Habilitationsvorhaben
Die historische Forschung in Deutschland entdeckt in den letzten Jahren zunehmend die eigene koloniale Vergangenheit; gleichzeitig richtet sich international ein steigendes Augenmerk auf Verbindung zwischen Kolonialismus und Wissenschaft (scientific colonialism). Dennoch wird die Forschungslage in der Bundesrepublik aus wissenschaftshistorischer Sicht vorrangig von den Disziplinengeschichten und der biographischen Forschung bestimmt. Aus kolonialhistorischer Sicht besteht zudem eine Dominanz der post colonial studies. In der Folge wird hinsichtlich der Kolonialforschung vor allem eine Geschichte der wissenschaftlichen Leitideen und der kolonialen Fremdwahrnehmung geschrieben. Vernachlässigt werden bislang die konkreten Entstehungsbedingungen wissenschaftlicher Kenntnis in den Kolonien, was in Anbetracht der langfristigen Gültigkeit der meisten Forschungsergebnisse eine deutliche Blindstelle hinterlässt. Zudem fehlt bislang eine Zusammenschau der vorliegenden Einzelergebnisse, die durch die Breite des in Frage stehenden Disziplinenspektrums teilweise weit verstreut sind. Vor diesem Hintergrund unternimmt die Studie den Versuch, die Perspektive "von unten" mit einer die Disziplinengrenzen überschreitenden Sichtweise zu verbinden. Dabei stehen mit der völkerkundlichen Forschung, den geographisch-landeskundlichen Fächer und der Medizin drei thematische Blöcke im Mittelpunkt. Den Ausgangspunkt bildet ein dezidiert akteursbezogener Blick auf diese Felder, der einen neuen Zugang zu Fragen nach Erscheinungsformen, Netzwerken und Institutionalisierungsprozessen ermöglichen soll.
Deutsche Einwanderer aus dem kleinen pommerschen Städtchen Pyritz kontrollierten Ende des 19. Jahrhunderts zu guten Teilen den Handel mit Kopra auf den Vava'u-Inseln im Norden des Tonga-Archipels. Mit den Ölen und Fetten, die dieses Produkt der Kokospalme lieferte, ließ sich damals viel Geld verdienen. Von den Nachfahren blieben einige in Polynesien, von den anderen wanderten einige vorübergehend, manche dauerhaft zurück. Die "Mestizos" waren mit den Rassegesetzen der NS-Zeit konfrontiert. Diejenigen, für die Tonga zur neuen Heimat wurde, integrierten sich und brachten die Migrationstraditionen ihrer Familien in das allgemeine pazifische Wanderungsverhalten ein.
Zeremoniell und Ehrenzeichen waren und sind wichtige Bestandteile symbolischer Politik eines jeden Herrschaftssystems, nicht nur im Westen, sondern auch in Asien. Sie gehören zur politischen und sozialen Grundordnung der Gesellschaft und dienen der Selbstdarstellung des Herrschers. Durch öffentliche Inszenierung und Belohnung wird Herrschaft legitimiert, bestätigt und bekräftigt. Zeremoniell und Ehrenzeichen sind Rituale der Macht, welche stets im Laufe der Zeit verändert wurden.
Im Rahmen der Neubearbeitung des "Handbuchs der Altertumswissenschaften" im Beck-Verlag verfasse ich den erstmals erscheinenden Band zur "Geschichte der römischen Provinzen". Das Projekt, für das eine Förderung beantragt wird, beginnt 2010 und ist auf 5 Jahre angelegt.
Das Projekt gliedert sich ein in das Großprojekt des Deutschen Historischen Städteatlas und wird aus einer Kursdarstellung der (Stadt)Geschichte seit den Anfängen mit deutlichem Fokus auf der topographischen Entwicklung, aber auch der Einordnung der Stadt in ihr Umland enthalten sowie zahlreiche Karten sowohl aus den vergangenen Zeiten selbst als auch die vergangenen Verhältnisse rekonstruierend.
Dem Konzept der auf insgesamt 21 Bände angelegten Neuen Fischer Weltgeschichte gemäß wird der Band (der voraussichtlich Ende 2009 erscheinen soll) die Geschichte des europäischen Kontinents zwischen 1000 und 1500 umfassen und damit nicht zuletzt einen kulturell aufgeteilten und durchmischten Raum, dessen für das Ganze relevante Einzelentwicklungen ebenso wie die kulturgrenzüberschreitenden Ereignisse und Entwicklungen zu betrachten sind. Weiterhin wird das halbe Jahrtausend Betrachtungszeitraum in vier Epochen aufgeteilt (wobei die Abgrenzungen von 1000 bis 1150, 1150 bis 1250, 1250 bis 1350 und 1350 bis 1500 als Hilfslinien zu verstehen sind) und jede Epoche in vier Themenbereiche (politische Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur).
Das Forschungsprojekt dient der Erschließung, Dokumentation und historischen Interpretation aller englischen Armenbriefe vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Es erfolgt in enger Zusammenarbeit mit britischen Kollegen im Auftrage der British Academy.
