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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Arbeit in Proto-Industrialisierung und Industrialisierung (16.-19. Jh.)

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G3; BA KuWioF: Modul 5; MA EuMo: Modul 1E; Modul 4G; Magister; weitere Interessierte nach Absprache.
Ort: Mannheim
Adresse: TECHNOSEUM
Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim
Museumsstraße 1
68165 Mannheim
Termin: 19.06.2014 bis
20.06.2014
Zeitraum: Do, 19.06.2014, 13:00 - 17:00 Uhr (Fronleichnam)
Fr, 20.06.2014, 10:00 - 18.00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Thomas Sokoll
Dr. Horst Steffens (Technoseum)
Anmeldung: Online-Anmeldung siehe unten.
Teilnahmebeschränkung - max. 30 Teilnehmer/innen!

Bitte überlegen Sie sich sorgfältig, ob Sie tatsächlich teilnehmen können und melden sich bitte wieder ab, falls Sie am Seminar doch nicht mitmachen können!
Auskunft erteilt: E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: (02331) 987-4752

Arbeit in Proto-Industrialisierung und Industrialisierung (16.-19. Jh.)

Das Seminar behandelt ein zentrales Thema der modernen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte: die Veränderungen der Produktionsverhältnisse und Arbeitsbeziehungen von Spätmittelalter bis zur Industriellen Revolution. Sachliche Schwerpunkte sind

  • die gewerbliche Expansion im Textilgewerbe und der Metallverarbeitung, wo es seit dem 16. Jh. (zum Teil auch schon früher) auf der Basis handelskapitalistischer Organisationsformen (Verlagssystem), regionaler Verdichtung und überregionaler Marktausrichtung zu einer Proto-Industrialisierung kam, die in vielen (wenn auch nicht in allen) Fällen wichtige Grundlagen für die ab im 19. Jh. einsetzende moderne Fabrikindustrie schuf;
  • die Zentralisation der handwerklichen Arbeit im arbeitsteiligen Großbetrieb (Manufaktur), vor allem im Bereich der Produktion von Luxusgütern (Seidenstoffe, Porzellan), wo ein neuartiges Regime der Arbeitsdisziplin entstand, das bei billigeren Massenwaren (Wolltuche) auch in der Verbindung der Betriebe mit Strafanstalten, Waisen- und Arbeitshäusern zum Ausdruck kam (Pforzheim, Ludwigsburg);
  • die Transformation der handwerklichen Arbeit in der modernen Fabrik im Maschinenbau und im Druckgewerbe, d.h. Entstehung einer Facharbeiterschaft und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen (Rekrutierung, Qualifikation, Betriebsbindung).

Neben der sachlichen Nachzeichnung dieser Entwicklungen sollen folgende methodische Maximen für unsere Arbeit im Seminar leitend sein:

  • eine betont langfristige Perspektive, um den Bogen von der handwerklichen zur mechanisch vermittelten Arbeit zu spannen;
  • die historisch-semantische Absicherung der quellensprachlich fundierten Leitbegriffe (‚Arbeiter‘, ‚Fabrik‘; ‚Manufaktur‘, ‚Maschine‘ etc.);
  • die kritische Auseinandersetzung mit den modernen (durchaus kontroversen) Forschungskonzepten der Proto-Industrialisierung und Industrialisierung (auch als Gegenbegriff zur ‚Industriellen Revolution‘);
  • die anschauliche Vermittlung der technischen und arbeitsorganisatorischen Veränderungen durch museale Präsentation, wie sie im Mannheimer ‚Technoseum‘ geleistet wird.

Das Technoseum zählt nicht nur zu den führenden Technikmuseen, sondern zeichnet sich auch dadurch aus, dass es neben der reinen Technikgeschichte vor allem die Geschichte der Arbeit und der Arbeiterbewegung dokumentiert. Im Rahmen des Seminars wird uns Dr. Horst Steffens durch die ständige Ausstellung führen. Außerdem wird sich die inhaltliche Arbeit im Seminar vor allem auf solche Schwerpunkte und Fallbespiele beziehen, die möglichst enge Bezüge den musealen Sammlungen aufweisen.

Insbesondere für die Fallbeispiele sind Beiträge der Teilnehmer erwünscht (Referat, Buchvorstellung), die sich auch gut als Grundlage für Prüfungsleistungen eignen (Hausarbeit, mündliche Prüfung). Eine entsprechende Themenliste ist auf der moodle-Plattform zum Seminar greifbar, die am 15.04.2014 freigeschaltet wird (darüber hinaus bin ich auch für eigene Themenvorschläge offen). Interessenten bitte ich um möglichst rasche Rückmeldung per Email.

Literatur zur Einführung

Willi A. Boelcke, Wirtschaftsgeschichte Baden-Württembergs von den Römern bis heute, Stuttgart 1987

Werner Conze/Ulrich Engelhardt (Hg.), Arbeiter im Industrialisierungsprozeß. Herkunft, Lage und Verhalten, Stuttgart 1979 (Industrielle Welt, 28)

Jürgen Kocka, Weder Stand noch Klasse. Unterschichten um 1800, Bonn 1990

Jürgen Jürgen Kocka, Lohnarbeit und Klassenbildung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in Deutschland 1800-1875, Bonn 1983

Toni Pierenkemper, Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jh., München 2007 (EdG 29)

Hans Pohl (Hg.), Forschungen zur Lage der Arbeiter im Industrialisierungsprozeß, Stuttgart 1978 (Industrielle Welt, 26)

Winfried Reininghaus, Gewerbe in der Frühen Neuzeit, München 1990 (EdG 3)

Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bde 1 u. 2, München: Beck 1987 (pb 2008)

Irmgard Hartenstein | 04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen