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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Erinnerungskulturen: Die ungarische Landnahme und das nationale Imaginäre im Spiegel der Literatur um 1900

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften (Module 11A [G 5] und L6); Master Europäische Moderne (Modul 2E und 7L); Magisterstudiengang Geschichte, Literaturwissenschaft; weitere Interessierte auf Anfrage
Ort: Budapest
Adresse: Studienzentrum Budapest
1073 Budapest
Erzsébet krt. 50. II. Em./OG. 2
http://fszb.t-online.hu/kapcs.htm


E-mail: Halasz.Gabor@fszb.t-online.hu
Termin: 01.03.2009 bis
01.03.2009
Zeitraum: Do 9:00 Uhr bis So ca. 17:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Felicitas Schmieder; Prof. Dr. Nicolas Pethes
Anmeldefrist: abgelaufen
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: (02331) 987- 2120
Die Erinnerung an das Vergangene – die Geschichte – und ihre Aufzeichnung diente „schon immer“ zur Konstruktion von Identitäten, für unseren Fall genauer: von Völkern und Nationen. Dabei wird das, was tatsächlich geschehen ist, nicht „gefälscht“ oder „erfunden“, sondern Überliefertes wird gedeutet und Zusammenhänge werden in gegenwärtig denkbaren (und benötigten) Kontexten konstruiert. So gut wie möglich methodisch reflektiert gilt dies für jeden Geschichtsschreiber, auch den wissenschaftlich arbeitenden Historiker – und auch der Geschichtsschreiber im Dienst einer nationalen Sache wird selten bewußte Unwahrheit schreiben, sondern die „Wahrheit“, so wie sie gewesen sein muß und durch die Gegenwart gerechtfertigt wird, weil sie die Gegenwart zu legitimieren hat.
Dieser wesentliche Bestandteil erinnerungskulturell geprägten Denkens und Handelns soll im Zentrum des historischen Zugangs zu unserem Seminarthema stehen, das sich den konkreten Fall des Eindringens ungarischsprachiger Clans in das Karpatenbecken um 900 n. Chr. vornimmt. Was wissen wir woher von den Ereignissen, wie wurden diese Informationen zu unterschiedlichen Zeitpunkten (im 12. und 13. Jahrhundert und dann vor allem im 19.) weshalb dargestellt, welche Bilder wurden konstruiert und wie wurden diese Bilder in ein wechselndes Publikum vermittelt? Vor dem Hintergrund aktueller kulturtheoretischer Debatten zum kulturellen Gedächtnis und zum nationalen Imaginären wird dabei zu rekonstruieren sein, wie historische Darstellungen, literarische Texte sowie kulturpolitische Inszenierungen wie die Budapester 1000-Jahrfeier („Millenium“) 1896 gemeinsam den Mythos der „Landnahme“ generieren.
Neben der intensiven Diskussion historischer Quellen, literarischer Texte und theoretischer Modelle wird sich das Seminar auch den die Veranstaltung umgebenden Raum – Budapest und Ungarn – im Sinne von Erinnerungskultur erschließen. So ist eine Stadtrundfahrt unter erinnerungskulturellen Gesichtspunkten geplant und ebenso eine Fahrt zum Denkmal der ungarischen Landnahme in Òpusztaszer im Süden des Landes. Die Kostenbeteiligung für die Busfahrt errechnet sich nach der Teilnehmerzahl, doch sollten Sie mit 30.- € rechnen, die im Januar auf ein Sonderkonto eingezahlt werden sollen.
Die Übernahme von Kurzreferaten zum Seminar wird erwartet; Hausarbeiten im Magister­haupt­studium und Prüfungsleistungen in den neuen Studiengängen (in Folge, nicht während des Seminars) sind nach Absprache möglich und erwünscht.
Lektüre zur Vorbereitung:
- Anderson, Benedict, Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines erfolgreichen Konzepts, Frankfurt am Main – New York 1988 (orig. Imagined Communities, 1983)
- Assmann, Jan, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992 (Einleitung + Kap. 1, S. 15-86)
- Bak, János M., Die Mediaevisierung der Politik in Ungarn des 19. und 20. Jahrhunderts, in: Petra Bock/ Edgar Wolfrum(Hg.), Umkämpfte Vergangenheit. Geschichtsbilder, Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen Vergleich, Göttingen 1999, 103-13

Die Präsenzveranstaltung wird vom Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas und vom Lehrgebiet Europäische Literatur und Mediengeschichte veranstaltet.

04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen