Dimitris-Tsatsos-Institut für europäische Verfassungswissenschaften

Konzeption

Die Abschnitte auf dieser Seite: 1. Zielsetzung | 2. Herausgeber und Mitarbeiter | 3. Förderer | 4. Methodisches Konzept | 5. Inhaltliche Gliederung | 6. Umfang

1. Zielsetzung

Das „Handbuch der europäischen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert“ verfolgt mit der zugehörigen CD-ROM „Quellen zur europäischen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert“ das Ziel der

  • Edition
  • Analyse
  • Interpretation und
  • systematisch-vergleichenden Darstellung

der in nationaler und europäischer Hinsicht bedeutsamen Verfassungs- und Gesetzeswerke der europäischen Länder im „langen 19. Jahrhundert“ (ca. 1780-1920). Die für das Projekt charakteristische Kombination mehrerer methodischer Zugangsweisen und Darstellungsebenen dient sowohl der stärkeren Akzentuierung nationsübergreifender Perspektiven als auch der Entwicklung und Anwendung eines empirischen Verfassungsbegriffs.

Mit der Erstellung des Handbuchs verbindet sich die Erwartung, der gängigen Sicht des 19. Jahrhunderts als Zeitalter nationaler Fragmentierung den Befund gleichzeitig und parallel bestehender europäischer Verbindungslinien an die Seite zu stellen und damit an Forschungsansätze anzuknüpfen, wie sie namentlich von Otto Hintze mit seinem Konzept einer „Allgemeinen vergleichenden Verfassungsgeschichte“ entwickelt wurden.

Das Handbuch- und Editionsprojekt verbindet somit Dokumentation und Darstellung, es gewährleistet durch seine Anlage und Gestaltung eine flächendeckende Vergleichbarkeit der Verfassungsentwicklung auf dem europäischen Kontinent (einschließlich Osmanisches Reich) und es orientiert sich an einem erweiterten und empirischen Verfassungsbegriff, der die Berücksichtigung sozialer Strukturen bei der Darstellung der politisch-staatlichen Entwicklung und die Gegenüberstellung von Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit mit einschließt.

2. Herausgeber und Mitarbeiter

Die Federführung und Herausgeberschaft für das Gesamtprojekt liegt bei Prof. Dr. Peter Brandt (FernUniversität in Hagen), Dr. Werner Daum (FernUniversität in Hagen), Dr. Martin Kirsch (Berlin) [Externer Link] und Apl.-Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch (FernUniversität in Hagen). Der Mitarbeiterkreis umfasst von Band zu Band 30-40 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen aus verschiedenen europäischen Ländern.

3. Förderer

Das Projekt wird vom Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn [Externer Link], gefördert und beim Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn [Externer Link], publiziert.

4. Methodisches Konzept

Das Projekt orientiert sich an einem erweiterten Verfassungsbegriff, der die Integration von sozialer Strukturgeschichte und politisch-staatlicher Entwicklung und damit die Gegenüberstellung von Verfassungsnorm und -wirklichkeit ermöglichen soll. Somit wird also nicht ein am heutigen juristischen Sprachgebrauch orientierter, normativer Verfassungsbegriff zugrundegelegt, sondern allgemein die rechtlich-politischen Bedingungen staatlicher Herrschaft in den Blick genommen.

Dieser umfassende, für alle Autoren des Handbuchs verbindliche und durch vorgegebene Kriterien operationalisierbar gemachte Verfassungsbegriff eignet sich nicht nur für die Analyse von Einzelverfassungen bzw. die Periodisierung und Interpretation des nationalen Verfassungsgeschehens, sondern öffnet, wie von der neueren Forschung gefordert, den komparativen Blick auf das gesamte europäische Verfassungsgeschehen, wobei auch verfassungsgeschichtliche Transferprozesse zwischen den einzelnen Ländern sichtbar werden.

5. Inhaltliche Gliederung

Handbuch und CD-ROM-Edition orientieren sich an einem Gliederungsschema, das die Verfassungsstaatlichkeit in den einzelnen europäischen Ländern anhand von zwölf Verfassungsbereichen untersucht:

  • Kapitel 1:
    Allgemeine Landesbeschreibung
  • Kapitel 2:
    Verfassungsstruktur der zentralen staatlichen Ebene
  • Kapitel 3:
    Wahlrecht
  • Kapitel 4:
    Grundrechte
  • Kapitel 5:
    Verwaltung
  • Kapitel 6:
    Justiz
  • Kapitel 7:
    Militär
  • Kapitel 8:
    Verfassungskultur
  • Kapitel 9:
    Kirche
  • Kapitel 10:
    Bildungswesen
  • Kapitel 11:
    Finanzen
  • Kapitel 12:
    Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung / Öffentliche Wohlfahrt

6. Umfang

Das Gesamtprojekt ist chronologisch in vier Zeitabschnitte gegliedert, dem vier Handbuchbände mit jeweils etwa 800-1300 Seiten entsprechen:

  • Band 1: Um 1800
  • Band 2: 1815-1847
  • Band 3: 1848-1870
  • Band 4: Um 1900

Die Gliederung nach Zeitabschnitten der europäischen Verfassungsgeschichte bietet den Vorteil eines unmittelbaren komparatistischen Zugangs innerhalb des jeweiligen Darstellungszeitraums. Jeder Band ist einzeln benutzbar, die Gesamtreihe verschafft einen Gesamtüberblick über die europäische Verfassungsbewegung des 19. Jahrhunderts.

Jeder Band des Handbuches wird von einer CD-ROM-Edition begleitet, die sämtliche Verfassungstexte der jeweiligen Epoche und andere bedeutende verfassungshistorische Texte enthält (jeweils rund 1.000 Quellen im Umfang von ca. 10.000 Druckseiten). Diese Texte werden in der Originalsprache ediert und zum Teil auch um deutsche Übersetzungen ergänzt. Mehrheitlich handelt es sich um Quellentexte, die bisher nur in älteren und/oder schwer zugänglichen Editionen oder Gesetzessammlungen zugänglich waren.

Die CD-ROM-Edition ermöglicht den Abruf und die komparatistische Betrachtung von Texten und einzelnen Textpassagen im vollständigen Wortlaut sowie deren gezielte Analyse nach frei gewählten Begriffen (Volltextsuche) oder nach einem entsprechenden Schlagwortkatalog mit 134 Suchkategorien.

DTIEV | 18.12.2014
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