Prophetien als Sprachcode der moralischen, gesellschaftlichen und politischen Kommunikation im 13. und 14. Jahrhundert
(in Kooperation mit Gian Luca Potesta, Univ. Cattolica Mailand, und Sylvain Piron, EHESS Paris)
Das europäische Mittelalter war zutiefst christlich, und christliche Ideen dominierten das gesamte Weltbild, die gesellschaftlichen Wertvorstellungen und die Handlungsmuster der Menschen. Laut einer Grundidee hatte Gott die Welt geschaffen und würde sie eines Tages wieder zerstören. In der Zwischenzeit bestimmt Gottes Plan die Weltgeschichte, ein Plan, zu dessen Erkenntnis Gott Spuren gelegt hatte, damit die Menschen ihn erkennen und entsprechend handeln könnten. Diesen Plan zu erkennen, ist Aufgabe von Propheten oder Interpreten älterer prophetischer Schriften - um die eigene Zeitgeschichte in der Weltgeschichte zu verorten und zu deuten.
Der erste Workshop hat stattgefunden in Modena, Palazzo dei Musei, 26-28 giugno 2008, gefördert durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, “Franco Cosimo Panini Editore” e “Fondazione Cassa di Risparmio di Modena”. (Report English)
Der zweite Workshop wird stattfinden in Budapest, Collegium Budapest Institut for Advanced Study, 8./ 9. 6. 2009.
Geplant ist die Zusammenstellung einer kartographischen Sammlung mit dem Arbeitstitel "Corpus Deutscher Landkarten". Wir beabsichtigen eine Zusammenschau von den frühesten im deutschen Sprachraum/ in möglichst allen deutschen Regionen angefertigten zeichnerischen Darstellungen räumlicher Verhältnisse – „Landkarten“ –, seien sie nun zum Zwecke von gerichtlichen Grenzstreitigkeiten oder der herrschaftlichen Landesaufnahme erfolgt oder aus anderen Gründen (spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Karten bis ca. 1600).
Corpus deutscher Landkarten [pdf] - Konzeption
Koordination dieses special strand für den International Medieval Congress,
Leeds 2010 (12-15 July 2010)
http://www.leeds.ac.uk/ims/imc/index.html (ext. Link)
Unter der Überschrift "Historische Spurensuche. Entdeckung einer Region" führen das Historische Institut der FernUniversität Hagen sowie mehrere Schulen aus dem Raum Dortmund und Hagen ein Projekt durch, an dem Hochschullehrer, Lehrer und Schüler gemeinsam arbeiten.
Das Eigene und das Fremde. Spurensuche zur Geschichte des gedeckten Tische in der Evinger Bayrischen Straße, Hagen 2007. (Film zum Projekt: Historische Spurensuche. Entdeckungen einer Region).
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Unter der Überschrift "Global-Lokal" haben sich Geschichtswissenschaftler des Historischen Instituts und des Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen mit LehrerInnen und SchülerInnen mehrer Schulen aus Hagen und Lüdenscheid zusammengefunden, um gemeinsam auf historische Spurensuche im eigenen Lebensumfeld zu gehen. Ausgehend von dem Begriffspaar "Migration und Identität" strebt das Vorhaben an, sowohl Einflüsse fremder Kulturen in der Alltagsrealität aufzuspüren und ihre Bedeutung für Selbstwahrnehmung und Identitätsbildung zu bestimmen als auch erfolgreiche oder misslungene Integrationswege zu nachzuverfolgen. Auf der Basis aktueller historiographischer Forschungsansätze bedienen sich die SchülerInnen der Instrumentarien der biographischen Forschung: des (narrativen) Interviews nach der Methode der Oral History, der Recherche nach Tagebüchern, Briefen und anderen schriftlichen Dokumenten sowie nach Hinterlassenschaften Erinnerungsstücken und weiteren personenschichtlichen Spuren.
zur ausführlichen Darstellung des Projektes Global-Lokal. Migration und Identität
Mit der Einrichtung der Telegrafie in den späten 1830er Jahren wurde die Welt innerhalb weniger Jahrzehnte zum ersten Mal vernetzt. Überland- und Unterwasserkabel bildeten die technische Grundlage dieses Netzwerkes, das besonders die Bestandteile des Britischen Empires umfasste. Gab es in den USA und in Großbritannien Vorbehalte gegen das neue Kommunikationsmedium, was seinen baldigen Einsatz verzögerte, erkannten im Gegensatz dazu die Generalgouverneure in Britisch Indien schnell den strategischen Nutzen eines solchen Netzwerkes.
Das neue Kommunikationsmedium war in Indien schnell aufgebaut und mit dem ersten funktionierenden Unterwasserkabel auch mit Europa verbunden. Jedoch entglitt den Briten im Laufe der Zeit die Kontrolle über die indische Kolonie. Hier machten sich indische Industrielle, die Intelligenzija und liberale wie radikale Nationalistenkreise die Eigenschaften der Telegrafie zunutze. Wie die Zeitungen trug auch dieses Medium zur Entstehung einer indischen Öffentlichkeit bei, die sich mittels der modernen Kommunikationsmittel überhaupt erst als solche definieren, sich formieren und schließlich schlagkräftig organisieren konnte. Im Spannungsverhältnis dieses Dualismus’, vor allem aber in dem Beitrag des Telegrafen zur Entstehung einer indischen Öffentlichkeit, liegt das Innovative des Forschungsinteresses.
FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, 58084 Hagen