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forum philosophicum und Werkstattgespräche


Zur Veranstaltungsreihe:

Das forum philosophicum des Instituts für Philosophie der Fernuniversität in Hagen bietet seit 1987 regelmäßig Vortragsreihen an, die das Gespräch zwischen Fachvertretern der Philosophie und der Universitätsöffentlichkeit fördern wollen sowie den interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Hagen die Möglichkeit geben, sich aus erster Hand über aktuelle wissenschaftliche Debatten zu informieren. Zu den Vorträgen auswärtiger Fachkollegen aus dem In- und Ausland treten dabei die Werkstattgespräche, in denen die Lehrenden des Instituts für Philosophie der FernUniversität ausgewählte Themen und Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten vorstellen. Die Veranstaltungsreihe wird in Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde der Fernuniversität durchgeführt.

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Der für den 17. Mai 2018, 16:30 Uhr geplante Vortrag von Frau Lorey muss wegen Erkrankung der Referentin leider entfallen.

Isabell Lorey (Kassel)

Präsentische Demokratie

Was ich unter ‘präsentischer Demokratie’ verstehe, setzt sich aus drei Analyseebenen zusammen: erstens der politisch-theoretischen Ebene als Kritik an Ideen liberaler, repräsentativer Demokratie; zweitens der geschichtsphilosophischen Ebene als Kritik an der Linearität und Chronologie von Zeit; und drittens der bewegungspolitischen Ebene als Praxen der Demokratiebewegungen, wie sie beispielsweise seit den Platzbesetzungen von 2011 in Spanien zu beobachten sind, sowie dem daraus entstandenen konstituierenden Prozess.

Die Konzeption des Präsentischen durchbricht die traditionelle chrono-politische Vorstellung von Organisierung, die eng mit der bürgerlich-kapitalistischen Vorstellung von Zukunft und Fortschritt verbunden ist, in der die Gegenwart gering geschätzt wird. Dem entgegen gesetzt hat Walter Benjamin eine „Jetztzeit“ gedacht, die von den Kämpfen ausgeht. Demokratie kann damit anders verstanden werden.

Anmerkung: Von dem Vortrag kann leider keine Übertragung (bzw. Aufzeichnung) erstellt werden.


5. Juli 2018, 18:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, KSW-Seminargebäude, Raum 1 bis 2

Alexander Schnell (Wuppertal)

Wozu Phänomenologie heute?

Nicht nur die geisteswissenschaftliche Welt unterliegt heute einem grundlegenden Wandel. Die Fortschritte an allen Fronten der Naturwissenschaften vermitteln den Eindruck, dass vielerlei Neuartiges am Entstehen ist, das aber offenbar noch dem begrifflichen Erfassen harrt. Dies stellt die Philosophie vor (mindestens) eine zweifache Aufgabe. Einerseits muss sie sich, wie zu aller Zeit, diesen Neuerungen gegenüber öffnen, das heißt, die Mittel bereitstellen, um die darin unterschwelligen Sinnbildungen und Sinnstiftungen zur Sprache zu bringen. Andererseits stellen diese neuartigen Prozesse aber auch die Sinnfrage an die Philosophie selbst. Wozu braucht man noch Philosophie in der heutigen Zeit? In diesem Vortrag soll es darum gehen, eben danach zu fragen, welche Rolle die Philosophie – und dabei insbesondere die Phänomenologie – nach einem sehr umwälzenden Jahrhundert, und angesichts des spürbaren Aufkommens einer noch nicht eindeutig zu identifizierenden Realität, zu spielen vermag. Im Zentrum der Überlegungen wird dabei der Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Realität stehen – gerade weil die Phänomenologie vielleicht eines der letzten Refugien ausmacht, in denen solche Fragen noch gestellt werden.


20. September 2018, 18:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 11, Gebäude 3, Ellipse

Rolf Schönberger (Regensburg)

Buridans Esel.

Über den Grund und die Bestimmung von freien Alternativen.

Durch die Philosophie der Neuzeit geistert das Beispiel von Buridans Esel, der angesichts zweier gleich verlockender Heuhaufen vor diesen verhungert. Eine Entscheidung scheint vorauszusetzen, dass ein Entscheidungsgrund stärker als ein anderer war. Die Philosophie der Neuzeit hat das allerdings durchgängig als ein unangemessenes Exempel für die menschliche Freiheit angesehen.

Die Thematik der Freiheit wurde erwartungsgemäß im mittelalterlichen Denken auch zu einer komplexen Problemstellung der Theologie. Buridan ist allerdings zeitlebens Philosoph geblieben. Die bisherige Deutung seiner Theorie bezieht diese entweder auf die Diskussion in der theologischen Fakultät oder auf die Freiheitstheorie Kants. Buridan bietet jedoch eine ausdifferenzierte und umfängliche Theorie, in der es neben der Frage, welches Wissen der Mensch von seiner Freiheit haben kann, auch darum geht, wie Freiheit überhaupt verstanden werden muss. Gründet sie in der Rationalität, weil erst durch Kategorie des Gegensatzes Alternativen zu denken sind, oder in der reinen Spontaneität, durch die das zunächst Unbestimmte – die Pluralität von Optionen – zu einer Bestimmung, sprich zu einer Entscheidung kommt? Buridans Theorie entwickelt eine bisher unbekannte "Psychologie" der Willensbildung, die allerdings nicht der einzig originelle Aspekt in seiner Konzeption der Freiheit ist.


18. Oktober 2018, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 21, Gebäude 8 (AVZ) , Raum B 121

Dr. Fernando Moldeo (Hagen)

Kants Antwort auf die Frage: "Ist überall Metaphysik möglich?"

Im Rahmen der Aufklärung und der dementsprechenden Erforschung der Ansprüche der menschlichen Vernunft setzt sich Kants Projekt einer Kritik der reinen Vernunft mit der Frage nach der Möglichkeit einer Metaphysik der Natur und der Moral auseinander. Die Ergebnisse dieses Projekts sorgen jedoch seit dem Ende des 18. Jahrhunderts für Kritik. Der Vortrag möchte sich mit dieser kritischen Strömung auseinandersetzen. Diesbezüglich ist auf zwei grundlegende Probleme aufmerksam zu machen, die innerhalb des Kantischen kritischen Projekts auf mögliche offene Fragen hinweisen. Diese Probleme betreffen die Rechtfertigung der Kategorien als Verstandesbegriffe eines Objekts im Allgemeinen, die den allgemeinsten Teil der Metaphysik bilden und die Rechtfertigung der absolut verbindlichen Natur des Sittengesetzes, das den Grund der Moralphilosophie ausmacht.


29. November 2018, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

Prof. Dr. Volker Peckhaus (Paderborn)

Von der Regel zum Algorithmus: Die rolle rechnerischen Denkens in der Geschichte der Logik

Die Macht der Algorithmen scheint uns zunehmend zu beherrschen. Sie dienen der Analyse der Daten, die jeder von uns in großer Menge Tag für Tag hinterlässt. Damit sollen automatisierte Entscheidungen getroffen werden, manche wohl auch zu unserem Wohl. Gleichwohl laden sie zum Mißbrauch ein und liefern uns als gläserne Menschen denen aus, die die Algorithmen besitzen.

Der Vortrag geht den Ursprüngen algorithmischen Denkens nach, die mit der Entstehung der modernen Logik zusammenfallen. Die Entwicklung regelgeleiteter Methoden und logischer Kalküle (rechnendes Denken) etwa bei René Descartes und Gottfried Wilhelm Leibniz oder auch der modernen Mathematischen Logik bei Ernst Schröder war eng verbunden mit der umfassenden Suche nach wissenschaftlichen Universalsprachen. Algorithmen und Kalküle stellten dabei die Syntax dieser Sprachen dar. Die damit gegebenen Verknüpfungs- und Transformationsregeln dienten der Steigerung der Effizienz logischen Schließens und der Erschließung neuen Wissens.


21. Februar 2019, 16:30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

Prof. Dr. Christina Schües (Lübeck)

Epistemische Verletzlichkeit. Wie ist Phänomenologie politisch?

Tatsachen werden zur Meinung, die Meinung zum alternativen Fakt. Vertraute gesellschaftliche und politische Erkenntniskategorien verschwimmen. Gegenwärtige Handlungs- und Normbereiche unterliegen einem Wandel, Verhaltensweisen ändern sich, Politik tritt in neuem Gewand auf. Ist der öffentliche politische Raum prekär, fragil geworden? Die Sphäre des Meines wird zum Hort einer zerstörten normativen Ordnung, der von der Faktizität des Wirklichen und der Erfahrung befreit ist. Deshalb fragt Christina Schües in ihrem Vortrag: Sind die Menschen - die Bürgerinnen und Bürger, auch die Kinder und Jugendlichen - einer neuen Verletzlichkeit ausgesetzt? Haben wir es mit einer epistemischen Verletzung zu tun, die uns zeigt, dass wir auch sprachlich und epistemisch verletzlich sind, und zwar hinsichtlich unserer Erkenntnisfähigkeit und Wissensordnung, Sprache und unserers normativen Bezugsrahmens. Der Vortrag diskutiert, wie Verletzlichkeit und Prekarität aus phänomenologischer und politischer Perspektive verstanden werden kann. Wie hängen Verletzlichkeit und Erkenntniskategorien hinsichtlich unserer Kommunikation und politischen Interaktion zusammen?


Aufzeichnungen

Aufzeichnungen Archiv (12.2004 - 09.2008)

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Boris Born | 08.08.2018
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