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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Stadtgeschichtliches Seminar in Tallinn

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: Stadtgeschichtliches Seminar im Studiengang des Fernstudiums Historische Stadt -
Es sind noch Plätze frei für Studierende im BA Kulturwissenschaften, Modul 5/ G3, 12A/ G4; MA Europäische Moderne Module 1E, 2E; Magister Hauptstudium; weitere Interessierte auf Anfrage.
Ort: Tallinn
Adresse: Beginn Center for Medieval Studies
Universität Tallinn
Termin: 08.08.2011 bis
13.08.2011
Zeitraum: folgt
Leitung: Prof. Dr. Schmieder
Prof. Dr. Dieter Mehlhorn (Lübeck)
Anmeldung: Das Seminar ist teilnahmebegrenzt. Anmeldungen auf Anfrage.
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: +49 2331 987-2120

E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Organisatorisches:

Anreise am 8. 8., Abreise am 13. 8.2011.
Das Hotel ist für die Gruppe bereits gebucht (Kosten DZ 159.-/ EZ 75.- pro Nacht); der Flug kann über das Reisebüro dazugebucht werden (ab Hamburg 268.-; Frankfurt 299.-; München 259.- – vorbehaltlich Preisänderungen durch die Fluglinien), kann aber auch selbst organisiert werden. Gebühren für Führungen etc. werden ggf. umgelegt. Ein Großteil der Informationen soll jedoch durch Referate der Studierenden beigebracht werden (Hausarbeiten im Magisterhauptstudium und Prüfungsleistungen in den neuen Studiengängen (in Folge, nicht während des Seminars) sind nach Absprache möglich und erwünscht)

Ort:
Beginn Center for Medieval Studies, Universität Tallinn (Näheres wird rechtzeitig bekanntgegeben)

Tallinn, dessen heutiger Name sich vermutlich von der alten estnischen Bezeichnung für Burg der Dänen (taani linn) ableitet, trug in der Hansezeit den Namen des Landes, Reval. Entstan¬den in der Zeit seit ca. 1200, als die Ostsee unter der Dominanz des dänischen Großreiches unter Waldemar II. und seiner Söhne stand und im Baltikum der (sprachlich) deutsche Schwertbrüderorden (dann der Deutsche Ritterorden) erobernd-missionierend vordrang, wurde Reval bald zur „deutschen Stadt“ der Hanse. In ihrem Verbund und als ihr Tor nach Novgorod und zu den Weiten des russisch-zentralasiatischen Handels blühte die Stadt auf und wurde prachtvoll ausgebaut mit Kirchen, Klöstern, Hospitälern, einem repräsentativen Markt¬platz und Rathaus und zahlreichen Bürgerhäusern – die zumeist noch heute vom Reichtum der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Hansestadt zeugen. Ihre Bevölkerung (um 1500 bei ca. 5 – 6,5 Tausend) war in Sprachgruppen unterteilt (Deutsche, Dänen/ Schweden, Esten), die bald auch Bedeutung für ein soziales Gefälle erlangten. Von Anbeginn an, vor allem aber spätes¬tens mit dem Niedergang der Hanse im Verlauf der Frühen Neuzeit war Estland und mit ihm die Stadt Reval dem Zugriff größerer äußerer Mächte ausgesetzt, seien dies nun Dänen, Schweden oder Deutscher Orden, Polen-Litauen oder Russland (schon früh in Gestalt der Großfürstentümer von Novgorod und von Pskow, dann des Moskauer Zarenreichens schlie߬lich der Sowjetunion) gewesen, und sie ale hinterließen sprachlich und kulturell ihre Spuren in der Stadt. Unabhängig in einem modernen staatsrechtlichen Sinne war Estland zwischen 1920 und 1940 sowie seit 1991. Die turbulente politische Entwicklung Estlands schlug sich nicht zuletzt in der Architektur des 20. Jahrhunderts nieder, in der Entwicklung einer national gefärbten Architektursprache vom Jugendstil über Nationalromantik und Stalinismus bis zur Moderne. Geht man heute durch Tallin, ist nicht zuletzt allent¬halben zu finden, woran man sich am liebsten erinnert, worin man am meisten investiert und was man auch im Jahr der Kulturhauptstadt Europas 2011 gerne vorzeigen wird: die große Zeit von Tallinn als selbständige Hansestadt als erinnerungskultureller Fokus.

Die Exkursion lebt davon, daß die Teilnehmer sich aktiv vorbereiten und zu diesem Zweck auch ein Thema spezifisch vorbereiten. Jeder Teilnehmer/in wird sein/ ihr Referat in Tallinn selbst halten, ist aber gebeten, schon spätestens zwei Wochen vor der Reise eine Kurzfassung über Moodle allen anderen Teilnehmern zur Verfügung zu stellen!
Doch werden wir auch vor Ort Hilfe und Informationen bekommen: wir besuchen das Tallinner Stadtarchiv und werden über stadtarchäologische und denkmalschützerische, aber auch Fragen der Organisation von Stadtführungen diskutieren können. Ein Teil der vor Ort organisierten Führungen wird in deutscher, ein Teil aber auch in englischer Sprache stattfinden.

Referate:

Epochen estnischer Geschichte (stets Teil größerer politischer Gebilde, deren Geschichte im Hinblick auf Estland zu betrachten ist)

  • Eroberung, Mission, Einbindungen: estnische „Urbevölkerung“, dänische Könige, deutsche Schwertbrüder und Bischöfe (13./ 14. Jh.)
  • Estland in Spannungsfeld zwischen Deutschordens“staat“ und polnisch-litauischem Großreich (15./ 16. Jh.)
  • Estland zwischen schwedischem Großreich und Zarenreich Russland bis zum Nordischen Krieg (1700/ 21) [+ ganz kurzer Blick auf die spätmittelalterliche skandinavische Unionsgeschichte, um „Schweden“ von „Dänemark abzugrenzen]
  • Estland im Zarenreich Russland vom 18. bis in das 20. jahrhundert
  • Estland im 20. Jahrhundert (1. Weltkrieg, Unabhängigkeit, Hitler-Stalinpakt, 2. Weltkrieg, bis 1989)

Tallin

  • Heinrich von Lettland (um 1188 – nach 1259) als Geschichtsschreiber „Livlands“
  • Die Bedeutung der Hanse für Reval: von den Novgorodfahrern über den monopolistischen Wirtschaftsverbund zur politischen Organisation
  • Die Stadtrechtsfamilie des „lübischen Rechts“
  • „Dänen“ und „Deutsche“ in Reval: Dom und Olai- und Nikolai-Pfarrkirchen als Kerne dreier Teil-Siedlungen/ Stadtviertel

    Besichtigungen
  • Sankt Olai-Kirche
  • Domhügel und Dom
  • Sankt-Nikolai-Kirche
  • Heiliggeistspital
  • Marktplatz und Rathaus
  • „Deutsch“ und „Undeutsch“ im spätmittelalterlichen Estland
  • Estnische Nationalbewegung:
    - Estnische Sprache und Nationalbibliothek
    - Nationale Architektur der 1920er Jahre in Tallinn
  • Stadtsanierung und Stadterweiterungen: Villen, Jugendstil, Zukunftsperspektiven

04.12.2014
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