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Maßnahmen zur Umsetzung von Gender in der Lehre


Gendersensible Didaktik

Gesellschafts- und Praxisbezug

Wählen Sie Beispiele aus der Alltags- und Erfahrungswelt weiblicher und männlicher Studierender mit gesellschaftlicher Relevanz, um Vorgänge zu veranschaulichen: so eigenen sich Fahrräder, um Maschinenelemente zu erklären oder elektromagnetische Felder anhand eines Defibrillators.

Stereotype vermeiden

Vermeiden Sie Klischees und wirken Sie Fach- und Geschlechterstereotype entgegen. Sprechen Sie nicht von „dem Mathematiker“ oder „der Pädagogin“, sondern benutzen Sie entweder die neutrale Form oder tauschen Sie die Genera („die Mathematikerin“, „der Pädagoge“), um ein Bewusstsein für die aufgebrochenen Geschlechterstereotype zu schaffen.
Stellen Sie außerdem keine kontrastierenden Vergleiche zwischen Frauen und Männern an, sondern nehmen Sie Differenzen innerhalb einer Geschlechtergruppe wahr.


Gendersensible Kommunikation

Interaktion:

Diskriminierungsfreie Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden

Nehmen Sie eine gleichermaßen anerkennende Haltung gegenüber den Leistungen von Frauen und Männern.
Identifizieren Sie geschlechtsspezifische Effekte im Seminar z.B. bezüglich Redeverhalten oder Arbeitsteilung und wirken Sie diesen entgegen.

Geschlechtergerechte Sprache

► Zur geschlechtergerechten Sprache


Lehrinhalte aus der Frauen- und Geschlechterforschung

Linktipp:

Auf der Plattform „Gender Curricula“ finden Sie Literatur und Vorschläge, wie Sie „Gender“ in Ihrer Lehre platzieren können.


Checkliste für eine geschlechtssensible Lehrtätigkeit

Eine Checkliste mit Aspekten wie man Lehre gendergerecht konzipieren kann.

  1. Ich prüfe meine Lehrmaterialien auf geschlechterstereotype oder geschlechterblinde Denkweisen und Darstellungsformen, z.B. in Sprache, Bildern, Redewendungen.
  2. Meine Lehrunterlagen sind so aufgebaut, dass darin Frauen und Männer in unterschiedlichen Rollen vorkommen (z.B. als Autorinnen/Autor, Fachpersonen, Betroffene).
  3. Ich vermeide in meiner Lehre stereotype Darstellungsweisen, Beispiele und Personalisierungen (z.B. der Manager/die Altenpflegerin, der Chef/die Sekretärin).
  4. Ich unterstütze die Studierenden darin, ihre Haltungen zu Weiblichkeit/Männlichkeit sowie hinsichtlich der Gleichstellungsthematik zu reflektieren.
  5. Ich ergänze meine Lehre mit Fragestellungen, welche die Geschlechter thematisieren und füge eine Genderperspektive ein, wenn dies erforderlich ist (z.B. beim Thema „Sicherheit im Internet“: Gibt es unterschiedliche Anforderungen an Sicherheit von Frauen und Männern?).
  6. In meinen Lehrmaterialien benutze ich eine geschlechtergerechte Sprache und vermeide Sätze wie „Zur Sprache: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die explizite Nennung beider Geschlechter verzichtet; falls nicht ausdrücklich anders erwähnt, sind immer beide Geschlechter gemeint.“
  7. Ich nehme Erkenntnisse der Geschlechterforschung in meine Lehrmaterialien auf.
  8. Im Literaturverzeichnis nenne ich sowohl Vor- als auch Nachnamen, damit die Arbeit von Frauen in der Forschung sichtbar wird.
  9. Ich gestalte meine Präsenzlehre so, dass daraus möglichst keine Nachteile für Studierende, die neben dem Studium familiäre Aufgaben erfüllen.
  10. In meinem Unterricht achte ich auf eine diskriminierungsfreie Kultur.Ich sorge dafür, dass sich Studentinnen und Studenten in gleichem Maße am Präsenzunterricht beteiligen (z.B. bei der Diskussion, bei Präsentationen von Gruppenarbeiten).
  11. Ich sorge dafür, dass sich Studentinnen und Studenten in gleichem Maße am Präsenzunterricht beteiligen (z.B. bei der Diskussion, bei Präsentationen von Gruppenarbeiten).
  12. Ich reflektiere meine eigenen Verhaltensweisen, Kommunikationsformen und Einstellungen als männliche/weibliche Lehrperson.
  13. Ich achte darauf, dass meine Verhaltenseinschätzungen, Leistungsbeurteilungen und Förderangebote vorurteilsfrei erfolgen, d.h. ohne Rückgriff auf geschlechterstereotype Annahmen.
  14. Ich fördere die Sensibilität der Studierenden in der Wahrnehmung von sozialer und kultureller Vielfalt (z.B. von Lebenssituationen, Werthaltungen, persönlichen Voraussetzungen).
  15. Meine Lehre wird von den Studierenden auch mit Blick auf die Vermittlung und den Erwerb von Genderkompetenzen evaluiert.
  16. Ich weiß, wo ich in meinem Arbeitsumfeld Beratung und Expertise in Geschlechter- und Gleichstellungsfragen einholen kann.


Frauen in der Wissenschaft

Forschungserkenntnisse von Wissenschaftlerinnen einbeziehen:

Vorbilder schaffen

In Studienfächern, in denen inhaltliche Integration von Genderaspekten schwieriger ist wie z.B. in der Mathematik, kann die Lehre gendersensibel gestaltet werden, indem Forschungserkenntnisse von Wissenschaftlerinnen einbezogen werden. So sollen Vorbilder für Studentinnen geschaffen werden, was langfristig zu einer Verringerung der (weiblichen) Studienabbrecherquote führen soll. Demnach soll im Literaturverzeichnis auch der Vorname genannt werden.
Im Zusammenhang mit der Darstellung der Disziplingeschichte sollte auf das Leben und Werk der Pionierinnen des Faches eingegangen werden.

► zur Themenseite "Frauen in Wissenschaft und Technik"

Neue Studie: Frauen beleben die Wissenschaft

Eine Studie der niederländischen Elsevier Stiftung hat untersucht, wie sich unterschiedliche Geschlechterverhältnisse auf die wissenschaftliche Arbeit in Deutschland auswirken.

Dies sind die zentralen Ergebnisse:

  1. Der Anteil an Forscherinnen in Deutschland nimmt zu. Von 43.728 Frauen in der Forschung in 2010 stieg die Zahl bis 2014 auf 54.742 Forscherinnen an. Jedoch variiert der Anteil je nach Fach sehr. Während in der tiermedizinischen Forschung 56,6 % der Forschenden weiblich sind, sind die Frauen in den Computerwissenschaften nur mit 15,3 % vertreten.
  2. Forscherinnen in Deutschland tendieren dazu weniger zu publizieren und ihre Publikationen haben einen niedrigeren Impact-Faktor. Der Zitationsindex (FWCI) von Forscherinnen fällt mit 1,68 zwischen 2010 und 2014 wesentlich geringer aus als der ihrer männlichen Kollegen, die einen Index von 1,75 erreichen. Im Untersuchungszeitraum veröffentlichten die Frauen im Schnitt 2,07 Artikel pro Jahr, während die Männer 2,34 Artikel im Durchschnitt veröffentlichten. Nur in den eigentliche männerdominierten Fächern Energie, Ingenieurwesen, Computer Wissenschaft, Materialwissenschaft, Geowissenschaften und Planetenforschung, Physik und Astronomie haben die Forscherinnen im Schnitt mehr veröffentlicht als die männlichen Kollegen.
  3. Die Disparitäten im Publizieren und Zitationsindex zwischen Forschern und Forscherinnen nehmen mit dem beruflichen Aufstieg ab. Verglichen wurden Forscherinnen und Forscher, die vor weniger als fünf Jahren ihre erste Publikation veröffentlichten mit jenen, deren erste Publikation mehr als 10 Jahre zurückliegt. Heraus kam, dass zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere die Männer 9,9 % mehr publizierten als die Frauen. Im Laufe der Aufstiegs sank dieser Unterschied allerdings, und bei jenen Forscherinnen und Forscher, deren erste Publikation schon mehr als 10 Jahre zurückliegt, haben die Männer nur 3,4 % mehr publiziert.
  4. Von den in Deutschland veröffentlichten Publikationen, die nur von Autorinnen verfasst wurden, sind die meisten internationale Gemeinschaftsprojekte. Der Anteil von internationalen Gemeinschaftsprojekten in der Gruppe der „Female-only Publications“ beträgt 53,9 %. Der entsprechende Anteil bei den „Male-only Publications“ beträgt 47,7 %. Von der Gesamtheit von mono-gender Publikationen sind 48,4 % internationale Gemeinschaftsprojekte. Damit liegen diese Werte über dem deutschen Durchschnitt von internationalen Gemeinschaftsprojekten von 45,5 %. Von mixed-gender Publikationen gehören nur 37,6 % zu der dieser Gruppe.
  5. In Fächern mit einem ungleichen Frauen/Männer Verhältnis zugunsten der Männer tendieren Forscherinnen eher dazu, ähnliche Themen wie ihre männlichen Kollegen zu wählen. Im Gegensatz dazu fokussieren sich Frauen in geschlechterausgewogenen Fächern eher auf andere und eigene Themen. In männerdominierten Fächern wie Physik und Astronomie zeigte eine Analyse der Titel, Abstracts und Schlüsselbegriffe, dass Forscherinnen eher ähnliche Themen wie die männlichen Kollegen wählten. In geschlechterausgeglichenen Fächern wie Biochemie, Genetik oder Molekularbiologie fokussierten sich Männer und Frauen auf verschiedene Themen. Dabei zeigten Frauen eine Tendenz sich auf Themen zu spezialisieren, die sich mit Familie und Kindern befassen, und Männer auf Themen, die sich auf Methodenentwicklung fokussieren.

► Die Studie „Mapping Gender“ ist als PDF Datei hier zu finden.




Gleichstellungsstelle | 17.03.2016
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