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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Rom und Germanien

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften, Module 4 / G2, Modul 5/ G3; 11A / G5 und 12A / G4; MA Europäische Moderne, Modul 2E; Magister; weitere Interessierte auf Anfrage ; weitere Interessierte auf Anfrage
Ort: Frankfurt
Adresse: Goethe-Universität Frankfurt
Campus Westend, IG-Hochhaus
23.09.2010: Raum IG 1.418
24.09.2010; Raum IG 1.411
Termin: 23.09.2010 bis
24.09.2010
Leitung: Daniel Syrbe M.A. (historisches)
Claudia Sarge M.A.(archäologisches)
Anmeldefrist: abgelaufen
Auskunft erteilt: E-Mail: Daniel Syrbe M.A.
E-Mail: Irmgard Hartenstein
Telefon: +49 2331 987- 4752

Als am 24. August 410 ein von dem Goten Alarich angeführter germanischer Kriegerverband in Rom eindrang und anschließend drei Tage plündernd die Stadt durchzog, war ein vor allem symbolträchtiger Tiefpunkt im langen Interaktionsprozess zwischen dem das Mittelmeer umspannenden Imperium Romanum und seinen nördlichen Nachbarn erreicht. Denn für das seit Jahren durch die Donauprovinzen und Italien ziehende gotisch-germanische Heer erwies sich die Einnahme Roms kaum als Erfolg, sondern vielmehr als der Moment, in dem die Beziehung zum römischen Kaiserhof endgültig zerbrach. Alarich hatte für seine Anhänger weder die angestrebte langfristige Versorgung und Sicherheit durch eine Ansiedlung im Reich realisieren können, noch existierte eine Perspektive auf ein zukünftiges Arrangement. Alarichs Goten sind damit geradezu paradigmatisch für das Spannungsfeld zwischen Konfrontation und Integration, in dem das römisch – germanische Verhältnis stand.
Aber selbst zu diesem Zeitpunkt erwiesen sich die Beziehungen Roms zu den verschiedenen Germanengruppen im Umfeld des Imperiums nicht als eine von Konflikten geprägte historische „Einbahnstraße“, sondern vielmehr als dynamischer und facettenreicher Prozess. Denn auch weiterhin dienten Germanen im römischen Heer (wie z.B. Goten oder Franken) und integrierten sich in provinzialrömische Gesellschaften (z.B. Vandalen oder Burgunder). Rom pflegte wichtige politische Kontakte und im germanischen Raum (z.B. zu Alamannen und Gepiden). Und am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter wurden die auf dem Territorium des erlöschenden römischen Reiches entstandenen Herrschaften germanischer gentes in vielerlei Hinsicht zu „Erben des Imperiums“, indem sie dessen kulturelle Tradition adaptierten, fortführten und so wesentlich für das „Überleben der Antike“ im Mittelalter verantwortlich wurden.
In diesem Präsenzseminar wollen wir uns aber nicht nur mit der Spätantike befassen, sondern mit den langfristigen Entwicklungen und Strukturen, die diesen römisch – germanischen Beziehungen von der römischen Republik bis in das frühe Mittelalter zugrunde lagen. Anhand von Fallbeispielen wollen wir uns die politischen und militärischen Beziehungen beider Seiten von der „Entdeckung der Germanen“ durch Caesar über die Germanienpolitik der augusteischen Zeit (12 v. – 16 n. Chr.) und den Limesbau in der Kaiserzeit bis zur Spätantike vergegenwärtigen. Wir wollen die Wahrnehmung des jeweils „Anderen“, „Fremden“ und deren Verarbeitung in Kunst und Literatur problematisieren, die unterschiedlichen sozialen Strukturen in Rom und den germanischen Gesellschaften vergleichen und die Versuche der Integration germanischer Gruppen durch Rom sowie umgekehrt die Wandlung der spätrömischen Welt durch die germanischen gentes analysieren. Auch wollen wir uns ansehen, wie Rom Germanien als wirtschaftlichen Raum erschloss. Nicht zuletzt soll ein Schwerpunkt des Seminars auf der Rezeptionsgeschichte des römisch – germanischen Verhältnisses in der Geschichtswissenschaft und den nationalen und nationalistischen Strömungen seit dem 19. Jahrhundert liegen. Dabei wollen wir konsequent interdisziplinär arbeiten und historische und archäologische Forschungsansätze verbinden und einander gegenüber stellen.

Organisatorische Hinweise:
Für ein möglichst ertragreiches Seminar erwarten wir von den Teilnehmern die Übernahme eines Referates. Eine Themenliste geben wir nach Ablauf der Anmeldfrist über die E-Learning-Plattform Moodle, die zum Seminar eingerichtet wird, bekannt.
Von Frankfurt aus ist eine Exkursion zur Saalburg und zur in den letzten Jahren ausgegrabenen augusteischen Stadtgründung von Waldgirmes bzw. an den Taunus-Limes geplant.
- Daher müssen wir aus organisatorischen Gründen die Teilnehmerzahl auf 25 Studierende begrenzen.
- Für den benötigen Bus müssen Sie mit einem Unkostenbeitrag von ca. 30 bis 40 Euro rechnen, den Sie bitte vorab überweisen. Genaueres hierzu geben wir rechtzeitig über Moodle bekannt.
Daher bitten wir um verbindliche Anmeldungen zum Seminar bis 15. Juni 2010.

Lektüre zur Vorbereitung:

  • Wolters, Reinhard, Die Römer in Germanien (C.H.Beck Wissen 2136), München: C.H.Beck, 4. Aufl. 2004 [sehr guter, vielfältiger Einstieg].
  • Timpe, Dieter, Römisch-germanische Begegnung in der späten Republik und frühen Kaiserzeit. Voraussetzungen – Konfrontationen – Wirkungen. Gesammelte Studien, (Beiträge zur Altertumskunde 233), München/ Leipzig: Saur 2006.
  • Halsall, Barbarian Migrations and the Roman West, 376 – 568, (Cambridge Medieval Textbooks), Cambridge: CUP 2007.
04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen