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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Koloniale Sprachforschung und Sprachpolitik

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften Modul 12A/G4, MA Europ. Moderne Modul 6G, Magister
Ort: Nürnberg
Termin: 16.07.2010 bis
17.07.2010
Leitung: Jürgen G. Nagel
Anmeldung: max. 25 Teilnehmer; ONLINE-Anmeldung, s. unten; falls Sie mit der Weitergabe Ihrer Adresse zwecks Bildung von Fahrgemeinschaften nicht einverstanden sind, geben Sie dies bitte ausdrücklich an.
Auskunft erteilt: E-Mail: Dr. Jürgen G. Nagel
Telefon: +49 2331 987 - 4495
E-Mail: Karin Gockel
Telefon: +49 2331 987 - 2122

In den europäischen Kolonialreichen fanden weltweit umfangreiche Untersuchungen indigener, zumeist schriftloser Sprachen statt. Diese wurden vielfach von Missionaren aus dem Eigeninteresse der Evangelisation betrieben, aber auch von Linguisten, Lehrern und fachfremden Kolonialbeamten. Solche Arbeiten stellten einerseits eine wesentliche Informationsgrundlage für die Kolonialadministration dar, führten aber andererseits immer wieder zu Interessenskonflikten. Wissenschaftliche Forschung, Bemühungen um interkulturelle Kommunikation und die Politik sprachlicher Vereinheitlichung in Verwaltung und Bildung ließen ein stetes Spannungsverhältnis entstehen, das bis heute sowohl für die indigenen Sprachen als auch für das westliche Wissen über sie tiefgreifende Auswirkungen hat.

Vor diesem Hintergrund dient das Seminar der Vertiefung von Kurs 34201 in Modul G2 (mit Fachschwerpunkt) bzw. Modul 4 (ohne Fachschwerpunkt) des BA Kulturwissenschaften. Hierzu soll grundlegenden Fragen nachgegangen werden, die sich auf die Bedeutung von Kenntnissen nichteuropäischer Sprachen und Schriften für koloniale Herrschaft und die Folgen dieser Entwicklung für die außereuropäischen Idiome und Schreibsysteme wie auch für die Sprach- und Kulturwissenschaften in Europa beziehen. Besonderes Augenmerk gilt in diesem Zusammenhang dem Einfluss verschiedener Interessen und Akteure, die vorrangig an Beispielen aus der britischen und deutschen Kolonial- und Missionsgeschichte verdeutlicht und vergleichend analysiert werden sollen.

Neben den Studierenden im BA Kulturwissenschaften wendet sich die Veranstaltung auch an alle, die am inhaltlichen – oder auch methodischen – Schwerpunkt des Seminars Interesse haben. Einen wichtigen Platz wird die Arbeit mit Originalquellen einnehmen, vornehmlich mit zeitgenössischen Publikationen, aber auch mit einigen unveröffentlichten Archivmaterialien, die ein erstes „Hineinschnuppern“ in geschichtswissenschaftliche Vorgehensweisen ermöglichen. Neben der inhaltlichen Diskussion werden dementsprechend auch die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens thematisiert und ausreichend Zeit für die Besprechung von Klausuren, Hausarbeiten und mündlichen Prüfungen eingeplant.

Ein Hinweis für Studierende, die häufig an Präsenzveranstaltungen des Lehrgebiets teilnehmen: Bei diesem Seminar handelt es sich weitgehend um eine Neuauflage des Seminars zum gleichen Thema, das im Juli 2009 in Berlin stattgefunden hat.

Literaturhinweise

Joseph Errington: Linguistics in a Colonial World. A Story of Language, Meaning and Power, Oxford 2008.

Walter Ong: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes, Opladen 1987.

Robert Phillipson: Linguistic Imperialism, Oxford, New York 1992.

Wolfgang Reinhard: Sprachbeherrschung und Weltherrschaft. Sprache und Sprachwissenschaft in der europäischen Expansion, in: Ders.: Ausgewählte Abhandlungen, Berlin 1997, S. 401-433.

Reinhard Wendt: Einleitung. Wege durch Babylon oder: Waldläufer im Dschungel der Idiome, in: Ders. (Hg.): Wege durch Babylon. Missionare, Sprachstudien und interkulturelle Kommunikation (ScriptOralia, 104), Tübingen 1998, S. 7-42.

02.04.2015
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