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Tacitus‘ Germania: Ethnographie oder Sittenspiegel?

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Thema:

Tacitus‘ Germania: Ethnographie oder Sittenspiegel?

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G3; Modul G4; Modul G5; BA KuWioF: Modul 5; Modul 11A; Modul 12A; (BA Kulturwissenschaften Modul G2/M4, G3/M5)
Ort: Frankfurt am Main
Adresse: Regionalzentrum Frankfurt/Main

Seminarraum "Paulskirche"
Termin: 25.07.2014 bis
26.07.2014
Zeitraum: Fr, 25.07.2014, 16:00 - 20:00 Uhr,
Sa, 26.07.2014, 10:00 - 18:00 Uhr
Leitung: Christian Urs Wohlthat, M.A.
Anmeldung: Online-Anmeldung - keine Teilnahmebegrenzung!
Die Freischaltung der Online-Anmeldung erfolgt ca. 3 Monate vor der Veranstaltung.
Auskunft erteilt: E-Mail: Christian Urs Wohlthat
Telefon: (02331) 987-2111
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Um 98 n. Chr. schrieb der römische Aristokrat Publius Cornelius Tacitus (ca. 58-120 n. Chr.) eine Abhandlung über die östlichen Nachbarn des Römischen Reiches im Gebiet des damaligen Germaniens. Die erst im 15. Jahrhundert wiederentdeckte Schrift enthält einen allgemeinen Teil zu Land und Leuten, geht dann über zum öffentlichen und privaten Leben der Germanen und behandelt zuletzt Bräuche und Sitten einzelner Ethnien zwischen Rhein und Ostsee.

Die Germania wirkte ab der Renaissance als identifikationsstiftende Schrift im deutschen Raum nach und beeinflusste nicht zuletzt auch den deutschen Nationalismus stark. Der italienische Historiker Arnoldo Momigliano bezeichnete sie daher einmal als eines der gefährlichsten je geschriebenen Bücher.

Dabei ist die Intention Tacitus´ noch immer nicht gänzlich geklärt. Zwei Theorien beherrschen die wissenschafltiche Lesart der Germania: Das Werk als Sittenspiegel oder als Ethnographie. Wollte Tacitus seinem aristokratischen Umfeld die eigene Dekadenz an Hand einer Beschreibung der vermeintlich ursprünglichen und "unverdorbenen" Germanen aufzeigen, oder wollte er mittels akurater Beschreibungen Römern ein gutes Bild Germaniens und der Germanen liefern, um vielleicht auch zu erklären, warum das Land nie von Rom bezwungen werden konnte.

Im Mittelpunkt der Präsenzveranstaltung steht neben der Frage nach dem Germanenbild im innerrömischen Elitendiskurs vor allem auch die Frage nach Identitätswahrnehmung und -zuschreibung, die sich aus der relativen Geographie ableitet. Hier macht die Forschung in den letzten Jahren deutliche Sprünge.

Das Gelingen der PV ist im besonderen Maße von der Beteiligung der Studierenden abhängig. Es wird daher erwartet, dass jeder Text von mindestens einem Studierenden so intensiv bearbeitet wird, dass er/sie als "Experte" eine kurze Präsentation vornehmen kann und anschließend durch die Interpretation führt.

Für die Teilnahme an der PV ist die Lektüre des (sehr kurzen) Werkes unbedingt erforderlich. Benutzen Sie bitte eine zitierfähige Edition wie diese:

Cornelius Tacitus: Germania, Hg. v. Alfons Städele. 4. Auflage, Berlin 2011.

Zur Vorbereitung ebenfalls wichtig sind folgende Forschungstexte:

- Allan A. Lund, Zur Gesamtinterpretation der Germania des Tacitus, in: H. Temporini & W. Haase (Hg.), II. Principat. Band 33: Sprache und Literatur, 3. Teilband: Allgemeines zur Literatur des 2. Jahrhunderts und einzelne Autoren der trajanischen und frühhadrianischen Zeit (Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Geschichte und Kultur Roms im Spiegel der neueren Forschung II 33,3), Berlin, New York 1989, S.1858–1988.

- Ellen O'Gormann, No Place Like Rome: Identity and Difference in the Germania of Tacitus, in: R. Ash (Hg.), Oxford readings in Tacitus, Oxford 2012, S. 95–118.

- Richard F. Thomas, The Germania as literary text, in: A. J. Woodman (Hg.), The Cambridge Companion to Tacitus, Cambridge, UK, New York 2009, S. 59–72.

- Daniela Dueck & Kai Brodersen, Geography in Classical Antiquity (Key Themes in Ancient History), Cambridge, New York 2012. [Daraus besonders das Kapitel 3.2 über Ethnogeographie S. 84-89].

- Christopher B. Krebs, "Imaginary Geography" in Caesar's "Bellum Gallicum", AJPh 127 (1) 2006, S. 111–136.

Jedem rezeptionsgeschichtlich interessierten Studierenden sei besonders ans Herz gelegt:

Christopher B. Krebs, Ein gefährliches Buch. Die „Germania“ des Tacitus und die Erfindung der Deutschen, Übersetzt von Martin Pfeiffer, München 2012.



Irmgard Hartenstein | 04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen