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Das Hagener Braille-Software-System (HBS)

1 Die Entstehung von HBS

1 Die Entstehung von HBS

Den historischen Ausgangspunkt für die Entstehung des Software-Systems HBS (Hagener Braille-Software-System) bilden zwei Programme:

  • das Blindenschriftübersetzungsprogramm SBSBRL mit dem von Dr. W. A. Slaby, Katholische Universität Eichstätt, entwickelten SEGBRA-Regelwerk für die deutschsprachigen Blindenschriftübersetzungsarten,
  • das Blindenschriftformatierungsprogramm SBSFORM der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte (SBS) in Zürich.

Spezielle Vorprogramme, Bedienoberflächen, Konverter- und Einstellungssysteme der FernUniversität in Hagen ergänzen diese Programme.

Die SBS Zürich stellt ihre Software seit einigen Jahren als Public-Domain-Software zur Verfügung. Dadurch konnte die Lizenzgebühr für das HBS-System halbiert werden. Die Bezugsgebühr beträgt heute 210 Euro für die Erstlizenz und 70 Euro für das Update.

Der Hagener Anteil des Software-Pakets HBS wurde erstmalig Mitte der 20er Jahre vom Arbeitsbereich Audiotaktile Medien im Zentrum für Fernstudienentwicklung (ZFE) – jetzt Zentrum für Medien und IT (ZMI) – in Kooperation mit der SBS von der FernUniversität angeboten und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. HBS wird von der FernUniversität Interessierten als Sonder- oder Spezialkurs angeboten.

2 HBS-Eigenschaften

Mit Hilfe einer eigenen kleinen Dokumentenbeschreibungssprache (HBS), die auf den SBS-Befehlssatz aufbaut und diesen erweitert, lassen sich mit relativ geringem Aufwand MS-Word-, HTML- und reine Textdateien in qualitativ hochwertige Blindenschriftdruckausgaben umwandeln. Die Dokumentenbeschreibungssprache HBS dient sowohl der maschinellen als auch der menschlich gesteuerten Datenkonvertierung.

HBS ist unter allen gängigen Windows-Betriebssystemen einsetzbar. Die Software verfügt über eine spezielle Bedienoberfläche, die die Arbeitstechniken blinder und sehender Menschen an Computern gleichermaßen unterstützt. Sämtliche Funktionen lassen sich mit Maus oder Tastatur bequem auslösen oder bedienen. Mit dem zentralen Steuerungsprogramm HBSWIN lassen sich sämtliche Vorgänge steuern, die mit dem Aufgabenbereich der Blindenschriftumsetzung irgendwie zu tun haben.

HBSWIN verfügt über ein großes Leistungsspektrum:

1. Es bietet Blindenschriftübersetzungsmodule für deutsche, englische, französische, spanische, italienische, portugisische, russische und griechische (alt- und neugriechische) Texte an.

2. Das Übersetzungsverhalten in jedes dieser Braillesysteme ist anwenderseitig änderbar. HBS ist somit lernfähig.

3. HBS setzt sich das Ziel, im Bereich wissenschaftlicher Literatur zitierfähige Brailleausgaben zu erzeugen.

4. Überschriftselemente, Absatzformate, Fußnotentexte, Marginalien, Tabellen und Rahmen werden für den Tastsinn in optimierter Form in Brailleschrift wiedergegeben.

5. Als wertvolle Navigationshilfe für Blindenschriftleser lässt sich eine sog. „Hagener Orientierungsspalte“ am linken Seitenrand automatisch erzeugen.

6. Rechtschreibregeln (Orthografieregeln vor oder nach 1998) lassen sich während des Blindenschriftkonvertierungsvorgangs oder auch eigenständig prüfen. Je nach Prüfergebnis schaltet HBS das vorgesehene Übersetzungsmodul selbstständig ein.

7. Ein zweiter Seitenzähler sorgt in der Blindenschriftdruckausgabe dafür, dass blinde Leser permanent darüber informiert sind, auf welcher Originalseite sie sich aktuell befinden.

8. Mathematische Formelelemente lassen sich in Standardmathematikschrift für Blinde nach den Regeln der „Marburger Systematik, Teil 6“ automatisch übersetzen.

