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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Die Varus-Schlacht: Ereignis und Jubiläum

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften, besonders Module 11A, G5, 12A, G4; MA Europäische Moderne, Modul 2E; Magisterstudiengang Geschichte; weitere Interessierte auf Anfrage
Ort: Hagen, Haltern, Kalkriese, Detmold
Adresse: FernUniversität in Hagen
PRG
Raum 051/052
Termin: 27.08.2009 bis
30.08.2009
Zeitraum: Do 14:00 Uhr bis So ca. 17:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Daniel Syrbe M.A.
Anmeldefrist: abgelaufen
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Felicitas Schmieder
E-Mail: Daniel Syrbe M.A.
Telefon: +49 2331 987 - 2122

Die Varusschlacht, vor 2000 Jahren geschlagen, gehört zweifelsohne zu den herausragenden Ereignissen der deutschen Geschichte: Dies galt vor 100 Jahren – aber gilt es auch noch heute?
Die römische Öffentlichkeit reagierte zunächst geschockt, als aus Germanien Nachrichten über die verheerende Niederlage eintrafen, in der drei Legionen und ihre Auxiliartruppen bei einem Angriff der als verschlagen geltenden Germanen unter Führung des ehemaligen römischen Soldaten Arminius niedergemacht worden waren und der Statthalters P. Quintilius Varus den Freitod gewählt hatte. Wenige Jahre später gelangte Kaiser Tiberius aber zu der Ansicht, es sei das Beste, die Germanen sich selbst zu überlassen, da sie sich ohnehin meist in gewaltsamen Fehden untereinander bekriegten und daher keine übermäßige Gefahr darstellten. Während der Reformation wurde Arminius dann zu Hermann dem Cherusker und vor allem zur Symbolfigur antirömischer und d.h. antipäpstlicher Bestrebungen. Im wilhelminischen Deutschland galt das blutige Ereignis in den sumpfigen und düsteren Tiefen des germanischen Waldes als Geburtsstunde der deutschen Nation. Hieran knüpfte der deutsche Nationalismus und dann der Nationalsozialismus nahtlos an. Die Varusschlacht wurde zur Wegscheide des Germanentums, das an diesem Punkt seine „Freiheit“ erkämpfte und sich so der Romanisierung, wie sie die Gallier erfasst hatte, entzog. Die wissenschaftliche und öffentliche Rezeption konzentrierte sich nun vor allem auf die Figur des Arminius, der zum Ausgangspunkt der „deutschen Revolution“ und zur dem römischen Kaiser Augustus – seinem (vermeintlichen) historischen „Gegner“ – ebenbürtigen historischen Figur stilisiert wurde. Der Gedanke des einen Volkes unter dem einen Führer ist unüberhörbar. Diese national(sozial)istisch geprägte Wahrnehmung hielt auch noch in den Nachkriegsjahrzehnten; erst am Ende der 60er Jahre machte sich Dieter Timpe mit fulminanter Kritik an die Demontage der Heroisierung des Arminius. Jüngere Arbeiten stellen die historische Bedeutung der Varusschlacht ganz grundsätzlich in Frage, indem sie die römische Absicht einer dauerhaften Besetzung Germaniens anzweifeln. Neuen Schwung erhielt die Debatte im Zusammenhang mit den archäologischen Entdeckungen in Kalkriese, mutmaßlich der Ort der Varusschlacht, und in Waldgirmes. Der Streit um den rechten Ort erregt auch heute noch nicht nur die lokalen Gemüter. Und angesichts der kürzlich von Herfried Münkler angestoßenen Debatte um die fehlenden Mythen der Deutschen wird man der weiteren Entwicklung gespannt entgegen sehen dürfen.
War die Varusschlacht von solch überragender historischer Relevanz oder wurde sie dazu gemacht? Hier bieten sich zahlreiche hervorragende Anknüpfungspunkte für eine intensive Auseinandersetzung in einem Präsenzseminar. Dieses Seminar wird zwei Schwerpunkte haben. Zum einen sollen die historischen Ereignisse untersucht werden. Wir werden die römische Germanienpolitik im 1. vor- und nachchristlichen Jahrhundert untersuchen, die Varusschlacht in ihrem historischen Kontext kritisch beleuchten und ihre die mittelfristigen Folgen herausarbeiten. Der zweite Schwerpunkt wird auf der langen Rezeptionsgeschichte liegen. Hier wollen wir die Wahrnehmung und Interpretation sowie die Benutzung der Schlacht in politisch-kulturellen Diskursen kritisch betrachten.

Kleine Lektüreauswahl zur Vorbereitung:
Antike Quellentexte zur Varusschlacht:
Walther, Lutz (Hg.), Varus, Varus! Antike Texte zur Schlacht im Teutoburger Wald. Lateinisch/ Deutsch, Griechisch/ Deutsch. (Reclams Universalbibliothek 18587); Stuttgart: Reclam 2008.

Gute, knappe Einführung:
Wolters, Reinhard, Die Römer in Germanien. (C.H.Beck Wissen 2136); München: C.H.Beck 22001.

Weitere Literatur:
Riemer, Ulrike, Die römische Germanienpolitik. Von Caesar bis Commodus; Darmstadt: WBG 2006.
Wolters, Reinhard, Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien; München: C.H.Beck 22009.
Kühlborn, Johann-Sebastian/ Halm, Cornelia (Hgg.), Rom auf dem Weg nach Germanien: Geostrategie, Vormarschstraßen und Logistik. Internationales Kolloquium in Delbrück-Anreppen vom 4. bis 6. November 2004. (Bodenaltertümer Westfalens, Bd. 45); Mainz: von Zabern 2008.
Lehmann, Gustav Adolf/ Wiegels, Rainer (Hgg.), Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde . Beiträge der Tagung des Fachs Alte Geschichte der Universität Osnabrück und der Kommission „Imperium und Barbaricum“ der Göttinger Akademie der Wissenschaften in Osnabrück. (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse. Dritte Folge, band 279), Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht 2007.
Spickermann, Wolfgang (Hg.), Rom, Germanien und das Reich. Festschrift zu Ehren von Rainer Wiegels anlässlich seines 65. Geburtstages. (Pharos, Bd. 18); St. Katharinen: Scripta-Mercaturae-Verlag 2005.
Timpe, Dieter, Arminius-Studien. (Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften : Reihe 2; N.F., Bd. 34); Heidelberg 1970.
Wiegels, R. / Woesler, W. (Hgg.), Arminius und die Varusschlacht. Geschichte - Mythos – Literatur, Paderborn; Ferdinand Schöningh, 32003.

Organisatorisches

Das Seminar soll nicht nur in Hagen stattfinden, sondern die Schauplätze der augusteischen Germanienpolitik in Westfalen aufsuchen. Teile des Seminars verlegen wir daher nach Haltern, den zentralen Stützpunkt der römischen Expansion nach Germanien, nach Kalkriese und nach Detmold, „zu Füßen“ des Hermannsdenkmals. Wir werden auch die einzelnen Stationen des großen gemeinsamen Ausstellungsprojektes „Imperium – Konflikt – Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht“ an den genannten Orten besuchen.
voraussichtlicher Terminplan:
Donnerstag, 27.08.09 Hagen - Beginn 14 Uhr
Freitag, 28.08.09 Haltern: 11 Uhr Sondersausstellung (Imperium), 15.00 Uhr Dauerausstellung Römermuseum
Samstag, 29.08.09 Kalkriese: 11.00 Uhr Führung Sonderausstellung; Nachmittag: Führung Gelände und evtl. Grabung
Sonntag, 30.08.09 Detmold: 10.00 Uhr Führung Ausstellung; anschl. Hermannsdenkmal; Ende gegen 17:00

Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist ein Unkostenbeitrag für Transport, Eintritte und Führungen in der Größenordnung von 60 - 70 Euro erforderlich. Zudem planen wir eine Übernachtung außerhalb von Hagen (29./30.08.09), für die wir eine Hotelempfehlung geben werden. Genaueres geben wir nach der Anmeldefrist den Teilnehmern per E-mail bekannt.
Die verbindliche Anmeldung zur Veranstaltung ist bis 30. Mai möglich. Die Bezahlung des Unkostenbeitrags muss zwischen 1. und 15. Juni 2009 erfolgen.
Bitte überweisen Sie den Kostenbeitrag auf das Konto:
Prof. Dr. Felicitas Schmieder
Konto-Nr. 1252970488
BLZ 500 502 01
Frankfurter Sparkasse von 1822
IBAN DE05 5005 0201 1252970488
Swift-Code / BIC-Code: HELADEF1822
Sollten Sie in begründeten Fällen von der Teilname am Seminar zurücktreten, wird Ihnen nach Absprache ein Teil oder der gesamte Unkostenbeitrag zurückerstattet.

Die Teilnehmerzahl aus organisatorischen Gründen auf 23 beschränkt.

Die Übernahme von Referaten durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist unbedingt erwünscht. Eine genaue Themenliste mit zusätzlichen Literaturhinweisen versenden wir rechtzeitig vorab per E-mail.
Das Seminar kann zur Vorbereitung von schriftlichen Hausarbeiten, Abschlussprüfungen sowie Modulprüfungen (mündlich, in Hagen) genutzt werden.

04.12.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen