Kulturhaus Lüdenscheid
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Quelle: rbb
Mittwoch, 30. Januar 2013, 18 Uhr
Referent: Roland Jahn
Wie nur wenige führte und führt Roland Jahn den Kampf gegen das SED-Regime, das sich seiner nach ungezählten großen und kleinen Repressalien im Jahr 1983 nicht anders zu erwehren vermocht hatte, als ihn gewaltsam – eingeschlossen im Interzonenzug – in die Bundesrepublik auszuweisen. Außerordentlich war Jahns persönlicher Mut, als er in der DDR Postkarten mit seinem eigenen Gesicht, zur Hälfte als Stalin, zur Hälfte als Hitler geschminkt, verschickte, zur Unterstützung der polnischen Solidarność aufforderte oder dann 1985 nochmals heimlich in die DDR zurückkehrte. Obwohl nur wenige wagten, so weit zu gehen wie Roland Jahn, hat auch er immer wieder vor der Frage gestanden, wie viel Anpassung geleistet werden muss, um etwa Repressalien gegen Familienangehörige und Freunde zu vermeiden. Wie er und andere mit diesem Druck umgegangen sind und welche Ereignisse ihn dazu bewogen haben, Widerspruch doch auch zu wagen, steht im Mittelpunkt seines Vortrags.
Am 28. Januar 2011 wurde Roland Jahn von einer breiten Mehrheit des Deutschen Bundestags zum Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde und damit zum Nachfolger von Marianne Birthler und Joachim Gauck gewählt. Sein bei seiner Antrittsrede formulierter Beschluss, sich von Mitarbeitern seiner Behörde mit Stasivergangenheit trennen zu wollen, hat intensive öffentliche Reaktionen hervorgerufen und deutlich gemacht, dass die DDR noch lange kein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Geschichte darstellt.
Roland Jahn ist Journalist und Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.
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Donnerstag, 14. Februar, 18:00 Uhr
Referent: Jürgen Luh
Friedrich II. von Preußen ist der am wenigsten vergessene Herrscher der preußischen Geschichte - eine Figur voller Widersprüche, an der sich die nachfolgenden Generationen immer wieder neu abzuarbeiten hatten. Häufig wurde die historische Größe des „alten Fritz“ geschichtspolitisch genutzt. Legendenbildend und geschichtsverfälschend wirkten zum Beispiel das zwischen 1840 und 1851 entstandene große Reiterstandbild „Unter den Linden“, die „Fridericus-Rex-Filme“ der 1920er Jahre und die Goebbelsche Inszenierung des „Tags von Potsdam“ als historische Begründung der nationalsozialistischen Herrschaftsübernahme von 1933. Die durch Erich Honecker veranlasste Wiederaufstellung des Reiterstandbilds am historischen Ort (1980) war ebenso wenig zweckfrei wie die gleichsam als Staatsbegräbnis inszenierte Umbettung des Sarkophags Friedrichs nach der deutschen Wiedervereinigung (1991).
Der Referent, Dr. Jürgen Luh, ist Historiker bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Mitorganisator der Ausstellung „Friederisiko“, die zum 300. Geburtstag Friedrichs II. im vergangenen Jahr im Neuen Palais Potsdam stattfand. In seiner viel beachteten Biographie „Der Große. Friedrich II. von Preußen“ (München 2011) zeichnet er das Bild eines von „Ruhmsucht“ und Großmachtstreben Getriebenen. Die großen Zuschreibungen des „ersten Diener des Staates“ und des „Volkskönigs“ erscheinen als Teil einer vom König selbst inszenierten Legende.
