Barrierefrei im Web

Gesetzliche Regelungen

§11

Barrierefreie Informationstechnik

(1) Träger öffentlicher Gewalt im Sinne des § 7 Abs. 1 Satz 1 gestalten ihre Internetauftritte und -angebote sowie die von ihnen zur Verfügung gestellten grafischen Programmoberflächen, die mit Mitteln der Informationstechnik dargestellt werden, nach Maßgabe der nach Satz 2 zu erlassenden Verordnung schrittweise technisch so, dass sie von behinderten Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestimmt durch Rechtsverordnung, die nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf, nach Maßgabe der technischen, finanziellen und verwaltungsorganisatorischen Möglichkeiten

  1. die in den Geltungsbereich der Verordnung einzubeziehenden Gruppen behinderter Menschen,
  2. die anzuwendenden technischen Standards sowie den Zeitpunkt ihrer verbindlichen Anwendung,
  3. die zu gestaltenden Bereiche und Arten amtlicher Informationen.

(2) Die Bundesregierung wirkt darauf hin, dass auch gewerbsmäßige Anbieter von Internetseiten sowie von grafischen Programmoberflächen, die mit Mitteln der Informationstechnik dargestellt werden, durch Zielvereinbarungen nach § 5 ihre Produkte entsprechend den technischen Standards nach Absatz 1 gestalten.

aus: Behindertengleichstellungsgesetz - BGG

Richtlinien

W3C = World Wide Web Consortiums

Die 1994 gegründete Mitgliedsorganisation W3C hat sich zur Aufgabe gemacht Standards der World Wide Web betreffenden Techniken zu entwickeln.

Ein Bereich des W3C ist das WAI (Web Accessibility Initiative), welcher sich mit dem barrierefreien Zugang des Webs und seinen Inhalten auseinandersetzt. Die erarbeiteten Richtlinien für barrierefreie Webinhalte dienen dazu die angebotenen Informationen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dies betrifft jedoch nicht nur blinde Menschen sondern auch Menschen mit sensorischen, motorischen Einschränkungen.

Im WCAG werden seit 1999 Anforderungen an die Webseitenprogrammierung gestellt.
WCAG steht für "Web Content Accessibility Guidelines", was so viel wie "Richtlinien für zugängliche Web-Inhalte" bedeutet.

WCAG 1.0

Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte 1.0

Das WCAG 1.0 wurde 1999 verabschiedet und umfasst 14 Punkte die zur Einhaltung der Barrierefreiheit [externer Link] dienlich sind.

Die "Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte" wird in drei sogenannten Konformitätsstufen gemessen.

A, AA und AAA ....

[Priorität 1 - "A"]
Ein Entwickler von Web-Inhalten muss diesen Checkpunkt erfüllen. Andernfalls wird es für eine oder mehrere Gruppen unmöglich sein, auf die Information im Dokument zuzugreifen. Die Erfüllung dieses Checkpunkts ist eine grundlegende Erfordernis, damit bestimmte Gruppen Web-Dokumente benutzen können.
[Priorität 2 - "AA"]
Ein Entwickler von Web-Inhalten sollte diesen Checkpunkt erfüllen. Andernfalls wird es für eine oder mehrere Gruppen schwierig sein, auf die Information im Dokument zuzugreifen. Die Erfüllung dieses Checkpunkts beseitigt signifikante Hindernisse für den Zugriff auf Web-Dokumente.
[Priorität 3 - "AAA"]
Ein Entwickler von Web-Inhalten kann diesen Checkpunkt erfüllen. Andernfalls wird es für eine oder mehrere Gruppen etwas schwierig sein, auf die Information im Dokument zuzugreifen. Die Erfüllung dieses Checkpunkts erleichtert den Zugriff auf Web-Dokumente.

