Rubriken

Pflege

Pflege

Die Pflege bedürftiger Angehöriger beansprucht immer mehr Beschäftigte und Studierende der FernUniversität. Ein Pflegefall kann schnell und unerwartet eintreten und betrifft nicht nur die Pflege von Senioren. Häufig sind die Pflegenden mit einer Fülle von Anforderungen konfrontiert, denen sie sich nicht gewachsen fühlen. Der FamilienService der FernUniversität unterstützt Sie!


Aktuelles:

Pflegestärkungsgesetz

Zum 1. Januar 2017 tritt das zweite Gesetz zur Stärkung der Pflege in Kraft. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) soll ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und damit verbunden ein neues Begutachtungsinstrument (neues Begutachtungsassessment – NBA) zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit eingeführt werden. Statt drei Pflegestufen wird es künftig fünf Pflegegrade geben, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit (externer Link) oder bei dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (pdf).

Familienpflegezeitgesetz

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (pdf) - Informationen zum neuen Familienpflegezeitgesetz

​​Bevor ein Pflegefall eintritt: Wenn Eltern älter werden

Illustration

​Sie übernehmen immer mehr und mehr Aufgaben, um ihren Eltern ein altersgerechtes Leben zu ermöglichen. Begonnen hat dies mit dem wöchentlichen Rasenmähen, hinzu kommt nun der Einkauf, Behördengänge, Arztbesuche. Dabei entdecken Sie auch Veränderungen der Eltern im Alter. Nun ist es an der Zeit sich grundlegende Gedanken über die nahe Zukunft zu machen. Im Falle eines Falles: Haben Sie eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung für Ihre Eltern? Wie kann ein altersgerechtes Wohnen unterstützt werden? Wir unterstützen Sie! Hier finden Sie wichtige Informationen:


Was bedeutet Pflegebedürftigkeit?

Als pflegebedürftig gilt, wer „wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, (…) der Hilfe bedarf“ (§14 SGB XI Abs. 1).

Wer vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) [externer Link] als pflegebedürftig anerkannt und der entsprechenden Pflegestufe zugeordnet wurde, kann die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen.

Seit Januar 2017 richten sich die Leistungen nicht mehr nach der Pflegestufe, sondern nach dem Pflegegrad [externer Link] (hängt vom Umfang des Pflegebedarfs in Bezug auf die Grundpflege [externer Link] ab) sowie nach der Pflegeform.

Barrierefreies Wohnen

Eine barrierefreie bzw. barrierearme Wohnung ist eine Wohnung ohne Stolperfallen und Hindernisse. So wird nicht nur der Lebenskomfort im Alter gesteigert, sondern auch das Verletzungsrisiko gesenkt.

Weitgehend barrierefrei ist eine Wohnung vor allem dann,

  • wenn sie ohne Stufen und Schwellen begehbar und auch bei Bewegungseinschränkungen ungehindert zugänglich ist,
  • wenn sie eine bodengleiche Dusche oder ein anderweitig sicheres Bad hat,
  • wenn die Türbreiten und die Bewegungsflächen im Bad, Flur und in der Küche ausreichend sind, damit man sich auch mit einem Rollator oder Rollstuhl darin gut bewegen kann,
  • wenn sie eine gute technische Ausstattung und Beleuchtung hat,
  • wenn sie über Haltegriffe, Sitz- und Aufstehhilfen verfügt, die bei eingeschränkter Beweglichkeit Hilfestellung leisten.

Quelle: Länger zuhause leben. Ein Wegweiser für das Wohnen im Alter. BMFJS

Nähere Informationen finden Sie auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnanpassung [externer Link] oder des Vereins „Barrierefrei leben“ [externer Link].

Hilfsmittel

Machen Sie sich Gedanken über mögliche Hilfsgegenstände, die den Alltag erleichtern, z.B. Badewannen- und Treppenlifte, Greifhilfen, Geh- und Mobilitätshilfen, Lese- und Schreibhilfen, spezielle Flaschen- und Dosenöffner, Schuh- und Strumpfanzieher, Fenstergriffverlängerungen, Großtastentelefone für jedes Alter.

In manchen Situationen übernehmen die Kranken- oder Pflegekassen die Kosten für den altersgerechten Umbau oder bestimmte Pflegehilfsmittel:

  • Die Kosten für beispielsweise einen Badewannenlift, ein Pflegebett oder Hygieneartikel übernimmt die Krankenkasse, wenn sie ärztlich verordnet wurden.
  • Wenn die Feststellung der Pflegebedürftigkeit vorliegt, können unter Umständen technische Hilfsmittel aber auch bauliche Maßnahmen von der Pflegekasse finanziert werden.
  • Bis zu 4.000 Euro kann die Pflegekasse als Zuschuss für Maßnahmen gewähren, die die häusliche Pflege erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen.

Tipp: Das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherungen [externer Link] listet alle Produkte auf, deren Kostenübernahme durch die Versicherungen möglich ist.

Personen, die sozialhilfeberechtigt sind, können unter bestimmten Voraussetzungen vom Sozialamt finanzielle Hilfen für Anpassungsmaßnahmen bekommen, jedoch nur, wenn keine anderen Kostenträger infrage kommen.