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Mittwoch, 20. März 2013, 18 Uhr
Referent: Herbert Häber
Herbert Häber profilierte sich seit Mitte der 1970er Jahre als einer der wichtigsten Berater Erich Honeckers in deutschlandpolitischen Fragen. In dieser Funktion knüpfte er zahlreiche informelle Kontakte zu westdeutschen Politikern aller Bundestagsparteien und bemühte sich – im Schatten der „Raketenkrise“ und unter dem Druck der auf Mitteleuropa lastenden Kriegsgefahr – um die Liberalisierung des Grenzregimes und das Zustandekommen einer „Koalition der Vernunft“.
Honecker machte Häber gegen die üblichen Gepflogenheiten ohne Kandidatenstatus am 24. Mai 1984 zum Mitglied des SED-Politbüros und Sekretär des ZK, was im Westen als positives und ermutigendes Zeichen, in Moskau indes als Affront gedeutet wurde. Vermutlich auf Grund sowjetischer Intervention fiel Häber nach kurzer Zeit in Ungnade und wurde unter Vortäuschung von Krankheit und psychischem Zusammenbruch zum Rückzug aus allen politischen Ämtern gezwungen. Unter anderem wurde ihm die "Gefährdung der Sicherheitsinteressen der Sowjetunion" vorgeworfen, ferner hielt man ihm vor, einen „Keil zwischen die UdSSR und die DDR zu treiben“ und damit einen „Weltskandal“ verursacht zu haben.
Prof. Herbert Häber lebt heute in Berlin. Zu seiner Geheimdiplomatie im Dienst der SED erschien 1999 der Band „Die Häber-Protokolle. Schlaglichter der SED-Westpolitik 1973-1985“, hrsg. von Detlef Nakath und Gerd-Rüdiger Stephan. Die dramatischen Ereignisse um seine Person wurden auch verfilmt: Paul Kohl: Der Fall Herbert Häber – Vom Politbüro in die Psychiatrie (Feature), Regie: Holger Jackisch (Produktion: MDR/DLF/RBB 1999).
Donnerstag, 18. April, 18 Uhr
Referentin: Helga Hirsch
Die Aufbruchstimmung, der explodierende Konsum, die wieder erwachte Lebensfreude, aber auch die Massenflucht aus der DDR und die Verdrängung der Vergangenheit – die fünfziger Jahre waren doppelgesichtig. In beiden deutschen Staaten war das Jahrzehnt geprägt von Gegensätzen, die mitten durch das Leben der Frauen gingen: Halbstarke und Kriegsheimkehrer, Petticoat und Kittelschürze. Die fünfziger Jahre im Westen haben wir in Erinnerung als Zeit des Wirtschaftswunders, aber auch als Zeit der Verdrängung und des kollektiven Schweigens. Im Osten erlebten sie die Einen als Aufbruch eines antifaschistischen Staates, andere litten unter Verfolgung und flohen in die Bundesrepublik. Helga Hirsch erinnert an eine Nachkriegsepoche, die wie keine andere die Träume und das Trauma der Deutschen miteinander verband.
Dr. Helga Hirsch ist als freie Publizistin tätig und schrieb u.a. für die FAZ, Welt u.a. Für die Zeit war sie für mehrere Jahre als Polen-Korrespondentin tätig. Helga Hirsch arbeitete gemeinsam mit Joachim Gauck an dessen 2009 erschienener Autobiographie und war im darauf folgenden Jahr Mitarbeiterin in Gaucks Stab für die Bewerbung als Bundespräsident. 2012 erschien ihr Buch „Endlich wieder leben“, das die Grundlage ihres Lüdenscheider Vortrags bildet.
Mittwoch, 22. Mai 2013, 18:00 Uhr
Referent: Joachim Dudenhausen
Willibald Pschyrembel (1901-1987) war der alleinige Herausgeber des wichtigsten deutschsprachigen Nachschlagewerks der Medizin: dem „Klinischen Wörterbuch“, kurz: „dem Pschyrembel“, das derzeit in der 264. Auflage vorliegt. Als Arzt machte Pschyrembel vor allem in Berlin Karriere, zunächst als Oberarzt am Städtischen Krankenhaus Berlin-Neukölln, von 1945 bis 1961 als leitender Chefarzt der Frauenklinik des Berliner Krankenhauses im Friedrichshain und Professor an der Charité. Nach dem Mauerbau blieb er im Westteil der Stadt, eröffnete eine eigene Praxis und widmete sich seiner publizistischen Tätigkeit, die sich keineswegs auf das „Klinische Wörterbuch“ beschränkte.
Recht unbekannt ist hingegen, dass Willibald Psychrembel seine Jugend- und Schulzeit in Lüdenscheid verbrachte – als Sohn des Kaufmanns und leitenden Angestellten der Firma „Lüdenscheider Metallwerke AG, vormals Jul. Foscher & Basse“, Bruno Pschyrembel, sowie der Klaire Pschyrembel, geb. Tweer, einer Enkelin des Lüdenscheider Knopffabrikanten Gustav Tweer.
Der Referent, Prof. Dr. med. Joachim Dudenhausen, ist in Werdohl geboren und in Lüdenscheid aufgewachsen. Er ist mütterlicherseits mit Willibald Pschyrembel verwandt und arbeitete mit ihm seit 1984 im Rahmen der Herausgabe der „Praktischen Geburtshilfe“, einem weiteren medizinischen Standardwerk der Marke „Pschyrembel“, eng zusammen. Von 1987 bis 1989 war er Leitender Arzt der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich. Danach übernahm er die Leitung der Klinik für Geburtsmedizin am Virchow-Krankenhaus Berlin. Zusätzlich leitete er ab 2004 die geburtsmedizinische Klinik am Krankenhaus Benjamin Franklin und ab 2007 die Klinik für Geburtsmedizin der Charité.
Mittwoch, 19. Juni 2013, 18 Uhr
Referentin: Heidemarie Wieczorek-Zeul
Am 21. November 2012 wurde Heidemarie Wieczorek-Zeul 70 Jahre alt; bei der kommenden Bundestagswahl wird sie nicht mehr antreten. Damit zeichnet sich das Ende einer politischen Karriere ab, die 1974 mit der Wahl zur Juso-Vorsitzenden begann, ab 1979 ins Europäische Parlament und ab1987 in den Deutschen Bundestag führte. Von 1998 bis 2009 war sie Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von 1993 bis 2005 stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. 1993 kandidierte sie für das Amt der SPD-Vorsitzenden gegen Rudolf Scharping und Gerhard Schröder.
Heidemarie Wieczorek-Zeul bevorzugt eine klare politische Sprache; von Parteidisziplin, Koalitionsfrieden und anderen diplomatischen Rücksichten lässt sie sich nicht ausschließlich bestimmen. Dies gilt zum Beispiel im Hinblick auf die Anerkennung eines Palästinenserstaates und die Kritik an Israels Siedlungspolitik, in Bezug auf Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien oder hinsichtlich der Einführung einer „Reichensteuer“ in Deutschland, der Notwendigkeit einer Frauenquote für Unternehmensvorstände und Aufsichtsräte und der Möglichkeiten einer politischen Kooperation mit der Linkspartei. Obwohl sie dem Konflikt innerhalb und außerhalb der Partei nie aus dem Weg ging, hat sie es zur dienstältesten SPD-Ministerin (1998-2009) gebracht – ein (scheinbares) Paradoxon, über das sich zu diskutieren lohnt.
Heidemarie Wieczorek-Zeul war Stadtverordnete in Rüsselsheim (1968-1972), Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (1974-1977), Mitglied des Europäischen Parlaments (1979-1987), Bezirksvorsitzende der südhessischen SPD (1988-1999), Stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD (1993-2005). Von Oktober 1998 bis Oktober 2009 war sie Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie ist Mitglied des Bundestages seit 1987.
Mittwoch, 25. September 2013, 18 Uhr
Referent: Ulrich Grochtmann
Ausstellung und Diskussion
Der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben!
Das Münchner Abkommen vom 29. September 1938, mit dem Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien das Ende der Ersten Tschechoslowakischen Republik besiegelten, dient heute als ein allgemeines „Symbol für das falsche Nachgeben gegenüber Diktatoren“ (Horst Möller). Mittlerweile recht gut erforscht und bekannt sind die Gründe, die Neville Chamberlain und Édouard Daladier zur Preisgabe des Sudentenlandes bewogen, dagegen weiß man in Deutschland wenig über die Wahrnehmungen und Reaktionen der unmittelbar betroffenen Tschechen, Deutschen und Slowaken im Vorfeld des Abkommens und im weiteren Verlauf der Krise.
Hierüber informiert Dr. Ulrich Grochtmann, Vorsitzender Čapek-Gesellschaft für Völkerverständigung und Humanismus e.V. Die Veranstalter bemühen sich derzeit, einen tschechischen Experten zu dieser Veranstaltung zu gewinnen und eine Ausstellung zum Thema zu organisieren.
Dr. Ulrich Grochtmann ist Slawist und Vorsitzender der Čapek-Gesellschaft für Völkerverständigung und Humanismus e.V.
Mittwoch, 30. Oktober 2013, 18 Uhr
Filmvorführung und Diskussion
Der Film Kolberg des Regisseurs Veit Harlan wurde am 30. Januar 1945, dem 12. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung, gleichzeitig in Berlin und in der belagerten Atlantikfestung La Rochelle uraufgeführt. Propagandaminister Goebbels, der das Werk im Sommer 1943 in Auftrag gegeben hatte, versprach sich von der heroischen Stilisierung des Abwehrkampfes der in Hinterpommern gelegenen Festung Kolberg gegen Napoleons Truppen im Jahr 1807 eine entscheidende moralische Stärkung des Widerstandswillen der deutschen Bevölkerung. Es sollte gezeigt werden, "...dass ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet".
Auf Grund der zusammenbrechenden Fronten wurde der Film nur noch in wenigen Kinos gezeigt. Nach dem Krieg blieb er unter Verschluss bis der Sender „Arte“ ihn im März 1998 im Rahmen eines Themenabends "Heinrich George" wieder präsentieren konnte.
Erläuterungen zum Film aus historischer und medienwissenschaftlicher Sicht geben der Historiker Prof. Peter Brandt (Fernuniversität Hagen) und der Fernseh- und Filmkritiker Torsten Körner (Berlin).
Mittwoch, 4. Dezember 2013, 18 Uhr
Referent: Heinz Schilling
Im Vorfeld des großen Reformationsjubiliäums 2017 (500 Jahre Thesenanschlag) hat der Berliner Frühneuzeithistoriker Heinz Schilling eine wegweisende und viel beachtete Biographie zu Martin Luther vorgelegt, die nicht nur eine umfassende historische Rekonstruktion seines Wirkens unternimmt, sondern auch Luthers problematische Verankerung im Geschichtsbild der Deutschen kritisch aufarbeitet. Schilling plädiert dafür, die historische Figur Luther, soweit es irgend geht, von ihrer wirkungsgeschichtlichen und geschichtspolitischen Ummantelung zu befreien und damit den Blick auf Luthers zentrales Ziel, die Rücklenkung der Christenheit auf den religiösen, heilsgeschichtlichen Kern freizumachen. Der großen weltgeschichtlichen Bedeutung der Reformation und ihres Stifters tut eine solche Sichtweise keinen Abbruch, dem Dialog der Kirchen kann der historisch-kritische Blick auf einen ihrer größten Protagonisten nur dienlich sein.
Prof. Dr. Heinz Schilling, war bis 2010 Inhaber des Lehrstuhls Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität Berlin. 2012 erschien Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie.
FernUniversität in Hagen, Institut für Geschichte und Biographie, 58511 Lüdenscheid, Tel.: +49 2351-24580