Der Laborkurs in Einzelarbeit ist in den Naturwissenschaften häufig. Viele fortgeschrittene Chemiepraktika oder Physikpraktika werden in dieser Sozialform durchgeführt und sollen die Studierenden auf die Laborarbeit des einzelnen Forschers vorbereiten. Die Teilnehmer werden mit Aufgaben oder Problemen konfrontiert, die sie alleine zu lösen haben.
Ein Praktikum in Einzelarbeit verlangt und fördert ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbständigkeit.
Einzelarbeit ist in vielen Bereichen der Fernlehre die Standardsozialform und unterstützt dabei deren Hauptvorteile, das zeit- und ortsunabhängige Lernen. Ein Ziel der Einzelarbeit ist es, die individuelle Leistung des einzelnen Studierenden einzufordern und zu bewerten. Sie bietet eine größere Möglichkeit zur individuellen Förderung und zur Differenzierung nach Leistungsstand, als andere Sozialformen.
Einzelarbeit wird für das virtuelle Praktikum weiter spezifiziert, als
- das Praktikum des einzelnen Studierenden,
- das Praktikum mehrerer Studierender in differenzierender Einzelarbeit,
- das Praktikum mehrerer Studierender in arbeitsgleicher Einzelarbeit,
- das Praktikum mehrerer Studierender in arbeitsteiliger Einzelarbeit.
Das Praktikum des einzelnen Studierenden bietet dem Einzelnen die Möglichkeit, Handlungskompetenz im geschützten Raum zu erwerben, ohne auf die Mitarbeit Anderer angewiesen zu sein. Ein solches Praktikum ist z.B. für Weiterbildungsangebote sinnvoll, die ohne einen bestimmten Rhythmus angeboten werden. Die Einzelarbeit bietet allerdings nicht oder nur eingeschränkt die Möglichkeit, die individuelle Arbeit an den Ergebnissen anderer zu messen, zu vergleichen und zu diskutieren.
Didaktische Entscheidung für ein Praktikum in Einzelarbeit
Die Entscheidung für die Einzelarbeit kann ‑ im Falle des Praktikums des einzelnen Studierenden evident ‑ eine pragmatische sein, wenn z.B. zu erwarten ist:
- dass nur sehr wenige Studierende teilnehmen,
- dass diese nicht gleichzeitig teilnehmen, sondern in zeitlichem Abstand,
- dass die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Studierenden zu eingeschränkt für eine funktionierende Partner- oder Gruppenarbeit sind.
Sie kann allerdings auch didaktisch begründet sein; die Wahl kann auf die Einzelarbeit fallen, wenn
Das Arbeitsmaterial unterliegt besonderen Anforderungen, da der Studierende Missverständnisse nicht im Gespräch mit Anderen klären kann. Da dem Alleinarbeiter der soziale Schutz der Gruppe fehlt, müssen Betreuende der sozialen Schutzfunktion des geschützten Raumes entsprechend größere Aufmerksamkeit schenken. Einzelarbeit kann sowohl von Leistungsdruck entlasten, wenn der direkte Vergleich zu den anderen Teilnehmern wegfällt, als auch diesen verstärken, wenn die Leistungsorientierung und der Vergleich mit anderen Einzelarbeitern stark betont werden. Hier kommt den Betreuern eine hohe Verantwortung zu.