Vollmachten und Verfügungen

Die Patientenverfügung regelt medizinische Entscheidungen für den Fall, dass man dazu selbst nicht mehr in der Lage sein sollte. Das Bundesjustizministerium hat Textbausteine für eine schriftliche Patientenverfügung [externer Link] zusammengestellt.

Machen Sie sich frühzeitig Gedanken über eine Vorsorgevollmacht. Damit kann eine Vertrauensperson zur Regelung vorher festgelegter Angelegenheiten bevollmächtigt werden. Diese regelt allerdings keine medizinische Angelegenheiten, sondern beispielsweise Behörden- und Versicherungsangelegenheiten. Da es im Krankheitsfall keine gesetzliche Vertretungsmacht zwischen Ehegatten oder Eltern und Kindern gibt, kann es mit einer Vorsorgevollmacht im Krankheitsfall nicht zu gerichtlichen Betreuungsverfahren kommen, bei dem das Gericht eine Vertretungsperson finden muss.

Daher sollte die Vollmacht möglichst umfassend und vor allem schriftlich ausgestaltet sein. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht zwingend notwendig (es sei denn, es handelt sich um den Erwerb oder die Veräußerung von Grundbesitz oder die Aufnahme von Verbraucherdarlehen), allerdings können mit einer notariellen Vorsorgeurkunde Zweifel an der Wirksamkeit der Vorsorgevollmacht beseitigt werden. Die ausstellenden Personen müssen in jedem Fall geschäftsfähig sein. Weitere Informationen [externer Link].

​​Hier finden Sie ein Muster der Vorsorgevollmacht. (pdf)

Wenn es zu der Situation kommt, dass jemand seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann, und es wurde entweder keine Vorsorgevollmacht ausgestellt oder es gibt eine Vollmacht, die sich aber beispielsweise nicht auf finanzielle Angelegenheiten bezieht, dann wird das Betreuungsgericht angerufen, dass eine Betreuungsperson finden muss.

Zuerst wird geprüft, in welchen Bereichen die zu betreuende Person tatsächlich nicht mehr eigenverantwortlich handeln kann. Dazu kann unter anderem ein medizinisches Gutachten erstellt werden. Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass Hilfe nötig ist, wird dem Betroffenen rechtliche Hilfe gewährleistet, indem eine Betreuung eingerichtet und ein/ Betreuer/in bestellt wird. Die Bereiche, in denen Hilfe nötig ist, werden in einem Betreuungsbeschluss aufgeführt. Wenn ein Verwandter oder der Ehepartner als Betreuer/in nicht in Frage kommt, wird ein/e Berufsbetreuer/in eingestellt. Auf die Wünsche der betroffenen Person wird dabei besondere Rücksicht genommen. Diese Wünsche können in einer Betreuungsverfügung formuliert werden.

Denken Sie auch an eine Konto- / Depotvollmacht!
Auf den Seiten des Bundesministeriums der Justiz finden Sie ein Formular [externer Link], aber Sie sollten sich auch bei Ihrer Bank / Sparkasse erkundigen.

Was ist zu tun, wenn ein Pflegefall eintritt?

Illustration

Menschen, die im Alter auf Hilfe und Pflege angewiesen sind, haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Unter den folgenden Themenschwerpunkten finden Sie weitergehende Informationen und Anregungen.


Ansprechpersonen

Ansprechpersonen an der FernUniversität

Team FamilienService

Betriebliche Sozialberatung: Frau Anna Appelhagen

Team Dezernat 3.1 oder Dezernat 3.2 in Bezug auf rechtliche Fragen

Fachstellen für pflegende Angehörige und Demenz

Landesstelle für pflegende Angehörige NRW [externer link]

  • Links und Adressen von örtlichen Beratungsstellen und Pflegestützpunkten

Landesinitiative Demenz Service NRW [externer link]

  • Links und Adressen von Demenz-Servicezentren in Nordrhein-Westfalen

Deutsche Alzheimer-Gesellschaft [externer link]

  • Informationen für Angehörige: Entlastungsangebote, Umgang und Beschäftigung, rechtliche und finanzielle Hilfen, technische Hilfen, ethische Fragestellungen, etc.

Antrag und Leistungen

Ein Pflegefall tritt oft plötzlich und unerwartet ein. Falls Sie sich in einer solchen Situation befinden, sollten Sie wie folgt vorgehen:

  • Stellen Sie einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung bei Ihrer Pflege- / Krankenkasse. Diese beauftragt dann den Medizinischen Dienst der Krankenkassen [externer Link] (bzw. Medicproof [externer Link] bei einer privaten Pflegeversicherung), der mit Ihnen einen Termin vereinbart, um eine Begutachtung zum Grad der Pflegebedürftigkeit vorzunehmen. Beachten Sie die Begutachtungsfristen [externer Link]!
  • Führen Sie zur Vorbereitung auf diesen Termin ein Pflegetagebuch [externer Link] darüber, wie viel Zeit welche Verrichtungen in Anspruch nehmen und bei welchen eventuell Hilfe nötig ist.
  • Falls Sie wissen, ob Sie zu Hause pflege möchten oder die Unterbringung in einem Pflegeheim bevorzugen, teilen Sie dies der Pflegekasse bei der Antragstellung mit. Eine Checkliste für die Organisation der häuslichen Pflege [externer Link].
  • Fragen Sie Ihre Pflegekasse nach einer Liste der zugelassenen Pflegedienste bzw. Pflegeheime für einen Kostenvergleich. Fragen Sie auch nach Informationen über niedrigschwellige Betreuungsangebote zur Entlastung bei der Versorgung.
  • Um die Qualität der ambulanten und stationären Pflege sicherzustellen, werden unangemeldete Qualitätsprüfungen vorgenommen. Erfahren Sie mehr [externer Link].