WCAG 2.0

Das WCAG 2.0 wurde am 11. Dezember 2008 als W3C Empfehlung veröffentlicht, dessen Richtlinien nach 4 Prinzipien gruppiert sind:

wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust

Obwohl es möglich ist, konform zu WCAG 1.0 und/oder WCAG 2.0 zu sein, empfiehlt das W3C, dass sich neue und aktualisierte Inhalte an die WCAG 2.0 halten.

BITV

BITV (Barrierefreie Informationstechnikverordnung)

Barrierefreie Umsetzung in Deutschland

In Deutschland wird die barrierefreie Umsetzung seit 2002 durch die gesetzliche Verankerung in der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) gefördert.

Bund und Land haben nun in ihren "Barrierefreie Informationstechnik-Verordnungen (BITV)" eine Liste mit 14 Anforderungen (und 66 Bedingungen) aufgeführt, die allerdings A+AA ("muss"+"sollte") zu Priorität I, und AAA ("kann") zu Priorität II zusammenfassen.

Sinnvoller weise nimmt man eine Themen-Unterteilung in die Bereiche Wahrnehmbarkeit, Verständlichkeit, Bedienbarkeit und Technologische Robustheit vor. Damit wird die Verordnung schon jetzt zukünftigen, internationalen Standards gerecht. Noch für dieses Jahr wird die Verabschiedung des WCAG2.0-Standards erwartet.

BITV - Bei uns sagen wir Priorität I und II


Die W3C-Stufen werden in der BITV gebündelt.

BITV 2.0

Die BITV 2.0 trat am 22. September 2011 in Kraft. Die Verordnung gilt für alle öffentlich zugänglichen Webseiten der Bundesverwaltung.

Die BITV 2.0 nimmt Bezug auf die in den WCAG-2.0-Richtlinien enthaltenen Prinzipien:

Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit.

Die Barrierefreie Informationstechnikverordnung 2.0 regelt auch den sachlichen Geltungsbereich, die einzubeziehenden Gruppen behinderter Menschen und die Umsetzungsfristen für die anzuwendenden Standards.
So hatte die Umsetzung der Anforderungen der BITV 2.0 für neu gestaltete Internetseiten bis zum 22. März 2012 zu erfolgen.
Für davor bereits bestehende Angebote galt eine verlängerte Frist bis 22. September 2012

BITV NRW

Barrierefreie Informationstechnik

Seit dem 1.7.2004 gilt nun die "Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung Nordrhein-Westfalen - BITV NRW".

Der Landtag-NRW hat am 16. Dezember 2003 das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung und zur Änderung anderer Gesetze (BGG NRW) verkündet.
Der §11 beschäftigt sich mit der barrierefreien Informationstechnik. In Kombination mit den Schlussvorschriften wird klar, dass die anzuwendenden Standards in einer Rechtsverordnung (RVO) bis zum 1. Juli 2004 zu regeln sind. Bis hierher folgt das Land im Wesentlichen der Bundesgesetzgebung. Teil 1 der Anlage zur RVO des Bundes etabliert die Leitlinien der WAI.

Am 1. Juli 2004 ist die Verordnung zur Schaffung Barrierefreier Informationstechnik (BITV NRW) in Kraft getreten.

PDF/UA

PDF/UA (Portable Document Format/Universal Access) - ISO 14289

Die Nutzung von PDF Dokumenten für die Veröffentlichung wurde in den letzten Jahren immer intensiver. Da liegt der Gedanke nahe, dass auch diese einen barrierefreien Zugang ermöglichen sollten, zumal Sie als Download auf viele Webseiten bereitgestellt werden.

Im August 2012 wurde die Norm PDF/UA (Portable Document Format/Universal Access, ) - ISO 14289-1 veröffentlicht in der erstmalig die Barrierefreiheit in PDF Dokumenten beschrieben wird. Ab März 2014 ist im Rahmen des EU Mandates 376 die EU-Norm EN 301549 avisiert. PDF/UA soll dann verpflichtend für PDF Dokumente werden.

Das Kürzel UA der Norm steht für Universal Access, was so viel heisst wie universeller Zugang.

webberatung | 22.05.2017
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