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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Prophetie und apokalyptische Diskurse

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften, Module L6, G5/11A; Master Europäische Moderne, Module 1E, 2E und 3E; Magisterstudiengang Geschichte; Magisterstudiengang Literaturwissenschaft; weitere Interessierte auf Anfrage
Ort: Bonn
Adresse: Regionalzentrum Bonn
Gotenstraße 161
53175 Bonn

Beethovensaal
Termin: 17.02.2011 bis
19.02.2011
Zeitraum: Do, 17.02.11 17:00-20:00
Fr, 18.02.11 09:00-18:00
Sa, 19.02.11 09:00-18:00
Leitung: Prof. Dr. Torsten Hahn
Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Anmeldefrist: bis 16. Januar 2011
Anmeldung: Das Anmeldeverfahren ist abgeschlossen.
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Telefon: +49 2331 987-2120
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Menschen wohl der meisten Kulturen und Epochen haben ihre Leben verstanden und ihre Gegenwart gedeutet im Blick auf die Zukunft. In der lateinisch-christlichen Kultur Europas (wie in den anderen Kulturen der drei monotheistischen Weltreligionen) entwickelte sich zu diesem Zweck eine ganze Welt von Bildern und Sätzen, mit Hilfe derer die gegenwärtigen Lebensumstände, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die politischen Aktivitäten und Vorstellungen in die Geschichte der Welt (die einen Anfang gehabt hatte und einst ein Ende haben würde) eingeordnet werden sollten. Die Bilder und Sätze entstammten ebenso den prophetischen Büchern und Passagen der Bibel wie späteren prophetischen Sprüchen und beider Fort-schreibungen, Umdeutungen, erneuten Lesungen, und sie mussten daher, selbst wenn nicht per se kryptisch und interpretationsbedürftig, zu ihrer Anwendung in jeder neuen Gegenwart sinndeutend „gelesen“ werden. Neben der lateinischen Sprache der mittelalterlichen „lateinischen“ Christen bediente sich das prophetische (von den versammelten literarischen Gattungen her breit streuende) Genre schon im späten Mittelalter auch der Volkssprachen, insbesondere des Deutschen, denn sie trieb bei weitem nicht allein kirchliche Kreise um. Prophetie und ihre Spezialform Apokalyptik (der auf das Ende der Zeit gerichteten prophetische Diskurs) bildeten einen wichtigen Bereich des geistigen Lebens vieler Epochen europäischer Geschichte, einen Kommunikationsraum für moralische, gesellschaftliche und politische Werte, Fragen, Ratschläge.
Der Begriff ‚Apokalyptik’ verweist auch auf eine besondere Art der Sprachverwendung bzw. Diskursform, die stets von neuem aktualisiert wird: Die Apokalypse droht (scheinbar) immer, sie ist stets aktuell. Im Seminar werden wir uns zum einen mit theoretischen Texten von Jacques Derrida und Michel Foucault beschäftigen, die diesen ‚Ton’ und Diskurs analysieren. Des weiteren werden wir sehen, wie dieser Diskurs in den literarischen Text eingeht und was mit dem ‚apokalyptischen Ton’ geschieht, wenn er von dieser besonderen Kommunikationsform aufgenommen, umgestaltet und verbreitet wird. Konkret meint dies z.B. die Beschäftigung mit der Jupiter-Episode aus Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch (1668ff.), in die u.a. die Reformatio Sigismundi eingeht. Schon der erste Satz in Grimmelshausens Roman konfrontiert den Leser mit einer im Sinne des Seminars einschlägigen Wendung: Denn, so verrät uns der Erzähler, von „dieser unserer Zeit“ glaubten manche, „daß es die letzte seye“. In dieser möglichen Endzeit wird uns u.a. durch merkwürdige Kreaturen offenbart, welche Zeichen unzweideutig vom Ende aller Zeiten künden. Aber nicht nur die Literatur des Barock, die die mit dem Dreißigjährigen Krieg einhergehende Endzeitstimmung aufgreift und auf ihre Weise verarbeitet, ist fasziniert von dieser Diskursform; auch spätere Beispiele der literarischen Form prophetischer/apokalyptischer Rede werden Gegenstand des Seminars sein.

Die Übernahme von Kurzreferaten zum Seminar wird erwartet; Hausarbeiten im Magister¬haupt¬studium und Prüfungsleistungen in den neuen Studiengängen (in Folge, nicht während des Seminars) sind nach Absprache möglich und erwünscht.

Lektüre zur Vorbereitung:
- Fried, Johannes, Aufstieg aus dem Untergang. Apokalyptisches Denken und die Entstehung der modernen Naturwissenschaft im Mittelalter, München 2001
- Schmieder; Felicitas, Apokalyptik und Politik im 14. und 15. Jahrhundert, in: Ulrich Knefelkamp/ Frank Martin(Hg.), Der Antichrist. Die Glasmalereien der Marienkirche in Frankfurt (Oder), Leipzig 2008, 45-52

Zur Anschaffung wird folgende Edition des Simplicissimus empfohlen (als Taschenbuch erhältlich): Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicissimus Teutsch, hg. v. Taro Breuer. Frankfurt/M.: DKV 1989

Die Frist zur verbindlichen Anmeldung läuft bis zum 16. Januar 2001. Dann erhalten Sie Zugang zu einer Moodle-Plattform, auf der die Referateliste und (teilweise verpflichtende) Materialien zur Vorbereitung eingestellt sein werden. Da die Veranstaltung nicht teilnahmebegrenzt ist, wird die online-Anmeldung bis Januar 2011 weiterhin geöffnet bleiben (wobei verspätete Anmelder entsprechend kürzere Vorbereitungszeit in Kauf nehmen).

Das Regionalzentrum Bonn, Gotenstraße 161, 53175 Bonn, ist vom Hauptbahnhof Bonn mit den Linien 63 und 16 bis zur Haltestelle „Hochkreuz/Deutsches Museum“ zu erreichen. Von dort sind es zwei Gehminuten bis zum Regionalzentrum Bonn. Mit dem Auto ist unser Regionalzentrum über die A 59 und die A 562 (Bonn –Ost/ Bad Godesberg) gut zu erreichen. Von der Abfahrt Bad Godesberg fährt man auf der Godesberger Allee bis zum Hochkreuz/Hinweis Deutsches Museum und biegt links in die Kennedyallee und dann die 1. Straße rechts ein. Parkplätze befinden sich etwas weiter die Gotenstraße hoch, gegenüber dem Zentralfriedhof (zwei Gehminuten).

Als Übernachtungsmöglichkeit schlägt das Regionalzentrum Bonn das Gustav-Stesemann-Institut e. V. vor.

Auskunft und Absprachen:

Prof. Dr. Felicitas Schmieder
felicitas.schmieder@fernuni-hagen.de

Prof. Dr. Torsten Hahn
Tel. 02331 987-4212
torsten.hahn@fernuni-hagen.de

Anmeldungen (Online-Anmeldungen erwünscht):

Irmgard Hartenstein (Sekretariat)
Tel.: 02331 987 2120 oder 4752
LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas
58084 Hagen
irmgard.hartenstein@fernuni-hagen.de

Dorothea Rehmus-Fittje (Sekretariat)
Tel. 02331 987-2119
LG Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik
58084 Hagen
dorothea.rehmus-fittje@fernuni-hagen.de

04.12.2014
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