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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Der Kampf um "die" Bibel

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G2; Modul G3; BA KuWioF: Modul 4; Modul 5; MA EuMo: Modul 1E; Modul 2E;
Ort: Wolfenbüttel
Adresse: Herzog August Bibliothek
Lessingplatz 1
38304 Wolfenbüttel
Termin: 16.06.2015 bis
19.06.2015
Zeitraum: Di, 16.06.2015 ab 09:00 Uhr
Fr, 19.06.2015 bis 13:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Prof. Dr. Thomas Sokoll
Dipl.-Theol. Manina S. Krämer, M.A.
Anmeldefrist: 31.05.2015
Anmeldung: t e i l n a h m e b e s c h r ä n k t !
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: (02331) 987-4752
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: (02331) 987-4752

Aus der Perspektive des gläubigen Christen scheint die Sache klar: die Bibel ist Gottes Wort, offenbart in Gestalt eines zweifachen Bundes zwischen Gott und den Menschen (Altes und Neues Testament). Doch schon Katholiken und Protestanten sind sich nicht einig darüber, ob die deuterokanonischen (kath.)oder apokryphen (prot.) Schriften zum AT gehören oder nicht, und während in der katholischen Kirche die Vulgata (lat. Bibelübersetzung des Hieronymus) als der verbindlichen Bibeltext gilt, bestehen die protestantischen Kirchen darauf, dass die unverfälschte Quelle der Verkündung allein im hebräischen (AT) und griechischen (NT) ‚Urtext‘ liege. Dieser ‚Urtext‘ ist jedoch als historische Quelle gar nicht greifbar, da wir nur Abschriften (von Abschriften von Abschriften...) haben, von denen wir nicht wissen (können), inwieweit sie dem ‚ursprünglichen‘ Wortlaut entsprechen. Schlimmer noch: Sofern beim AT der ‚ursprüngliche‘ Wortlaut in den ältesten Textschichten der Thora aufscheint, die wir (heute) überhaupt erkennen können (10. Jh. v. Chr.), stammt er aus einer Zeit, in der es das AT noch gar nicht gab (der hebr. Kanon bildet sich erst im 1. Jh. heraus). Für das Frühchristentum jedoch war gar nicht der hebräische Text des AT, sondern dessen griechische Übersetzung (Septuaginta, LXX, 3./2. Jh. v. Chr.) maßgebend. Beim NT wiederum stand der Kanon zwar ab dem 3./4. Jh. n. Chr. eigentlich fest, doch abgesehen davon, dass in der ‚westlichen‘ Kirche der lateinische an die Stelle des griechischen Textes trat, waren im Mittelalter auch ‚Bibeln‘ gebräuchlich, die unvollständig waren oder gar als Einzelbücher überliefert sind (besonders beliebt: Evangeliare und Epistolare), dazu waren zusätzliche Bücher im Umlauf (Jakobus- und Thomasevangelium, Petrusapokalypse u.a.m.). Damit nicht genug: Als im Spätmittelalter und dann verstärkt in der Reformation die Bibelübersetzungen in die europäischen Nationalsprachen (die es lange vorher immer wieder gegeben hatte) mit ‚ketzerischen‘ Bewegungen einher gingen, wurde der Kampf um die ‚richtige‘ Bibel endgültig zum blutigen Politikum.
Historisch betrachtet ist ‚die‘ Bibel somit ein ziemlich komplexen Gebilde, um dessen Wortlaut, Gestalt und Geltung ständig gerungen wurde. Der Streit um ‚die‘ Bibel ist (mindestens) so alt wie diese selbst. Das Seminar setzt sich zum Ziel, diesen Prozess an ausgewählten Beispielen und Themen zu verfolgen, und zwar so anschaulich wie möglich, sprich: an Hand von Textzeugen aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, die über eine der weltweit bedeutendsten Bibelsammlungen verfügt.

Zu den Themen, die wir behandeln wollen, zählen

  • Bibelübersetzungen: LXX, Vulgata, Wulfila, Heliand
  • Kanonisierung AT und NT
  • Bibelhandschriften (Codex Sinaiticus, Pandekten und Teilüberlieferungen)
  • Bibelgebrauch im MA (Alkuinbibel und Pariser Bibel; glossa ordinaria, biblia pauperum; NT-Apokryphen/ Kindheitsevangelien)
  • Volkssprachliche Bibel in SpätMA und Reformation (Wycliff und Huss, Luther, Tyndale)
  • Bibeldrucke (Complutense Polyglotte)
  • Bibelkritik und Aufklärung

Die Teilnehmerzahl ist eng begrenzt (20 Teilnehmende). Sobald die Anmeldefrist vorüber ist, werden wir Sie darüber informieren, ob Sie teilnehmen können. Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwarten wir die Erledigung eines kleinen Arbeitsauftrags (Referat eines Aufsatzes oder eines Buches, Moderation einer Quelleninterpretation). Eine Liste möglicher Beiträge wird rechtzeitig auf Moodle veröffentlicht werden. Es wäre hilfreich, wenn Sie sich dann zügig mit uns in Verbindung setzen könnten wegen der Absprache eines solchen Beitrages.

Prüfungsleistungen (Hausarbeiten und mündliche Prüfungen) sind in Folge, nicht während des Seminars aufgrund des Seminarthemas und der Referate nach Absprache möglich und erwünscht.

Allgemeine einführende Literatur:

  • Andresen, Gisela/ Andresen, Dieter/ Friedlander, Albert H., Die Bibel. Geschichte und Gegenwart, Stuttgart u.a. 2002
  • Gertz, Jan Christian (Hg.), Grundinformation Altes Testament. Eine Einführung in Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments, 4. durchges. Aufl., Göttingen 2010
  • Miller, Stephen/ Huber, Robert V. (Hg.), Die Bibel. Das Buch der Bücher und seine Geschichte, Stuttgart 2004
  • Niebuhr, Karl-Wilhelm (Hg.), Grundinformation Neues Testament. Eine bibelkundlich-theologische Einführung, 4. durchges. Aufl., Göttingen 2011
  • Reclams Bibellexikon, hg. v. Klaus Koch u.a., 7. überarb. u. erw. Aufl., Stuttgart 2004
  • Roloff, Jürgen, Einführung in das Neue Testament, Stuttgart 1995
  • Schmoldt, Hans, Das Alte Testament. Eine Einführung, Stuttgart 1993

 

Irmgard Hartenstein | 01.06.2015
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen