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Venedig als Tor zur Welt

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Thema:

Venedig als Tor zur Welt

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G2; Modul G4; MA EuMo: Modul 2E;
Ort: Venedig
Adresse: Deutsches Studienzentrum in Venedig
Palazzo Barbarigo della Terrazza
S. Polo 2765/A, Calle Corner
I – 30125 Venezia
Termin: 29.05.2017 bis
31.05.2017
Zeitraum: Mo, 29.05.2017 - Mi, 31.05.2017, ganztags
Leitung: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Nadine Holzmeier, M.A.
Gerda Brunnlechner, M.A.
Amanda Castelló M.A.
Christiane Eilers B.A.
Anmeldefrist: 15.12.2016
Anmeldung: Teilnahmebegrenzung
Auskunft erteilt: E-Mail: Nadine Holzmeier
E-Mail: Gerda Brunnlechner
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Venedig fungierte über lange Zeit als Verbindungsglied zwischen Ost und West, wovon heute noch viele Spuren in der Stadt zu sehen sind. Nach der Eroberung Konstantinopels 1204 im Laufe des 4. Kreuzzugs entwickelte sich Venedig zu einer der vorherrschenden Handels- und damit Seemächte im Mittelmeer, was weder durch den erneuten Verlust Konstantinopels, 1261, noch durch die Vertreibung der Lateiner aus dem Heiligen Land nachhaltig beeinträchtigt wurde. Die Stadt entwickelte sich zum wichtigen Zentrum und Durchgangsort für Händler, Missionare, Pilger und auch Kreuzzügler verschiedenster Herkunft. Entsprechend war Venedig darauf eingerichtet, diesen Vorhaben die nötige Infrastruktur bereit zu stellen: Große Mengen an Fremden zu beherbergen, zu verköstigen und ihnen Schiffspassagen zu ihren jeweiligen Zielen zur Verfügung zu stellen. Dies führte dazu, dass die Serenissima entscheidenden Einfluss auf Kreuzzugsvorhaben gewann. Die Venezianer griffen immer weiter in die Welt aus, in die Levante, zum Baltischen und zum Schwarzen Meer und auch darüber hinaus. Zurückgekehrte venezianische Reisende wie Marco Polo (1254-1324) und Niccolò dei Conti (1396-1469) berichteten von fernen Ländern, was auf reges Interesse stieß. Der physische Austausch brachte den Austausch von Informationen und damit Wissen mit sich. Das Bild, das man sich von der Welt machte, musste entsprechend angepasst werden, was sich in der Geschichtsschreibung und der Kartographie der Zeit niederschlug.

Gleichzeitig kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den anderen norditalienischen Kommunen, allen voran der großen Rivalin Genua. Im 15. Jh. kam der Druck des osmanischen Vordringens nach Südosteuropa hinzu, der im Schockerlebnis der Eroberung Konstantinopel 1453 gipfelte. Trotz der Einigung der – sich gegenseitig immer wieder bekriegenden – norditalienischen Kommunen im Rahmen des Friedens von Lodi, 1454, geriet Venedigs Vorherrschaft in Gefahr. Gleichzeitig erkundeten die Portugiesen immer weitere Teile der Westafrikanischen Küste und der Atlantikinseln, woran u.a. auch Venezianer beteiligt waren, wie der Reisebericht Alvise de Cadamostos (um 1426-1483) zeigt. Aber im Gefolge der Umfahrung Afrikas durch Bartolomeu Dias 1488 und der Amerikafahrt des Christoph Kolumbus 1492 verlagerten sich die Handelswege nach Westen, Venedig geriet langsam ins Hintertreffen.

Venedig spielte also nicht nur eine herausragende Rolle in der frühen Europäischen Expansionsgeschichte, es bildete in wesentlichen Phasen dieser Entwicklung einen wichtigen kulturellen Schnittpunkt. Dort lassen sich diese Entwicklungen in beide Richtungen betrachten: zum einen die Wege, welche die Lateineuropäer hinausführten in die Welt und zum anderen die entgegengesetzten Bewegungen mit dem, was sie an Erfahrungen, Erkenntnissen und materiellen Gütern aus der erweiterten Welt mit sich zurückbrachten.

In unserem Seminar werden wir uns einerseits die Bewegungsrichtungen und ihre jeweiligen Akteure und Hinterlassenschaften ansehen, andererseits nach den kulturellen Implikationen und Impulsen fragen, die diese verschiedenen Bewegungsrichtungen am Schnittpunkt Venedig mit sich brachten. Besonders geeignet für unsere Fragestellung sind dabei Quellengattungen die sich konkret mit Räumlichkeit und dem eigenen Platz in der Welt auseinandersetzen: Kartographie, Welthistoriographie und Reise/ Pilgerberichte, die im spätmittelalterlichen Venedig in großer Zahl und vielen verschiedenen Ausführungen und Zielstellungen entstanden sind. Beispielhaft genannt sei hier nur die berühmte, ca. 2x2 m große Weltkarte des venezianischen Kamaldulensermönches Fra Mauro aus der Mitte des 15. Jh. Dabei bringt uns die Auseinandersetzung mit diesem Material nicht nur den Bedingungen dieser Quellengruppen näher, sondern auch verschiedenen Akteuren und Personengruppen des spätmittelalterlichen Venedigs.

Die Veranstaltung ist als Kombination aus klassischem Seminar- und Exkursionsteil geplant, bei dem wir die Präsenz vor Ort dazu nutzen, uns thematisch relevantes Handschriftenmaterial anzusehen sowie entsprechende architektonische und kunsthistorische Überreste im heutigen Venedig zu besichtigen. Dank der freundlichen Unterstützung des Deutschen Studienzentrums in Venedig können wir den Seminarteil in den Räumen des Palazzo Barbarigo della Tarrazza abhalten. Der zeitliche Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf dem Spätmittelalter.

Wir würden uns freuen wenn einige Teilnehmer bereit wären ein Referat oder einen Text vorzubereiten. Die Anmeldung ist ab sofort möglich, Anmeldeschluss ist der 15.12.2016 und die maximale Teilnehmerzahl liegt bei ca. 20 Personen. Die Anreise und Unterbringung müssen die Teilnehmenden selbständig organisieren, es empfiehlt sich dies möglichst zeitnah nach Erhalt der Teilnahmebestätigung zu tun. Wir bemühen uns darüber hinaus um eine günstige Unterbringungsmöglichkeit, können dies aber zu diesem Zeitpunkt nicht fest zusagen.

18.04.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen