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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Grenzen des Verstehens. Vorurteile und Fremdheit in Reiseberichten der Frühen Neuzeit: die Fallbeispiele Lateinamerika und Polynesien

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G4; BA KuWioF: Modul 12A; MA EuMo: Modul 6G; MA GeEu;
offen für alle Geschichtsstudierenden
Ort: Stuttgart BITTE BEACHTEN SIE: In der allerersten Fassung des Semesterprogramms war das Seminar für München angekündigt. Aufgrund räumlicher Verschiebungen findet es in STUTTGART statt
Adresse: Regionalzentrum Stuttgart
der FernUniversität in Hagen
Leitzstraße 45
70469 Stuttgart

Der genaue Raum wird noch bekannt gegeben.
Termin: 08.06.2018 bis
09.06.2018
Zeitraum: Freitag, 08.06.2018, 09:00 bis 18:00 Uhr,
Samstag, 09.06.2018, 09:00 bis 18:00 Uhr
Leitung: Dr. Fabian Fechner
Lena Moser, Universität Tübingen
Anmeldefrist: 27.04.2018
Anmeldung: ONLINE-Anmeldung s. unten
Auskunft erteilt: E-Mail: Dr. Fabian Fechner
Telefon: +49 2331 987 - 2124
E-Mail: Karin Gockel
Telefon: +49 2331 987 - 2122

BITTE BEACHTEN SIE: In der allerersten Fassung des Semesterprogramms war das Seminar für München angekündigt. Aufgrund räumlicher Verschiebungen findet es in STUTTGART statt, wo wir auch zwei hervorragende Forschungseinrichtungen besuchen können, nämlich das Institut für Auslandsbeziehungen und die Handschriftenabteilung der Württembergischen Landesbibliothek.

Übernachtungsmöglichkeiten: Eine Liste der Hotels in unmittelbarer Nähe des Regionalzentrums Stuttgart finden Sie hier.

Nach 1492 verbreitete sich die Entdeckung „neuer Inseln“ wie ein Lauffeuer in Europa: Die ersten Briefe und Berichte von Christoph Kolumbus und Amerigo Vespucci vermittelten den europäischen Lesern die Fremdartigkeit Amerikas und der Indios. Neben der Behandlung des Kuriosen versuchten aber bereits die ersten Amerikaberichte, den neuen Kontinent im europäischen Denkrahmen zu verorten. Es wurde erörtert, inwiefern Amerika schon bei den antiken Schriftstellern Erwähnung gefunden haben und die Urbevölkerung zur Christianisierung fähig sein könnte. Häufig erfüllen die Reiseberichte auch einen politischen Zweck: Der Autor konnte die „schwarze Legende“ der Ausbeutung und Vernichtung der indigenen Bevölkerung durch die spanischen Eroberer verbreiten oder aber die spanische Herrschaft rechtfertigen.

Mit diesen Berichten aus Lateinamerika, darunter auch deutschsprachige Autoren wie Nikolaus Federmann, Ulrich Schmidel und Hans Staden, beginnt die neuzeitliche Ausprägung des „Reiseberichts“. Um die reiche Bandbreite an Reiseberichten aufzuzeigen, werden wir im Seminar vergleichend die Reiseliteratur der Aufklärung analysieren, und zwar Reiseberichte zu Polynesien im Zuge der großen britischen „Entdeckungswelle“ zur See in den 1760er und 1770er Jahren. Die aus den Reisen in die Südsee hervorgegangenen Reiseberichte sind nicht immer unmittelbar zugänglich, da sie typischerweise von Passagen mit nautischen Detailinformationen durchsetzt sind. Diese sollten nachfolgenden Seefahrern als Hilfe dienen, durch die sich gelehrte Theorien (wie die vom großen südlichen Kontinent) beweisen oder widerlegen ließen. Zugleich waren sie ein fester Bestandteil des Inbesitznahme-Prozesses, der die britischen Ansprüche gegenüber anderen europäischen Nationen festschrieb. Jedoch lassen sich die Berichte keinesfalls auf ihre nautisch-technischen Inhalte reduzieren. Vielmehr schildern Autoren wie die Naturforscher Johann Reinhold Forster und Georg Forster, aber auch die Navigatoren George Robertson und James Cook ihre Erfahrung der Begegnung mit der lokalen Bevölkerung verschiedener polynesischer Inseln: teils in selbstbewusster Überzeugung von der vermeintlichen europäischen Überlegenheit und der Rechtmäßigkeit des eigenen Handelns, teils mit einem (bisweilen überraschend) hohen Grad an kritischer Selbstreflexion. Momente des „othering“ – der Betonung der Fremdartigkeit der Polynesier – und die Erfahrung gravierender Kommunikationsschwierigkeiten sind immer wieder verwoben mit einer durchscheinenden Ahnung einer grundsätzlichen menschlichen Verwandtschaft.

Im Kurs wollen wir zum einen die Euphorie nachzeichnen, mit der Reiseberichte seit den 1990er Jahren von HistorikerInnen als Schlüsselquelle kultureller Differenz gesehen wurden. Doch wird auch kritisch gefragt, wo diese Euphorie ihre Grenzen hat, da oftmals Wissenschaftler und Missionare, die länger in Übersee blieben, besser Auskunft geben können als der rasche Reisende. Außerdem wollen wir den recht engen Kanon der Reiseberichte, die als bloß literarisch-ästhetische Phänomene gesehen werden, systematisch aufbrechen und erweitern.

Das Seminar folgt dem Ziel des „forschenden Lernens“. Am Material sollen Studierende die Möglichkeit haben, Forschungsfragen für Hausarbeiten und Abschlussarbeiten zu entwickeln. Dazu besuchen wir zwei bemerkenswerte Forschungseinrichtungen in der Stuttgarter Innenstadt: Das Institut für Auslandsbeziehungen, das die beste Anlaufstelle für das Forschungsgebiet „deutschsprachige Diaspora“ ist, und die Württembergische Landesbibliothek, die zahlreiche frühe Reiseberichte in Manuskripten und historischen Drucken verwahrt, darunter etwa das Originalmanuskript von Ulrich Schmidel.

Wenn Sie ein Referat aus dem Themenkreis halten möchten, können Sie sich gerne an Herrn Fechner wenden (fabian.fechner@fernuni-hagen.de). Es sind Impulsreferate möglich (ca. 10 Minuten), aber auch längere Referate von bis zu 30 oder 40 Minuten Länge.

Quellen:

Cook, James: The journals, hg. von Philip Edwards, London u.a. 1999.

Robertson, George: The discovery of Tahiti, hg. von Hugh Carrington, London 1948.

Janik, Dieter/ Wolf Lustig (Hg.): Die spanische Eroberung Amerikas. Akteure, Autoren, Texte. Eine kommentierte Anthologie von Originalzeugnissen, 2. Aufl., Frankfurt am Main 1992.

Literaturvorschläge:

Brenner, Peter J.: Reiseliteratur, in: Friedrich Jaeger (Hg.): Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 10, Stuttgart/Weimar 2009, Sp. 1019-1026.

Klein, Ulrich: Reiseliteraturforschung im deutschsprachigen Raum, in: Euphorion 87 (1993), S. 286-318.

Pratt, Mary Louise: Imperial eyes. Travel writing and transculturation, London u. a. 1993.

Harbsmeier, Michael: Wilde Völkerkunde. Andere Welten in deutschen Reiseberichten der Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main/New York 1994.

Neuber, Wolfgang: Fremde Welt im europäischen Horizont. Zur Topik der deutschen Amerika-Reiseberichte der frühen Neuzeit, Berlin 1991.

Edwards, Philip: The story of the voyage. Sea-narratives in eighteenth-century England, Cambridge 1994.

Online-Anmeldung

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus.

Eine Bestätigung Ihrer Teilnahme senden wir Ihnen spätestens zum Ablauf der Anmeldefrist an Ihre email-Adresse. Sollte dann keine Bestätigung erfolgen, melden Sie sich bitte im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt.

Ich melde mich für: Präsenzveranstaltung Grenzen des Verstehens. Vorurteile und Fremdheit in Reiseberichten der Frühen Neuzeit: die Fallbeispiele Lateinamerika und Polynesien (08.06.2018 bis 09.06.2018 in Stuttgart BITTE BEACHTEN SIE: In der allerersten Fassung des Semesterprogramms war das Seminar für München angekündigt. Aufgrund räumlicher Verschiebungen findet es in STUTTGART statt) verbindlich an.

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Karin Gockel | 16.04.2018
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte, 58084 Hagen