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Juden, Kaufleute, Universität – Erfurt als deutsche Großstadt in der Vormoderne

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Thema:

Juden, Kaufleute, Universität – Erfurt als deutsche Großstadt in der Vormoderne (in Kooperation mit dem Studiengang Historische Stadt an der Universität Lübeck)

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G3; Modul G4; BA KuWioF: Modul 5; Modul 12A; MA EuMo: Modul 1E; Modul 2E; Magister (Abschluß-Prüfungsphase)
Ort: Erfurt
Adresse: genaue Adresse folgt
Termin: 16.11.2012 bis
18.11. 2012
Zeitraum: 16.11.2012, 17:00 Uhr bis
18.11.2012, 15:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Schmieder
Dr. Andrea Clemens
Anmeldefrist: 26.07.2012
Anmeldung: belegt!
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: +49 2331 987-2120
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987-4752

In Kooperation mit dem Studiengang Historische Stadt an der Universität Lübeck

"Juden, Kaufleute, Universität – Erfurt als deutsche Großstadt in der Vormoderne"

Erfurt vereint eine mehr als 1250-jährige Geschichte: Missionszentrum und Grenzort, Handelsmetropole und Bildungszentrum, umfangreiches christliches Leben mit zahlreichen Kirchen und Klöstern aber auch eine der größten jüdischen Gemeinden. Mit seiner Vielzahl kultureller Zeugnisse aus allen Epochen seiner Geschichte erlaubt gerade Erfurt einen beispielhaften Einblick in das vielschichtige Leben und Denken in einer vormodernen Großstadt.
Am Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege gelegen entwickelte sich Erfurt im Mittelalter aus einem Stützpunkt der bonifatianischen Mission und einem karolingischen Grenzhandelsplatz zu den Slaven zum Zentrum des Thüringer Raumes, zentraler Ort im Osten des Mainzer Hochstifts und einer der großen Städte des Heiligen Römischen Reiches, deren Bedeutung durch die Lage an der Straße von Frankfurt über Breslau und Krakau sowie durch den Waidanbau (blauer Färbstoff) in den umliegenden Dörfern gesteigert wurde, was zu mehreren privilegierten Jahrmärkten/ Messen und zum Anschluß an die Hanse führte.
Das von Bonifatius 742 aus guten Gründen an zentralem Ort gegründete Bistum hat nicht überlebt, sondern wurde in das Bistum Mainz inkorporiert, erfuhr aber als Hauptort des Hochstifts Mainz und deren geistlicher wie weltlicher Macht früh vielfältiger Förderung. Bis ins 13. Jahrhundert bildete sich eine machtvolle und eigenständige Bürgergemeinde heraus, und die Stadt erreichte in den folgenden Jahrhunderten den Rang einer mittelalterlichen Großstadt mit Ende des 15. Jahrhunderts etwa 18500 Einwohnern.
Wie in derartigen Städten üblich, blühte auch eine jüdische Gemeinde auf. Zeugnis dafür sind die Alte Synagoge, die älteste erhaltene Synagoge Deutschlands, die wiederentdeckt im 19. Jahrhundert, von 1991 bis 2004 saniert und archäologisch und bauhistorisch untersucht, heute als Museum mit ihrer Bau- und Nutzungsgeschichte ein Bild der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Erfurt präsentiert und damit – aus unserer politisch korrekten Sicht – die religiöse Sakraltopographie einer großen Stadt des Mittelalters komplettiert. Zur Vervollständigung des Bildes haben auch der Fund des Erfurter Schatzes, eine der umfangreichsten Funde profaner gotischer Goldschmiedekunst sowie die Entdeckung der Mikwe entscheidend beigetragen. Sie geben einen tiefen Einblick in die jüdische Diasporakultur und werfen Fragen auf, inwieweit diese trotz aller Trennung mit der christlichen "main stream" Kultur verwoben war.
Um 1400 wirkte in Erfurt der Mystiker Meister Eckarts im Kreise eines wichtigen Gelehrtenzentrums der Dominikaner. Aufbauend auf dem Erfurter studium generale wurde 1392 hier durch den Rat der Stadt eine der ältesten deutschen Universitäten gegründet.
Daher stellen jüdisches Leben und Universitätsgeschichte in einer von Handel geprägten Stadt den thematischen Schwerpunkt dieses Seminars dar. Referate der Teilnehmer sind erforderlich, um uns die Stadt zu erschließen; ein Besuch der Alten Synagoge soll das Seminar abrunden.

Referate können zu folgenden Themenbereichen gehalten werden (eine Liste mit genauen Referatsthemen mit Angabe der Betreuerin wird mit Beginn der Anmeldefrist auf Moodle eingestellt):

  • Universität (Studium generale, Gründungen, Professoren, Studenten, Meister Eckart, Dominikanerstudien in Europa)
  • Handel (Waidhandel)
  • Juden (Gemeindeleben, Vertreibung)
  • Stadt ( "Kaufmannskirche", Domhügel, Krämerbrücke)

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Wie üblich ist es möglich, auf der Grundlage des Seminars unterschiedliche Prüfungsleistungen zu absolvieren – bitte halten Sie dazu Rücksprache.

Einführende Literatur:
Toch, Michael, Die Juden im mittelalterlichen Reich, München 1998 (Enzyklopädie deutscher Geschichte. 44)
Weiß, Ulman (Hrsg.), Erfurt 742-1992 Stadtgeschichte Universitätsgeschichte, Weimar 1992.

Irmgard Hartenstein | 04.12.2014
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