Alle Veranstaltungen finden (wenn nicht anders vermerkt) statt im:
Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität Hagen,
Liebigstr. 11,
58511 Lüdenscheid,
Tel. +49 2351 24580
Email: igb@fernuni-hagen.de
Mittwoch, 19. Oktober 2011, 17 Uhr
Filmvorführung und Diskussion
Im Sommer 2010 zeichnete ein Team der Hagener FernUniversität Interviews mit drei älteren Lüdenscheidern auf, die sich als Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Nationalsozialismus konfrontiert sahen und auf jeweils unterschiedlichen Wegen die Kriegszeit überstanden. Die Interviews wurden zum Ausgangspunkt eines Films, der private Einblicke in das Lüdenscheider Alltagsleben „unter dem Hakenkreuz“ bietet und sich mit der persönlichen und öffentlichen Reflexion über die zwölf dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte befasst. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage der Einrichtung eines authentischen Erinnerungsorts aufgegriffen, wie sie in der Stadt mit Blick auf die ehemaligen Polizeihaftzellen im Alten Rathaus kontrovers diskutiert worden ist.
Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit zu Gespräch und Diskussion.
Hinweis: Die Veranstaltung findet in Verbindung mit dem Verein „Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid e.V.“ statt.
Mittwoch, 9. November 2011, 18 Uhr
Referent: Dr. Martin Schäuble
Warum wird jemand zum Gotteskrieger? Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine, Daniel, wächst in einer gut situierten deutschen Familie auf, besucht das Gymnasium und begeistert sich für Hip-Hop. Der andere stammt aus den Palästinensergebieten, teilt sich ein Zimmer mit acht Geschwistern und bricht früh die Schule ab. Trotz aller Unterschiede vereint die beiden ein Ziel: Sie wollen kämpfen im Dschihad, im „Heiligen Krieg“. Der eine wird als „Sauerlandbomber“ gefasst, der andere reißt in Jerusalem sechs Menschen mit in den Tod. In seinem auch an Jugendliche gerichteten Buch „Black Box Dschihad“ zeichnet Martin Schäuble das Leben der beiden Gotteskrieger nach und versucht, Antworten auf wichtige Fragen der Zeitgeschichte zu finden.
Martin Schäuble lebt als freier Autor und Sozialforscher in Berlin. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich immer wieder mit dem Nahen Osten, den er regelmäßig bereist, und mit dem Spannungsfeld Politik, Kultur und Religion – vor allem in ihren radikalen Formen. Dabei führt er Zeitzeugengespräche und geht biographisch vor, lebt und arbeitet am Ort des Geschehens.
Die Westfälische Rundschau schrieb dazu am 11.11.2011 folgenden Bericht.
Mittwoch, 14. Dezember 2011, 18 Uhr
Referent: Dr. Carsten Heinze
Schriftliche Autobiographien, Bilder und Fotografien sowie biographische Spiel- oder Dokumentarfilme sind wichtige Medien der öffentlichen Erinnerungskultur. Sie prägen unsere Vorstellung fremder Lebensgeschichten. Sie geben auch Einblick in das Erleben gemeinsamer zeitgeschichtlicher Erfahrungszusammenhänge und erklären diese aus einer individuellen Perspektive. Öffentliche Kontroversen über die Autobiographien von Martin Walser oder Günter Grass verdeutlichen deren aktuelle Brisanz.
Der Vortrag möchte sich in diesem Zusammenhang mit den unterschiedlichen autobiographischen Darstellungen Marcel Reich-Ranickis beschäftigen. Nachdem 1999 seine Autobiographie Mein Leben erschienen ist, folgte im Jahr 2000 bereits der von Frank Schirrmacher editierte Bildband Sein Leben in Bildern. 2009 erschien dann der autobiographische TV-Spielfilm Mein Leben, dessen Grundlage die schriftliche Autobiographie bildet. Anhand dieser verschiedenen medialen Darstellungsformen wollen wir uns der Lebensgeschichte Reich-Ranickis nähern.
Mittwoch, 18. Januar 2012, 18 Uhr
Referentin: Dr. Karin Gille-Linne
Frauenpolitik nach 1945 - das bedeutet: Nachkriegszeit, Verfassungsdiskussion, Gleichberechtigungsgrundsatz. Das bedeutet ebenso Trümmerfrauen, Frauenrechtlerinnen und Kämpferinnen wie Elisabeth Selbert. Denn frauenpolitische Narrationen und Gründungsmythen bestimmen den frauenverklärten Blick zurück. Diese Narrationen werden im Vortrag dekonstruiert und ihre historischen Voraussetzungen analysiert. Bisher fast unbekannte Protagonistinnen wie die jüdische Remigrantin Herta Gotthelf treten so neben altbekannte Heldinnen der Gleichberechtigungskämpfe wie die Juristin Elisabeth Selbert. Differenzen und Abgrenzungsstrategien unter vermeintlich Gleichgesinnten werden ebenso sichtbar wie die politischen Inszenierungen und Strategien, derer sie sich bedienten, um neues Recht zu schaffen.
