Logo

Präsenzveranstaltung

Illustration
Thema:

"Wir alle sind aus den Schiffen gestiegen."
Argentinien als Einwanderungsland

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G4; BA KuWioF: Modul 12A; MA EuMo: Modul 6G; MA GeEu;
offen für alle Geschichtsstudierenden
Ort: Berlin
Adresse: Regionalzentrum Berlin
Neues Kranzler Eck
Kurfürstendamm 21
10719 Berlin

Raum 2
Termin: 20.04.2018 bis
21.04.2018
Zeitraum: Freitag, 20.04.2018, 09:00 bis 19:00 Uhr,
Samstag, 21.04.2018, 09:00 bis 18:00 Uhr
Leitung: Dr. Fabian Fechner
Javier Francisco Vallejo
Anmeldefrist: 05.04.2018
Anmeldung: ONLINE-Anmeldung s. unten
Auskunft erteilt: E-Mail: Dr. Fabian Fechner
Telefon: +49 2331 987 - 2124
E-Mail: Karin Gockel
Telefon: +49 2331 987 - 2122

Argentinien ist das Land Lateinamerikas, das wie kaum ein anderes seine Identität aus der Einwanderung schöpft. In den anderen Ländern der Region prägen das indigene Bevölkerungselement (z. B. Bolivien, Peru) oder ein Ideal der „mestizaje“, der Vermischung, (z. B. Paraguay) das Selbstbild entscheidend. In Argentinien herrscht hingegen die Meinung vor, dass die Landesbevölkerung eigentlich aus „Europäern“ bestünde: „Wir alle sind aus den Schiffen gestiegen.“

Im Seminar wollen wir dieses Selbstbild einer Einwanderungsgesellschaft hinterfragen und in einen historischen Zusammenhang setzen. Wir setzen bei der späten Kolonialzeit an, um zu fragen, wie im vormaligen Vizekönigreich Río de la Plata mit den „Fremden“ umgegangen wurde. Zwischen 1870 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gelangten dann fast 6 Millionen Einwanderer nach Argentinien, vornehmlich Italiener (siehe der Familienname „Bergoglio“) und Spanier („gallegos“). In kleineren Gruppen kamen auch Deutsche, Franzosen und Bürger des Osmanischen Reichs. Dabei dienten europäische Einwanderer den Eliten des Landes dem Narrativ der „Nation“, dessen Konzept von europäischen politischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts abgeleitet wurde. Erst der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellte die argentinische Gesellschaft vor eine Identitätskrise, die maßgeblich von einem franko- und einem germanophilen Lager ausgetragen wurde. Außerdem sollen uns weitere Erschließungsphantasien verschiedenster Couleur, sei es von belgischer, preußischer oder zionistischer Seite interessieren. Zum wesentlichen Narrativ wurde die Erschließung des Südens, der um 1900 von staatlicher Seite kaum erschlossen war (obgleich durchaus von indigenen Gesellschaften). Da die argentinische Wirtschaft, welche zu den fünf wichtigsten Exportnationen der Welt zählte, auf Augenhöhe mit Europa und den U.S.A. wahrgenommen wurde, wurde die Erschließung der „frontier“ im Süden zum nationalen Projekt und prägt bis heute den Mythos des „gauchos“. Denn so wie Nordamerika den „Wilden Westen“ und Russland mit Sibirien den „Wilden Osten“ hatte, erstreckte sich mit Patagonien zwischen der Pampa und Feuerland sozusagen Argentiniens „Wilder Süden“. Dieses weite Gebiet zog manche hochfliegenden Besiedlungsprojekte auf sich.

Die Einwanderung nach Argentinien umfasst auch die Frage des Exils, sowohl vor 1945 als auch unmittelbar nach 1945. Doch auch weniger beachtete Einwanderungsbewegungen werden wir analysieren, darunter die afroargentinische Bevölkerung, die heute praktisch nicht mehr erkennbar ist, oder die „neuen Indigenen“, die in den letzten Jahrzehnten als Arbeitskräfte aus Nachbarländern kamen.

Somit entsteht ein faszinierendes Bild einer Einwanderungsnation par excellence, mit all den historiographisch hochspannenden Fragen nach der Identität und der Erinnerungskultur. Da viele aufschlussreiche Quellen zur Einwanderung auf Deutsch und auch Englisch verfasst wurden, eignet sich das Seminarthema auch bestens für eigene Forschungen etwa für eine Hausarbeit oder eine Abschlussarbeit.

Ergänzung vom 15.03.2018:
Wir freuen uns besonders, am Freitagnachmittag (bis ca. 19.00 Uhr) eine Führung im Iberoamerikanischen Institut zu bekommen. Dabei handelt es sich um die größte Spezialbibliothek Europas zu lateinamerikanischen Themen. Wir bekommen die allgemeinen Forschungsmöglichkeiten vorgestellt und erhalten auch einen profunden Einblick in die argentinischen Bestände.

Literaturempfehlung zur Einführung

Bernecker, Walther L.: Die transatlantische Massenmigration von Europa nach Lateinamerika: Phasen und Erscheinungsformen, in: Thomas Fischer/Daniel Gossel (Hg.): Migration in internationaler Perspektive, München 2009, S. 36-60.

Birle, Peter (Hg.): Die Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien, Frankfurt a. M. 2010.

Carreras, Sandra/Barbara Potthast: Eine kleine Geschichte Argentiniens, Berlin 2013.

Fischer, Thomas: Italienische Einwanderer, Integration und nationaler Wandel in Argentinien, in: Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte 7 (2007), S. 103-128.

Windus, Astrid: Afroargentinier und Nation. Konstruktionsweisen afroargentinischer Identität im Buenos Aires des 19. Jahrhunderts, Leipzig 2005.

Online-Anmeldung

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus.

Eine Bestätigung Ihrer Teilnahme senden wir Ihnen spätestens zum Ablauf der Anmeldefrist an Ihre email-Adresse. Sollte dann keine Bestätigung erfolgen, melden Sie sich bitte im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt.

Ich melde mich für: Präsenzveranstaltung "Wir alle sind aus den Schiffen gestiegen."
Argentinien als Einwanderungsland
(20.04.2018 bis 21.04.2018 in Berlin) verbindlich an.

Ich bin eingeschrieben als
Ich studiere im Studienabschnitt
Studienleistungen
Kontaktinformationen
Frau Herr
/
: (mit Vorwahl)
weitere Angaben

ja / nein

Die Kontaktliste umfasst E-Mail und Postadresse aller Teilnehmenden an der Veranstaltung, die ihr Einverständnis erklärt haben. Mit meiner Aufnahme in die Kontaktliste erkenne ich die folgende Datenschutzerklärung als für mich verbindlich an:

Datenschutzerklärung

„Mir ist bekannt, dass ich die mir überlassene Kontaktliste nur zum Zwecke der Kontaktaufnahme mit anderen Studierenden sowie zur Bildung studentischer Arbeitsgruppen nutzen darf. Die Daten der Kontaktliste dürfen ausschließlich nur in diesem Sinne verwandt werden (Zweckbindungsgebot gem. § 16 Abs. 2 DSG NW). Insbesondere ist es untersagt, die Liste Dritten zu überlassen. Ein Verstoß gegen das Verbot der Weitergabe stellt eine Ordnungswidrigkeit gem. § 34 DSG NW dar, die mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet wird.“

Karin Gockel | 15.03.2018
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte, 58084 Hagen