Nachfolgend finden Sie neben grundlegenden thematischen Schwerpunkten aus dem Bereich der Wirtschaftsinformatik auch spezifische Themenschwerpunkte, die sich mit aktuellen Forschungsarbeiten des Lehrstuhls beschäftigen, zu denen wir im Wintersemester 2011/12 Abschlussarbeiten vergeben. Die konkreten Themen definieren Sie zusammen mit Ihrer Betreuerin/Ihrem Betreuer. Wenn Sie sich für einen Themenschwerpunkt interessieren, kontaktieren Sie bitte Frau Dipl.-Ök. Sarah Schülke.
Grundlegende thematische Schwerpunkte:
Spezifische thematische Schwerpunkte:
Der Wertbeitrag der Informationstechnologie (IT) wird in Wissenschaft und Praxis häufig kontrovers diskutiert. Auch im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise wurden erneut Forderungen nach der Realisierung von Kostensenkungspotenzialen bei der IT laut. Begrenzte und sinkende IT-Budgets erhöhen den Druck auf Unternehmen, den Beitrag der IT am Gesamterfolg transparent zu machen. Eine systematische und klar nachvollziehbare Übersicht über die von der IT verursachten Kosten und den gegenüberstehenden Leistungen, muss angestrebt werden. Ziel des IT-Controllings ist es, sämtliche Entscheidungen, die im Zusammenhang mit der Informatik als Organisation zur Entwicklung, Einführung und Betrieb der IT stehen, durch geeignete Informationen und Handlungsvorschläge zu unterstützen.
Beispiele für mögliche Themen:
Modellierung ist eine grundlegende Technik, um sämtliche gestaltungsorientierten Aufgaben und Herausforderungen, die sich bei der Entwicklung und Umsetzung einer geeigneten IT im Unternehmen ergeben, zu bewältigen. Mittels Techniken der Geschäftsprozessmodellierung werden beispielsweise konzeptionelle Modelle sämtlicher Geschäftsabläufe im Unternehmen erstellt, verwaltet und zur Entwicklung und Umgestaltung dieser genutzt. Es werden darüber hinaus Techniken der Daten-, Funktions- und Organisationsmodellierung eingesetzt, um wesentliche Elemente aus der realen Unternehmenswelt abzubilden. Das Ziel sämtlicher Modelle ist es, eine Komplexitätsreduktion gegenüber der Realität vorzunehmen und entsprechende Wirkungszusammenhänge systematisch abzubilden, um basierend auf diesen Informationen Veränderungen oder Umgestaltungen erfolgreich planen zu können.
Beispiele für mögliche Themen:
Analyse von Ansätzen zur Modellierung von Unternehmensarchitekturen
Analyse und Vergleich von unterschiedlichen Modellierungssprachen für eine integrierte Modellierung von Geschäftsprozessen in der Unternehmensarchitektur
Konstruktion eines Vorgehensmodelles zur Entwicklung und Gestaltung der Informatik im Unternehmen
IT- Governance verfolgt das Ziel, eine möglichst erfolgreiche Abstimmung zwischen der Unternehmens- und der Informatikstrategie herzustellen. Dabei soll die Informatik in einem Unternehmen so positioniert werden, dass diese die Potenziale der IT vollumfänglich für die Umsetzung der gewählten Unternehmensziele ausschöpfbar macht und damit verbundene Risiken bestmöglich begrenzt. Um diese Zielsetzung sicherzustellen, wird auf das Regelwerk der IT-Governance zurückgegriffen. Wie ein geeignetes Regelwerk im Sinne der IT-Governance aufgebaut werden kann, und welche Ausgestaltungen dieses umfassen sollte, um optimale Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Abstimmung zwischen Informatik und Unternehmensstrategie zu erzielen, wird sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis kontrovers diskutiert. Fragen, die dabei gestellt werden können, sind z. B.: Wie sind verschiedene IT-Governance-Konzepte zur Steuerung der Informatik aufgebaut? Welche Prozesse stehen jeweils im Vordergrund? Welche Vor- und Nachteile bietet das jeweilige Konzept? Wie kann ein systematisches Vorgehen im Rahmen der Entwicklung und Implementierung einer IT-Governance in Unternehmen aussehen?
Beispiele für mögliche Themen:
Konzepte der IT-Governance: Entwicklung eines Bezugsrahmens für den Vergleich
Vorgehen zur Ableitung der IT-Governance aus der Corporate Governance
Kritische Erfolgsfaktoren bei der Abstimmung von Fachbereichen und IT-Abteilung
Kritische Analyse von Frameworks und Architekturen für die IT-Governance
Analyse der Komplexität und Komplexitätsmaße von IT und Business
Informationen sind erfolgskritisch für die richtigen unternehmerischen Entscheidungen. Daher wird es für Unternehmen zunehmend wichtig, über die richtigen Informationen zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität zu verfügen. Dabei ist die zentrale Herausforderung, aus der verfügbaren Menge an Informationen, einen für den Entscheidungsträger maßgeschneiderten Ausschnitt zu erzeugen. Für die Unternehmen können hierbei jedoch Probleme entstehen, da das Informationsangebot sehr umfangreich ist und meist zu viele Informationen zur Verfügung stehen. Daher kann meist nur ein sehr kleiner Teil dieser Informationen analysiert, interpretiert und letztlich genutzt werden.
Business Intelligence ist in diesem Kontext ein vor allem aus der technischen Sicht diskutiertes Konzept der Datenaufbereitung zur Entscheidungsunterstützung. Jedoch ist Business Intelligence mehr als nur ein technisches Konzept, denn der intelligenten Entscheidungsunterstützung liegt eine betriebswirtschaftliche Basis zugrunde. Um eine intelligente Entscheidung treffen zu können, müssen vorab zunächst der Entscheidungsprozess verstanden sowie die betriebswirtschaftlichen Anforderungen und Strukturierungsmöglichkeiten untersucht werden, um darauf aufbauend technische Lösungsansätze zu entwickeln und auf ihre Umsetzung hin zu überprüfen. Aus den statistischen Auswertungen lassen sich dann Entscheidungen ableiten, die ohne technische Unterstützung möglicherweise nicht erkannt worden wären.
Beispiele für mögliche Themen:
Schwer vorhersehbare und diskontinuierliche Entwicklungen sind charakteristische Entwicklungen, die ein Unternehmen heutzutage mittels geeigneter Strategien bewältigen muss, um erfolgreich in einem dynamischen Umfeld bestehen zu können. Ziel eines Unternehmens sollte es demnach sein, Maßnahmen sowohl für kurzfristige, weniger starke Veränderungen, als auch für gravierendere Umgestaltungserfordernisse bereit zu halten, um seine Existenz in einem unsicheren, dynamischen Umfeld sicherzustellen. Die organisationale Anpassungsfähigkeit stellt somit einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Unternehmen dar.
In einem turbulenten Umfeld müssen Unternehmen in der Lage sein, ihre Strategien und Organisationsstrukturen und ihr damit verbundenes Verhalten und ihre Aktivitäten und Prozesse, auf sämtlichen Unternehmensebenen, an sich verändernden Umfeldbedingungen auszurichten. Ziel muss dabei sein, weder Einbußen in der Unternehmenstätigkeit noch den Verlust des Unternehmensprofils durch die Anpassung zu riskieren. Für eine erfolgreiche Anpassungsfähigkeit in einem solch dynamischen Umfeld sind zwei Faktoren entscheidend: Erstens müssen Unternehmen auf den unterschiedlichen Unternehmensebenen ausreichende Handlungsspielräume, im Sinne von Flexibilitätspotenzialen zur Bewältigung von Umfeldveränderungen zur Verfügung stellen können. Zweitens müssen Unternehmen neben der Vorhaltung von flexiblen Elementen auch stabile Struktur-, Prozess- und Verhaltenselemente aufweisen, um Mitarbeitern einen Ordnungsrahmen für eine zielgerichtete Anpassungsfähigkeit zur Verfügung zu stellen. Erst eine erfolgreiche Balance zwischen Stabilität und Flexibilität, erlaubt einem Unternehmen in einem turbulenten Umfeld ein erfolgreiches Handeln. Denn erst diese Balance führt dazu, dass Unternehmen gezielt in der Lage sind, auf Umfeldunsicherheiten zu reagieren und sich nicht wahllos sämtlichen Veränderungen anpassen und dabei durch zu hohe Flexibilität und zu geringe Zielgerichtetheit eine erfolgreiche Anpassung nicht erreichen.
Beispiele für mögliche Themen:
Unternehmen des Dienstleistungssektors sehen sich immer größer werdenden Anforderungen nach Integration und Flexibilität gegenübergestellt. Diese Anforderungen bestehen heutzutage nicht allein innerhalb eines Unternehmens, sondern auch unternehmensübergreifend. Diese unternehmensübergreifenden Kooperationen werden als Dienstleistungsnetzwerke bezeichnet. Dienstleistungsnetzwerke bestehen aus mindestens drei oder mehr Dienstleistungsunternehmen, die rechtlich selbstständig bleiben, jedoch hinsichtlich ihres Ressourcenaustausches voneinander abhängig sind. Dienstleistungsnetzwerke sind beispielsweise im Finanzdienstleistungssektor, im Tourismussektor oder auch im Verkehrsbereich, wie z. B. der Frankfurter Flughafen oder der Berliner Hauptbahnhof, zu finden.
Applikationsarchitekturen, die eine Verbindung zwischen den Geschäftsprozessen und der technischen Umsetzung der entsprechenden Anforderungen bieten, müssen so angepasst werden, dass die Unternehmen im Dienstleistungsnetzwerk optimal bei ihrer gemeinsamen Wertschöpfung unterstützt werden. Wichtig sind hierbei die genaue Analyse der Dienstleistungsprozesse, die integriert werden müssen, sowie eine effektive und effiziente Informationslogistik zwischen den Netzwerkpartnern. Der langwierige Prozess hin zu einer gut funktionierenden Applikationsarchitektur stellt große Herausforderungen an die Unternehmen im Netzwerk und muss immer wieder den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden.
Beispiele für mögliche Themen:
Seit Beginn der betrieblichen Verwendung des Internets und des World Wide Webs (WWW) im Speziellen, hat eine rasante Weiterentwicklung sowohl auf technologischer, soziokultureller und ökonomischer Ebene stattgefunden. Vor allem auf der Seite der Internetnutzer, haben in Verbindung mit den Schlagwörtern Web 2.0 und Social Software, tiefgreifende Änderungen stattgefunden. Das Internet dient nicht mehr nur als einseitiger Kommunikationskanal, sondern wird zur Kommunikation und Interaktion über verschiedene Ebenen und in verschiedene Richtungen verwendet.
Ein wesentlicher Aspekt des Web 2.0 ist, dass die Interaktion der einzelnen Webnutzer eine Verbindung zum Gebiet der Collective Intelligence herstellt. „Collective Intelligence bedeutet, dass Gruppen von Individuen kollektiv Dinge tun, die intelligent erscheinen.“ (Malone, 2008). Nicht nur erscheint die Handlung des Kollektivs intelligent, Sie erscheint sogar oft intelligenter als die Handlungen zu denen einzelne Individuen im Kollektiv fähig sind. Das Ganze ist hier mehr als die Summe seiner Teile.
Abschlussarbeiten auf dem Gebiet Collective Intelligence umfassen ein Spektrum von eher theoretisch-konzeptionellen Arbeiten über die formale Modellierung von Collective Intelligence Systemen bis hin zu empirischen Arbeiten und der Implementierung von Simulationen. Im Sinne der interdisziplinären Forschung sind Bezüge u.a. zu den Gebieten Mathematik/Statistik, Sozialwissenschaften, Spieltheorie, Mikroökonomie, künstliche Intelligenz und Machine Learning möglich.
Beispiele für mögliche Themenschwerpunkte:
1. Folksonomies und Collaborative Tagging
2. Collective Intelligence Systeme und Multi-Agenten Systeme
3. Web Mining: Automatisierte Wissensgewinnung aus Web-Inhalten und Nutzungsdaten.
In der Regel erfolgreiche Teilnahme an einem der Seminare des Lehrstuhls oder Abschluss der Module „Informationsmanagement“ oder "IT-Governance" des Lehrstuhls oder der Module "Modellierung von Informationssystemen" oder "Informationssysteme und Informationsmanagement" mit Klausur; bei Überhang: Studienfortschritt.
FernUniversität in Hagen, LST für BWL, insbes. Informationsmanagement, 58084 Hagen, Tel.: +49 2331 987-4359