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Spanien Exkursion

Thema: Juden, Christen und Muslime in Spanien – Transkulturalität und Ausgrenzung vom Mittelalter bis zur Moderne

Leitung: Prof. Dr. Felicitas Schmieder

Prof. Dr. Reinhard Wendt


Exkursion 16.-28. Oktober 2006

Die Iberische Halbinsel ist eine der facettenreichsten und wichtigsten kulturellen Kontakt- und Übergangszonen Europas. Dort trafen nicht nur mehr oder weniger konfliktreich Judentum, Christentum und Islam aufeinander und beeinflussten sich wechselseitig, von dort griff auch ein zentralistisch organisiertes, frühabsolutistisches, in globalen Dimensionen denkendes Königreich, das sich eine homogene katholische Identität gegeben hatte, nach Amerika und Asien aus und wurde zur Vermittlerin zwischen Alter und Neuer Welt.

Die Reisegruppe beschäftigte sich mit den unterschiedlichen Äußerungsformen der drei Kulturen sowie deren teils "tolerantem", teils unduldsam-aggressivem Umgang miteinander. Dabei wurde das Reich der Westgoten ebenso thematisiert wie die arabische Eroberung ab 711, das Goldene Zeitalter der Juden und die christlichen Terraingewinne gegen den Islam, die in der Eroberung Toledos 1085 durch den "Kaiser beider Religionen" Alfons VI. einen ersten Höhepunkt erreichten. Während in den Übersetzerschulen von Toledo oder im Kalifat von Córdoba kultureller Austausch stattfand, praktizierten Almohaden und Almoraviden sowie manche katholische Prediger und Meinungsführer religiös-kulturelle Ausschließlichkeit. Mit dem Fall von Granada 1492 endete die "Reconquista", und Kastilien als führende Macht auf spanischem Boden reorganisierte seine Herrschaft politisch und kulturell, um die heimische Heterogenität zu beenden und mit gefestigter Identität universelle Geltung zu beanspruchen.

Aufblühende Universitäten und katholische Reform gehörten dabei ebenso ins Bild wie Inquisition und die Vertreibung von Juden und Mauren, weltliche und geistliche Conquista oder die Debatte um den Indianerschutz. Auf der Reise ging es zudem um das Fortwirken und die stetige Gegenwart der drei Kulturen sowie der Größe Kastiliens im "siglo de oro" . Die Interpretation der Bedeutung dieser Geschichte für die spanische Identität und für das Verständnis des Verhältnisses zum übrigen Europa prägten sowohl die Selbstanalyse der Jahre nach 1898, als Spanien mit Kuba und den Philippinen seine letzten bedeutenden Kolonien verloren hatte, als auch die politischen Diskussionen vor und während des Bürgerkriegs, die Inszenierungen der Franco-Zeit sowie die Neubestimmung des Standorts Spaniens nach 1975.

An geeigneten Anknüpfungspunkten wurden thematisch einschlägige Ereignisse und Prozesse sichtbar und verständlich gemacht. Zentrale Stationen der Exkursion waren u.a.; Zaragoza, Madrid, San Lorenzo de El Escorial, Valle de los Caídos, Alcalá de Henares, Calatrava-Burgen, Toledo, Ávila, Salamanca, Tordesillas und Valladolid. Als Startpunkt diente Zaragoza , das sich mit seiner römischen, muslimischen, christlichen und expansionsgeschichtlichen Vergangenheit für einen Einsteig gut eignete.

Lektüre:

Ludwig Vones: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Sigmaringen 1993.

Julio Valdeón/Klaus Herbers/Karl Rudolf: España y el "Sacro Imperio": procesos de cambios, influencias y acciones recíprocas en la época de la "europeización" (siglos XI-XIII). Valladolid 2002 (mit vielen deutschsprachigen Beiträgen).

Odilo Engels: Reconquista-Studien, in: Ders.: Reconquista und Landesherrschaft. Studien zur Rechts- und Verfassungsgeschichte Spaniens im Mittelalter. Paderborn u.a. 1989, S. 279-300.

Américo Castro: Spanien, Vision und Wirklichkeit. Köln, Berlin 1954.

Walter Bernecker/Horst Pietschmann: Geschichte Spaniens. Stuttgart 32000.

Über spanische Kultur, Landschaft und Menschen im Allgemeinen sowie über die Kunst des Reisens unterrichtet Cees Nooteboom: Der Umweg nach Santiago. Frankfurt 1992.

02.04.2015
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