Mittwoch, 15. Februar 2012, 17 Uhr
Filmvorführung und Diskussion mit der Regisseurin Loretta Walz
In ihrem neuen Film beschäftigt sich die Dokumentarfilmerin Loretta Walz mit einem bisher weitgehend unbeachteten Aspekt der jüngsten deutschen Vergangenheit: der Geschichte von Kindern deutscher Emigranten, die mit ihren Eltern in den 1930er Jahren in die Sowjetunion gingen oder dort geboren wurden. Acht dieser Frauen und Männer erzählen erstmals von ihrer Kindheit und Jugend in der Sowjetunion und vom Schicksal ihrer Eltern, die während der stalinistischen Säuberungen verfolgt oder ermordet wurden. Die Kinder kamen in Heime oder wurden mit ihren Eltern nach Sibirien oder Kasachstan deportiert. In ihrer zweiten Heimat – der DDR – waren sie zum Schweigen verpflichtet. Erst nach 1989 konnten sie über ihr Leben in der Sowjetunion und der DDR offen sprechen. Einige wissen bis heute nicht, was mit ihren Eltern und mit ihnen damals wirklich geschah.
Für ihren Film „Die Kinder von Ravensbrück“ wurde Loretta Walz 2006 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Eine Vorpremiere fand im Rahmen der „Lüdenscheider Gespräche“ statt.
! geänderter Termin: Donnerstag, 29. März 2012, 18 Uhr
Referent: Dr. Peter Struck
Peter Struck war von 1980 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags und ist heute Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung. Für zwei Legislaturperioden wirkte er als SPD-Fraktionsvorsitzender, drei Jahre lang amtierte er als Bundesminister der Verteidigung. Peter Struck war und ist ein Mann klarer Worte und hat sich bis heute nie gescheut, Position zu beziehen - sei es in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, im Hinblick auf die europäische Finanz- und Eurokrise oder in Bezug auf den Zustand der SPD und ihr Verhältnis zur Linkspartei. Zusammen mit Volker Kauder galt er als "Motor der Großen Koalition" und stellte sich der Aufgabe, für den notwendigen parlamentarischen Rückhalt der Regierungsarbeit zu sorgen.
In seinem 2010 erschienen Buch „So läuft das. Politik mit Ecken und Kanten“ bewertet er das erste Jahrzehnt der Berliner Republik, erzählt davon, wie er sich nach schweren gesundheitlichen Rückschlägen wieder ins Leben zurückkämpfte und wie Politik wirklich funktioniert: von Freundschaften und Rivalitäten, Kompromissen und Prinzipien, von Mehrheitsfindungen im Fraktionssaal – oder auch im Hinterzimmer.
Mittwoch, 18. April 2012, 18 Uhr
Referentin: Dr. Andrea Kettenbach
Es gibt Schwiegermutterwitze, jede Menge böse Klischees und sogar einen Kaktus mit dem klangvollen Namen „Schwiegermutterstuhl“. Schwiegermütter haben nicht gerade den besten Ruf, besonders das Verhältnis zu den Schwiegertöchtern gilt häufig als angespannt. Die Psychologin Dr. Andrea Kettenbach aus dem Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters der FernUniversität in Hagen ist dem Wahrheitsgehalt dieser Klischees auf den Grund gegangen. Und sie kam zu einem überraschenden Resultat. „Schwiegermütter sind besser als ihr Ruf“, fasst Kettenbach ihre Ergebnisse zusammen.
In ihrer Doktorarbeit mit dem Thema „Sind Schwiegermütter alle gleich? Empirische Untersuchung zur Repräsentation von Schwiegermüttern aus Perspektive der Schwiegertöchter“ hat sie eine Schwiegermutter-Typologie entwickelt und damit das Thema Schwiegermütter erstmals aus psychologischer Sicht beleuchtet.
Mittwoch, 23. Mai 2012, 18 Uhr
Referent: Prof. Dr. Einhart Lorenz
"Wie Ratten überschwemmen diese ‚Revolutionshelden' nun auch Norwegen" hieß es im August 1933 in einer angesehenen norwegischen Zeitung. Eine dieser „Ratten" war der „Agitator Frahm", bekannter als Willy Brandt. Es war nicht das erste Mal, dass man sich in Norwegen derart diskriminierender Metaphern bediente. Die Verfassung von 1814, von Engels als „weit demokratischer als irgendeine gleichzeitige in Europa" gepriesen, verbot in einem besonderen „Judenparagrafen" den Juden den Aufenthalt in Norwegen. Als er 1851 aufgehoben wurde, machten sich düstere Szenarien drohender Masseneinwanderung und Überfremdung breit. Diese verstärkten und radikalisierten sich während und nach dem Ersten Weltkrieg. Und das mit Nazi-Deutschland kooperierende Marionettenregime Vidkun Quislings hat so wenig zur Rettung der Juden im eigenen Land getan wie kein anderer Staat Nordeuropas. Zur Kollaboration beim Holocaust musste Quisling nicht erst gedrängt werden.
In den letzten Jahrzehnten hat man von rechtspopulistischer Seite in vergleichbarer Weise gegen die Einwanderung aus muslimischen Ländern Front gemacht. Der Vortrag wird sich mit diesen Kontinuitäten und der Funktion von Ausgrenzungen aus dem nationalen „Wir" in Norwegen beschäftigen.
Einhard Lorenz, geboren 1940 in Deutschland, lebt seit 1965 in Norwegen und ist Professor für neuere Geschichte an der Universität Oslo.
Mittwoch, 13. Juni 2012, 18 Uhr.
Referent: Dr. Klaus Hänsch, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments und Mitglied des Präsidiums des EU-Verfassungskonvents.
Text folgt in Kürze
FernUniversität in Hagen, Institut für Geschichte und Biographie, 58511 Lüdenscheid, Tel.: +49 2351-24580