Für die meisten lokalen Softwareprodukte gibt es Webpendants, die oft um Fähigkeiten zur Zusammenarbeit im Team ergänzt wurden. Viele Webapplikationen bieten aber vielfältige darüber hinausgehende Möglichkeiten, Dinge online zu erledigen: Kleine Teams, die über begrenzte Zeiträume zusammenarbeiten, können ihre Arbeit online koordinieren und erledigen, bspw. Forschergruppen, die Konferenzen und Workshops mithilfe von Konferenzmanagementsystemen wie ConfTool oder EasyChair organisieren, ebenso wie Gruppen von Forschern, Freiberuflern und Freiwilligen, die in Projekten zusammenarbeiten und Systeme wie Project oder Sourceforge einsetzen können. Auch Lernplattformen, die u.a. im Rahmen von Lifelong-Learning-Szenarien zunehmend wichtiger werden, oder staatliche Dienste wie die elektronische Steuererklärung via Elster erlauben Anwendern, Aufgaben online bzw. softwaregestützt zu bearbeiten.
Eine gemeinsame systemübergreifende Verwaltung von Aufgaben, die verschiedenen Kontexten entstammen und von unterschiedlichen Dienstanbietern bereitgestellt werden können, ist bisher nicht etabliert. Anbieterspezifische Portale und E-Mail Benachrichtigungen dominieren, erschweren aber den Überblick über ausstehende Aufgaben, vor allem wenn Anwender in mehreren Gruppen aktiv sind und aus verschiedenen Kontexten Aufgaben beziehen. Sie verstärken die Funktionsüberladung von E-Mail [Li et al 2009] und beschränken den Anwender in seiner Mobilität (Studierende - Fernstudierende im Besonderen - können bspw. leichter Kurse verschiedener Universitäten belegen, wenn sie über Verwaltungsaufgaben wie Rückmeldungen an zentraler Stelle informiert und bei Ihrer Ausführung unterstützt werden, so dass der zusätzliche Arbeitsaufwand durch hochschulspezifische Verwaltungsvorgänge und -systeme reduziert wird).
Ziel des Projekts ist daher, eine systemübergreifende Aufgabenverwaltung zu ermöglichen. Dabei sind unter anderem folgende Fragen zu adressieren:
Um Gruppen unabhängig von bestimmten Anbietern Webapplikationen für Ihre Aufgaben wählen zu lassen, ist die Gruppenverwaltung mit einzubeziehen:
Bei der Beantwortung der Fragen sind Ideen und Ansätze des REST-Architekturstils [Fielding 2000, Tilkov 2009] und der Ressourcenorientierung [Richardson & Ruby 2007] von Bedeutung, da auf diesen Ideen das HTTP-Protokoll und damit das Web basiert, über das auf Webapplikationen und Aufgaben zugegriffen werden soll/muss.
Ausgehend von einer anwenderzentrierten Verwaltung von Aufgaben unabhängig vom Aufgabenanbieter können typische Fragen der Dienstorientierung adressiert werden:
Hier sind also Fragen zur Zusammenstellung von Aufgaben zu Prozessen (auch mit automatisierten Schritten) oder größeren Webapplikationen zu beantworten, die z.T. auf Forschungen zur Komposition von Workflows fürs Web, bspw. in [Curbera et al 2007], aufbauen können. Auch Ansätze aus dem Bereich der Unternehmenssoftware (Stichworte: SOC, SOA, BPMN, BPEL, BPEL4Poeple und WS-HumanTask) sind zu beachten, jedoch bauen diese oft z.B. auf zentrale Infrastrukturen wie einem ESB auf oder erschweren durch Missachtung von REST-Einschränkungen die Nutzung des Potentials des Internets wie Skalierbarkeit und sind deshalb für offene Webapplikationen und Anwendungslandschaften nur schwer zu adaptieren.
Obwohl die Grundidee und Stärke des Web die Verknüpfung von Anwendungen und Informationen ist, sind Webapplikationen insbesondere jenseits der Kommunikationsanwendungen aus Anwendersicht eher geschlossen, mit eigener Benutzer-, Artefakt- und Aufgabenverwaltung. Insbesondere für prozess- und aufgabenorientierte Anwendungsfälle werden in diesem Projekt Lösungen entwickelt, um statt applikationsbezogene eine anwenderbezogene Ansicht und Unterstützung zu etablieren. Erste Ideen wurden in [Schulte 2009] formuliert und werden z.Z. unter Berücksichtigung der REST-Prinzipien überarbeitet.
Ansprechpartner für das Projekt:
FernUniversität in Hagen, Fakultät für Mathematik und Informatik, Lehrgebiet Datenverarbeitungstechnik, 58084 Hagen, Tel.: +49 2331 987-371, E-Mail: dvt-webmaster@fernuni-hagen.de