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Tansania - Exkursion

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Thema:

EXKURSION nach Tansania

Transkulturelle Netzwerke und globale Abhängigkeiten
(Voraussichtl. Reisetermin etwa 01.10.2016 bis 15.10.2016)

Arusha – Moshi – Amani – Tanga – Morogoro – Dar es Salaam – Kilwa – Sansibar

Teilnahmebegrenzt

Veranstaltungstyp: Exkursion
Adressatenkreis: BA KuWi: Modul G2; Modul G4; BA KuWioF: Modul 4; Modul 12A; MA EuMo: Modul 6G;
Ort: Tansania
Termin: vorauss. 01.10.2016 bis
15.10.2016
Zeitraum: Voraussichtlicher Termin der Exkursion!!!
Leitung: Prof. Dr. Jürgen G. Nagel
Henrik Lührs M.A.
Anmeldung: max. 20 Teilnehmer
Auskunft erteilt: E-Mail: Prof. Dr. Jürgen G. Nagel
Telefon: +49 2331 987 - 2114
E-Mail: Karin Gockel
Telefon: +49 2331 987 - 2122

VORBEREITUNGSTREFFEN: 09.06. bis 11.06.2016 in Hagen, http://www.fernuni-hagen.de/geschichte/praesenzen/lg3/tansania.exkursion.shtml

Ostafrika im Allgemeinen und Tansania im Speziellen sind nicht nur seit mehr als einem Jahrhundert ein Ort exotischer Sehnsucht für Europäer, sondern noch viel mehr ein jahrhundertealter Überschneidungsraum verschiedener Kulturen aus Afrika, Asien und Europa. Schon bevor die Portugiesen die Region im 16. Jahrhundert in ihr Handelsnetz einbanden, herrschte eine große kulturelle Vielfalt. Zum einen kamen afrikanische Händler aus dem Inneren des Kontinents an die Küste, um ihre Waren über den Indischen Ozean zu verschiffen. Zum anderen kamen eben über diesen Ozean arabische und asiatische Einflüsse an die Küste, wodurch sich diese für die Region konstituierende „Swahili-Kultur“ ausbildete, welche noch bis heute ein verbindendes Zusammengehörigkeitsmerkmal verschiedener ethnischer und kultureller Gruppen ist.

Wesentliche Einschnitte erlebte die Region durch die Kolonisationsphase, welche auf dem afrikanischen Kontinent seit den 1880er Jahren rasant an Fahrt gewann. So erlebte Ostafrika einen starken europäischen Einfluss, ebenso aber auch eine „Rückbesinnung“ auf afrikanische Werte, wodurch wiederum ganz eigene Dynamiken entstanden. Nach der Etablierung der europäischen Territorialstaatsidee wurde aus Deutsch-Ostafrika zunächst Tanganjika unter britischer Herrschaft und nach dem Zusammenschluss mit Sansibar schließlich der souveräne Staat Tansania.

Während der Exkursion werden sechs Themenbereiche zur Geschichte dieser dynamischen Region exemplarisch bearbeitet.

(1) Die Suaheli-Kultur als eine afrikanische Hybridkultur mit starken arabischen und indischen Einflüssen, welche sich insbesondere an der Küste zwischen Somalia und Mozambique etabliert hat. Durch die vielfältigen Handelsbeziehungen ins Landesinnere hat sich die Kultur aber auch dort zu einem eigenen Identitätsmerkmal entwickelt und insbesondere in Tansania mit einer eigenen Sprache den gesamten Staat entscheidend mitgeprägt. Noch heute verbindet diese Kultur nach innen und ermöglicht nach außen vielfältige Kontakte über den Indischen Ozean.

(2) Der Indische Ozean hat die ostafrikanische Küste in blühende Handelsnetzwerke zwischen Afrika, Arabien, Persien und Asien eingebunden. So spielte der Ozean für die wirtschaftlichen Verbindungen eine entscheidende Rolle, selbst das Innere des afrikanischen Kontinents konnte hiervon – nicht zuletzt durch den Sklavenhandel – profitieren. Dies machten sich auch die ersten Europäer zunutze, die in bereits bestehende Handelsnetze kamen, und es war ebenso wesentliches Argument bei der späteren verkehrsinfrastrukturellen Erschließung der Region durch Eisenbahnnetze.

(3) Die Kolonialherrschaft macht zwar nur einen verhältnismäßig geringen Zeitraum von etwa 80 Jahren aus, hatte aber dennoch einen großen Einfluss auf die Region. Dies hatte seine Ursache unter anderem in ihrem Zeitpunkt, da die Erschließungsmöglichkeiten der Europäer sowohl in technischer als auch in ideologischer und wirtschaftlicher Hinsicht bereits weit fortgeschritten waren. Für diese Zeit ist zum einen die deutsche Kolonialherrschaft zwischen 1884 und 1918 und zum anderen die anschließende britische Mandatszeit bis zur Unabhängigkeit 1961 zu berücksichtigen. An dieser Stelle bietet sich ein Vergleich der beiden Kolonialsysteme an, welche massive Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Entwicklungen in dieser multiethnischen Kolonie hatten.

(4) Mit dem Dekolonisationsprozess entstand zwar völkerrechtlich in sehr kurzer Zeit ein souveräner Staat, das koloniale Erbe ließ sich jedoch nicht so schnell abschütteln. Nach der Unabhängigkeit 1961 versuchte der erste Staatspräsident Julius Nyerere, sein Land auf einen spezifisch afrikanischen Weg zwischen den Blöcken zu führen. Dieser „afrikanische Sozialismus“ sollte kein Importprodukt sein, sondern vielmehr als eigenständiges Exportgut seinen Weg in andere afrikanische Staaten finden. Letztlich mussten sich auch die afrikanischen Staaten in ein von Europa und Nordamerika dominiertes internationales System einfügen, das zuguterletzt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion viele sozialistische Idealisten auf den kapitalistischen Boden der Tatsachen zurückholte.

(5) Die Urbanisierung erreichte die florierende Küstenregion bereits in vorkolonialer Zeit, in der sich städtische Zentren bildeten und den innerkontinentalen wie den überseeischen Handel abwickelten. Mit der europäischen Dominanz etablierten sich schließlich Kolonialstädte, welche vor allem den Erfordernissen der Kolonisatoren entsprachen, sich aber dauerhaft etablieren konnten. Es kam zu den auf der Südhalbkugel bekannten Phänomenen von Landflucht und der Entstehung sogenannter Megacities wie Dar es Salaam, die ganz eigene Herausforderungen zu bestehen haben und mit europäischen Großstädten kaum zu vergleichen sind.

(6) Gerade im bis heute agrarisch geprägten Tansania haben Landwirtschaft und der Umgang mit der Natur immer schon einen besonders hohen Stellenwert genossen. Bereits die Kolonisatoren investierten große Anstrengungen in die Entwicklung der Landwirtschaft und versuchten, Cash Crops zu etablieren. Zu beobachten ist hier auf der einen Seite der Versuch der Integration in eine zunehmend kommerzialisierte und auch globalisierte Agrarwirtschaft, auf der anderen Seite aber auch ein ausgeprägter Naturschutzgedanke.

Diese sechs Arbeitsbereiche werden während der Exkursion u.a. durch exemplarische Referate abgedeckt. Es wird erwartet, dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin ein solches Referat von ca. 20-30 Minuten hält. Die Referatsthemen werden während des Vorbereitungsseminars abgesprochen. Rechtzeitig vor der Abreise ist ein Thesenpapier einzureichen.

Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist auf 20 beschränkt. Wenn die Exkursion bis zum 20. Dezember 2015 überbucht sein sollte, muss eine Auswahl seitens der Veranstalter getroffen werden. Dabei geht es nicht um eine möglichst frühe Anmeldung. Vielmehr wird eine ausgewogene Auswahl angestrebt, deren Entscheidungskriterien gleichermaßen in einer angemessenen proportionalen Beteiligung der verschiedenen Studiengänge, in den individuellen Fortschritten im Studium, in der Teilnahme an anderen Exkursion sowie in den Beziehungen, die jede/r einzelne zum Thema der Exkursion hat, bestehen. Um letzteres beurteilen zu können, bitten wir darum, im Feld „Bemerkungen“ des Online-Anmeldeformulars Ihre bisherige Beschäftigung mit Tansania/Sansibar oder dem östlichen Afrika – innerhalb wie außerhalb des Studiums – sowie die Einordnung der Exkursion in Ihr persönliches Studium zu skizzieren. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden bis zum 31. Dezember 2015 benachrichtigt. Zudem wird es eine Nachrückliste geben.

Vom 9. bis 11. Juni 2016 wird an der FernUniversität in Hagen ein Vorbereitungsseminar zur Exkursion stattfinden. Die Teilnahme daran ist unverzichtbare Voraussetzung für die Teilnahme an der Exkursion. Während des Seminars werden alle organisatorischen Details der Reise geklärt und deren inhaltlicher Ablauf abgestimmt. Außerdem dient das Seminar der gemeinsamen Erarbeitung der inhaltlichen Grundlagen.

Die Exkursion selbst soll in den ersten beiden Oktoberwochen 2016 stattfinden; die konkreten Reisedaten hängen noch von den Flugbuchungen ab und werden schnellstmöglich bekanntgegeben. Der konkrete Ablauf befindet sich derzeit im Planungsstadium. Die Kosten werden voraussichtlich ca. 2.500,-- € im Doppelzimmer betragen und umfassen Hin- und Rückflug, sämtliche Übernachtungen mit Frühstück, die Rundreise im Toyota Coaster samt englischsprachiger Reiseleitung und den Transfer nach Sansibar per Fähre. Das Lehrgebiet bemüht sich um einen Reisekostenzuschuss, kann diesbezüglich jedoch nichts versprechen. Eine Anzahlung von 20% der Reisekosten wird Mitte Februar 2016 fällig werden, um die Buchungen abzusichern. Der Restbetrag ist dann Mitte August 2016 zu bezahlen. Über alle neuen Informationen werden wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden halten.

Literaturempfehlungen:

Alpers, Edward A.: East Africa and the Indian Ocean, Princeton: Wiener, 2009.

Eckert, Andreas: Herrschen und Verwalten. Afrikanische Bürokraten, staatliche Ordnung und Politik in Tanzania, 1920-1970 (Studien zur internationalen Geschichte, 16), München: Oldenbourg, 2007.

Iliffe, John: A Modern History of Tanganyika (African Studies Series, 25), Cambridge: Cambridge University Press, 1979.

Loimeier, Roman: Eine Zeitlandschaft der Globalisierung. Das islamische Sansibar im 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld: Transcript, 2012.

Middleton, John: The World of the Swahili. An African Mercantile Civilization, New Haven: Yale University Press, 1992.

Pouwels, Randall L.: Horn and Crescent. Cultural Change and Traditional Islam on the East African Coast, 800-1900 (African Studies Series, 53), Cambridge: Cambridge University Press, 1987.

Sheriff, Abdul: Slaves, Spices and Ivory in Zanzibar. Integration of an East African Commerical Empire into the World Economy, 1770-1873, London: Currey, 2002.

19.11.2015
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte, 58084 Hagen