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Kolloquium

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Thema:

Selbstbehauptung und Modernisierung mit Zeremoniell und Ehrenzeichen. Zur Rezeption europäischer Orden und zur Politik der Ordensverleihung in Siam.

Referent/-in: Dr. Suphot Manalapanacharoen
Adresse: FernUniversität Hagen
TGZ, 3. Stock, Raum B 306
Termin: 06.09.2011 18:15 Uhr

Im Zeitalter der europäischen Dominanz (1857-1930) konnte Europa seine Herrschaft durch Moderne und Fortschritt gegenüber der äußereuropäischen Welt ausbauen. Durch das moderne Militär-, Verwaltungs- sowie Rechtswesen und die Zivilisierungsmission, konnte Europa eine langfristige strukturelle Abhängigkeit von diesen Ländern etablieren. Zusätzlich gaben diese eingeführten Instrumentarien und Techniken den Beherrschten die Möglichkeit, diese als Mittel zur antikolonialen Selbstbehauptung zu nutzen. Dadurch wurde ein Kulturtransferprozess ausgelöst.

Seit den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts fühlte sich Siam (Thailand seit 1939) von der europäischen Expansion bedroht und leitete infolgedessen eine Modernisierung in die Wege. Es wurde versucht, eine umfassende Reform in Angriff zu nehmen, um sich aus der Lage des „informal empire“ schnell zu befreien. Als Erstes fand die Modernisierung des diplomatischen Zeremoniells statt, da Siam die Diplomatie als geeignetes Instrument gegen koloniale Durchdringung sah. Daraus entstanden die Nationalflagge, die Nationalhymne und nicht zuletzt die Orden, mit denen Siam beim Empfangszeremoniell seine eigene Identität und Souveränität repräsentieren konnte. Diese Ehrenzeichen dienten einerseits als antikoloniale Selbstbehauptung, andererseits als „Werbung“ um Anerkennung von außen, ja als „Eintrittskarte“ in den europäischen „Souveränenklub“. Auch in der Innenpolitik wurden die neu gestifteten Ehrenzeichen als Teil der siamesischen Auszeichnung integriert. Dies war auch der erste Schritt in der Modernisierung des Auszeichnungswesens und Zeremoniells in Siam. Aufgrund ihrer vielfältigen politischen Funktionen sowohl in der Innen-, als auch in der Außenpolitik, eignete sich Siam die europäischen Auszeichnungen sehr früh an. Seitdem wurden in Siam Orden gestiftet und erweitert, und zwar ununterbrochen bis in die Gegenwart hinein.

In diesem Vortrag möchte der Referent einen Teil seiner Forschungsarbeit vorstellen. Es handelt sich dabei um eine empirische Untersuchung der Modernisierung der siamesischen Orden und Ehrenzeichen. Anhand einer Analyse dieses Aneignungsprozesses möchte der Referent erläutern, wie Siam die europäischen Einflüsse in der Innen- und Außenpolitik instrumentalisieren konnte und inwieweit die innenpolitischen Bedingungen und außenpolitischen Situationen ausschlaggebend für die Intensität und Dynamik eines solchen Transformationsprozesses waren.

15.08.2011
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, 58084 Hagen