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Frauenherrschaften

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Thema:

"Frauenherrschaften"

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G3; BA KuWioF: Modul 5; MA EuMo: Modul 2E; Modul 4G; weitere Interessierte auf Anfrage
Ort: Frankfurt
Adresse: Regionalzentrum Frankfurt/Main
Colosseo Frankfurt
(Sachsenhausen, altes Schlachthof-Gelände)
Walther-von-Cronberg-Platz 16
5. Obergeschoss
Seminarraum 3, Römer
60594 Frankfurt am Main

Termin: 28.05.2014 bis
29.05.2014
Zeitraum: Mittwoch, 28.05.2014, 17:00 - 20:00 Uhr
Himmelfahrt, 29.05.2014, 09:00 - 18:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Schmieder
Dr. Bettina Elpers
Anmeldefrist: 22.04.2014
Anmeldung: Online-Anmeldung: siehe unten - keine Teilnahmebeschränkung!

Wir bitten eindringlich, sich Ihre Anmeldung im Hinblick auf Ihre Teilnahme gut zu überlegen. Sollten Sie an dem Seminar doch nicht teilnehmen können, bitten wir Sie um baldmögliche Abmeldung.
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: +49 2331 987-2120
E-Mail: Dr. Bettina Elpers
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Wenn man von Herrschaft im Mittelalter spricht, muss man zugleich von den Verwandtschaftsnetzen sprechen, in die die herrschaftstragende Schicht, der europäische Adel, eingebunden war. Diese Verwandtschaft aber wurde naturgemäß von Frauen mitkonstituiert. Als „Adelsangehörige“ waren sie in Herrschaftsaufgaben eingebunden, auch wenn sie als „Frauen“ von einer bestimmten klerikalen Sichtweise zum Schweigen verdammt waren. Aber dies war eben nur eine Sichtweise, von der sich der Adel nicht zwingend seine Handlungen und Herrschaftspraxis diktieren ließ. Entsprechend übernahmen Frauen als Ehefrauen von Königen, Herzögen und Grafen an der Seite ihrer Männer, aber auch in deren Abwesenheit und nach deren Tod als Regentinnen Herrschaftsaufgaben. Als Schwestern und Töchter standen sie oft als Äbtissinnen den von der Familie gegründeten Klöstern vor, durchaus nicht gänzlich von der Welt getrennt, blieben sie als Mitglieder der Familie am Herrschaftsgeschehen beteiligt.

Ein Verwandtschaftsverhältnis, das noch nicht so recht in den Blickwinkel der Forschung geraten ist, ist das Geschwisterverhältnis. Systematisch erarbeiten werden wir dies auch in diesem Seminar nicht, aber wir können es als Blickwinkel benutzen – quasi als Teleskop, um die Partizipationsmöglichkeiten der weiblichen Angehörigen des adligen Hauses an weltlicher wie geistlicher Herrschaft zu beleuchten. Das Schwesternpaar Äbtissin Gertrud von Altenberg und Herzogin Sophie von Brabant, beides Töchter des ludowingischen Landgrafenpaares Elisabeth von Ungarn und Ludwig IV. von Thüringen, eignet sich dafür hervorragend. In Kloster und Welt vor ganz verschiedene Aufgaben gestellt, lassen sich Vergleiche ziehen und Unterschiede herausarbeiten bezüglich ihrer Herrschaftsaufgaben, Handlungsstrategien, ihrer Stellung im Verwandtschaftsverband, ihrer Beziehung was gegenseitige Unterstützung, Austausch, persönlichen Kontakt angeht, sowie ihres jeweiligen Bezuges auf ihre heilige Mutter. Andere Geschwisterpaare und -beziehungen können z.B. im Umfeld der ottonischen oder staufischen Königsfamilie gefunden und je nach Quellenlage mehr oder weniger gut untersucht werden. Die Konstellation Kloster und Welt soll dabei einen Scherpunkt bilden, wobei Brüder durchaus miteinbezogen werden können.

Referate können in begrenztem Umfang gehalten werden. Mit Abschluß der Anmeldefrist wird eine Moodle-Plattform freigeschaltet, auf der u.a. Referatsthemen vorgeschlagen werden; Sie sind herzliche eingeladen eigene Ideen zu spannenden Geschwisterpaaren einzubringen. Das Seminar kann zur Vorbereitung von schriftlichen und mündlichen Prüfungsleistungen (Hausarbeiten, mündliche Abschluss- und Modulprüfungen; Abschlussklausuren) genutzt werden.

Vorbereitende Lektüre(Diese ist bewusst breiter gewählt als das Thema und sollte auf verschiedene Forschungsansätze, Verwandtschafts- und Herrschaftskonzepte hin gelesen werden:)

- Bettina Elpers, Regieren, Erziehen, Bewahren: Mütterliche Regentschaften im Hochmittelalter (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte Bd. 166), Frankfurt am Main 2003

- Amalie Fößel (Hg.), Die Kaiserinnen des Mittelalters, Regensburg 2011

- Knut Görich, Friedrich Barbarossa. Eine Biographie, München 2011

- Knut Görich, Jan Keupp, Theo Broekmann (Hgg.), Herrschaftsräume, Herrschaftspraxis und Kommunikation zur Zeit Kaiser Friedrichs. II., München 2008

- Daniela Müller-Wiegand, Vermitteln – Beraten – Erinnern. Funktionen und Aufgabenfelder von Frauen in der ottonischen Herrscherfamilie (919-1024), Kassel 2003

- Cordula Nolte, Frauen und Männer in der Gesellschaft des Mittelalters, Darmstadt 2011

- Cordula Nolte, Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440-1530), Ostfildern 2005

- Jörg Rogge (Hg.), Fürstin und Fürst. Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter (Mittelalter-Forschungen. 15), Sigmaringen 2004

- Heide Wunder, Herrschaft und öffentliches Handeln von Frauen in der Gesellschaft der Frühen Neuzeit, in: Ute Gerhard (Hg.), Frauen in der Geschichte des Rechts. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, München 1997, S. 27-54

Irmgard Hartenstein | 04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen