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Kulturelle Reformation 1400 - 1600

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Thema:

Kulturelle Reformation 1400 - 1600

Veranstaltungstyp: Präsenzveranstaltung
Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften, Module G2/4; G3/5; G5/11A;
MA Europäische Moderne, Modul 1E, 2E
Ort: Jena
Adresse: Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB)
Bibliotheksplatz 2
07743 Jena
Termin: 30.05.2012 09:00 bis
01.06.2012 17.00
Leitung: Prof. Dr. Fellicitas Schmieder
Prof. Dr. Thomas Sokoll
Dr. Uta Kleine
Anmeldefrist: 15.04.2012
Anmeldung: Das Seminar ist ausgebucht.
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: +49 2331 987-2120
E-Mail: Prof. Dr.Sokoll
Telefon: +49 2331 987-2123
E-Mail: Dr. Uta Kleine
Telefon: +49 2331 987 - 4324
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Die Reformation ist lange Zeit als historischer Einschnitt und epochaler Umbruch verstanden worden. Luthers Thesenschlag 1517 (dessen 500. Jahrestag in fünf Jahren ansteht), sein Auftritt vor dem Reichstag in Worms 1521 („Hier stehe ich und kann nicht anders…“) und der anschließende Aufenthalt auf der Wartburg (wo er in nur zwölf Wochen das Neue Testament ins Deutsche brachte) unter dem Schutz Kurfürst Friedrichs des Weisen gehören zu den heroischen Ereignissen, die zu klassischen ‚Erinnerungsorten‘ geworden sind und bis heute die populären Mythen über die „deutsche Seele“ beflügeln. Demgegenüber zeichnet sich in der neueren Forschung immer deutlicher die Auffassung ab, dass die Reformation kein historischer Paukenschlag war, sondern dass wir es hier mit langfristigen Prozessen des politischen, sozialen und kulturellen Strukturwandels zu tun haben, die sich mindestens über zwei Jahrhunderte hingezogen haben. So waren zum einen bereits ab dem ausgehenden 14. Jahrhundert. die Zeitgenossen geradezu besessen vom Gedanken der Notwendigkeit einer grundlegenden „Reform“ der Kirche und alltäglichen Glaubenspraxis, aber auch des Reiches und der politischen Geschäfte. Zum andern dauerte es mindestens bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, bis sich die unterschiedlichen Glaubensrichtungen zu drei klar voneinander abgegrenzten Konfessionen gemausert hatten (Katholiken, Lutheraner, Reformierte).

Hiermit ist ein kulturwissenschaftlicher Perspektivwechsel beschrieben, der unter dem Stichwort „kulturelle Reformation“ eine Umbruchszeit in den Blick nimmt, deren Dynamik nicht allein ereignis- oder ideengeschichtlich erfasst werden kann. Beobachtet wird ein umfassender mentalitätsgeschichtlicher Wandel, eine Verschiebung von „Sinnformationen“. Dies lässt sich in den Quellen der Zeit gut greifen: Seit dem späten 14. Jahrhundert sind neue Formen einer verinnerlichten Frömmigkeit in Andachts- Gebets- und Bußbüchern, in Predigtliteratur, Klosterregeln und Bildern in fassbar, neue politische und soziale Leitbilder kommen in Schriften zur Reichsreform oder städtischen Armenordnungen zum Ausdruck. Daraus erklärt sich zugleich die Wahl unseres Veranstaltungsortes. Einen der Grundsteine der heutigen Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena bildet nämlich die Bibliothek des sächsischen Kurfürsten Friedrichs des Weisen, die in ihrer jetzt rekonstruierten Gestalt (Bibliotheca Electoralis) einen einzigartigen Spiegel landesfürstlicher Gelehrsamkeit des 15. und 16. Jahrhunderts darstellt und deren reichhaltigen Bestände an Handschriften und Büchern es uns erlauben, unser Thema am zeitgenössischen Material anschaulich zu erarbeiten.

Einführende Literatur

Berhard Jussen/ Craig Koslofsky (Hg.), Kulturelle Reformation. Sinnformationen im Umbruch 1400-1600, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999 (Veröff. Max Planck-Institut für Geschichte, 145).

Thomas Kaufmann, Geschichte der Reformation, Frankfurt/Main: Verlag der Weltreligionen 2004.

Robert W. Scribner, Religion und Kultur in Deutschland 1400–1800, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2002 (Veröff. Max Planck-Institut für Geschichte, 175).

Als Arbeitsgrundlage des Seminars dient ein Reader mit ausgewählten Beiträgen aus der neueren Forschung, der nach Ablauf der Anmeldefrist auf einer Moodle-Plattform bereitgestellt wird. Zur Vorbereitung empfehlen wir ferner die oben unten angegebene einführende Literatur. Hilfreich sind außerdem die Kurse „Alteuropäische Schriftkultur“ (34201) bzw. 03505), „Leben mit den Heiligen“ (34205 bzw. 03509) und/oder „Bild und Bildkultur“ (03507).

Von jedem/r Teilnehmer/in erwarten wir, daß er/sie einen kleinen Arbeitsauftrag übernimmt (Referat eines Aufsatzes oder eines Buches, Vorstellung eines Hausarbeitsprojektes, Moderation oder Protokoll einer Debatte o.ä.). Einzelheiten auch dazu auf der Moodle-Plattform. Es wäre hilfreich, wenn diese Beiträge möglichst bald uns abgesprochen würden. Ebenso bitten wir dringend um frühzeitige Anmeldung, da die Teilnehmerzahl eng begrenzt ist.

Die Teilnehmerzahl des Seminars ist begrenzt

Irmgard Hartenstein | 04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen