Logo

Kolloquium

Illustration
Thema:

Perikles in Preußen. Politik und Antikenrezeption unter Friedrich Wilhelm II.

Referent/-in: Zitha Pöthe, Berlin
Adresse: FernUniversität Hagen
TGZ, 3. Stock, Raum B 306
Termin: 14.06.2011 18:15 Uhr

Antikenrezeption und Politik unter Friedrich Wilhelm II. (1786 – 1797)

Die Gesellschaft in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms II. wird erst seit drei Jahren nicht mehr als Übergangsgesellschaft bezeichnet, sie gilt mittlerweile als frühe bürgerliche, bzw. „berufsständische“ Gesellschaft einer eigenständigen Epoche. Der Regent legte entscheidende Grundsteine für die Neuordnung der preußischen Gesellschaft: Seine Wirtschaftsreformen zielten auf eine Öffnung des Marktes im Gegensatz zum friderizianischen, überlokal reglementierenden Merkantilismus. Er hob viele Ein- und Ausfuhrverbote auf, sorgte für die Instandsetzung der maroden Verkehrswege und veränderte das Bildungswesen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Friedrich II., setzte er auf die Erarbeitung von Reformen durch Expertenkommissionen. Friedrich Wilhelm II. beauftragte den schlesischen Architekten Carl Gotthard Langhans damit, das Brandenburger Tor in Form der Propyläen in Athen zu errichten.

Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet: Warum griff Friedrich Wilhelm II. beim Bau des Brandenburger Tores auf das architektonische Vorbild aus der Epoche der attischen Demokratie zurück? Die Forschungsliteratur kann die Frage nach dem Entstehungshintergrund des Tores bislang nicht konkret beantworten. Weder wird erfasst, aus welcher tatsächlichen politischen Entscheidung heraus das alte Tor ersetzt wurde, noch wird dargelegt, warum Friedrich Wilhelm II. sich gegen die gängigen, römischen Triumphtoren nachempfundenen, barocken Vorbilder entschied und ausgerechnet die Propyläen als Vorlage aussuchte. Die Unkenntnis darüber liegt m. E. größtenteils an der Unpopularität des Bauherrn bei Zeitgenossen und in der Forschung.

Zur Beantwortung der Frage gibt es, trotz wichtiger Anhaltspunkte, keine Segmente, wie textkritischen Quellenanalysen, die erörtern ob Friedrich Wilhelm II. politische Vorbilder der Antike hatte. Mich interessiert, was er z. B. über Perikles, den Bauherrn der Propyläen, wusste oder über die attische Demokratie dachte. Publikationen, die das Antikenverständnis des Königs analysieren und es in Beziehung zu seinem politischen Handeln setzen, fehlen.

Da die Wissenschaft an das Leben und Werk des Architekten Langhans hauptsächlich kunsthistorische Fragen stellte, fehlen bislang auch Betrachtungen über seine soziale Stellung, eventuelle „neuständische“ Freiheiten, die Form der Zusammenarbeit mit dem König.

Methodisch richtet sich die Arbeit zum Einen nach der im Jahr 2005 erschienen Dissertation von Joachim Riecker „Das Geheimnis der Freiheit ist Mut“: antike Vorbilder in der amerikanischen Außenpolitik von Theodore Roosevelt bis Bill Clinton, die ihrerseits methodisch auf die Arbeit Harold T. Parkers The Cult of Antiquity and the French Revolutionaries zurückgreift. Das andere methodische Vorbild soll die von Ulrich Sachse im Jahr 2008 erschiene Dissertation Caesar in Sanssouci. Die Politik Friedrichs des Großen und die Antike sein.

10.06.2011
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, 58084 Hagen