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Das aktuelle Programm der „Lüdenscheider Gespräche“ 2014


Alle Veranstaltungen finden (wenn nicht anders vermerkt) statt im:


Kulturhaus Lüdenscheid

Freiherr-vom-Stein-Straße 9

58511 Lüdenscheid

Kontakt:

Tel: 02331 9874010
Email: igb@fernuni-hagen.de

„Mit anderen Augen. Versuch über den Politiker und Privatmann Willy Brandt“

Mittwoch, 15. Januar 2014, 18 Uhr

Referent: Peter Brandt

Als Staatsmann und Politiker hat Willy Brandt die Geschichte der Bundesrepublik und der deutschen Sozialdemokratie maßgeblich geprägt. Politik und Persönlichkeit standen dabei stets im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Während er den einen gleichsam als „Heilsbringer“ erschien, sahen andere in ihm eine massive Bedrohung der mühsam errichteten „Bonner Republik“ und befürchteten manche den Verlust sozialdemokratischer Traditionen und Grundwerte.

Mit seinem Buch „Mit anderen Augen. Versuch über den Politiker und Privatmann Willy Brandt“ nähert sich Peter Brandt (geb. 1948) dem Phänomen ´Willy Brandt` gleichermaßen als Sohn und Historiker. Im Mittelpunkt steht das liebevolle, aber nicht ganz einfache Verhältnis zweier „sperriger Menschen“, die sich auch dann schätzten, wenn sie unterschiedliche Positionen vertraten.

Im Rahmen der Veranstaltung wird der Autor sein Buch vorstellen und mit Moderator und Publikum diskutieren.

Prof. Dr. Peter Brandt, geb. 1948, ist Leiter des Lehrgebiets Neuere Deutsche und Europäische Geschichte und Direktor des Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften der FernUniversität in Hagen.

Zum Pressebericht hier


Mein Großvater im Krieg 1939-1945 – Erinnerung und Fakten im Vergleich

Mittwoch, 26. Februar, 18:00 Uhr

Referent: Moritz Pfeiffer

Im Allgemeinen ist die deutsche Bevölkerung gut über die Geschichte und Verbrechen des Nationalsozialismus informiert. Konkret über die Erlebnisse und Rolle der eigenen Eltern oder Großeltern während der Jahre 1933 und 1945 herrscht jedoch großes Unwissen, sei es aufgrund von hartnäckigem Schweigen in den Nachkriegsjahrzehnten oder dem Wunschdenken „Opa war kein Nazi“ (Harald Welzer).

Moritz Pfeiffer hat seine Großeltern, insbesondere seinen Großvater systematisch befragt und die Aussagen mit zeitgenössischen Quellen und dem wissenschaftlichen Forschungsstand verglichen. Seine Untersuchung – so der Historiker Wolfram Wette - macht an einem familiengeschichtlichen Beispiel die Mechanismen von Erinnern, Vergessen und Verdrängen sichtbar.

Moritz Pfeiffer (Jahrgang 1982), geboren und aufgewachsen in Wuppertal, studierte Geschichte und Spanisch in Freiburg im Breisgau. Im März 2012 erschien sein Buch „Mein Großvater im Krieg 1939-1945. Erinnerung und Fakten im Vergleich“ im Bremer Donat-Verlag. Die Arbeit fand nationale und internationale Beachtung, u. a. in ZEIT, SPIEGEL-Online International, Welt, Süddeutsche und Deutschlandradio Kultur. Zuletzt hat Pfeiffer gemeinsam mit Markus Moors den Taschenkalender Heinrich Himmlers für das Jahr 1940 ediert und im Paderborner Schöningh-Verlag herausgegeben. Mittlerweile lebt er in Tübingen.


Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanität

Mittwoch, 26. März 2014, 18 Uhr

Referent: Wolfram Wette

Für die verfolgten Juden in Wilna/Litauen verband sich mit dem Namen des Wehrmacht-Feldwebels Anton Schmid eine Verheißung. Der Unteroffizier aus Wien war für sie in den Kriegsjahren 1941/42 die personifizierte Verkörperung ihrer Hoffnung auf Rettung vor der Vernichtung. So wundert es nicht, dass Schmid von Holocaust-Überlebenden in der rückblickenden Erinnerung verklärt wurde: „Für uns war er so etwas wie ein Heiliger!“ Gemeint war, dass Schmid in einer ganz außergewöhnlichen Weise das Gute verkörperte. In einer Situation, in der die Todgeweihten an der Existenz eines gerechten und gütigen Gottes zweifelten, war Schmid für sie ein Licht im Tunnel.

Wer war dieser „kleine Mann“ aus Wien? Was bewegte ihn? Wieso entschied er sich dazu, im Hexenkessel von Wilna, in dem fast täglich Hunderte, ja Tausende ermordet wurden, den Verfolgten unter Lebensgefahr zu helfen und mehr als 300 von ihnen zu retten? Weshalb ging er sogar das Risiko ein, den jüdischen Widerstand zu unterstützen? Feldwebel Schmid wurde am 17. April 1942 von einem Feldkriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Eine Zeitlang trug eine Bundeswehrkaserne in Rendsburg seinen Namen. Und was wird jetzt aus diesem kostbaren Erbe?

Wolfram Wette, Prof. Dr. phil., geb. 1940, Studium der Politikwissenschaft, Ge-schichte und Philosophie, Promotion 1971 in München, Habilitation 1991 in Freiburg i. Br.; von 1971 bis 1995 Historiker im Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Freiburg i. Br.; seit 1998 apl. Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.; Ehrenprofessor der russischen Universität Lipezk; Mitbegründer und langjähriger Sprecher des Arbeitskreises Historische Friedensforschung (AHF).


„Von deutschen und russischen Zusammenhängen. Aufarbeitung eines komplizierten Verhältnisses“

Dienstag, 29. April, 18 Uhr

Referentin: Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz

Die Fernsehjournalistin Dr. Gabriele Krone-Schmalz dürfte vor allem als Korrespondentin im ARD Studio Moskau (1987-1991) in Erinnerung sein. Nach ersten Anfängen beim WDR (Volontariat 1976) wurde sie in den 80er Jahren zu einer der profiliertesten Redakteurinnen in den Bereichen Politik und Kultur. Von den zahlreichen Auszeichnungen, die sie für ihre journalistische Arbeit erhielt, seien hier nur das Bundesverdienstkreuz I. Klasse erwähnt, das ihr für „die besondere Qualität der Fernsehberichterstattung“ verliehen wurde und zweimal der Grimme-Preis. Im Jahr 2011 wurde Sie zur Professorin für TV und Journalistik an der BiTS Iserlohn berufen.

Ihren besonderen Bezug zu Russland hat Gabriele Krone-Schmalz auch nach dem Ende ihrer beruflichen Fernsehpräsenz nicht verloren, was nicht zuletzt durch zahlreiche Buchveröffentlichungen zu diesem Themenkreis dokumentiert ist. Seit Dezember 2000 ist sie zudem Mitglied des Lenkungsausschusses im „Petersberger Dialog“ – einer Initiative des russischen Präsidenten Putin und des deutschen Alt-Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Auch dieses Engagement wurde 2008 mit der Verleihung der Puschkin-Medaille „in Anerkennung ihres Beitrages zur Festigung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland“ gewürdigt.

Im Rahmen der Lüdenscheider Gespräche wird Dr. Gabriele Krone-Schmalz sowohl auf ihre Erfahrungen als Moskauer ARD-Korrespondentin zur Zeit des großen Umbruchs (Perestroika) eingehen als auch die aktuellen Entwicklungen in Russland – und die deutsche Perspektive darauf – erörtern.

Zum Pressebericht der WAZ vom 1.05.2014 hier [externer Link]


„Geradeaus denken und dranbleiben. Die politischen Prinzipien des Wolfgang Bosbach“

Referent: Wolfgang Bosbach, MdB

Mittwoch, 14. Mai 2014, 18:00 Uhr

Der aus Bergisch Gladbach stammende Wolfgang Bosbach zählt zu den gefragtesten politischen Köpfen der Berliner Republik. Als Abgeordneter des Rheinisch-Bergischen Kreises ist er (Jahrgang 1952) seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages und damit bereits zum sechsten Mal hintereinander direkt gewählt. Seine politische Heimat fand er schon 1972 in der CDU, noch bevor er über den zweiten Bildungsweg sein Abitur machte und anschließend ein Jurastudium in Köln absolvierte. Über die Stationen des Kreistages des Rheinisch-Bergischen Kreises, des Rates der Stadt Bergisch Gladbach und der CDU Nordrhein-Westfalen, führte ihn sein Weg schließlich bis nach Berlin. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages. Dass Wolfgang Bosbach dabei auch nicht vor Konfrontationen in den eigenen Reihen zurückschreckt, dürfte spätestens seit seiner Positionierung gegen die Ausweitung des Europäischen Rettungsschirms, bekannt sein. Trotz massiven Drucks aus der eigenen Fraktion stimmte er im Bundestag, in namentlicher Abstimmung, gegen das Gesetz. Auch zum aktuellen Top-Thema „NSA-Spähaffäre“ bezieht Bosbach dezidiert Stellung.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass der gelernte Einzelhandelskaufmann den Weg in die Politik gefunden hat? Die Veranstaltung im Lüdenscheider Kulturhaus soll Gelegenheit dazu geben, den Politiker und die Person Wolfgang Bosbach im moderierten Dialog kennenzulernen. Darüber hinaus wird es in gewohnter Weise möglich sein, mit Ihm über seine politischen Grundeinstellungen und Positionen – auch zu tagesaktuellen Fragen – ins Gespräch zu kommen.

Zum Pressebericht der Lüdenscheider Nachrichten vom 16.5.2014 hier [externer Link]



"Sei dennoch unverzagt. Gespräche mit meinen Großeltern Christa und Gerhard Wolf"

Mittwoch, 25. Juni 2014, 17:00 Uhr

Referentin: Jana Simon

Ein persönlicher Blick auf das Schriftstellerehepaar Christa und Gerhard Wolf.
Es beginnt im Sommer 1998. Die Enkelin ist 25, wird gerade Journalistin und fängt an, ihre Großeltern über die Vergangenheit zu befragen. Es geht um die Herkunft und die Familie, um die Zeit des Nationalsozialismus und die DDR – aber auch immer wieder um das, was heute ist. Über die Jahre entwickelt sich so ein Dialog der Generationen: Sie sprechen über das politische Engagement des Schriftstellerpaars, die Kämpfe der Großeltern, die in ihrer Radikalität und Existenzialität für die Enkelin kaum noch zu begreifen sind, sowie über verlorene Freundschaften und Verrat. Es geht um die mehr als sechzig Jahre andauernde Liebe des Ehepaars Wolf. Und es geht um das Schreiben, das gemeinsame Glück und Unglück im neuen vereinten Land. Die Gespräche reichen bis zum Tod Christa Wolfs 2011 und darüber hinaus. Am Ende treffen sich Enkelin und Großvater noch einmal allein.

Jana Simon, geboren 1972, studierte Osteuropastudien in Berlin und London, fing 1998 an, beim Tagesspiegel zu arbeiten, und ist seit 2004 Autorin bei der Zeit. Sie hat zahlreiche Journalistenpreise gewonnen und lebt mit ihrer Familie in Berlin.


