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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Erben des Imperiums: Die „Völker“ von den Goten zu den Franken

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften, Module 11A/G5, 12A/G4; MA Europäische Moderne, Module 1E, 2E; Magister, weitere Interessierte auf Anfrage
Ort: Karlsruhe
Adresse: Fernstudienzentrum
Universität Karlsruhe (TH)
Pfinzgausaal, 1. OG
Karl-Friedrich-Straße 17
D-76133 Karlsruhe

Telefon 0721/608-8200
Telefax 0721/608-8210
Email: info@fsz.uni-karlsruhe.de
Termin: 10.12.2009 bis
13.12.2009
Zeitraum: Do 17:30 Uhr bis
So 16:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Daniel Syrbe M.A.
Anmeldefrist: abgelaufen
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof.Dr. Felicitas Schmieder
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987 - 4752

Der Übergang zwischen Spätantike und Frühmittelalter, der sich langsam seit dem dritten Viertel des 4. und dann vor alle im 5. Jh.n.Chr. vollzog, ist ein Prozess von Werden und Vergehen. Für Westeuropa und den westlichen Mittelmeerraum bedeutet er den Übergang vom diese Räume flächendeckend dominierenden römischen Imperium mit seinen komplexen, für vormoderne Verhältnisse hoch entwickelten wirtschaftlichen, sozialen und staatlichen Strukturen, hin zu einer Reihe von Herrschaftsbildungen germanischer Kriegerverbände, für die sich die Forschung angewöhnt hat, sie als gentile Königreiche zu beschreiben.
Besonders die deutsche Forschung des 19. Jahrhunderts sah in den vermeintlich kompletten germanischer Völkern, die „mit Weib und Kind“ in das vor sich hin faulende Römische Reich eindrangen und gewaltsam dessen Ende herbeiführten die Ursprünge des zu jenem Zeitpunkt gegenwärtigen Europas, waren „die Ablagerungen der Fluten der Völkerwanderung … die Schichten, auf welchen die Nationen und Staaten der Mittelalters und der Gegenwart ruhen“ (Felix Dahn, Geschichte der Völkerwanderung, Königsberg 1880, S.22). Die sogenannte Völkerwanderungszeit wurde somit zum Ausgangspunkt einer als bis in die Gegenwart des 19. Jh. reichend angesehenen Kontinuität.
Seit den 1960er Jahren hat sich die Perspektive auf eben jene Übergangsphase allerdings infolge der Arbeiten von Reinhard Wenskus und Herwig Wolfram nachhaltig gewandelt. Nicht nur, dass die moderne Forschung die Homogenität der vermeintlichen germanischen Völker verneint, sondern es wurde grundsätzlich in Frage gestellt, ob die Entstehung der gentilen Königreiche überhaupt eine nennenswerte Zäsur bedeutete, bis hin zu dem Standpunkt, dass die sich im Römischen Reich einrichtenden germanischen Verbände letztlich „Romes greatest conquest“ gewesen seien.
Im diesem Präsenzseminar wollen wir uns am Beispiel der Vandalen, der West- und Ostgoten sowie der Franken mit den komplexen Problemen dieser germanischen Herrschaftsbildungen auseinandersetzten, denn diese vier zeigen, wie unterschiedlich deren Genese und Entwicklung verlaufen konnten. Während das Ostgotenreich den Tod seines Gründers Theoderich (+ 526) nur einige Jahre überstand, die Vandalen 533/34 der erneuten oströmischen Expansion erlagen und das krisengeplagte Westgotenreich trotz einiger Anpassungsprozesse im Ausgreifen der Araber unterging, erwiesen sich die Franken als langfristig erfolgreich. Wir wollen aber nicht nur die historischen Prozesse im engeren Sinne schauen, sondern einen weiten Bogen schlagen und fragen, inwiefern diese germanischen Herrschaften als Anknüpfungspunkten politische Ansprüche und identitätstiftende Prozesse vom Hochmittelalter bis in das 19. und 20. Jahrhundert dienen konnten.
Dieser zwischen Spätantike und frühem Mittelalter mit all den angesprochenen Konnotationen beschäftigte in unserem jungen Jahrtausend schon zahlreiche Ausstellungen: So die Zwillingslandesausstellung 2005/06 in Stuttgart und Karlsruhe („Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau“ sowie „Römer, Christen, Alamannen – Die Spätantike am Oberrhein“) und die 2008/09 in Venedig und Bonn ausgerichtete über „Rom und die Barbaren“ – und nun, wieder in Karlsruhe, die Vandalen als „Erben des Imperiums“ auf dessen nordafrikanischem Boden. All diese Titel greifen Worte der Zeitgenossen (meist von lateinisch schreibenden Römern auf allen beteiligten Seiten) zur Selbst- und Fremdwahrnehmung auf oder auch historisch-analytische Fassungen derselben Phänomene. Daher tagen wir in Karlstuhe und wollen nach Aufarbeitung der Gesamtproblematik im Anschluß an die Veranstaltung am Sonntag gemeinsam die Ausstellung „Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika“ besuchen.

Die Teilnehmerzahl dieser Veranstaltung ist (wegen der Räumlichkeiten im Studienzentrum und im Museum) begrenzt auf 23. Allerdings wir im Januar eine ähnliche kombinierte Seminar-Ausstellungs-Veranstaltung stattfinden, die sich ebenfalls mit einem antiken Thema und dessen erinnerungskulturellen Weiterleben auseinandersetzen wird: Alexander der Große und die griechische Entdeckung Asiens. Melden Sie sich möglichst nur zu einer der Veranstaltungen an – falls Sie gerne beide belegen wollen, geben Sie, für den Fall der Fälle, bitte eine Priorität an!Die Präsenzveranstaltung findet im Fernstudienzentrum Karlsruhe statt.

Literatur zur Einführung
- Pohl, Walter, Die Germanen (Enzyklopädie deutscher Geschichte 57), München 2000 [2.Aufl. 2004].
- Halsall, Guy, Barbarian Migrations and the Roman West, 375 – 565, Cambridge 2007 [eine Fundgrube für zahlreiche Aspekte und weiterführende Literatur; bes. als vertiefende Lektüre zu empfehlen].
- Berndt, Guido/ Steinacher, Roland, Das Reich der Vandalen und seine (Vor)Geschichten. (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 13), Wien 2008.
- Die Franken. Wegbereiter Europas. 5. – 8. Jh., Ausstellungskatalog Mannheim/ Paris/ Berlin 1996/ 97, Mainz 1996.
- Kampers, Gerd, Geschichte der Westgoten, Paderborn u.a. 2008.

Unterkunftsmöglichkeiten in Karlsruhe

04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen