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Kolloquium

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Thema:

Nationsbildung und Demokratisierung in Norwegen 1800-1950.

Referent/-in: Prof. Dr. Peter Brandt
Adresse: FernUniversität Hagen
TGZ, 3. Stock, Raum B 306
Termin: 05.07.2011 18:15 Uhr

In empirisch gestützten Rankings wird das heutige Norwegen, teilweise noch vor den anderen nordeuropäischen Staaten, hinsichtlich ökonomischen Erfolgs, sozialer Inklusion und Egalität sowie demokratischer Partizipation stets ganz vorn platziert. Die Entdeckung und nachhaltige Bewirtschaftung der Ölreserven vor vier Jahrzehnten liefert allenfalls einen Teil – und nicht den wichtigsten – der Begründung.

In dem Vortrag soll die Herausbildung des „nordischen Modells“ im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts skizziert und gedeutet werden, wobei gesellschaftliche Modernisierung, politische Demokratisierung und Nationsbildung untrennbar miteinander verbunden waren. Die Entwicklung verlief vom Nebenreich des dänischen reformabsolutistischen Gesamtstaats, einem armen, peripheren Bauernland fast ohne Adel und starke Bourgeoisie, über den in der „Union“ mit Schweden verbundenen, avancierten monarchischen Verfassungsstaat des 19. Jahrhunderts bis zum selbstständigen, parlamentarisierten und seit 1935 (mit Unterbrechungen) Jahrzehnte lang von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei regierten Königreich. Spezifische Kennzeichen waren eine fest verankerte Rechtsstaatstradition, die substituierende Rolle der Bürokratie, das Wirken vorpolitischer und politischer Volksbewegungen sowie eine ausgeprägte Selbstorganisation der Gesellschaft, eine gewaltfreie und langfristig eher auf Konsens, Egalität und Gemeinwohl orientierte politische Kultur.

03.02.2011
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