Logo

Projekt

Illustration

Englische Armenbriefe, 1600 - 1834 / English Pauper Letters, 1600 - 1834

Projektleitung:
Status: laufend

Kurzbeschreibung:

Das Forschungsprojekt dient der Erschließung, Dokumentation und historischen Interpretation aller englischen Armenbriefe vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Es erfolgt in enger Zusammenarbeit mit britischen Kollegen im Auftrage der British Academy.

Das in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Steve King (Oxford Brookes University) und Prof. Dr. Peter King (Open University) unternommene Forschungsprojekt dient der Erschließung, Dokumentation und historischen Interpretation aller englischer Armenbriefe, die aus der Zeit des Alten Armenrechts (1601-1834) auf uns gekommen sind. Erstes Ergebnis ist die historisch-kritische Edition der aus der Grafschaft Essex erhaltenen Armenbriefe: Thomas Sokoll (Hrsg.), Essex Pauper Letters 1731-1837, Oxford: Oxford University Press for the British Academy 2001 (Records of Social and Economic History, New Series, 30; Paperback-Ausgabe 2006). Dieser Band bildet zugleich das Muster für die übrigen Editionen, die im Rahmen des Projekts vorgesehen sind. Parallel zur editorischen Erschließung des Materials erfolgt die sozial- und kulturhistorische Analyse der Armenbriefe im Kontext der Sozialgeschichte der Armut und der Geschichte der Schriftkultur. Die laufenden Veröffentlichungen und wissenschaftlichen Tagungen des Projekts setzen auf eine vergleichende Perspektive (Deutschland, Österreich, Frankreich, Niederlande, Belgien) und interdisziplinäre Zusammenarbeit (etwa mit historischen Soziolinguisten). Auch die Anbindung an die Lehre wird bedacht – so wird z.B. in den neuen Studienbriefen zum BA Kulturwissenschaften in mehreren Kapiteln auf die vergleichende Sozialgeschichte der Unterschichten im Spiegel von Armenbriefen und Bittschriften rekurriert. Die besondere Bedeutung der Armenbriefe als sozial- und kulturgeschichtliche Quelle lässt sich in vier Punkten umreißen:

  • Aus den Armenbriefen lässt sich die prekäre Lebenshaltung der arbeitenden Klassen, ihre „economy of makeshifts“(Hufton), in einer Detailgenauigkeit erschließen, wie dies durch andere Quellen kaum möglich ist.
  • Die Armenbriefe eröffnen einen tiefen Einblick in das „private“ Leben, in die Welt der alltäglichen Sorgen und Ängste, und in das Reich der Gefühle der einfachen Leute.
  • In den Armenbriefen wird die Haltung der Armen zum Old Poor Law deutlich: ihr Verhältnis zu den Armenpflegern, ihre Vorstellung vom Recht auf Unterstützung und ihre zuweilen überraschend genaue Kenntnis der Rechtslage.
  • Die Armenbriefe repräsentieren die unterste Stufe historisch überlieferter Schriftkultur und eröffnen als solche neue Wege zur Sozialgeschichte der Alphabetisierung. Zugleich begegnen wir in diesen Zeugnissen der tiefsten Schicht alphabetischer Artikulation.
05.10.2010
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Historisches Institut, LG Geschichte und Gegenwart Alteuropas, 58084 Hagen