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Hedwig Dohm: "Wäre ich ein glühender Patriot..." (1916), dargestellt von Gerd Buurmann

Filmbeitrag im Flash-Format [02:04 min]

O-Töne

„Denken Sie sich […], unser Friedrich Schiller wäre in seiner Feldscheer-Familie als kleine Friederike zu Welt gekommen. Was würde wohl Großes in der kleinen Mädchenschule zu Marbach aus dieser Friederike geworden sein? Ich kann es mir lebhaft vorstellen! Schillers Riekchen hätte in der Schule beim schläfrigen Lese- oder Rechen-Unterricht, anstatt aufzupassen, ihre Bücher mit Versen beschmiert, und ahnungslos würde der Lehrer die sappho’schen Kleckse mit Fingerklopfen gestraft haben. Riekchen hätte man oft unter einem Lindenbaum gefunden – träumend. Riekchen hätte frühzeitig ihren guten Ruf verloren wegen verprudelter Handarbeiten und Ungeschicklichkeit beim Aalschlachten. Ihr wäre auch kein Mann zu Theil geworden; denn der Verdacht zukünftiger Blaustrümpfigkeit hätte jeden soliden Marbacher abgeschreckt. Riekchen wäre frühzeitig gestorben – an einem Herzfehler. Keine Nachwelt würde, o Riekchen, deinen Namen nennen; und dennoch, so gut Raphael (nach Lessing), auch ohne Hände geboren, der größte Maler aller Zeiten gewesen wäre, ebenso gut wärst auch du die größte Dichterin Deutschlands gewesen, wenn auch ungedruckt.“
[1874]

„Die Gewohnheit, die lange Dauer der Unterwerfung hat die Meinung von ihrem Recht bei den Männern so festgewurzelt, dass sie sich der Tatsache der Unterdrückung, die sie üben, gar nicht bewusst werden, ebenso wenig wie die Mehrzahl der Frauen über ihre legale Sklaverei zur Klarheit gelangt. Denn die Frau ist nicht nur äußerlich unterdrückt, es tritt noch die innere geistige Knechtung hinzu. Ihre ganze Denk- und Gefühlsweise wird durch die Erziehung abgegrenzt und fixiert. Alle diejenigen Begriffe, Anschauungen und Vorstellungen, die mit ihrer sozialen Lage übereinstimmen, werden ihr beigebracht, während man alle Erkenntnisse und Einsichten, die sich den tatsächlichen Zuständen feindlich erweisen könnten, ihr vorenthält.“
[1876]

„Wer darf behaupten, dass ein Gesetz, welches die weiseste und tugendhafteste Frau eines Rechts beraubt, das sie dem versoffenen Landstreicher gewährt, gut und gerecht ist! Die Männer behaupten es. Gott stärke ihre Denkkraft!“
[1876]

„Ich frage jeden aufrichtigen Menschen, wären Gesetze wie die über das Vermögensrecht der Frauen, über ihre Rechte an den Kindern, über Ehe, Scheidungen u. s. w. denkbar in einem Lande, wo die Frauen das Stimmrecht ausübten? Hätten sie die Macht, sie würden diese Gesetze von Grund aus ändern. [...] Die Frauen haben Steuern zu zahlen wie die Männer, sie sind verantwortlich für Gesetze, an deren Beratung sie keinen Anteil gehabt; sie sind also den Gesetzen unterworfen, die Andere gemacht. Das nennt man in allen Sprachen der Welt Tyrannei, einfache, absolute Tyrannei, sie mag noch so milde gehandhabt werden, sie bleibt Tyrannei. Die Frau besitzt wie der Sklave Alles, was man ihr aus Güte bewilligt.“
[1873]

„Unsere Herrenrechtler pflegen in der Hauptsache die Minderwerthigkeit der Frau auf ihre Natur zurückzuführen. Die Natur des Weibes! Und die Natur des Mannes? Ist der Mann von heute etwa ein natürliches Produkt der Schöpfung? Nicht eben so wie die Frau ein durch bestimmte soziale Bedingungen historisch Gewordenes?"
[1896]

