Werke und solche, die unter einem Pseudonym veröffentlicht wurden, werden für 70 Jahre ab ihrer Veröffentlichung geschützt.

Bei verwandten Schutzrechten (siehe Frage 2) besteht keine einheitliche Schutzfrist. Die Schutzdauer beläuft sich hier regelmäßig auf 50 Jahre ab Veröffentlichung, teilweise bestimmt das Gesetz eine Schutzdauer von 25 oder 15 Jahren.

7. Kann die Urheberin / der Urheber seine Rechte an Dritte weitergeben ?

Die Urheberin / der Urheber kann als Rechteinhaber ihre / seine Nutzungsrechte (siehe Frage 5) auf Dritte übertragen.
Diese können dann im Rahmen der Vereinbarung der Rechte wie die Urheberin / der Urheber über die Nutzung des Werkes bestimmen (Nutzungsberechtigte).
Bei der Übertragung der Nutzungsrechte kann die Urheberin / der Urheber frei entscheiden.

Sie / er kann entweder alle oder nur einzelne Nutzungsrechte an beliebig viele Nutzer/innen übertragen.

Die Nutzungsrechte an dem Werk können unbeschränkt oder räumlich, zeitlich und/oder inhaltlich beschränkt übertragen werden.

Sie können als einfaches oder ausschließliches Recht vergeben werden.

BEISPIEL:
Die Veranstalterin eines Fotowettbewerbs will die eingereichten Fotos grundsätzlich auch für eigene (Maketing-) Zwecke verwenden. Um das zu erreichen, muss sie sich von den Teilnehmenden Nutzungsrechte an den Fotos einräumen lassen.

Dabei kann sie sich pauschal alle Rechte für jede Nutzungsart einräumen lassen (unbeschränktes Nutzungsrecht) oder aber nur einzelne Rechte, etwa nur für Deutschland (räumliche Beschränkung), für zwei Jahre (zeitliche Beschränkung) oder nur zur Verwendung im Internet (inhaltliche Beschränkung).

Will die Veranstalterin die Fotos unter Ausschluss aller anderen (einschließlich der Fotografin / des Fotografen selbst) nutzen, lässt sie sich ein ausschließliches Nutzungsrecht einräumen. Mit diesem Recht kann sie allein zukünftig über die Nutzung des Fotos bestimmen, aber auch Dritten eine Nutzung erlauben. Stört es sie nicht, dass möglicherweise Dritte das Foto neben ihr nutzen dürfen, gibt sie sich mit einem einfachen Nutzungsrecht zufrieden.

Die verschiedenen Nutzungsrechte können (fast) frei miteinander kombiniert werden.

Die Übertragung von Nutzungsrechten (siehe Frage 5) ist auch auf Vereine, Firmen, Hochschulen etc. möglich, obwohl diese keine Urheber (siehe Frage 3) sein können.

Über seine Urheberpersönlichkeitsrechte (siehe Frage 5) kann der Urheber allerdings nicht verfügen. Diese Rechte sind nicht übertragbar.

ACHTUNG:
Nicht jeder Urheber ist gleichzeitig Nutzungsberechtigter seines Werkes und nicht jeder Nutzungsberechtigte muss zugleich Urheber des von ihm genutzten Werkes sein.

8. Welche rechtlichen Folgen hat eine Urheberrechtsverletzung ?

  • Schadenersatz:
    Die Urheberin / der Urheber kann von derjenigen / demjenigen, die / der seine Rechte verletzt hat, Schadensersatz verlangen. Wie hoch ein solcher Schadensersatz ausfallen kann, hängt ganz vom Umfang und der Intensität der Verletzung ab und kann hier nicht pauschal berechnet werden. Er kann aber durchaus mehrere 1.000,- Euro betragen.
  • Abmahnung:
    Die Urheberin / der Urheber kann verlangen, dass die / der Verletzende eine Unterlassungserklärung abgibt, auf zukünftige Verletzungen zu verzichten.
    Man spricht allgemein in einem solchen Fall von einer „Abmahnung".
  • Freiheitsstrafe:
    Eine Urheberrechtsverletzung kann ein strafrechtliches „Nachspiel“ haben. So wird zum Beispiel die Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Wiedergabe eines Werkes ohne Einwilligung des Berechtigten mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

9. Wird eine Verletzung des Urheberrechts anders bewertet, wenn sie absichtlich oder unabsichtlich erfolgt ?

Es macht keinerlei Unterschied, ob die Urheberrechte mit Absicht oder nur aus Versehen verletzt worden sind. In beiden Fällen liegt ein Verstoß gegen das Urheberrecht vor, der rechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

10. Was mache ich, wenn ich eine „Abmahnung“ von der Urheberin / vom Urheber bekommen habe ?

Sollten Sie eine Abmahnung erhalten, hilft Ihnen das Dez. 2.4 , Anna Lena Moritz, Tel. 987 - 4773, Sebastian Technau Tel. 987 - 2007 gerne weiter.

11. Wie erhält die FernUniversität Nutzungsrechte an Materialien Dritter ?

Die FernUniversität erhält in Verträgen, die sie mit Dritten abschließt, die Nutzungsrechte. Bei den Verträgen kann es sich um reine Lizenzverträge, aber auch um Forschungs- und Entwicklungsverträge oder Verträge zu Drittmittelprojekten handeln.
Auch kann z.B. ein Studierender der FernUniversität bzw. einem Lehrgebiet Nutzungsrechte an seiner Abschlussarbeit einräumen.
Dez.2.4 prüft und erstellt hierzu die jeweiligen Regelungen. Fragen hierzu können Sie gerne an Frau Anna Lena Moritz , Tel. -4773 oder Herrn Sebastian Technau Tel. 987 - 2007 stellen.

Dezernat 2.4 26.07.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, D-58084 Hagen, Telefon: +49 (2331) 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de