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forum philosophicum und Werkstattgespräche


Zur Veranstaltungsreihe:

Das forum philosophicum des Instituts für Philosophie der Fernuniversität in Hagen bietet seit 1987 regelmäßig Vortragsreihen an, die das Gespräch zwischen Fachvertretern der Philosophie und der Universitätsöffentlichkeit fördern wollen sowie den interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Hagen die Möglichkeit geben, sich aus erster Hand über aktuelle wissenschaftliche Debatten zu informieren. Zu den Vorträgen auswärtiger Fachkollegen aus dem In- und Ausland treten dabei die Werkstattgespräche, in denen die Lehrenden des Instituts für Philosophie der FernUniversität ausgewählte Themen und Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten vorstellen. Die Veranstaltungsreihe wird in Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde der Fernuniversität durchgeführt.

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19. Oktober 2017, 16:00 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, KSW-Seminargebäude, Raum 1 bis 2

Dr. Marcus Knaup (Hagen)

Vertauschte Köpfe?
Bioethische Reflexionen zur Frage der Kopftransplantation

Der Titel des Vortrags von Dr. Marcus Knaup (FernUniversität in Hagen) spielt an auf die lesenswerte Erzählung Die vertauschten Köpfe. Eine indische Legende des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann (1875-1955) aus dem Jahr 1940. Die beiden Hauptfiguren, Nanda und Schridaman, enthaupten sich. Schridamans Frau entdeckt das fürchterliche Blutbad und setzt nach dem Eingreifen einer Göttin die Körperteile wieder zusammen. Doch ihr unterläuft der folgenreiche Fehler, dass sie die Köpfe auf die falschen Körper setzt. Nun steht die Frage im Raum, mit wem sie es da eigentlich zu tun hat. Wer ist wer, wenn die Köpfe der beiden Männer vertauscht sind? Wen hat sie vor sich, wenn sie den Kopf des einen küsst, während sie mit dem Leib des anderen schläft?

Doch das Thema ist nicht nur eines für die Belletristik, sondern auch in bioethischer Hinsicht höchst brisant, geht es hierbei nämlich ebenso um die Zukunft der Neuromedizin wie unser Selbstbild. An Aktualität hat es nicht zuletzt durch die medienwirksamen Auftritte des italienischen Mediziners Sergio Canavero (Turin) gewonnen, der beabsichtigt, in absehbarer Zeit eine Kopftransplantation durchführen zu wollen. Im Rahmen einer Konferenz der American Academy of Neurological and Orthopaedic Surgeons in Annapolis im Jahr 2014 hat er seine Pläne vorgestellt. Ein Patient ist bereits gefunden.

Der Beitrag von Dr. Knaup diskutiert die Frage, was zu diesen Plänen aus ethischer Sicht zu sagen ist und welche unausgesprochenen Vorstellungen vom Menschen bei diesen Überlegungen im Hintergrund mitschwingen.


30. November 2017, 16:00 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, KSW-Seminargebäude, Raum 1 bis 2

Univ.-Prof. (em.) Dr. phil. Dr. med. h. c. Jan Beckmann (Hagen)

Des Menschen Anfang und Ende als Gegenstand aktueller medizinethischer Debatte

Traditionell und auch heute noch gilt ganz allgemein, dass das Leben eines Menschen mit der Geburt beginnt und mit seinem Tod endet. Die Fortschritte der Perinatalmedizin, vor allem aber die völlig neuen von den Wissenschaften in jüngster Zeit etablierten Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin lassen Zweifel daran aufkommen, ob das Leben eines Menschen wirklich erst mit seiner Geburt beginnt oder nicht vielmehr bereits mit seinem fetalen („werdender Mensch“) oder gar seinem embryonalen Werden begonnen hat („embryonaler Mensch“), von der extrakorporalen Existenz als Embryo in vitro ganz abgesehen.

Ähnlich die Unsicherheit in Bezug auf des Menschen Ende. Lange Zeit galt der kardiale Arrest mit nachfolgender Hypoxie des Gehirns oder der nicht mehr behebbare Ausfall anderer Organe als Todeszeitpunkt. Doch die Fortschritte der Intensivmedizin der vergangenen Jahrzehnte, insbesondere die Möglichkeiten apparativer Erhaltung der Herz-Kreislauffunktionen trotz kardialem Arrest oder vollständigem Funktionsausfall des gesamten Gehirns haben in der Bevölkerung Zweifel oder zumindest Unsicherheiten ausgelöst, ob das traditionelle Todesverständnis noch zutrifft.

Beides, Anfang und Ende menschlichen Lebens werfen nicht nur anthropologische, sondern auch ethische Fragen auf. Der Vortrag skizziert die aktuelle Debatte, zeigt Möglichkeiten und Grenzen (medizin-) ethischer Analysen auf und stellt einen eigenen Antwortvorschlag zur Diskussion.


22. Februar 2018, 16:00 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, KSW-Seminargebäude, Raum 1 bis 2

Prof. Dr. Paul Hoyningen-Huene (Hannover, Zürich)

Sagt die Physik die Wahrheit?

Der Vortrag beginnt mit einer Klärung der Titelfrage „Sagt die Physik die Wahrheit?“ Der Wahrheitsanspruch der Physik erscheint als verhältnismäßig unproblematisch, insoweit er sich auf beobachtbare Tatsachen bezieht. Die tiefergehenden Aussagen der Physik beziehen sich aber auf Unbeobachtbares, z.B. auf die Existenz eines Urknalls („big bang“) als Anfangspunkt unseres Universums. Wie werden in der Physik solche Aussagen über (evtl. sogar prinzipiell) Unbeobachtbares begründet? Sind solche Begründungen hinreichend für die Wahrheit der entsprechenden physikalischen Behauptungen? Oder sind hier ernsthafte Zweifel legitim? Im Vortrag werden die einschlägigen Argumente in historischer und systematischer Perspektive diskutiert.




Aufzeichnungen

Aufzeichnungen Archiv (12.2004 - 09.2008)

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Boris Born | 22.09.2017
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