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Weltkarten, Globen, Regionalkartographie um 1500

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Thema:

Weltkarten, Globen und Regionalkartographie um 1500

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G2; Modul G4; MA EuMo: Modul 2E; Modul 6G;
Ort: Frankfurt
Adresse: Regionalzentrum Frankfurt/Main
Regionalzentrum und Historisches Museum
Termin: 15.12.2016 bis
17.12.2016
Zeitraum: Do., 15.12.2016, 17:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Fr., 16.12.2016, 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Sa, 17.12.2016, 9:00 bis 18:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Schmieder
Gerda Brunnlechner, M.A.
Anmeldefrist: bis 16.10.2016
Anmeldung: Teilnahmebeschränkung

Wir bitten eindringlich, sich Ihre Anmeldung im Hinblick auf Ihre Teilnahme gut zu überlegen. Sollten Sie an dem Seminar doch nicht teilnehmen können, bitten wir Sie um baldmögliche Abmeldung.
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
E-Mail: Gerda Brunnlechner
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987-4752

Um 1500 wird gerne ein Übergang verortet zwischen einer mittelalterlichen, bedeutungsgeleite­ten Kartographie und einer 'moderneren', rein der Naturnähe verpflichteten – nicht zuletzt be­gann in dieser Zeit verstärkt die Anfertigung von Regional-Landkarten, die scheinbar bloß Wirk­lichkeit in unserem modernen Sinne wiedergeben wollen. Es fragt sich jedoch, ob ein Bruch fest­stellbar ist und alte Konventionen "schlagartig" modernen wichen – zu untersuchen ist also, was sich auf den Karten dieser Zeit tatsächlich feststellen lässt und ob nicht, mehr noch, unsere Vorstellung einer modernen, objektiven Kartographie eine Illusion ist. Bis 1500 hatten Karten bereits einige Verbreitung gefunden. Dennoch kann man nicht von einer generellen Kartenlese­fähigkeit ausgehen, sondern sollte sich vielmehr eine Kartographie im Versuchsstadium vorstel­len. Konventionen hatten sich noch kaum ausgebildet. Frühe Humanis­ten hatten den Umgang mit antikem Wissen verändert und damit das Interesse für Geographie und zunehmend auch für Kartographie geweckt. Vor allem die Wiederentdeckung der 'Geogra­phie' des Ptolemaios mach­te Furore. Gleichzeitig lernten die Lateineuropäer immer mehr von der Welt kennen. So fanden altbekannte Reiseberichte, wie der seit um 1300 verbreitete des Marco Polo, und neuere, wie der des um 1444 zurückgekehrten Niccolò dei Conti – wohl nicht zufällig beide venezianische Kaufleute – sowie oral vermittelte zeitgenössische Informationen Eingang in diese Diskussionen. Schnell traten Widersprüche zu Tage. Verschiedene Möglichkeiten der Raumerfassung wurden ausprobiert und bestanden lange Zeit ohne erkennbare Präferenz und nicht zuletzt auf ein und derselben Karte nebeneinander. Gleichzeitig nahm die Verbreitung von Karten zu, was zum einem dem Buchdruck, zum anderen der regionalen Ausdehnung der Kunst des Kartenmachens geschuldet ist: Denn etwa in derselben Zeit verstärkte sich an unterschiedlichen Schnittstellen das Bedürfnis, auch den eigenen Besitz, die eigenen Grenzen, Geschehnisse um Nahraum graphisch zu erfassen oder als „Augenschein“ einem fernen Gericht vorzulegen. Lagen die bisherigen Zentren der Kartographie hpts. im Mittelmeerraum sowie in England oder Flandern, wurden nun auch in deutschen Landen innovative Arbeiten erstellt, wovon Behaim- und Schöner-Globen ebenso wie die Romwege- und anderen Karten des Erhard Etzlaub zeugen.

Der Ort Frankfurt am Main wurde aus unterschiedlichen Gründen gewählt: Zum einen war Frankfurt in der uns interessierenden Zeit einer der Orte im Mitteleuropa, an denen schon aus ökonomischen und politischen Gründen Wissen über nahe und ferne Räume zur Verfügung stand. Zum anderen befinden sich im Historischen Museum Frankfurt, das wir im Rahmen der Präsenzveranstaltung besuchen werden, der ältere der Globen des Johannes Schöner (1515) sowie einige wichtige Exemplare früher Regionalkartographie.

Literatur zur Vorbereitung:

- Berger, Frank (Hg.), Der Erdglobus des Johannes Schöner von 1515, Frankfurt am Main 2013

- Brunnlechner, Gerda, Die Erweiterung der Welt – Kartografische Reaktionen am Beispiel der ‚Genueser Weltkarte‘ von 1457, in: Kerstin Hitzbleck / Thomas Schwitter (Hrg.), Die Erweiterung des 'globalen' Raumes und die Wahrnehmung des Fremden vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit, Basel, 2015, S. 33–59.

- Schmieder, Felicitas, Der Fall von der Erdscheibe, oder: Wie begrenzt war die Welt im Spätmittelalter?, in: Achim Landwehr(Hg.), Grenzerfahrungen, Düsseldorf 2015 (Studia Humaniora. Düsseldorfer Studien zu Mittelalter und Renaissance. 48), 51-73

Irmgard Hartenstein | 16.11.2016
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen