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Präsenzveranstaltung

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Thema:

"Tulpenwahn" und "South Sea Bubble". Spekulationsblasen und Finanzkrisen als Phänomene einer frühneuzeitlichen Globalisierung.

Adressatenkreis: BA Kulturwissenschaften Modul 12A/G4; Master Europ. Moderne Modul 4G, 6G; Magister Hauptstudium
Ort: Hagen
Adresse: FernUniversität in Hagen
"Galerie oben"
Fleyer Straße 204
58084 Hagen
Termin: 18.11.2011 bis
19.11.2011
Zeitraum: Freitag, 18.11.2011 von 9.00 bis 18.00 Uhr
Samstag, 19.11.2011 von 9.00 bis 18.00 Uhr
Leitung: Dr. Jürgen G. Nagel
Anmeldefrist: 30.09.2011
Anmeldung: ONLINE-Anmeldung, s. unten; falls Sie mit der Weitergabe Ihrer Adresse zwecks Bildung von Fahrgemeinschaften nicht einverstanden sind, geben Sie dies bitte ausdrücklich an.
Auskunft erteilt: E-Mail: Dr. Jürgen G. Nagel
Telefon: +49 2331 987 - 2114
E-Mail: Karin Gockel
Telefon: +49 2331 987 - 2122

Im Jahr 1637 erlebten die Niederlande das dramatische Ende der ersten gut dokumentierten Spekulationsblase der Weltwirtschaftsgeschichte. Die seit Mitte des 16. Jahrhunderts aus Kleinasien eingeführten Tulpen hatten eine solche Beliebtheit erlangt, dass ihre Zwiebeln zu einem der lukrativsten Spekulationsobjekte des beginnenden Finanzkapitalismus wurden. Die kurzfristig erzielten, völlig überdrehten Preise und die verheerenden Auswirkungen, die das Platzen der Blase für die beteiligten (Klein-)Investoren hatte, brachten dem Phänomen posthum die Bezeichnung "Tulpenwahn" ein. Eine vergleichbare Größenordnung wurde 1720 in Großbritannien erreicht, als sich die Hoffnungen, die Börsianer und Anleger mit der 1711 gegründeten South Sea Company verbanden, lediglich als "South Sea Bubble" erwiesen und sich buchstäblich in Luft auflösten.

Spekulationsblasen sind also nicht nur ein Phänomen der gegenwärtigen globalisierten Welt, sondern sorgten bereits in der frühen Neuzeit für Unheil – zwar zumeist mit geringeren Auswirkungen in der Breite, aber bereits mit immensen Schäden für die Beteiligten und ihr ökonomisches Umfeld. Gerade im 17. und 18. Jahrhundert, dem großen Zeitalter der privilegierten Handelskompanien, brachten die (vermeintlich) ungeahnten Möglichkeiten des Überseehandels die sich gerade entfesselnden Finanzmärkte nicht nur zum Blühen, sondern immer wieder auch zum Überhitzen. Die entsprechenden Krisen sind auch Indikatoren für die weitreichende ökonomische Verflechtung der Welt in einer Zeit, die in den aktuellen Debatten allenfalls als "Proto-Globalisierung" gehandelt wird.

Das Seminar wird sich anhand ausgewählter Beispiele mit frühneuzeitlichen Krisenphänomenen befassen, die ihre Wurzeln in ökonomischen Beziehungen Europas (und seien sie rein spekulativ) in die außereuropäische Welt haben. Dabei werden einerseits die wirtschaftshistorischen Zusammenhänge diskutiert, andererseits aber auch in kulturhistorischer Perspektive die Auswirkungen auf gesellschaftliche Entwicklungen in Europa und auf die Beziehungen nach Übersee.

Literaturhinweise

French, Douglas E.: Early Speculative Bubbles and Increases in the Money Supply, Auburn/Alabama 22009. [Org. 1992]

Galbraith, John Kenneth : Eine kurze Geschichte der Spekulation, Frankfurt/Main 22010. [Org. New York 1990]

Garber, Peter M.: Famous First Bubbles. The Fundamentals of Early Manias, Cambridge/Mass. 2000.

Goldgar, Anne: Tulipmania. Money, Honor, and Knowledge in the Dutch Golden Age, Chicago, London 2007.

Nagel, Jürgen G.: Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien, Darmstadt, Mainz 22011.

Paul, Helen J.: The South Sea Bubble. An Economic History of Itss Origins and Consequences (Routledge Explorations in Economic History, 49), Abingdon 2011.

Walter, Rolf: Geschichte der Weltwirtschaft. Eine Einführung (UTB 2724), Köln 2006.

02.04.2015
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