Hierzu drei grundsätzliche Aspekte:
Gerade für den letzten und intensivsten Teil der individuellen Prüfungsvorbereitung benötigen Studierende Übungsmaterial, das aus ihrer Sicht möglichst authentisch ist. Während im ersten Teil der Klausurvorbereitungsphase häufiger die nochmalige Durcharbeitung der Studienbriefe und der darin enthaltenen Übungsaufgaben im Vordergrund steht, wollen viele Studierende in den letzten Wochen oder Tagen vor der Klausur ihren bis dahin erarbeiteten Kenntnisstand an „echten“ Klausuraufgaben testen, also an Aufgaben testen, die tatsächlich in einer der letzten Prüfungen vom relevanten Prüfer gestellt wurden. Solche Materialien können ohne größere Probleme von jedem Lehrenden als Dateien in den offenen oder geschützten Bereich der VU eingestellt und über Downloadfunktionen den Studierenden zugänglich gemacht werden.
Unabhängig davon, in welcher der nachfolgend beschriebenen Formen die alten Klausuraufgaben zur Verfügung gestellt werden, sollten zu jeder alten Klausuraufgabe (nach Möglichkeit sogar zu jeder isoliert bewertbaren Teilaufgabe) die vorgesehenen Bearbeitungszeit und/oder die erreichbare Maximalpunktzahl mitgeteilt werden.
Diese Zusatzinformation ist eine der notwendigen Voraussetzungen dafür, daß Studierende die tatsächlichen Klausuranforderungen sachgerecht einschätzen können. Häufig wird Studierenden diese Einschätzung jedoch nur dann gelingen, wenn neben den Aufgabenstellungen und der vorgesehenen Bearbeitungszeit auch Hinweise zu den Inhalten von Lösungen gegeben werden, die aus Sicht des Prüfers mit der vollen Punktzahl bewertet wurden bzw. bewertet würden.
Aus didaktischer Sicht empfehlenswert, aber recht aufwendig, wäre es, z.B. zu jeder Klausuraufgabe drei repräsentative, authentische Beantwortungen von früheren Klausurteilnehmern einzuscannen und zusammen mit kommentierenden Korrekturanmerkungen und Punktzuweisungen (anonymisiert) zur Verfügung zu stellen. Ersatzweise könnten auch zu jeder Aufgabe besonders typische Lösungsfehler bzw. typische Fehlinterpretationen der Aufgabenstellung mitgeteilt werden.
Bereitstellung
Die Bereitstellung dieser „echten“ Klausuraufgaben (und der beschriebenen Zusatzinformationen) kann prinzipiell in zwei Formen erfolgen:
Neben pragmatischen Vorteilen (Arbeitserleichterung, da die Klausurtexte ohnehin in Dateiform vorliegen) sprechen weitere Aspekte für die letzgenannte Bereitstellungsform. Der „Gesamtschwierigkeitsgrad“ einer Klausur und damit auch die Klausuranforderungen resultieren nicht nur additiv aus den Schwierigkeitsgraden der einzelnen Klausuraufgaben, sondern vielmehr auch aus der Kombination und/oder der Reihenfolge der zu einer Klausur zusammengefaßten Aufgaben. Gerade durch die Bearbeitung kompletter Klausuren lernen Studierende diese „Gesamtanforderungen“ besonders gut kennen und können dann sowohl in der individuellen Klausurvorbereitung erkannte Schwächen abbauen, als auch in der zu absolvierenden Prüfung bewußt eigene Stärken einbringen.
Als weiterer Vorteil sei hier angesprochen, daß die Bereitstellung kompletter Klausuren (inklusive der beschriebenen Zusatzinformationen) von vielen Studierenden als Zeichen besonderer Transparenz und „Kundenfreundlichkeit“ positiv gewürdigt wird. Besonders wichtig bei dieser Art der Bereitstellung ist, daß der Eindruck einer durch den Prüfer selektierten Klausurinformation vermieden wird.
Referenzbeispiele
FernUniversität in Hagen, D-58084 Hagen, Telefon: +49 (2331) 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de