Mythen des Kriegsbeginns: Begeisterung, nationale Einheit, Verteidigung des Vaterlandes

Mittwoch, 1. Oktober 2014, 18:00 Uhr

Referent: Prof. Dr. Wolfgang Kruse

Moderation: Dr. Dietmar Simon

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Gerade um den Kriegsbeginn ranken sich viele Mythen, Ideologien und Obsessionen. Immer wieder war und ist die Rede von der allumfassenden Kriegsbegeisterung, die die Menschen ergriffen habe, von Millionen kriegsfreiwilligen Soldaten, vom „Augusterlebnis" der nationalen Einheit, vom „Burgfrieden" aller Parteien angesichts der Notwendigkeiten eines dem deutschen Volk aufgezwungenen Verteidigungskrieges oder vom Zusammenhalt der nationalen Volksgemeinschaft, die im "Geist von 1914" eine zukunftsstiftende Form gewonnen habe. Bereits zeitgenössisch waren diese Vorstellungen von großer Bedeutung für die öffentliche Wahrnehmung und Interpretation des Krieges, und sie haben auch die weitere Entwicklung des Geschichtsbildes in Wissenschaft und Öffentlichkeit tiefgehend geprägt. Der Vortrag behandelt zentrale Vorstellungen über Politik, Gesellschaft und Kultur des Kriegsbeginns und stellt diese zur Diskussion.

Prof. Dr. Wolfgang Kruse ist stellvertretender Leiter des Lehrgebiets Neuere Deutsche und Europäische Geschichte der FernUniversität in Hagen.

„Berlin, 9. November 1989“

Dienstag, 11. November 2014, 18 Uhr

Referent: Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Berlin a.D.

Ein persönlicher Blick auf die Ereignisse rund um den Mauerfall am 9. November 1989.

Der 9. November 1989 markiert einen Meilenstein in der deutschen Geschichte. Nach über 40 Jahren öffnen sich die Grenzen, die zuvor Ost und West getrennt haben. In einer Live-Übertragung wird gegen 18:30 Uhr im DDR-Fernsehen und Hörfunk die neue Reiseregelung bekannt gegeben. Sämtliche Anträge auf eine Ausreise aus der DDR werden ab sofort genehmigt. Von da an überschlagen sich die Ereignisse: Um kurz nach 20:00 Uhr stehen etwa 80 Menschen am Grenzübergang, gegen 21:30 Uhr sind es schon 500-1000. Die Grenzposten haben keine Kontrolle mehr; um Mitternacht öffnen sich sämtliche Berliner Grenzübergänge.

Walter Momper kommentiert die Grenz­öffnung mit dem Satz „Berlin, nun freue dich“ und steht als Regierender Bürgermeister von West-Berlin vor der Aufgabe der Wiederherstellung der städtischen Einheit, die schließlich am 11. Januar 1991 mit der Konstituierung des Gesamtberliner Abgeordnetenhauses in der Berliner Nikolaikirche vollzogen werden konnte. Als „Mann mit dem roten Schal“ hat er sich weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht; nachzulesen sind seine Erinnerungen in dem Buch „´Berlin, nun freue dich!` Mein Herbst 1989.“

Walter Momper, geboren 1945, studierte Politologie, Geschichtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in München, Münster und Berlin. Von 1972 bis 1986 arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter und Geschäftsführer der Historischen Kommission zu Berlin. Seit 1967 ist er SPD-Mitglied, ab 1985 Fraktionschef. Am 16. März 1989 wurde er zum Bürgermeister von West-Berlin gewählt.

„Das Land aller Übel. Vom Wir zum Ich oder von Wuz zu WUlb. Einmal ein anderer sein – und sei`s nur ein Leben lang“

Mittwoch, 10. Dezember 2014, 18 Uhr

Referent: Thomas Körner, Schriftsteller

Moderation: Prof. Dr. Ulrich Schödlbauer

Thomas Körner hat als Schriftsteller die Realität beider deutscher Teilstaaten vor der Wende erfahren. Sein Fragmentroman "Das Land aller Übel" beschreibt den Zustand einer eingemauerten Utopie und den Alltag
eines ausgebliebenen Paradieses. Das Gesprächsthema zieht eine große Linie von den Klassikern der deutschen Literatur (Jean Pauls "Schulmeisterlein Wuz") zu den Bedingungen und Motiven des eigenen Schreibens unter der Diktatur und danach (WULB = Walter Ulbricht).

23.07.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Institut für Geschichte und Biographie, 58511 Lüdenscheid, Tel.: +49 2351-24580