„Die Männer meinen, wenn man den Frauen weitere Berufskreise eröffnete, so würde ihnen der Besitz der weiblichen Eigenschaften abhanden kommen, sie würden aufhören, Weiber zu sein. Geben die Herren damit nicht zu, wenn meine Logik mich nicht täuscht, daß die sogenannten weiblichen Eigenschaften keineswegs ihnen ursprüngliche, angeborne Geschlechtsattribute seien, sondern lediglich eine von ihrer Lebensweise und Stellung bedingte und abhängige Eigenart?“
[1876]

„Glaube nicht, es muss so sein, weil es nie anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte für sterile Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“
[1910]

„Nie sah die Welt eine ehrbarere, bescheidenere Bewegung als diese deutsche Frauenbewegung. Eine Menschenklasse, die sich bemüht, in demütigen Wendungen zu beweisen, daß eigentlich kein ausreichender Grund vorhanden sei, sie Hungers sterben zu lassen! Eine Klasse, die um ihre Existenz wie um ein Almosen bettelt! - Wahrhaftig, ein stolzerer Sinn empört sich gegen dieses Übermaß von Bescheidenheit, und wenig beneidenswert ist der freche Mut oder die blödsinnige Grausamkeit, diese geistig und physisch Notleidenden mit Beschimpfungen zurückzuweisen.“ <
[1872]

“Der Mann hat längere Beine als die Frau“, bemerkt sehr richtig Herr von Bischof. Ein Schlußsüchtiger könnte allenfalls daraus schließen, daß der Mann sich mehr zum Briefträger eigne als die Frau; ihr aber aus diesem Grunde die Fähigkeit zum Erlernen des Griechischen und Lateinischen absprechen zu wollen, ist mehr kühn als logisch gedacht. [...] „Die Stimmritze der Frau ist enger und ihr Kehlkopf kleiner“, belehrt uns Herr von Bischof. Ich würde daraus die Thatsache erklären, daß bei Duetten er Tenor und sie Sopran singt. Der causale Zusammenhang aber zwischen der Stimmritze und dem Stimmrecht erhellt sich daraus für mich nicht.“
[1874]

„Weil die Frauen Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben. Ich behaupte: weil die Männer keine Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben und ich finde die eine Behauptung mindestens ebenso tiefsinnig wie die andere.“
[1876]

„Ich soll ein echtes, ein wahres Weib sein! Was ist denn das: „ein wahres Weib?“ Muss ich, um ein wahres Weib zu sein, bügeln, nähen, kochen und kleine Kinder waschen? … Ich habe den Mann in Verdacht, dass er gar nicht so sehr darauf erpicht ist, dass die Frau im allgemeinen kleine Kinder wäscht und Oberhemden bügelt; es liegt ihm nur daran, dass sie seine Kinder wäscht und seine Oberhemden bügelt!“
[1900]

„Und hier liegt, fürchte ich, eine der Hauptquellen, aus der die Männer ihre verschrobenen Ansichten über die Frau schöpfen. Wenn sie vom Reiz der Unwissenheit, vom Zauber der Naivität sprechen, bevölkert sich ihre Phantasie sofort mit reizenden jungen Mädchen zwischen 16-18 Jahren, während sie die Vorstellung einer wissenschaftlichen, gebildeten Frau nicht von der einer alten und hässlichen Person trennen können. Das Weib hört auf für sie zu existieren, sobald es ihrem Vergnügen nicht mehr dient.“
[1872]

„Die Schwachen und Kranken, die Krüppel, die Dummen und die Brutalen [...] sie alle sind wahlberechtigt. [...] Jede Frau, die schreiben und lesen kann, steht an Fähigkeiten über dem Mann, der diese Kunst nicht versteht.“
[1876]

„Ich bin des Glaubens, dass zukünftige Gesellschaften auf unsere Sitten wie auf die von Urvölkern blicken werden; ich bin des Glaubens, dass die eigentliche Geschichte der Menschheit erst beginnt, wenn der letzte Sklave befreit ist, wenn das Privilegium der Männer auf Bildung und Erwerb abgeschafft, wenn die Frauen aufhören, eine unterworfene Menschenklasse zu sein – die Fesseln der einen binden alle –, dann erst beginnt die freie Entwicklung der Menschheit, jene Entwicklung, deren Ziel der Mensch ist – ein Ebenbild Gottes.“
[1878]

Webteam | 21.03.2010
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