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Kolloquium

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Thema:

Otto Braun und Konrad Adenauer. Gemeinsamkeiten, Gegensätze und Widersprüche im Spannungsfeld von Preußentum, Demokratisierung und Republikanisierung

Referent/-in: Gerhard Dassow
Adresse: FernUniversität Hagen
Neubau KSW, Universitätsstraße 33
Gebäudeteil B, Raum B 0.025
Termin: 06.03.2018, 18:15 Uhr

In seinem Essay aus dem Jahre 1985 über „Das Ende Preußens - acht Portraits“ beleuchtet der amerikanische Historiker Gordon A. Craig den sich über nahezu eineinhalb Jahrhunderte erstreckenden Prozess des „langen Sterbens“ Preußens aus dem Blickwinkel des Denkens und Handelns jeweils zweier für die „Meilensteine“ dieses historischen Prozesses repräsentativen, über Preußen aber äußerst gegensätzlich urteilenden zeitgenössischen Persönlichkeiten. Für die Zeit der Weimarer Republik, die den endgültigen Untergang Preußens einleitete, verdeutlicht er diese Gegensätzlichkeit unter dem Aufsatztitel „Preußentum und Demokratie. Otto Braun und Konrad Adenauer“ auf besonders eindrückliche Weise, indem er das politische Wirken der beiden führenden Repräsentanten des parlamentarisch-demokratischen und republikanischen Preußen zueinander in Beziehung setzt: des von 1920 bis 1933 fast ununterbrochen amtierenden sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun und des nahezu zeitgleich von 1921 bis 1933 als Präsident des Preußischen Staatsrats fungierenden langjährigen Kölner Oberbürgermeisters und Zentrumspolitikers Konrad Adenauer.

Dieser Ansatz ist insofern bemerkenswert, als die Bibliographien über Otto Braun und mehr noch die sehr viel zahlreicheren über Konrad Adenauer - ebenso wie die literarischen Selbstzeugnisse beider Protagonisten des parlamentarisch-demokratischen und republikanischen Preußen - sich nahezu ausschließlich mit der jeweils einen bzw. eigenen Person befassen, den Bezug zum wichtigsten Kontrahenten in der politischen Auseinandersetzung dagegen allenfalls beiläufig am Rande herstellen. Dies verwundert umso mehr, als Braun und Adenauer alleine schon aufgrund ihrer herausragenden Staatsämter nahezu zwangsläufig in einer engen politischen Beziehung zu einander gestanden haben (müssen). Der darauf gründende Ansatz Craigs, der in der Literatur bislang nicht weiterverfolgt worden ist, soll deshalb im Rahmen des hier vorgestellten Dissertationsprojektes aufgegriffen und vertieft werden.

Die Lebenswege Brauns und Adenauers können unterschiedlicher kaum verlaufen sein und waren trotzdem auf schicksalhafte Weise auf das Engste miteinander verbunden. Beider politisches Denken, Handeln und Wirken zeichnet sich deshalb sowohl durch eine Reihe von Gemeinsamkeiten, insbesondere aber durch tiefgreifende Gegensätze und Widersprüche aus. Diese sollen entlang der wichtigsten Stationen der politischen Ereignisgeschichte im Kontext von Preußentum, Demokratisierung und Republikanisierung in der zwar kurzen, aber dramatischen Epoche des „Freistaats“ Preußen der Weimarer Republik nachgezeichnet und in ihren bis in die heutige Zeit reichenden Wirkungen für den Verlauf der deutschen Geschichte „nach Weimar“ sowie die Würdigung beider Protagonisten in der deutschen Erinnerungskultur bewertet werden.

Karin Gockel | 15.02.2018
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