9. HBS verfügt über drei Software-Kreislaufsysteme:

  • DOC/RTF nach HBS und umgekehrt,
  • HTML nach HBS und umgekehrt,
  • „Reiner Text“ nach HBS und umgekehrt.
  • Add ins (Zusatztools) für alle MS-Word-Versionen zum Druck, ohne das Textverarbeitungssystem zu verlassen. (Eigene Registerkarte im Menueband.)

10. Aus HBS-Dokumenten lassen sich per Knopfdruck außer Druckausgaben in Blindenschrift und RTF-, HTML- sowie TXT-Dateien auch TEX-Dateien zur Weiterverarbeitung mit dem Satzprogramm LATEX erzeugen.

11. Ein spezielles VBA-Makro ermöglicht es MS-Word-Anwendern, HBS so in ihr Textverarbeitungssystem zu integrieren, dass alle HBS-Funktionalitäten unmittelbar direkt aus MS-Word heraus zur Verfügung stehen. Word braucht gar nicht verlassen zu werden.

12. Auf den HBS-Programm-CD's befinden sich acht HBS-Braille-Fonts, die sich jeder HBS-Nutzer durch die Installationsroutine auf seinem System installieren lassen kann. Die HBS-Braille-Fonts stehen dann unter jeder beliebigen Anwendung zur Verfügung und können beispielsweise von Grafikprogrammen genutzt werden, um taktile Grafiken angemessen zu beschriften.

13. Ab Version 8.2 bietet HBS ein Konvertierungssystem von HBS nach DAISY zur Erzeugung von DAISY-Hörbüchern mit synthetischer Stimme an. Jede auf dem Computersystem installierte Stimme kann als synthetische Stimme verwendet werden.

14. Seit 2014 gehört zum Software-System ein sog. „HBS-Validator“, ein Programm, mit dessen Hilfe sich HBS-Textdateien inhaltlich auf diverse formale Fehler hin prüfen lassen. Als mögliches Korrekturprogramm lässt sich jede beliebige Anwendung einsetzen.

3 HBS-Bestellung (Lizenzen)

Das Software-Paket HBS kann von natürlichen Personen (Privatpersonen) und von juristischen Personen (Firmen, Einrichtungen, Vereinen etc.) bestellt werden. Bei Bestellungen durch juristische Personen sollte der natürliche Name eines Einrichtungsvertreters unter „c/o“ bei der Lieferadresse angegeben sein. Auf Wunsch wird statt eines Gebührenbescheids eine Rechnung ausgestellt.

Bei der Kursbelegung wird zwischen Erstlizenznehmern und Update-Lizenznehmern unterschieden.

Erstlizenznehmer müssen zunächst das komplette Software-Paket bestellen und erhalten dann eine Lizenznummer. Mit dieser Lizenznummer gelten sie später als Update-Lizenznehmer und sind damit autorisiert, Updates zu bestellen.

Juristische Personen, die das Konvertierungssystem HBS auf einrichtungseigenen und eventuell auf privaten Rechnern von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen installieren und betreiben lassen möchten, können eine sog. „Campuslizenz“ erwerben, indem sie Kontakt mit dem Arbeitsbereich Audiotaktile Medien an der FernUniversität aufnehmen, um sich speziell registrieren zu lassen. In diesen Fällen wird der Name der Einrichtung in die Lizenzdatei eingetragen, so dass der Einrichtungsname im HBS-Protokoll und an anderen Stellen im Programmsystem sichtbar wird.

Die Campuslizenz berechtigt zum Einsatz des Software-Pakets auf einer unbeschränkten Anzahl von Computern. Für die Campuslizenz wird eine Gebühr in Höhe von drei Erst- bzw. Update-Lizenzen berechnet.

3.1 HBS-Bestellformular

Mit den aufgeführten Kursnummern auf dem nachfolgenden Formular kann das Software-Paket HBS als Spezial- oder Sonderkurs belegt werden.
Bestellungen können nur schriftlich und mit dem eigens dafür vorgesehenen Bestellformular [PDF zum Ausdrucken] vorgenommen und bearbeitet werden.

3.2 Versand

Kursbeleger erhalten die jeweils aktuelle Version des Blindenschriftkonvertierungssystems auf CD inklusive Handbuch, wahlweise in Blindenschriftdruckausgabe oder Schwarzschrift.

Der Versand der HBS-CD und des dazugehörigen Handbuchs erfolgt aus organisatorischen Gründen zeitlich versetzt!

Angela Trothe-Voß | 01.06.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, ZMI, Audiotaktile Medien, 58084 Hagen