Weitere Informationen:

Kinderkrankenpflege

Eltern können für pflegebedürftige Kinder die Unterstützung durch eine häusliche Kinderkrankenpflege in Anspruch nehmen. Diese kann vom Kinderarzt oder der Kinderärztin verordnet werden.

In den meisten Fällen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • wenn die häusliche Krankenpflege einen Krankenhausaufenthalt vermeiden oder verkürzen kann
  • wenn das Kind nicht in einem Krankenhaus aufgenommen werden kann, weil kein Bett frei ist, oder die Trennung von den Eltern nicht zumutbar für das Kind ist

Außerdem kann eine Haushaltshilfe engagiert werden. Hier sind die Voraussetzungen:

  • sie müssen ein Kind versorgen, das behindert ist und Pflege benötigt ODER sie haben ein Kinder 12 Jahren, das bei Ihnen im Haushalt lebt und das Sie versorgen müssen.
  • Wenn keine andere Person Ihren Haushalt führen und Ihre Kinder versorgen kann (auch nehmen, auch wenn Sie kein krankes Kind versorgen müssen)

In jedem Fall sollten Sie sich für weitere Unterstützung an das örtliche Jugendamt wenden.

Wenn ein schwerkrankes Kind aus dem Krankenhaus entlassen wird und weiter ambulant versorgt werden muss, kann professionelle Hilfe in Form der sozialmedizinischen Nachsorge [externer Link] beantragt werden. Dies gilt für Kinder bis 14 Jahre. Die sozialmedizinische Nachsorge stellt sicher, dass qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Kind und seine Familie von der stationären Behandlung oder Rehabilitation ab begleiten und einen reibungslosen Übergang in die häusliche Pflege und die ambulante Behandlung ermöglichen.

Von der Krankenkasse werden die Kosten für Maßnahmen der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und Väter (Mutter-/Vater-Kind-Kuren [externer Link]), wenn diese medizinisch notwendig sind. Für nähere Informationen fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder das Müttergenesungswerk [externer Link].

Pflegeformen

Pflegeformen

Die ambulante, also häusliche Pflege [externer Link] wird entweder von Angehörigen, von Einzelpflegekräften oder von einem Pflegedienst übernommen. Hier gibt es drei Leistungsformen, die von der Pflegekasse ausgezahlt werden: Pflegegeld, Pflegesachleistung und Kombinationsleistung.

Unter Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Versorgung) [externer Link] versteht man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung. Dabei übernimmt die Pflegekasse die Pflegekosten, die Aufwendungen der sozialen Betreuung und die Kosten der medizinischen Behandlungspflege.

Die vollstationäre Pflege [externer Link] bezieht sich auf die dauerhafte Unterbringung in einem Pflegeheim, wenn die häusliche oder teilstationäre Pflege nicht möglich ist. Bei den Pflegestufe I und II kann die Pflegekasse die Notwendigkeit durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfen lassen, bei der Pflegestufe III wird diese vorausgesetzt.

Nützliche Links für pflegende Angehörige

Die Pflege eines Angehörigen kann eine große emotionale Belastung sein. Für Angehörige, die die Pflege übernommen haben, haben wir hier eine Auswahl an Informationsquellen zusammengestellt:

Link zur Pflegeveranstaltung an der FernUniversität (November 2015)

Links zu Beratungs- und Entlastungsangeboten

  • Pflegeberatungseinsätze: externer Link zum Bundesgesundheitsministerium: Wer muss und wer kann Beratungseinsätze in Anspruch nehmen?
  • Pflegeportal [externer Link] des Bundesgesundheitsministeriums
  • Tages- und Nachtpflege [externer Link]: Unter Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Versorgung) versteht man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung.

Links zur Pflegeheim- und Pflegedienstsuche

  • Pflegelotse [externer Link] des Verbands der Ersatzkassen e.V.: Suche nach unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen (ambulant, stationär, Kurrzeit-, Tages- und Nachtpflege) im gesamten Bundesgebiet mit Pflegenoten, die über die Qualität der Einrichtung informieren
  • Kinderpflegekompass [externer Link]: Suche nach stationären Einrichtungen für die Kinderkrankenpflege
  • wohnen-im-alter.de [externer Link]: Das Online-Portal für Wohnen und Pflege
Dezernat 3.3 09.03.2017
Logo: Familienfreundliche FernUniversität
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, D-58084 Hagen, Telefon: +49 (2331) 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de