Hedwig Dohm kommt als Marianne Adelaide Hedwig Jülich in Berlin zur Welt. Sie ist das dritte von achtzehn Kindern und die älteste Tochter des Tabakfabrikanten Gustav Adolph Schlesinger und Wilhelmine Henriette Jülich. Wie neun ihrer Geschwister ist auch sie ein uneheliches Kind und trägt zunächst den Nachnamen ihrer Mutter.
1838
Hochzeit der Eltern. Die unehelichen Kinder werden vom Vater anerkannt und erhalten den Nachnamen Schlesinger.
1851
Die Familie lässt den jüdisch klingenden Namen Schlesinger in Schleh ändern. Bereits 1817 war Gustav Adolph Schlesinger vom Judentum zum Protestantismus konvertiert.
1851/1852
Einjähriger Besuch eines Lehrerinnenseminars in Berlin
1852
Reise mit der Mutter nach Spanien, Aufenthalt in Andalusien beim ältesten Sohn der Familie. Im Vorfeld zu dieser Reise lernt Hedwig Schleh Spanisch. Ihr Privatlehrer ist der junge Gelehrte Ernst Dohm.
21.03.1853
Hochzeit mit Wilhelm Friedrich Ernst Dohm, der als leitender Redakteur beim Satireblatt Kladderadatsch arbeitet. Das Haus der Dohms wird ein beliebter und bekannter Salon, in dem die geistige und kulturelle Elite Berlins verkehrt: Ferdinand Lassalle und die Gräfin Hatzfeld sind ebenso zu Gast wie Alexander von Humboldt, Franz Liszt, Theodor Fontane, Fanny Lewald und Adolf Stahr, Varnhagen von Ense und seine Nichte Ludmilla Assing, Cosima und Hans von Bülow.
1854
Geburt des Sohnes Hans Ernst
1855
Geburt der Tochter Gertrud Hedwig Anna, genannt „Hedel“, die spätere Hedwig Pringsheim-Dohm: Mutter von Katia Mann, Schwiegermutter von Thomas Mann
1856
Geburt der Tochter Ida Marie Elsbeth, genannt „Else“, später Else Rosenberg
1858
Geburt der Tochter Marie Pauline Adelheid, genannt „Mieze“, später Maria Gagliardi
1859/1860
Geburt der Tochter Eva, in erster Ehe Eva Klein, in zweiter Ehe Eva Bondi
1866
Tod des Sohnes Hans Ernst an Scharlach
1867
Publikation der ersten Monografie: Die Spanische National- Literatur in ihrer geschichtlichen Entwickelung. Nebst den Lebens- und Charakterbildern ihrer classischen Schriftsteller und Proben aus den Werken derselben in deutscher Übertragung – einer 600 Seiten starken wissenschaftlichen Abhandlung.
1869/1870
Temporäre Auflösung des Familienhaushalts wegen der drohenden Schuldhaft von Ernst Dohm. Hedwig Dohm verbringt fast ein Jahr bei ihrer Schwester, der Malerin Anna Schleh, in Rom.
1872 – 1879
Die Autorin veröffentlicht ihre ersten vier feministischen Essays Was die Pastoren von den Frauen denken, Der Jesuitismus im Hausstande, Die wissenschaftliche Emancipation der Frau und Der Frauen Natur und Recht. Darin fordert sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Männern und Frauen – und setzt sich damit heftiger Kritik aus. Außerdem schreibt Dohm mehrere Lustspiele, die in Berlin mit Erfolg aufgeführt werden, und gibt eine Gedichtanthologie heraus.
1873
Hedwig Dohm fordert in Der Jesuitismus im Hausstande das Stimmrecht für die Frauen.
1883
Tod von Ernst Dohm
1883 – 1884
Reise durch Italien
Ab 1887
Veröffentlichung von Novellen und Romanen
Ab Ende 1880er
Erstarkung eines sogenannten radikalen Flügels in der Frauenbewegung in Deutschland: Radikale Forderungen wie das Stimmrecht werden zunehmend erhoben, radikale Vereine gegründet.
1888
Dohm wird Mitglied des Gründungskommitees von Hedwig Kettlers Frauenverein Reform (später Frauenbildung – Frauen- studium), der eine umfassende Bildungsreform fordert und sich für das freie Studium von Frauen einsetzt.
1889
Beitritt zu Minna Cauers radikalem Verein Frauenwohl. Dohm bekleidet hier drei Jahre lang das Amt der Beisitzerin.
1893
Wiederauflage ihrer gesellschaftspolitischen Essays aus den 1870er Jahren unter dem Gesamttitel Der Frauen Natur und Recht.
Ab 1895
Dohm verstärkt ihre Tätigkeit als Publizistin in Zeitungen und Zeitschriften. Bis zu ihrem Tod 1919 wird sie fast 100 Artikel, Gesellschafts- und Literaturkritiken veröffentlichen.
1902
Abschluss ihrer Romantrilogie Schicksale einer Seele (1899), Sibilla Dalmar (1896) und Christa Ruland (1902). Gründung des DVF – Deutscher Verein für Frauenstimmrecht, ab 1904 Deutscher Verband für Frauenstimmrecht. Hedwig Dohm wird Ehrenpräsidentin.
1905
Mitglied der Gründungsversammlung von Helene Stöckers Bund für Mutterschutz.
1913
Am 20. September feiert Berlin Hedwig Dohms vermeintlich 80. Geburtstag, der sich tatsächlich bereits zwei Jahre zuvor ganz unbemerkt abgespielt hatte.
1914–1918
Im Unterschied zu den meisten Intellektuellen bezieht Dohm von Beginn des Ersten Weltkriegs an eine radikal-pazifistische Position. 1917 erscheint Dohms pazifistischer Aufsatz Der Miß-brauch des Todes im Verlag Die Aktion des expressionistischen Schriftstellers Franz Pfemfert.
01.06.1919
Hedwig Dohm stirbt fast 88-jährig in Berlin. Fünf Tage vor ihrem Tod schickt sie ihren letzten Text an die Vossische Zeitung. Beerdigt wird sie auf dem St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, im gemeinsamen Grab mit ihrem Mann Ernst Dohm.